Wirtschaftseliten - Wer ist eigentlich das Topmanagement?


Hausarbeit, 2007
12 Seiten, Note: 1,2

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1. Die Begriffsdefinition von Wirtschafselite

2. Wer ist eigentlich das Topmanagement – die soziale Herkunft als Schlüssel zur Wirtschafselite
2.1 Allgemeine Voraussetzungen für eine Karriere in der Wirtschafselite
2.2 Die Ausnahme: Karrieren in öffentlich- rechtlichen Unternehmen
2.3 Verbandskarrieren

3. Die soziale Herkunft und der Habitus
3.1 Persönlichkeitsmerkmale der Wirtschaftselite – der Habitus der besseren Kreise
3.2 Warum Topmanager vom richtigen Habitus profitieren?
3.3 Warum Habitus und Persönlichkeitsmerkmale nicht erlernbar sind?

4. Zusammenfassung – Topmanager sind Bürgerkinder

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In den Medien ist vom Wirtschaftsstandort Deutschland die Rede. Fußballstadien tragen den Namen des Hauptsponsors und die Kommunen werben mit niedrigen Steuern, Infrastrukturleistungen und anderen Beihilfen um für Investitionen der Wirtschaft in Frage zu kommen. Mehr Lobbyisten als Journalisten haben Zugang zu den Berliner Abgeordnetenbüros und versuchen Politik mitzugestalten (vgl. Hartmann 2004: 165 ff.), während befürchtete Massenentlassungen und Betriebsstilllegungen wie zum Beispiel im Fall Airbus die Mitarbeiter großer Konzerne zum Streik veranlassen. (vgl. o.V. 2007: Die Zeit online)

Es ist nicht zu übersehen, dass der Wirtschaft eine wichtige Rolle in der Gesellschaft zukommt. Topmanager als Repräsentanten der Wirtschaft führen Unternehmen und nehmen so Einfluss auf die Gesellschaft. Sie sitzen an den Schalthebeln der Macht, diskutieren in Spitzengesprächen mit Politikern auch über nicht ökonomische Fragen und spielen Kommunen, Bundesländer und Nationalstaaten gegeneinander aus, um möglichst viele Standortvorteile für ihre Unternehmen zu gewinnen. Investiert wird nur dort, wo geringe Steuerbelastungen, großzügige gesetzliche Auflagen und eine gute Infrastruktur existieren. Nicht die Politik stellt hierbei die Bedingungen, sondern die Unternehmensführer. (vgl. Hartmann 2004: 165 ff.) „Es zeigt sich … ein deutliches strukturelles Übergewicht der Wirtschaftselite, das in erster Linie auf seiner ausschließlichen Entscheidungsgewalt über Investitionen, Rationalisierungsmaßnahmen und letztlich auch Betriebsstilllegungen beruht“ (Hartmann 2004: 165).

Repräsentanten der Wirtschaftselite sind Topmanager wie der Vorstandssprecher der deutschen Bank Joseph Ackermann, der im Jahr 2003 ein Einkommen von ungefähr 11 Millionen Euro bezog (vgl. Hartmann 2004: 175). Topmanager verdienen aber nicht nur ein überdurchschnittlich hohes Gehalt, sondern tragen auch eine große Verantwortung und nehmen in großem Maße Einfluss auf die Gesellschaft.

Es stellt sich die Frage, wer die Personen sind, die so weit reichende Entscheidungen treffen. Wie setzt sich die Wirtschaftselite in Deutschland zusammen und welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden um eine Topposition in der Wirtschaft zu erhalten? Funktioniert die Auswahl nach dem Leistungsprinzip und bekommen nur die Besten der Besten einen Platz in der Wirtschaftselite? Sitzen in den Führungsetagen Personen, die sich durch ganz besondere individuelle Leistungen aus der Masse hervorheben oder sind es andere Faktoren die entscheiden wer entscheidet?

Um diese Fragen beantworten zu können, wird insbesondere auf eine Studie von Michael Hartmann zurückgegriffen, in der die vier Promoviertenjahrgänge aus den Jahren 1955, 1965, 1975 und 1985 der Fächer Ingenieur-Jura und Wirtschaftswissenschaften verglichen werden, um zu erkennen welche der Promovierten es in die Wirtschafselite geschafft haben und welche Faktoren dabei für den Erfolg ausschlaggebend waren (vgl. Hartmann 2002: 63).

1.1. Die Begriffsdefinition von Wirtschafselite

„Zur Wirtschaftselite gehören … Personen mit bürokratischer Positionsmacht in Unternehmen, ökonomischen (z.B. Eigentum), kulturellem (z.B. Kenntnisse innerbetrieblicher Daten und Prozesse) und sozialem Kapital“ (Nollert 2004: 92)

Michael Hartmann operationalisiert den Begriff und unterscheidet die Wirtschaftselite in einem engeren und in einem weiteren Sinne. Zur Wirtschafselite im weiteren Sinne werden dabei alle Personen gerechnet, die im Hoppenstedt als Führungskräfte der ersten Ebene in Großunternehmen aufgeführt werden, als Wirtschaftselite im engeren Sinne, nur diejenigen unter ihnen, die solche Positionen in den Spitzenunternehmen bekleiden (vgl. Hartmann 2002: 63). Der Hoppenstedt ist eine Datenbank der deutschen Wirtschaft und der wichtigsten Unternehmen. (vgl. o.V 2007: Der Hoppenstedt im Internet). In der Studie von Hartmann wird die Wirtschaftselite sowohl im engeren als auch im weiteren Sinne betrachtet.

2. Wer ist eigentlich das Topmanagement – die soziale Herkunft als Schlüssel zur Wirtschafselite

In der Studie von Michael Hartmann wurden insgesamt 6.544 promovierte Personen aus den vier Jahrgängen 1955, 1965, 1975 und 1985 untersucht von denen 663 Personen eine Topposition in der Wirtschaft erreicht haben. Für 148 dieser Personen liegen keine Angaben über die soziale Herkunft vor, deshalb konzentriert sich Hartmann auf die 515 Personen bei denen Angaben zum Beruf des Vaters vorliegen. Von allen 6.544 Personen gibt es für 4.194 Angaben zu Herkunft. Von diesen 4.194 erreichte lediglich jeder achte eine Führungsposition in einem großen Unternehmen (vgl. Hartmann 2004: 63 ff.).Hartmann geht davon aus, dass die soziale Herkunft völlig unabhängig vom Erwerb des Doktortitels eine zweite, sehr wirksame soziale Hürde im Karriereverlauf bildet (vgl. Hartmann 2002: 65). Die Ergebnisse der Studie geben Hartmann Recht. Betrachtet man den Anteil von Personen, die eine hohe Führungsposition erreicht haben in Abhängigkeit von der sozialen Herkunft so ergibt sich für alle Promotionsjahrgänge zusammen betrachtet ein eindeutiges Bild. Der Anteil Promovierter aus der Arbeiterklasse und den Mittelschichten in der Wirtschaftselite ist mit 9,3 Prozent am geringsten. Höher ist mit 13,1 Prozent der Anteil von Promovierten aus dem gehobenen Bürgertum und am höchsten mit 18,9 Prozent der Anteil Promovierter aus dem Großbürgertum (vgl. Hartmann 2002: 63 ff.).

Das die soziale Herkunft entscheidend für eine Spitzenkarriere in der Wirtschaft ist, belegt Hartmann nicht nur statistisch, sondern auch anhand der Herkunft einiger prominenter Spitzenmanager. So stammen Spitzenmanager aus dem Promotionsjahrgang 1955 wie Joachim Fonk, Peter Frerk, Eckart van Hooven, Klaus Götte, Wolfgang Schieren, Hanns Arnt Vogels und Richard Freiherr von Weizsäcker allesamt aus dem gehobenen oder Großbürgertum. Die einzige Ausnahme ist Wolfgang Röller als Sohn eines Zollbeamten (vgl. Hartmann 2004: 65). Im Promotionsjahrgang von 1965 sind mit Bernhard von Falkenhausen, Friedrich Karl Flick, Reiner Gohlke und Ronaldo Schmitz unter den prominenten Topmanagern nur vier Bürgerkinder zu finden. Ein Trend den Wolfgang Bühler und Johannes Ludewig aus der Promotionskohorte von 1975 fortsetzen. Aus dem Promotionsjahrgang 1985 lassen sich keine bürgerlichen prominenten Manager mehr finden, was Hartmann durch ein gesunkenes Promotionsinteresse der Großbürgerkinder erklärt (vgl. Hartmann 67). Es ergibt sich insgesamt zwar ein Rückgang bekannter bürgerlicher Persönlichkeiten von 1955 bis 1985. Dieser darf nach Hartmann aber nicht zu dem Schluss verleiten, der Zugang zu den hohen Führungspositionen der deutschen Wirtschaft habe sich im Verlauf der Jahrzehnte sozial geöffnet. Vielmehr nimmt die Bedeutung der Herkunft sogar noch zu (vgl. Hartmann 2004: 67). So liegt der Anteil erfolgreicher Karrieren bei einer Herkunft aus dem gehobenen Bürgertum für den Jahrgang 1955 um 35 Prozent über dem entsprechenden Wert bei einer Herkunft aus der Arbeiterklasse beziehungsweise der breiten Mittelschicht. Dieser Wert sinkt beim Jahrgang 1965 zwar auf 18 Prozent, steigt danach aber wieder auf zuerst 75 Prozent und schließlich für den Jahrgang 1985 sogar auf 90 Prozent an. Wer aus dem Großbürgertum stammt für den sind die Aussichten Karriere zu machen noch weit besser (vgl. Hartmann 2004: 67), was sich bestätigt, betrachtet man die ursprünglich 11 Klassen umfassende Einteilung der sozialen Herkunft in Arbeiter, Bauern, Untere Angestellte und Beamte, Mittlere / gehobene Angestellte und Beamte, kleine Selbständige, Kaufleute, Freiberufliche Akademiker, Höhere Offiziere und Grundbesitzer, Höhere Beamte, Leitende Angestellte und Größere Unternehmer die in drei Klassen zusammengefasst wurde, so haben die besten Chancen mit insgesamt 18,9 Prozent die Nachkommen von Größeren Unternehmern. Den Gegenpol bilden mit 5,9 Prozent die Promovierten aus Arbeiterfamilien (vgl. Hartmann 2004: 68 f.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Wirtschaftseliten - Wer ist eigentlich das Topmanagement?
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Elitenbildung - Bildungseliten
Note
1,2
Autor
Jahr
2007
Seiten
12
Katalognummer
V93516
ISBN (eBook)
9783638067508
ISBN (Buch)
9783638954389
Dateigröße
390 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar Dozent:Sprachlich und inhaltlich eine sehr gelungene Arbeit.
Schlagworte
Wirtschaftseliten, Topmanagement, Elitenbildung, Bildungseliten
Arbeit zitieren
Arne Hellwig (Autor), 2007, Wirtschaftseliten - Wer ist eigentlich das Topmanagement?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93516

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