Topmanager als Repräsentanten der Wirtschaft führen Unternehmen und nehmen so Einfluss auf die Gesellschaft. Sie sitzen an den Schalthebeln der Macht, diskutieren in Spitzengesprächen mit Politikern auch über nicht ökonomische Fragen und spielen Kommunen, Bundesländer und Nationalstaaten gegeneinander aus, um möglichst viele Standortvorteile für ihre Unternehmen zu gewinnen
Es stellt sich die Frage, wer die Personen sind, die so weit reichende Entscheidungen treffen. Wie setzt sich die Wirtschaftselite in Deutschland zusammen und welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden um eine Topposition in der Wirtschaft zu erhalten? Funktioniert die Auswahl nach dem Leistungsprinzip und bekommen nur die Besten der Besten einen Platz in der Wirtschaftselite? Sitzen in den Führungsetagen Personen, die sich durch ganz besondere individuelle Leistungen aus der Masse hervorheben oder sind es andere Faktoren die entscheiden wer entscheidet?
Die Arbeit klärt diese Fragen, zeigt auf wie sich die Wirtschaftselite in Deutschland zusammensetzt und wer dazugehört.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Die Begriffsdefinition von Wirtschafselite
2. Wer ist eigentlich das Topmanagement – die soziale Herkunft als Schlüssel zur Wirtschafselite
2.1 Allgemeine Voraussetzungen für eine Karriere in der Wirtschafselite
2.2 Die Ausnahme: Karrieren in öffentlich- rechtlichen Unternehmen
2.3 Verbandskarrieren
3. Die soziale Herkunft und der Habitus
3.1 Persönlichkeitsmerkmale der Wirtschaftselite – der Habitus der besseren Kreise
3.2 Warum Topmanager vom richtigen Habitus profitieren?
3.3 Warum Habitus und Persönlichkeitsmerkmale nicht erlernbar sind?
4. Zusammenfassung – Topmanager sind Bürgerkinder
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rekrutierungsmechanismen der deutschen Wirtschaftselite und geht der zentralen Forschungsfrage nach, ob der Aufstieg in Spitzenpositionen tatsächlich nach dem Leistungsprinzip erfolgt oder ob die soziale Herkunft eine entscheidende Barriere darstellt.
- Analyse der sozialen Herkunft als Selektionsfaktor für Topmanager.
- Untersuchung der Bedeutung des „Habitus“ für die Karrierechancen in der Wirtschaft.
- Vergleich von Rekrutierungsmustern in der Privatwirtschaft, in öffentlich-rechtlichen Unternehmen und Wirtschaftsverbänden.
- Evaluierung der These, dass Bildungsexpansion soziale Grenzen in der Elite nicht auflöst.
Auszug aus dem Buch
3.1 Persönlichkeitsmerkmale der Wirtschaftselite – der Habitus der besseren Kreise
Es handelt sich um vier Persönlichkeitsmerkmale, von denen Mitglieder aus dem Bürgertum bei der Bewerbung um einen Job als Topmanager profitieren. Bewerber für eine Spitzenposition in der Wirtschaft sollten erstens mit der gültigen Etikette vertraut sein. Sie müssen wissen, wie man sich kleidet und verhält. Dadurch zeigt ein Bewerber, dass ihm die impliziten Regeln, die in den Kreisen der Wirtschafselite gelten, bekannt sind und dass er sie akzeptiert. Zweitens sollten sie eine breite und bildungsbürgerlich orientierte Allgemeinbildung besitzen. Diese zeugt von Weitblick und ist ohnehin ein Kriterium der deutschen Elite. Drittens sollten sie eine unternehmerische Einstellung mitbringen, wobei Optimismus als wichtigste Eigenschaft gilt und viertens sollten sie Souveränität und Selbstsicherheit ausstrahlen. Die persönliche Souveränität in Auftreten und Verhalten ist der wichtigste Faktor um als Bewerber um einen Platz in der Wirtschafselite Erfolg zu haben. Diese Souveränität muss ganz natürlich sein. (vgl. Hartmann 2004: 122 ff.) Für alle Persönlichkeitsmerkmale gilt, dass man sie besitzen muss, ohne dass der Prozess ihres Erwerbs erkennbar wird. Das ist der Punkt, auf den es ankommt (vgl. Hartmann 2004:125). Die Persönlichkeitsmerkmale sind Teil des Habitus der besseren Gesellschaft. Die Mitglieder der Wirtschafselite besitzen den gleichen Habitus. Sie haben ähnliche Kategorien der Wahrnehmung, des Denkens und des Urteilens (vgl. Hartmann 2004:121).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Macht der Wirtschaftselite in Deutschland und stellt die Forschungsfrage nach den Voraussetzungen für eine Topposition in der Wirtschaft.
1.1. Die Begriffsdefinition von Wirtschafselite: Dieses Unterkapitel definiert den Begriff der Wirtschaftselite und unterscheidet zwischen einer Betrachtung im engeren und weiteren Sinne.
2. Wer ist eigentlich das Topmanagement – die soziale Herkunft als Schlüssel zur Wirtschafselite: Hier wird anhand statistischer Daten aufgezeigt, dass die soziale Herkunft eine zentrale Hürde für den Aufstieg in Spitzenpositionen bildet.
2.1 Allgemeine Voraussetzungen für eine Karriere in der Wirtschafselite: Das Kapitel erläutert formale Anforderungen wie Universitätsabschlüsse, betont jedoch, dass diese bei Personen aus unteren sozialen Schichten oft nicht ausreichen.
2.2 Die Ausnahme: Karrieren in öffentlich- rechtlichen Unternehmen: Es wird dargestellt, dass hier der Parteienproporz wichtiger ist als die Herkunft, was den Zugang für soziale Aufsteiger erleichtert.
2.3 Verbandskarrieren: Dieses Kapitel zeigt auf, dass Wirtschaftsverbände ähnliche elitäre Selektionsmuster aufweisen wie die Privatwirtschaft.
3. Die soziale Herkunft und der Habitus: Die Bedeutung des Habitus als herkunftsbedingte Eigenschaft für die Passung im Topmanagement wird theoretisch eingeführt.
3.1 Persönlichkeitsmerkmale der Wirtschaftselite – der Habitus der besseren Kreise: Es werden vier Kernmerkmale definiert, die für den Erfolg eines Bewerbers in der Wirtschaftselite ausschlaggebend sind.
3.2 Warum Topmanager vom richtigen Habitus profitieren?: Die Bedeutung von Vertrauen und Ähnlichkeit bei der Auswahl von Vorstandskollegen wird als wesentlicher Faktor erläutert.
3.3 Warum Habitus und Persönlichkeitsmerkmale nicht erlernbar sind?: Es wird begründet, warum der Habitus der "besseren Kreise" nur durch die Sozialisation im Elternhaus internalisiert werden kann.
4. Zusammenfassung – Topmanager sind Bürgerkinder: Das Resümee stellt fest, dass die soziale Herkunft weiterhin die entscheidende Barriere für den Aufstieg in die Wirtschaftselite darstellt.
Schlüsselwörter
Wirtschaftselite, Topmanagement, soziale Herkunft, Habitus, Eliteforschung, Bildungsaufstieg, Karrierechancen, Bürgertum, Rekrutierung, Machtstrukturen, Sozialisation, Wirtschaftsverbände, soziale Ungerechtigkeit, Unternehmensführung, Leistungsprinzip.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie sich die deutsche Wirtschaftselite zusammensetzt und welche Faktoren den Zugang zu Spitzenpositionen im Management maßgeblich beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die soziale Herkunft, die Bedeutung von Bildungsabschlüssen und die zentrale Rolle des sogenannten Habitus bei der Besetzung von Führungspositionen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, ob Karrieren in der Wirtschaftselite einem Leistungsprinzip folgen oder ob die soziale Herkunft eine kontrollierende Barriere darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Beantwortung genutzt?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine Sekundäranalyse der Studien des Soziologen Michael Hartmann, der Promoviertenjahrgänge über mehrere Jahrzehnte vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die statistischen Zusammenhänge zwischen Herkunft und Karriereerfolg, die Rolle des Habitus und Besonderheiten in verschiedenen Sektoren wie Verbänden oder öffentlich-rechtlichen Unternehmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wirtschaftselite, soziale Herkunft, Habitus, Karrierechancen, Elite-Rekrutierung und soziale Ungerechtigkeit.
Warum spielt die soziale Herkunft bei der Auswahl von Topmanagern eine so große Rolle?
Da Spitzenmanager in einem Umfeld hoher Unsicherheit agieren, wählen sie bei Neubesetzungen bevorzugt Personen aus, die ihnen ähnlich sind und ein Gefühl von Vertrauen und Sicherheit vermitteln.
Kann man sich den "Habitus der besseren Kreise" durch Lernen aneignen?
Nein, der Autor argumentiert, dass dieser Habitus eine unbewusste Verinnerlichung voraussetzt, die nur durch das Aufwachsen in entsprechenden privilegierten Milieus möglich ist.
- Citation du texte
- Arne Hellwig (Auteur), 2007, Wirtschaftseliten - Wer ist eigentlich das Topmanagement?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93516