Ist Massentierhaltung ethisch vertretbar? Analysen zu aktuellen Rahmenbedingungen und Standards der Tierethik


Studienarbeit, 2019

25 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Gesetzliche Lage in Deutschland

3 Was sind Tiere und was ist der Mensch?

4 Ist unsere Massentierhaltung ethisch vertretbar?
4.1 Zahlen und Fakten zur Massentierhaltung
4.2 Deontologische Sichtweisen
4.2.1 Pflichtenethik nach Kant
4.2.2 Tierethik nach Tom Regan
4.3 Utilitaristische Erklärungsansätze
4.4 Präferenzutilitarismus nach Peter Singer

5 Alternative Lösungsansätze

6 Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

„Moral predigen ist leicht, Moral begründen ist schwer“ - Arthur Schopenhauer Schon seit Beginn der Menschheit, wie wir sie kennen, kommt der homo sapiens ständig und konstant in den Kontakt mit Tieren. Zunächst ergänzten sie vor allem die pflanzliche Auswahl der zur Verfügung stehenden Nahrungsmittel. Somit wurde es beispielsweise unter anderem möglich Gebiete und Regionen der Erde zu besiedeln an denen sich, auf Grund des Klimas, nur wenig nahrhafte Vegetation findet. Schließlich, mit Beginn der Siedlungs- und der daraus resultierenden Städteentwicklung vor etwa 10.000 Jahren, begriffen die Menschen ihre Chance und hielten sich Tiere als sichere Nahrungsgrundlage. Dies ersparte das Jagen und somit viel Zeit und Energie. Die Geburtsstunde der Nutztierhaltung war gekommen. Erst mit Beginn des steigenden Wohlstandes, in Folge der Industrialisierung, kam es aber dann dazu, dass Fleisch in Europa massentauglich wurde. Heute wird der Preis für tierische Produkte ständig versucht gering zu halten. Jeder Mensch soll in den Industrienationen dieser Erde die Möglichkeit haben, sich jeden Tag mehrmals von Fleisch und weiteren tierischen Lebensmitteln zu ernähren. Doch zu welchem Preis? Auf Grund der hohen Nachfrage nach, heutzutage verhältnismäßig sehr günstigem Fleisch, entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Massentierhaltung. In Folge, der immer schneller anwachsenden Bevölkerung, entwickelte sich die Landwirtschaft seither zunehmend zu einer stark marktorientierten Landwirtschaft. Seit Ende des zweiten Weltkrieges trugen zusätzlich industriell hergestellte Produkte, wie neue Maschinen dazu bei, die konventionelle Intensivnutztierhaltung weiter zu maximieren und auszubauen (vgl. Kopsidis, 2016).

Heute ist der größte Fleischproduzent der Welt China. Aber auch Deutschland spielt eine signifikante Rolle auf dem Weltmarkt, was die Fleischproduktion betrifft. Nur die USA und Brasilien trennen Deutschland noch, als den viertgrößten Fleischproduzenten der Erde, von China. Damit findet hierzulande die größte Fleischproduktion und intensive Nutztierhaltung Europas statt. Insgesamt produziert die Bundesrepublik etwa acht Millionen Tonnen (8.000.000 t) Fleisch jährlich. Den größten Anteil daran hat das Fleisch von Schweinen. Dies hat zur Folge, dass gerade diese Säugetiere in einer enormen Vielzahl in großen Massentierhaltungsbetrieben gehalten werden (Quelle: tenoftheday.de). Die industrielle Haltung und Tötung der Tiere, hat natürlich Vorteile für den Menschen. Beispielsweise sind tierische Produkte in den vergangenen Jahrzehnten finanziell äußerst erschwinglich geworden und werden nicht mehr nur den finanziell gut gestellten Bürgern vorbehalten. Durch die enorme Konkurrenz der großen Betriebe untereinander sowie durch Konkurrenz aus dem Ausland führen die günstigen Preise für die Nahrungsmittel allerdings zu äußerst fragwürdigen und gesundheitsschädlichen Bedingungen für die Tiere. Es wird seitens der landwirtschaftlichen Betriebe versucht einen möglichst hohen wirtschaftlichen Ertrag zu erzielen, bei möglichst geringen Kosten. Eine Umsatz- bzw. Gewinnmaximierung wird also angestrebt. Zudem sollen die Waren international marktfähig sein. Theoretisch sind dies ganz grundlegende Prinzipien der freien Marktwirtschaft und des Kapitalismus. Im Gegensatz zu anderen industriell gefertigten Produkten, wie z.B. Elektronik oder Maschinen, aber auch im Unterschied zu Dienstleistungen, handelt es sich hierbei jedoch um Lebewesen und um keine grundsätzlich vom Menschen geschaffenen Produkte. Einige davon, vor allem die besagten Schweine, sind dem Menschen biologisch sogar äußerst ähnlich.

Vor allem im Zuge der steigenden Thematisierung und Sensibilisierung des Themas in der Gesellschaft kommen mehr und mehr Fragen auf. Ist es mit unserem heutigen Wissen richtig Tiere derartig zu halten oder sie überhaupt zu essen? Wie können wir unser Handeln im Umgang mit Tieren heute moralisch rechtfertigen oder ist die gegenwärtige Situation überhaupt ethisch vertretbar? Wo liegen eventuelle Grenzen und Hürden in der Praxis? Und was ist denn überhaupt ein Tier? Was macht den Menschen eigentlich zu dem was er ist und was befähigt uns dazu Tiere so zu behandeln wie wir es gegenwärtig tun?

Die folgende Studienarbeit soll solchen Fragen auf den Grund gehen und die Thematik der Massentierhaltung ethisch aufgreifen. Das primäre Ziel ist es, die derzeitige Lage der intensiven Nutztierhaltung in Deutschland aufzuzeigen und, im Zusammenhang damit, zwei grundlegend verschiedene Moralbegründungen miteinander zu vergleichen. Nachdem daher zu Beginn die rechtliche Lage der Tiere in Deutschland von Bedeutung ist, wird im dritten Kapitel zunächst erarbeitet, worin die anthropologische Differenz zwischen Menschen und Tieren liegen kann und inwiefern es diese überhaupt gibt. Was privilegiert uns Menschen eigentlich dazu, so zu handeln, wie wir es aktuell tun. Im Anschluss daran werden einige Zahlen und Fakten zur Massentierhaltung aufgelistet, um die aktuellen Gegebenheiten zu veranschaulichen und die Problematik zu verdeutlichen. Der Hauptteil der wissenschaftlichen Ausarbeitung richtet sich auf die ethische Auseinandersetzung mit dem Thema. Verschiedene Moralbegründungen werden miteinander verglichen und auf das tierethische Dilemma bezogen. Es werden vor allem zwei grundlegend differente Ansätze der praktischen Ethik in Bezug auf das Thema der Massentierhaltung erklärt. Zum einen wird der Philosoph Immanuel Kant, als ein grundlegender Vertreter pflichtenethischer Theorien und der Deontologie, im Kapitel 4.2.1, Gegenstand der wissenschaftlichen Arbeit sein. Was können wir von Kant heute noch lernen oder mitnehmen für unseren Umgang mit Tieren. Um eine moderne, unumgängliche tierethische Position hinzuzufügen wird es im Anschluss daran um die Tierethik des US-amerikanischen Philosophen Tom Regan gehen. Um moderne Argumentationen miteinander abzugleichen, wird als zweites der Utilitarismus ein Schwerpunkt der Arbeit sein. Insbesondere wird der Präferenzutilitarismus von Peter Singer im Kapitel 4.4 eine Rolle spielen. Singers tierethischer Beitrag zur Wissenschaft bietet eine Alternative und eine grundlegend differente Betrachtungsweise der Situation als die Regans. Um einen kompakten Abschluss der ethischen Gegenüberstellung zu liefern, erklärt der Autor anschließend noch die Schwachstellen und Hürden in der Praxis bei der utilitaristischen Argumentation. Um die Studienarbeit dann schlussendlich abzurunden sollen im letzten Kapitel kurz mögliche Alternativen im Umgang mit der Massentierhaltung erwähnt werden und welche aktuellen Entwicklungen und Tendenzen in Bezug auf die Thematik absehbar sind. Wie können wir mit dem Thema umgehen und worin liegen potentielle Stolpersteine in der alltäglichen Praxis?

2 Gesetzliche Lage in Deutschland

Die rechtliche Situation der Tiere in Deutschland ist bis heute nicht ganz eindeutig. Es existieren zwar genau definierte Gesetzte, die Interpretation und das Verständnis dieser ist jedoch sehr individuell gestaltbar und nicht eindeutig. Es ist besonders wichtig die tierrechtliche Situation zunächst zu verstehen, da festgeschriebene Rechtsnormen im Grunde auf den gesellschaftlichen Werten und Moralvorstellungen der Menschen basieren. Diese Moraltheorien werden dann im späteren Verlauf der Studienarbeit, ab Kapitel 4.2, eine wichtige Rolle spielen.

Bereits zu Zeiten des Kaiserreichs, im Jahre 1871, findet man im damaligen Reichsstrafgesetzbuch einen Paragraphen, der das Quälen und Misshandeln von Tieren in der Öffentlichkeit untersagt. Dies diente allerdings in erster Linie dem Schutz der Menschen, denn diese sollten somit nicht mehr dem Leid als Zusehende ausgesetzt sein. In den folgenden Jahren geschah auf juristischer Seite kaum etwas in Bezug auf das Wohlergehen der Tiere. Es sollte über 60 Jahre dauern, bis 1933 dann erstmalig ein selbstständiges Gesetz nur zum Schutz der Tiere erlassen wurde (Reichstierschutzgesetz). Dieses sah im Wesentlichen vor, dass niemand einem Tier Schmerzen, Leid oder Schaden zufügen darf, wenn es dafür keinen vernünftigen Grund gibt. Was jedoch genau ein „vernünftiger Grund“ sei, ist nicht klar definiert und daher sehr individuell auslegungsfähig. Zudem wurde das Gesetz in erster Linie für propagandistische Zwecke der Nationalsozialisten entworfen. Sie führten es ein, um eine Begründung zu haben, den Anhängern des Judentums den Pelzhandel und ähnliches abzusprechen. Am 1. Oktober 1972 wurde das Reichstierschutzgesetz dann schließlich durch das modernere Tierschutzgesetz abgelöst (TierSchG), welches bis heute Bestand hat. Die Terminologie des Gesetzestextes ist jedoch in vielen Teilen an das Reichstierschutzgesetz angelehnt und bietet somit weiterhin Spielraum der Interpretation sowie der Einhaltung. Im ersten Paragraphen heißt es daher: „Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen“ (TierSchG, 2018, §1) Die Funktion des Gesetzes hat sich hingegen geändert, denn es dient fortan primär dem Tierschutz und nicht mehr der Vermarktung nationalsozialistischer Ideologien oder nicht ausschließlich dem Schutz der Mitansehenden. Seit 1972 gab es immer wieder kleinere Novellierungen des Gesetzes. Seit 2010 sind beispielsweise Tierversuche mit den meisten Primatenarten untersagt. Aber auch hierbei gibt es Ausnahmen und Rechtfertigungsgründe (Quelle: www.drze.de). Im Jahr 2002 wurde der Schutz der Tiere dann schließlich auch in das Grundgesetz aufgenommen. Der Grund dafür war das geforderte Verbot des Schächtens (jüdische und muslimische Tradition) von Tieren. So entschied man, dass ein gewisser Schutz der Tiere auch in die deutsche Verfassung integriert werden muss (vgl. Wolf, 2012, S.69 ff.). Im Gegensatz zum Menschen spricht man allerdings in keiner gesetzlichen Ausführung, außer der schweizerischen, von einer Würde der Tiere. Ein Tier hat daher gesetzlich betrachtet keine Würde im menschlichen Sinne. Es heißt in dem, seit 2002 existierenden, Artikel 20a GG lediglich „Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere [...] Die Aufnahme des Schutzes der Tiere in das Grundgesetz war gewiss eine gute Idee, doch auch hier besagt der Paragraph wenig Genaueres und lässt viele Ausnahmen, Interpretationen und Rechtfertigungsgründe zu. Man könnte den Artikel 20a GG zum Beispiel so interpretieren, dass der Gesetzgeber vorwiegend versucht Tiere zu schützen, um die Lebensgrundlage der Menschen zu erhalten, aber nicht des Tierwohles wegen. Tiere stellen zwar laut §90a BGB keine Sachen dar, aber auch keine juristische Person. Daher sind auf Tiere auch die allermeisten Gesetze, welche im Sinne des menschlichen Wohles verfasst wurden, nicht anwendbar.

Gegen die Gesetzgebung lässt sich bezüglich der Massentierhaltung durchaus scharfe Kritik ausüben. Insgesamt lässt sich allerdings sagen, dass der Schutz der Tiere, global betrachtet, bisher überhaupt in nur zwei Verfassungen aufgenommen wurde. Nur in Deutschland sowie in der Schweiz findet sich juristischer Konsens über den Umgang mit Tieren in der jeweiligen Verfassung beider Länder. Im Gegensatz zu Deutschland spricht die schweizerische Bundesverfassung in Artikel 120 jedoch, als die einzige überhaupt, von einer „Würde der Kreatur“. Für viele Autoren, die sich mit dem Thema beschäftigt haben, bleibt das deutsche Grundgesetz daher, trotz der Ergänzung des Artikels 20a, deutlich zu anthropozentrisch. Das Kernziel besteht demnach in der menschlichen Würde, welche im ersten Artikel festgehalten ist und darauf basiert im Grunde die gesamte Verfassung. Eine Würde wird anderen Lebewesen gesetzlich jedoch nicht zugestanden (ebd.).

Der eben geschilderte rechtliche Status quo basiert auf der Annahme, dass wir Menschen eine ganz besondere Rolle oder Stellung gegenüber den anderen Lebewesen einnehmen. Doch woher kommt eigentlich diese Annahme und was macht uns zu dem was wir sind? Was macht die menschliche Würde aus? Und worin liegt der anthropologische Unterschied zu Tieren?

3 Was sind Tiere und was ist der Mensch?

Um das ethische Spannungsverhältnis zwischen Menschen und Tieren zu verstehen, ist es von Bedeutung vorerst grob zu begreifen, in welcher Rolle sich der Mensch zum Tier sieht und welche historisch gewachsenen Ansätze und wissenschaftlichen Erkenntnisse es dazu gibt. Hierbei gilt es im philosophischen sowie wissenschaftlichen Kontext insbesondere die Anthropologie zu betrachten. Also was kennzeichnet einen Menschen und worin liegen die anthropologischen Differenzen zu anderen Lebewesen und vor allem zu den verschiedenen Tieren der intensiven Nutztierhaltung.

Der Begriff der Anthropologie stammt aus der griechischen Sprache und bedeutet sinngemäß in etwa: die Lehre vom Menschen. Sie beschäftigt sich folglich im weitesten Sinne mit allem Nachdenken über unsere eigene Spezies. Dabei ist die Wissenschaft keineswegs auf einen Ansatz oder eine wissenschaftliche Disziplin begrenzt, vielmehr gibt es verschiedenste anthropologische Untersuchungen und Denkansätze. Ein elementarer Bestandteil, der Lehre vom Menschen, ist die philosophische Anthropologie. Mindestens ebenso wichtig sind wohl die biologische Anthropologie sowie die Geschichte. Eine zentrale Rolle spielen hierbei Fragen wie: Was ist der Mensch? Wer sind wir? Was ist ein Mensch? Oder auch: Wer ist ein Mensch? Es handelt sich um ganz zentrale Fragen, also wenn es um die Ergründung dessen geht, was uns zu dem macht was wir sind. Man unterscheidet generell die lebensweltliche Anthropologie von der nichtwissenschaftlichen sowie der wissenschaftlichen Anthropologie und nochmal speziell eine humanwissenschaftliche Anthropologie. So hält Thies fest: „Anthropologische Grundannahmen finden sich in allen Mythen, Religionen und Weltanschauungen, nicht zuletzt auch in der Kunst - und das seit vorgeschichtlichen Zeiten“ (Thies, 2004, S.13). Lange Zeit war es für die Menschen eindeutig, dass sie etwas Besonderes sind und die Erde war im Zentrum des damaligen Weltbildes. Als reine Wissenschaft, welche sich ausschließlich mit der Ergründung des Menschen befasst, ist die Anthropologie daher ein verhältnismäßig neues Fachgebiet. Als ihr Beginn wird oft, in etwa, das Ende des 18. Jahrhunderts datiert. Dies liegt daran, dass zu dieser Zeit die systematische Erforschung des Menschen im Allgemeinen begann. Unter anderem durch Ärzte, Forschungsreisende, Pädagogen aber auch durch Philosophen. In Deutschland beschäftigt sich z.B. seither die Ethnologie, die Vor- und Frühgeschichte der Menschheit sowie die Soziologie mit anthropologischen Fragestellungen (vgl. Thies, 2004, S.10 ff.).

Im folgenden Abschnitt nimmt der Autor drei Personen in den Blick, die unser heutiges Menschenbild und unser Verständnis von dem was wir sind wesentlich mitgeprägt haben.

Der berühmte Philosoph Immanuel Kant setzte sich bereits intensiv mit der Frage nach dem Menschen auseinander. So lautet eine seiner vier berühmten Grundfragen der Philosophie: 6 Was ist der Mensch? Eine Frage nach der Anthropologie also. 1798 verfasste Kant sein Buch „Anthropologie in pragmatischer Hinsicht“. In seinem Werk differenziert er seine philosophische Anthropologie klar von einer physiologischen Anthropologie. Die Natur, so schrieb Kant, sei eine prinzipiell vom Menschen unveränderbare Instanz. Ihr gegenüber seien Philosophen lediglich Zuschauer. Dabei sei der Mensch, nach seiner pragmatischen Anthropologie, inmitten seiner eigenen Existenz und erliege dabei oftmals der Stärke seiner Gewohnheiten. Einerder wohl wichtigsten Beiträge Kants zum Thema, ist wohl jener, dass der Mensch nach Kant ein Vernunftwesen sei. Dabei ist unsere Vernunft keineswegs statisch zu betrachten, sondern vielmehr etwas Dynamisches, also veränderbar und erlernbar. Der Mensch schafft sich seinen eigenen Charakter dadurch, dass er in der Lage ist, sich nach seinen eigens gesetzten Zwecken zu perfektionieren. So könne sich der Mensch, laut Kants Worten, von einem zur Vernunftfähigkeit begabten Tier (animal rationabile) zu einem vernünftigen Tier (animal rationale) entwickeln (vgl. Rathmayr, 2013, S.83). Zu dieser benannten Vernunftfähigkeit muss sich der Mensch aber selbst emanzipieren. So schrieb er in seinem Essay zur Aufklärung: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist die Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen“ (Kant, 1784 zit. nach Rathmayr, 2013, S.84). Eine elementare Grundvorrausetzung, damit dieser emanzipatorische Vorgang gelingen kann, ist für Kant immer die Erziehung. In seinem häufig zitierten Statement aus einer seiner Pädagogik Vorlesungen heißt es: „Der Mensch kann nur Mensch werden. Er ist nichts, als was Erziehung aus ihm macht“ (Kant, 1776 zit. nach Rathmayr, 2013, S. 84). Die Notwendigkeit von richtiger Erziehung sei nach Kant, dass die Natur einen Schritt weiter an ihre Vollkommenheit heran reicht. Nahezu all seine Überlegungen zur Anthropologie und Pädagogik fußen auf seinem eigenen moralischen Imperativ, welchen er 1788 verfasst hat (vgl. Rathmayr, 2013, S.85 f.). Dieser kategorische Imperativ und Kants Moralbegründung allgemein wird im Kapitel 4.2.1 noch genauer und ausführlich in Bezug auf unser heutiges Denken und Handeln im Umgang mit Tieren und Massentierhaltung beschrieben.

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Ist Massentierhaltung ethisch vertretbar? Analysen zu aktuellen Rahmenbedingungen und Standards der Tierethik
Hochschule
Duale Hochschule Gera-Eisenach (ehem. Berufsakademie Thüringen in Eisenach)
Note
1,0
Jahr
2019
Seiten
25
Katalognummer
V935326
ISBN (eBook)
9783346260833
ISBN (Buch)
9783346260840
Sprache
Deutsch
Schlagworte
massentierhaltung, analysen, rahmenbedingungen, standards, tierethik
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Ist Massentierhaltung ethisch vertretbar? Analysen zu aktuellen Rahmenbedingungen und Standards der Tierethik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/935326

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