Die Accademia della Crusca und ihre Vorbildfunktion für die Académie française


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

24 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Kultur und Kulturtransfer

2. Die kulturelle Situation Italiens im 16. Jahrhundert

3. Die Accademia della Crusca
3.1 Die Gründung der Accademia della Crusca
3.2 Das Wörterbuch der Accademia della Crusca

4. Die Académie française
4.1 Die Gründung der Académie française
4.2 Das Wörterbuch der Académie française

5. Zu den italienischen Einflüssen auf die Académie française
5.1 Kulturgeschichtliche Aspekte Frankreichs im 16. und 17. Jahrhundert
5.2 Italienisch geprägte Lexikographiea
5.3 Das Urteil von Gustave Charlier
5.4 Das Selbstverständnis der Académie française

6. Zusammenfassung

7. Literaturangaben

1. Einleitung: Kultur und Kulturtransfer

Die vorliegende Arbeit untersucht die Anfänge und das frühe Schaffen der Accademia della Crusca und möchte aufzeigen, inwieweit diese italienische Institution der Sprachpflege (und gleichzeitig die erste europäische ihrer Art) als Vorbild auf Frankreich und dessen Académie française gewirkt haben könnte.

Selbstverständlich vollzieht sich eine solche Einflussnahme nicht im „ge- schichtlichen Vakuum“, sondern erfolgt im Zuge der Annäherung einer Kultur an eine andere. Der Kulturbegriff wird dabei aufgefasst als die „Gesamtheit der symbo- lischen Kommunikationsformen und -medien einer Gesellschaft […], in denen sie sich verständigt, selbst darstellt, repräsentiert, Vorstellungsmuster, ästhetische Ge- schmacksmuster, Lebensstile und Rollenbilder entwickelt.“ (RÖSEBERG 2001: 10f.). Kultur umfasst also nicht nur die „Erzeugnisse“ eines Volkes, sondern implizit auch dessen repräsentierte Mentalität und Identität. Kulturtransfer wiederum muss ver- standen werden als die produktive Übertragung einiger Charakteristika (z.B. Wissen, Begriffe, Symbole) eines solchen kulturellen Systems in ein anderes, wobei die über- tragenen Elemente dabei auch Veränderungen, Adaptionen erfahren können. Zudem stellt ein solcher Transfer kultureller Elemente einen Öffnungsprozess für das Frem- de, häufig aber auch einen Stabilisierungsprozess für das Eigene, also die eigene Identität dar (vgl. ebd.: 108, 110).

Übertragen auf die historische Situation der eingangs formulierten Problem- stellung ergeben sich also die folgenden Fragen: Welche Charakteristika der italieni- schen Kultur des 16. und 17. Jahrhunderts verkörpert die Accademia della Crusca? Auf welchem Weg werden diese Kulturspezifika übertragen und wodurch wird der Transfer begünstigt? Auf welches kulturelle System treffen die übertragenen Elemen- te, wie werden sie für die Zielkultur adaptiert und inwiefern beeinflussen sie deren Selbstverständnis? Diesen Fragen soll im Folgenden nachgegangen werden.

2. Die kulturelle Situation Italiens im 16. Jahrhundert

Die italienische questione della lingua gehört quasi zum „romanistischen Allge- meinwissen“. Gleichsam als Grundstein für die Emanzipation der Volkssprache vom Lateinischen warf Dante Alighieri 1304 mit seinem Werk De vulgari eloquentia im damals politisch wie dialektal völlig zersplitterten Gebiet Italiens die Frage auf, wel- che Sprachform zum Standard auf der italienischen Halbinsel werden könnte und sollte; damit initiierte er eine Debatte, die auch in den folgenden Jahrhunderten im- mer wieder geführt wurde. Sie wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts erneut ange- facht durch die Stellungnahmen bedeutender Literaten: Baldassare Castiglione wünschte sich eine lingua cortigiana, Giangiorgio Trissino hingegen eine koiné ver- schiedener italienischer Dialekte nach griechischem Vorbild.1 Diesen Positionen ge- genüber forderte Pietro Bembo in seinem Werk Prose della volgar lingua (1525) den Vorrang der Sprachform, welche die Tre corone verwendet hatten, die ihm zufolge bedeutendsten Literaten des Trecento, Petrarca, Boccaccio und (in geringerem Maße) Dante. Er verweist damit auf die Bedeutsamkeit, die jene frühen Literaturmonumen- te, welche auch im 16. Jahrhundert noch problemlos verständlich waren, für eine einheitliche italienische Sprache haben sollten (zur questione siehe z.B. BUCK 1977, BURR 2000/2001 oder VITALE 1964).

Im Laufe des 16. Jahrhunderts vollzieht sich überdies ein kultureller Wandel, der für die questione della lingua ebenso bedeutsam ist wie für Entstehung und Schaffen der Accademia della Crusca: das Aufkommen des Vulgärhumanismus. Die seit dem vorigen Jahrhundert auf italienischem Boden zahlreich vertretenen Wissen- schaftszirkel, als erste seit der Antike „Akademien“ genannt,2 waren bis dahin aus- schließlich „klassisch“ orientiert gewesen und hatten sich, in humanistischer Manier, vorrangig mit den Naturwissenschaften oder den Künsten beschäftigt, wobei das La- teinische als unangefochtene Wissenschaftssprache diente. Doch ein Wandel des geistigen Klimas in Europa insgesamt erfolgte: der Universalismus und die geistige Freiheit der Hochrenaissance litten unter den Glaubenskriegen von Reformation und Gegenreformation und wurden verdrängt durch kulturelle Rigidität und geistigen Dogmatismus (vgl. YATES 1947: 9) Diese Entwicklung zeigt sich auch im italieni- schen Akademiewesen, dessen Institutionen Programme und Satzungen erhielten und stärker formalisiert wurden (vgl. ebd.). Das Themenspektrum verengte sich, „philo- logische und literarische Themen, die vielberedete ‚questione della lingua’, Fragen des Sprachpurismus standen im Vordergrund“ (STACKELBERG 1977: 46). Man könnte daher die damit aufkommende Generation von Sprachakademien, in Abgrenzung zu den „klassischen“ Akademien der Hochrenaissance auch als „vulgär“ bezeichnen, in- sofern, als sie sich der zeitgenössischen Sprache, dem volgare widmeten (vgl. YATES 1947: 1, 9). Beispiel hierfür sei die 1540 von Herzog Cosimo I de’ Medici3 ins Le- ben gerufene Accademia degli Umidi (seit 1541 Accademia fiorentina), deren Haupt- aufgaben die Exegese und lyrische Preisung der Werke von Petrarca und Dante sowie die intensive Beschäftigung mit der toskanischen Gegenwartssprache sein sollten. „Dem Herzog war daran gelegen, einerseits die geistige Aktivität seiner Untertanen zu überwachen und zu lenken, andererseits die Verbreitung der einheimischen Spra- che zu fördern, um im Einklang mit den Bestrebungen des Vulgärhumanismus die auf der Kenntnis der klassischen Schulen beruhende Bildung durch eine volkssprach- liche abzulösen.“ (BUCK 1977: 18). Letztendliches Ziel war es, die Volkssprache zu normieren, um sie in den Rang einer dem Lateinischen ebenbürtigen Wissenschafts- sprache zu erheben. Als „Archetyp aller der europäischen Akademien, die in der Fol- gezeit sich die Veredlung und Reinigung der Muttersprache zum Ziel setzen sollten“ (BUCK 1977: 20) wurde 1582 die Accademia della Crusca gegründet.

3. Die Accademia della Crusca

3.1 Die Gründung der Accademia della Crusca

Die bereits erwähnte Accademia fiorentina sollte zum Anstoß für die Gründung der Accademia della Crusca werden, insofern als die Gründungsmitglieder der letzteren,4 vom Formalismus und der Penibilität der Fiorentina enttäuscht, sich in den 1570er Jahren gelegentlich zu ungezwungenen Treffen in der Buchhandlung der Giunti ein- fanden, um in lockerer Atmosphäre Sprach- und Literaturfragen zu diskutieren; aus- gehend von jenen informellen Treffen schlossen sie sich 1582 zur brigata dei crus- coni (‘Kleieflocken-Schar’) zusammen. Mit dieser scherzhaften Namensgebung woll- ten sich die Mitglieder vom steifen Purismus der Accademia fiorentina abgrenzen, denn für sie war das von ihnen praktizierte Lesen zum Vergnügen (leggere in crusca) die eigentliche Arbeitsgrundlage (vgl. BURR 2000).

Im Jahr 1583, nach dem Beitritt von Lionardo Salviati und auf sein Betreiben hin, erhielt der intellektuelle Zirkel offiziell den Namen Accademia della Crusca, wurde durch Francesco I de’ Medici anerkannt und gab sich am 26. Januar 1583 ihre Statuten. Salviati war es auch, der darin das Ziel der Accademia stiftete: separare il fior di farina della crusca, „quasi per dire che l’Accademia doveva procedere ad una scelta fra il buono e il cattivo“ (GRAZZINI 1991: 7). Dieses Motto sollte also verdeut- lichen, wie die Accademia das gute ‚Mehl’ der Literatur (in der Tradition Bembos vor allem die Werke der Tre corone) von der minderwertigen ‚Kleie’ trennen sollte. Zudem sollte der florentinische Sprachgebrauch als Modell dienen und bewahrt wer- den; ein allgemeines und ein etymologisches Wörterbuch sollte herausgegeben wer- den, um dem volgare zu einem höheren Status zu verhelfen; und letztlich wurden die Aufgaben offiziell als ‚Lesen, Schreiben, Feiern’ formuliert (vgl. GRAZZINI 1991: 7, PARODI 1983: 11).5 Erkennbar ist also schon in den frühesten Statuten der Akademie eine rein linguistische Zielsetzung, anders als zuvor bei der Accademia fiorentina (vgl. QUEMADA 1983: 73).

Schon kurze Zeit später streifte die Accademia weitere Reste von Informalität ab: 1585 erfolgte eine offizielle Gründungszeremonie und es wurden verschiedene Ämter geschaffen.6 Zudem erhielt jedes Mitglied einen symbolischen Namen, einen Sinnspruch und ein Wappenbild, die allesamt aus dem Bereich der Bäckerei stammten und auf Bäckerschaufeln (pale) im großen Sitzungssaal in der Villa Medicea die Castello verewigt wurden. Auch die Einrichtungsgegenstände des Saales wurden diesem „sprachlichen Mummenschanz“ unterworfen, indem man die Dokumentenschränke in Mehlsäcke (sacchi) und die Sitze in Bäckerkörbe (gerle) umbenannte; ein Zeremoniell, das bis heute erhalten geblieben ist.

1588 umfasste die Accademia bereits 43 Personen - ein Zeichen, dass die Mitgliederzahl damals noch nicht wie heute auf 15 ordentliche Mitglieder beschränkt war (vgl. GRAZZINI 1991: 7) - wiewohl die Zahl der bei den Sitzungen anwesenden Mitglieder meist nur 10 bis 11 betrug (vgl. PARODI 1983: passim). Ein Jahr später verstarb Salviati, doch tat dies dem Fortbestand der Akademie keinen Abbruch. Nun erst wurde das offizielle Akademiewappen gewählt: in Anlehnung an einen Vers Petrarcas („il più bel fior ne coglie“) wählte Deti den frullone (‚Mehlsieb’ oder ,Mehlmühle’), da man wie mit diesem Hilfsmittel das Schlechte aus der Sprache „heraussieben“ wollte. Zwei Jahre darauf, 1591, wurde mit der Wörterbucharbeit begonnen, wobei von nicht florentinischen Autoren nur schöne und bedeutsame Wör- ter berücksichtigt wurden, sowie jene, die in den florentinischen Sprachgebrauch eingegangen waren („belle, significative, e dell’uso nostro“, vgl. BUCK 1977: 21).7

3.2 Das Wörterbuch der Accademia della Crusca

Bereits 1590 war eine leitende Kommission von vier Mitgliedern (Macinghi, Mari- nozzi, Sanleolini und Segni) für die Erarbeitung eines allgemeinen italienischen Wör- terbuches ins Leben gerufen worden, ein Jahr später begann dann die eigentliche Ar- beit daran. Erklärtes Ziel war ein orthographisches Referenzwerk basierend auf ei- nem fiorentino puro, also einem von Klassizismen, Dialektismen und affetazioni stilistiche befreites Toskanisch. Als Titel für das Wörterbuch siegte Vocabolario degli Accademici della Crusca über Alternativvorschläge wie Vocabolario della lin- gua toscana oder Vocabolario della lingua toscana cavata degli scrittori e uso della città di Firenze, was bereits einen gewissen Anspruch zeigt, insofern als man also ein Wörterbuch nicht nur für das Toskanische erarbeiten wollte, obgleich der volgare fiorentino des 14. Jahrhunderts durchaus der wesentliche Maßstab sein sollte (vgl. FRANÇOIS 1920: 155f.).

1612, kaum 30 Jahre seit Gründung der Accademia und lediglich 21 Jahre seit Beginn der Wörterbucharbeit, erschien die 960 Seiten umfassende Erstausgabe des Vocabolario; man kann also von einer sehr erfolgreichen Arbeit sprechen, zumal es sich um den ersten Index einer modernen Fremdsprache handelte, der nicht durch Technolektvokabular „aufgebläht“ war (vgl. FREY 2000: 10, GRAZZINI 1991: 10). Be- reits ein Blick in die Präliminarien des Wörterbuches8 und die dort angeführten im Wörterbuch zitierten Autoren ist aufschlussreich: Während unter Autori o libri anti- chi volle 178 Titel genannt werden, stehen diesen gerade einmal 52 Werke der 27 Autori moderni citati in difetto degli antichi, o per qualch’ altra occorrenza gegen- über. Durch diese Überzahl der frühen Autoren und Werke wird das geschriebene Toskanisch des Trecento quasi zur Norm erhoben, der Sprachgebrauch des Wörter- buches also bewusst archaisiert (vgl. FRANÇOIS 1920: 158). Daneben verzeichnet die Inhaltsübersicht noch zwei weitere aufschlussreiche Punkte, einen Indice delle voci e locuzioni latine, Indice delle voci e locuzioni greche und einen Indice de’ proverbi latini e greci. Dies macht bereits deutlich, dass das Wörterbuch die Verbindung zum Lateinischen und Griechischen aufrecht zu erhalten sucht, also trotz des Wunsches, das Italienische in den Rang einer Wissenschaftssprache zu erheben, keineswegs einen Bruch mit den klassischen Sprachen vollziehen will.

Auch der eigentliche Hauptteil des Wörterbuches, der lexikalische Index, belegt diese Vermutungen. Die Tre corone erhalten, in Bestärkung der Forderung Bembos, noch einmal einen erhöhten Status gegenüber den anderen zitierten Autoren;9 so sind Einträge wie der folgende, der gerade und ausschließlich diese drei Autoren als Belege anführt, im Wörterbuch keine Seltenheit:

ITALICO:

d’Italia. Bocc. n. 99.30. Perché molti Italici tornarono con questa novel- la. Introd. n. 4. Nell’ egregia Città di Firenze, oltre ad ogni altra Italica bellissima. Petr. Canz. 29.6. Che l’antico valore Negl’ Italici cuor non è ancor morto. Dan. Purg. 9. In quella parte della Terra prava Italica.

Die Bezugnahme auf die klassischen Sprachen als (etymologischer) Wortbeleg lässt sich ebenfalls gut aufzeigen:

ACCADEMIA:

Lat. academia, gr. ακαδήµεια. Setta di Filosofi così chiamata.

- Amm[aestramenti] Ant[ichi] A me è sempre piaciuto l'uso de' Filosofi peripatetici, e di quelli d' Accademia. ¶ Oggi adunanza d' huomini studiosi, detti ACCADEMICI.10

Von dieser Warte kann man FRANÇOIS (1920: 158) Recht geben, der die Sprache des Wörterbuches als Schriftsprache charakterisiert; jedoch wird die gesprochene Spra- che nicht, wie er behauptet, völlig ignoriert (vgl. ebd.), vielmehr soll sie nach dem von Salviati geforderten und von seinen Kollegen übernommenen Prinzip la scrittura seguiti la pronunzia als Vorbild für die normierte Verschriftung der Wörter dienen (vgl. BURR 2000).

Die Erstausgabe des Wörterbuches wurde überwiegend wohlwollend aufge- nommen, doch kam in der Folgezeit auch Kritik auf; vor allem die in der Vergangen- heit verankerte Normsetzung und die Verabsolutierung des Toskanischen wurden als problematisch und der Revision bedürftig angesehen. Als die Kritiker 1623 bei der zweiten Auflage des Wörterbuches ihre Forderungen weitgehend unberücksichtigt sahen,11 kam es zu heftigen Disputen, Empörungen vor allem von nicht toskanischen

Autoren und auch zum Austritt von Mitgliedern wie Alessandro Tassoni aus Mode- na. Die dritte Wörterbuchauflage erschien 1691 und brachte kaum Neuerungen, ab- gesehen von der Erweiterung des Vokabulars um einige Begriffe der Technolekte und um die Auflistung von Diminutiva (vgl. BURR 2000; NENCIONI 1983: 324).

Trotz der Kritik am Wörterbuch der Accademia della Crusca muss man des- sen Zielsetzungen als weitgehend erfüllt ansehen: mit der Normierung eines von an- deren Dialektismen freien fiorentino puro manifestierte es eine wesentliche Position in der questione della lingua; es stellte eine umfassende orthographische Referenz des Italienischen dar, die über die folgenden Jahrzehnte, ja gar Jahrhunderte maßge- bend war; schließlich verhalf es dem Italienischen auch zu einem Rang, der dem sei- ner Literaturtradition entsprach und es dem Lateinischen gegenüber konkurrenzfähig und in Europa populär machte (vgl. FRANÇOIS 1920: 154). Kurzum und trotz aller seiner Unvollkommenheiten: „Zu Beginn des 17. Jahrhunderts jedenfalls stellte das Wörterbuch der „Crusca“, gemessen am Stand der damaligen Lexikographie, eine hervorragende wissenschaftliche Leistung dar, die für ähnliche Unternehmungen in anderen Ländern beispielgebend wirkte.“ (BUCK 1977: 22).

4. Die Académie française

4.1 Die Gründung der Académie française

Ähnlich wie in Italien hat auch in Frankreich das Akademiewesen eine Tradition, die bis ins 16. Jahrhundert zurück reicht. Einige, wie Henri Sauval oder Charles Sorel, sehen deren Anfänge bereits in der Pléiade,12 andere sehen Du Baïfs Académie de Poésie et de Musique und die aus ihr entstandene Académie du Palais von Henri III als erste „wirkliche“ Akademien in Frankreich an (vgl. Frey 2000: 11/12, YATES 1947: 19, 30). Bei STACKELBERG (1977: 46) wird darauf verwiesen, dass diese frühen französischen Akademien einer „Wiederbelebung“ der ursprünglichen, universellen Konzeption der italienischen Akademien entsprechen, die in Italien vollzogene Ent- wicklung der thematischen Verengung jedoch auch in Frankreich beobachtbar ist und sich schließlich in der Gründung einer rein sprachwissenschaftlich orientierten In- stitution manifestiert: der Académie française.

[...]


1 Die Forderung Niccolò Machiavellis nach dem Primat der zeitgenössischen toskanischen Mundart blieb, bedingt durch die Indizierung seiner Werke, in der damaligen Debatte weitgehend ungehört.

2 BUCK 1977: 12 zufolge geht diese Selbstbezeichnung „Achademia“ zwar auf die Philosophenschule Platons zurück, gelangte jedoch nur indirekt über die Schriften Ciceros ins Blickfeld der italienischen Gelehrten, da die entsprechenden griechischen Quellen wohl noch nicht rezipiert worden waren.

3 Im Interesse der Konsequenz sind Herrschernamen in der jeweils landesspezifischen Form gegeben.

4 Als die Begründer der Accademia della Crusca gelten die folgenden fünf Intellektuellen: Bernardo Canigiani, Giovan Battista Deti, Anton Francesco Grazzini, Bastiano de’Rossi und Bernardo Zanchini.

5 Im Originaltext: leggere, comporre, fare spettacoli, wobei Letzteres später in festeggiare geändert und noch später ganz gestrichen wurde (vgl. PARODI 1983). Zur Umsetzung der anderen beiden Aufgaben begann man, inspiriert von Salviati, eine Kritik des Gerusalemme Liberata von Tasso, die jedoch nie abgeschlossen wurde (vgl. FRANÇOIS 1920: 152).

6 Arciconsolo (Deti), consiglieri (Machiavelli und De’Bardi), censori (Antinori und Rondinelli), segretario (De’Rossi), castaldo, massaio.

7 Die obigen Ausführungen finden sich, in verschiedenen Varianten, u. a. auch in folgenden Werken: BIFFI 2002, BUCK 1977, BURR 2000, GRAZZINI 1991, HASSLER 2004, PARODI 1983, ZANNONI 1980.

8 Eine elektronische Version der Erstausgabe bietet die Internetseite der Akademie, vgl. BIFFI 2002.

9 Auffällig dabei ist, dass gerade Boccaccio mit vollen elf Werken am stärksten vertreten ist. Wollte man vielleicht so die Vernachlässigung seiner Werke in der Accademia fiorentina ausgleichen?

10 Die Unterstreichungen stammen von mir selbst, V.L.

11 Zwar waren auch einige zeitgenössische Autoren wie Michelangelo, Tolomei, Guarino oder Martelli aufgenommen worden, doch wurde unverändert das Primat des Trecento-Toskanischen vertreten.

12 Ein Zirkel von sieben Dichtern - Pierre de Ronsard, Joachim du Bellay, Jean-Antoine de Baïf, Jacques Pelletier du Mans, Jean de la Péruse, Rémy Belleau und Etienne Jodelle - der sich in der Tradition des Vulgärhumanismus die Bereicherung des Französischen zum Ziel gesetzt hatte.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Accademia della Crusca und ihre Vorbildfunktion für die Académie française
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Romanistisches Institut)
Veranstaltung
Die Académie française
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
24
Katalognummer
V93542
ISBN (eBook)
9783640098071
ISBN (Buch)
9783640111817
Dateigröße
569 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dozent: "Umsichtige Arbeit auf breiter Basis!"
Schlagworte
Accademia, Crusca, Vorbildfunktion, Académie francaise, Académie française, Kulturtransfer, Sprachkontakt, Externe Sprachgeschichte, Adstrateinfluss, Sprachpflege
Arbeit zitieren
Volker Lorenz (Autor), 2008, Die Accademia della Crusca und ihre Vorbildfunktion für die Académie française, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93542

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