Die Stader Gruppe in der Bronzezeit


Exzerpt, 1996
60 Seiten

Leseprobe

Vorwort

Die Bronzezeit vor mehr als 2000 bis 800 v. Chr. gilt als die erste und längere der Metallzeiten in Europa. In dieser Zeit wurden Werkzeuge, Waffen und Schmuck aus Bronze her- gestellt. In einigen Gebieten hatte die Bronzezeit eine andere Zeitdauer. So begann sie in Süddeutschland schon vor etwa 2300 v. Chr. und endete um 800 v. Chr. In Norddeutschland dagegen währte sie von etwa 1600 bis 500 v. Chr.

Zu den in Deutschland verbreiteten Kulturen der Bronze- zeit gehören die Stader Gruppe in der älteren Bronzezeit (etwa 1500 bis 1200 v. Chr.), die Stader Gruppe in der mittleren Bronzezeit (etwa 1200 bis 1100 . Chr.) und die Stader Gruppe in der jüngeren Bronzezeit (etwa 1100 bis 800 v. Chr.).

Den Begriff „Stader Gruppe“ hat 1981 der Prähistoriker Arne Lucke in seiner Hamburger Dissertation erstmals für eine Lokalgruppe der jüngeren Bronzezeit verwendet. Im Gegensatz dazu benutzt der Hamburger Prähistoriker Fried- rich Laux die Bezeichnung „Stader Gruppe“, die er 1987 bei einem Vortrag in Bad Stuer erwähnte und auf die er 1991 in einem Aufsatz zurückgriff, für eine Gruppe, die sich in der älteren, mittleren und jüngeren Bronzezeit behauptete.

Die Texte über die Stader Gruppe stammen aus dem vergrif- fenen Buch „Deutschland in der Bronzezeit“ (1996) des Wiesbadener Wissenschaftsautors Ernst Probst in alter deut- scher Rechtschreibung und entsprechen dem damaligen Wis- sensstand. Weitere Kulturen der Bronzezeit aus Deutschland werden ebenfalls in Einzelpublikationen vorgestellt.

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Arne Lucke, geboren am 11. Dezember 1944, in Forst, prägte 1981 die Namen Stader Gruppe und Verdener Gruppe.

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Friedrich Laux, geboren am 8. März 1938 in Roth bei Nürnberg, zuletzt am Hamburger Museum für Archäologie tätig, benannte mehrere Gruppen der Bronzezeit.

Drei Nackte blickten zur Sonne

Die Stader Gruppe in der älteren Bronzezeit (etwa 1500 bis 1200 v. Chr.)

Im Dreieck zwischen Elbe und Weser sowie bis zur Niede- rung der Este in der Stader Geest war in der älteren Bronze- zeit von etwa 1500 bis 1200 v. Chr. die Stader Gruppe hei- misch. Ihr Verbreitungsgebiet umfaßte - nach Erkenntnisssen des Hamburger Prähistorikers Friedrich Laux - die heutigen Kreise Stade, Cuxhaven, Rotenburg/Wümme und Verden. Den Begriff „Stader Gruppe“ hat 1981 der Prähistoriker Arne Lucke in seiner Hamburger Dissertation erstmals für eine Lokalgruppe der jüngeren Bronzezeit verwendet. Im Gegen- satz dazu benutzt Laux die Bezeichnung Stader Gruppe, die er 1987 bei einem Vortrag in Bad Stuer erwähnte und auf die er 1991 in einem Aufsatz zurückgriff, für eine Gruppe, die sich in der älteren, mittleren und jüngeren Bronzezeit behauptete.

Die Stader Gruppe wird zum Nordischen Kreis der Bronzezeit gerechnet. Er umfaßte in der älteren Bronzezeit Südnorwegen, Süd- und Mittelschweden, Dänemark, SchleswigHolstein, die Gegend von Stade in Niedersachsen und das Küstengebiet in Mecklenburg-Vorpommern. Seine südliche Grenze lag im Raum Stade.

Wie in der Lüneburger Gruppe gab es offenbar auch in der Bevölkerung der Stader Gruppe eine soziale Oberschicht. Darauf deuten die reichen Grabbeigaben in den Steinkisten- Mit einem Beil bewaffneter Häuptling aus der älteren Bronzezeit in Norddeutschland.

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Er sitzt auf einem Klappstuhl mit lederner Sitzfläche. Teile eines solchen Sitzmöbels wurden in Daensen bei Buxtehude (Kreis Stade) in Niedersachsen gefunden.

gräbern von Heerstedt (Kreis Cuxhaven) und Essel bei Kutenholz (Kreis Stade) hin. Darin waren vornehme Krie- ger mit bronzenen Waffen und Schmuckstücken bestattet worden. Im Steinkistengrab von Heerstedt lag zudem eine kostbare verzierte Holzschale. Auch der Klappstuhl von Daensen (Kreis Stade) dürfte zum Besitz eines Menschen von Rang gezählt haben.

Von der Kleidung der Stader Leute blieben nur die bronze- nen Fibeln erhalten, mit denen die Gewänder zusammenge- halten wurden. Nach den Funden zu schließen, erhielten Rundkopffibeln gegenüber den selteneren Flachkopffibeln den Vorzug. Erstere wurden in Heerstedt, Meckelstedt bei Lintig und Dornsode bei Armstorf (alle im Kreis Cuxhaven) sowie in Anderlingen (Kreis Rotenburg/Wümme) und Essel bei Kutenholz (Kreis Stade) entdeckt. Eine Flachkopffibel mit Sanduhrkopf kam in Hagenah bei Heinbockel (Kreis Stade) zum Vorschein.

Auf Bart- und Haarpflege weisen die Funde von doppelschneidigen bronzenen Rasiermessern hin. Sie gelten als Neuerungen jener Zeit. Einen solchen Toilettegegenstand kennt man aus Essel bei Kutenholz.

Zum Eigentum bedeutender Persönlichkeiten - vielleicht Häuptlingen - gehörte mitunter ein Klappstuhl mit Leder- auflage sowie bronzenen Beschlag- und Schmuckteilen. Reste solch seltener Sitzmöbel wurden bisher nur in Män- nergräbern der älteren Bronzezeit in Niedersachsen, Schles- wig-Holstein und Dänemark geborgen. Als eine der kost- barsten Entdeckungen dieser Art gilt der Klappstuhl aus ei- nem Grabhügel von Daensen bei Buxtehude (Kreis Stade). Es ist der am weitesten südlich gelegene Fund eines derarti- gen Möbelstückes.

Von den hölzernen Teilen des Klappstuhls aus Daensen sind

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Rekonstruierte Holzschale mit Sternmotiv aus Heerstedt (Kreis Cuxhaven) in Niedersachsen. Höhe 14 Zentimeter, Mündungsdurchmesser 25,5 Zentimeter. Der Fund wurde 1946 bei einem Brand im Morgenstern-Museum, Bremerhaven, zerstört.

nur sieben kleine Ahornholzstücke erhalten geblieben. Ein Stück Schafleder verrät, aus welchem Material die einstige Sitzfläche bestand. Außerdem wurden zahlreiche bronzene Beschlag- und Schmuckteile geborgen. Dazu gehören vier Bronzeknäufe mit Klapperblechen, zwei kleinere Bronze- knäufe, vier Bronzebleche mit Goldblechauflage, drei ovale Beschlagteile, zwei rechteckige Beschlagplatten mit Gold- blechauflage und einige Bronzefragmente. Die Goldbleche sind mit eingepunzten Punkten und Kreisen verziert.

Der Heidelberger Archäologe Ernst Wahle (1889-1981) hat 1932 darauf hingewiesen, daß die Klappstühle eine Beson- derheit der nordischen Bronzezeit darstellen. Nach seiner Auffassung haben diese Sitzmöbel in den thronartigen Klapp- stühlen und Thronsesseln aus ägyptischen Pharaonengräbern ihr Gegenstück. Am Klappstuhl von Guldhoj bei Vamdrup in Jütland (Dänemark) war das Sitzleder mit Stiften festge- heftet. Dagegen hatte man das Sitzleder des Klappstuhls von Bechelsdorf bei Niendorf (Kreis Nordwestmecklenburg) in Mecklenburg-Vorpommern durch den Hohlschlitz der Längs- stäbe geschoben. Der Schaflederrest des Klappstuhls von Daensen verrät, daß Schafe als Haustiere gehalten wurden. Die schlecht gebrannten und nur selten verzierten Tongefä- ße der Stader Gruppe gehören zur sogenannten „Kümmer- keramik“. Reste von Tongefäßen lagen manchmal als Bei- gaben für Verstorbene in Gräbern (Meckelstedt, Quelkhorn). In einem Hügelgrab bei Holtum-Geest (Kreis Verden) wur- de ein neun Zentimeter langer und 7,5 Zentimeter breiter Tonlöffel gefunden.

Viel prächtiger als die damaligen Tongefäße sah die in ei- nem Steinkistengrab von Heerstedt (Kreis Cuxhaven) ent- deckte Holzschale aus, die leider 1946 bei einem Brand zer- stört wurde. Das aus dem Wurzelstock eines Laubbaumes geschnitzte Gefäß mit einer Höhe von 14 Zentimetern und einem Mündungsdurchmesser von 25,5 Zentimetern war auf der Außenseite mit einem Sternmotiv verziert. Hierzu verwendete der Künstler viele kurze Bronzestifte ohne Kopf und etwa 250 Zinnblechkugeln, die er in die einen Zentimeter dicke Schalenwand geschlagen hatte.

Als Hauptmotiv auf der Außenseite der Schale diente ein zwölfstrahliger Stern, der durch die Stiftreihen gebildet wur- de. Die Felder zwischen den Strahlen hat man mit Zinn- buckeln gefüllt. Waagrecht über den Spitzen der Strahlen verlief ein durch zwei Stiftreihen gebildetes Linienband, dem sich eine Zone mit einer Reihe von Zinnbuckeln und zum Abschluß zwei Stiftreihen anschlossen. Der Boden der Holz- schale hatte einen Durchmesser von 8,5 Zentimetern. Er war mit zwei doppelten Stiftkreisen und dazwischen einem lok- keren Kreis aus zwölf Zinnbuckeln verziert. Die Schale be- saß einen Henkel, an dem zwei kleine bronzene Ringe hin- gen.

Die Holzschale von Heerstedt war zusammen mit einem bronzenen Vollgriffschwert, einem Absatzbeil, einem Dolch, einer zweiteiligen Fibel mit verziertem bandförmigen Bügel und einem Fingerring zum Vorschein gekommen. Diese Gegenstände gehörten zum Besitz eines vornehmen Kriegers, den man in gestreckter Körperlage in einem Steinkistengrab beigesetzt hatte.

Manche Männerbestattungen in Steinkistengräbern enthiel- ten auch bronzene Messer. Sie gelten nicht als Waffen, son- dern als Werkzeuge. Je ein Messer fand man in Essel bei Kutenholz (Kreis Stade) und in Quelkhorn (Kreis Verden). Zur Waffenausrüstung der Männer gehörte damals - nach Erkenntnissen von Friedrich Laux - stets ein bronzenes Lang- schwert, das in der Regel mit einem Absatzbeil vom nordi- schen oder Osthannover-Typ kombiniert wurde. Bronzene Dolche fanden seltener als Schwerter und Beile Verwendung. Unter Schwertern gab es nordische Vollgriffschwerter, diverse Formen von Griffzungen- oder Griffplattenschwertern und vereinzelt aus Süddeutschland importierte Vollgriffschwerter mit achtkantigem Griff. Derartige Waffen wurden vor allem in Steinkistengräbern gefunden.

Ein nordisches Vollgriffschwert hat man im bereits erwähnten Steinkistengrab von Heerstedt entdeckt. An ihm hafteten noch Reste der verzierten Holzscheide. Griffzungenschwerter wurden in Dornsode und Langen (beide Kreis Cuxhaven) sowie in Quelkhorn bei Ottersberg (Kreis Verden) zutage befördert. Ein Griffplattenschwert kam in Essel zum Vorschein und je ein Vollgriffschwert mit achtkantigem Griff in Meckelstedt sowie in Wiepenkathen (beide Kreis Stade), wovon das letztere besonders prächtig ist.

Die bronzenen Klingen der Absatzbeile steckten in hölzernen Schäften. Reste des Schaftes befanden sich noch an der Klinge des Absatzbeiles, das im Steinkistengrab von Anderlingen (Kreis Rotenburg/Wümme) entdeckt wurde. Absatzbeile hat man in den Steinkistengräbern von Anderlingen, Dornsode, Essel, Hagenah, Heerstedt, Langen, Mekkelstedt und Quelkhorn geborgen. Häufig war der Schäftungsteil der Beilklingen verziert.

Bronzene Dolche lagen außer in den Frauengräbern von Beckdorf und Niendorf auch in Männergräbern. Auf entspre- chende Exemplare stieß man in den Steinkistengräbern von Anderlingen, Hagenah, Heerstedt und Meckelstedt, in de- nen Krieger bestattet worden waren. Der Dolch von Heerstedt hatte acht Nägel, mit denen einst der nicht mehr existieren- de Griff befestigt war.

Ein Beispiel für den Wegebau um 1200 v. Chr. wurde in einem Moor bei Groß Heins im Kreis Verden entdeckt. Dort überquerte man mit Hilfe einer Reihe größerer Steine das unsichere Gelände. Vermutlich haben die Benutzer dieses Stapfweges auf benachbarten Teilen des Sandbodens gewohnt und Vieh gehalten.

Aus der älterbronzezeitlichen Stader Gruppe oder aus eini- ge Jahrhunderte späterer Zeit könnte das Wagenrad von Beckdorf (Kreis Stade) stammen, das von den Entdeckern zunächst als „Holzdeckel“ fehlgedeutet worden ist. Es wur- de aus dem Stamm einer fast 70 Zentimeter dicken Erle ge- schaffen. Derart mächtige Erlenstämme gibt es heute nicht mehr. Das Rad hat einen Durchmesser von 67 Zentimetern. Es ist am Rand fünf Zentimeter und in der Mitte bis zu 10,5 Zentimeter dick. In dem rundlichen Loch von etwa 20 Zen- timeter Durchmesser befand sich ursprünglich die röhren- förmige Holznabe.

Die Frauen der Stader Gruppe haben zu Lebzeiten bronzene gedrehte Halsringe, Armschmuck und am Gürtel befestigte Schmuckscheiben getragen. Das Wissen über ihren Schmuck ist bescheiden, weil es in der Stader Gruppe unüblich war, die Frauen mit ihrem gesamten Schmuck zu bestatten, wie es in der Lüneburger Gruppe gehandhabt wurde. Aus die- sem Grund dürfte es sich bei einem großen Teil der Gräber ohne Beigaben um Beisetzungen von Frauen handeln.

Lediglich im östlichen Randbereich der Staader Gest sind Frauenbestattungen gefunden worden, die Beigaben enthiel- ten. Sowohl in Beckdorf als auch in Niendorf bei Beckdorf (Kreis Stade) lag jeweils ein bronzener Dolch in einem Frauengrab. Diese Beigabe war für die nordische Bronze- zeit typisch, zu der die Stader Geest in der älteren Bronze- zeit gehörte.

Die Tote von Beckdorf hatte man in einem Baumsarg zur letzten Ruhe gebettet. Um den Hals trug sie einen gedrehten bronzenen Ring. Links und rechts im Haar oder an einer nicht mehr vorhandenen Kopfhaube prangte je ein zierlicher Spiralring. Vor der Brust steckte eine 25 Zentimeter lange bronzene Nadel im Kleid. Am linken Unterarm hing ein bron- zener Armring, während das rechte Bein von einem bronze- nen Fußring geziert wurde. Links neben dem Kopfende stand außerhalb des Baumsarges ein verziertes Tongefäß mit vier kleinen Henkeln.

Eine Frauenbestattung in der Tracht der Stader Gruppe liegt vom östlichen Rand der Stader Geest aus Heidenau (Kreis Harburg) vor. Zur Ausstattung jener Verstorbenen gehören ein gerippter Halskragen, zwei gedrehte Halsringe, ein Arm- ring und zwei kleine am Gürtel befestigte Scheiben. Letzte- re waren offenbar typisch für die Stader und nord-elbische Dithmarscher Gruppe. Diese Frau hatte in die Lüneburger Gruppe eingeheiratet, ihren Dolch abgelegt und die Lüne- burger Radnadel als Zeichen der verheirateten Frau erhal- ten. Einige kegelförmige Hütchen und Spiralröllchen ver- vollständigten das Ensemble. Da diese Frau in Stader Schmucktracht im Bereich der Lüneburger Gruppe der älte- ren Bronzezeit lebte und starb, wurde sie nach Lüneburger Sitte mit ihrem gesamten Schmuck beigesetzt, was diese Analyse erlaubt.

Zu den Beigaben für den verstorbenen Krieger im Stein- kistengrab auf dem Türlürsberg bei Bramstedt (Kreis Cux- haven) soll auch ein goldener Ring gehört haben, der sich angeblich am Handgriff eines Schwertes befand. Vielleicht handelte es sich hierbei um eine leicht biegsame goldene Lockenspirale, die um den Schwertgriff gewickelt worden war. Es ist aber auch möglich, daß das goldene Objekt von einem viel jüngeren Schatzfund mit römischen Münzen stammte. Der Türlürsberg soll früher ein Berg von beträchtlicher Höhe gewesen sein, der im Laufe der Zeit immer mehr abgetragen wurde.

Die Menschen der Stader Gruppe haben ihre Verstorbenen unverbrannt bestattet. Über dem Grab wurde ein Hügel auf- geschüttet. Im Verbreitungsgebiet der Stader Gruppe sind die Grabhügel meistens in langezogenen Reihen angeord- net. Während einer kurzen Zeitspanne herrschte die Sitte, den Toten in einem mannslangen Steinkistengrab zu beerdi- gen. Dieser Gräbertyp wurde in zwei verschiedenen Formen zu gleicher Zeit übernommen. Dabei handelte es sich um die Steinkistengräber der Gruppe Anderlingen-Heerstedt und um die Steinkistengräber der Gruppe Goldbeck-Daudieck. Die Steinkistengräber der Gruppe Anderlingen-Heerstedt sind nach den Fundorten Anderlingen (Kreis Rotenburg/ Wümme) und Heerstedt (Kreis Cuxhaven) benannt. Charak- teristisch für sie ist der rechteckige oder leicht trapezförmi- ge Grundriß von etwa zwei Meter lichter Länge und 0,80 bis einem Meter lichter Breite. Die Längsseiten dieser teilweise in den Boden eingetieften Steinkistengräber bildete man aus mehreren Granitblöcken und jeweils einem breiten Stein- block an den Schmalseiten. Die meistens 0,80 bis einen Meter hohen Steinkistengräber wurden häufig mit zwei oder drei flachen Steinplatten abgedeckt. Der Boden der Grabkam- mer war stellenweise gepflastert.

Steinkistengräber der Gruppe Anderlingen-Heerstedt kennt man im ganzen Verbreitungsgebiet der Stader Gruppe. Sie wurden in den Kreisen Rotenburg/Wümme (Anderlingen), Cuxhaven (Dornsode, Heerstedt, Langen, Meckelstedt), Stade (Essel), Verden (Hohenaverbergen, Quelkhorn) nach- gewiesen. Das Steinkistengrab von Heerstedt hatte einen tra- pezförmigen Grundriß.

Die Steinkistengräber der Gruppe Goldbeck-Daudieck er- hielten ihren Namen nach den Fundstellen Goldbeck bei Beckdorf und Daudieck bei Horneburg (beide im Kreis Stade). Dieser Typ kam nur im Bereich südlich von Stade vor. Die Längsseiten jener Steinkistengräber bestehen jeweils aus einer einzigen langen Steinplatte und je einer kleineren Platte oder einem Findling an den Schmalseiten. Als Abdek- kung dienten eine oder zwei flache Steinplatten. Auch sol- che Steinkistengräber sind in den Boden eingetieft. Die Grab- kammer wurde meistens mit einer Packung von Rollsteinen bedeckt.

Steinkistengräber der Gruppe Goldbeck-Daudieck sind auf das Gebiet des Kreises Stade beschränkt. Dazu gehören die Fundorte Daudieck, Goldbeck (Grabhügel 82), Harsefeld, Ahlerstedt und Hagenah bei Heinbockel.

Das Steinkistengrab von Goldbeck mit den Innenmaßen 1,90 mal 0,80 Meter war aus extrem schmalen Steinplatten er- baut und wurde mit einer Steinplatte von 2,40 Meter Länge, einem Meter Breite sowie 20 Zentimeter Dicke bedeckt. Das Steinkistengrab von Daudieck hatte die Innenmaße 1,70 mal 0,90 Metern. Seine Längsseiten wurden durch je eine 1,70 Meter lange, extrem schmale Steinplatte gebildet. Auf der westlichen Schmalseite standen eine flache Steinplatte und dahinter ein Steinblock, den Abschluß der östlichen Schmal- seite markierte ein Findling. In den einzigen Deckstein wur- den zahlreiche Schälchen eingetieft, deren Zweck unbekannt ist.

Die Steinkistengräber der Stader Gruppe gleichen völlig denen in nördlich anschließenden Gebieten wie in Dithmar- schen (Schleswig-Holstein), auf den Nordfriesischen Inseln, im nördlichen Jütland (Dänemark) und auf den Dänischen Inseln.

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Ende der Leseprobe aus 60 Seiten

Details

Titel
Die Stader Gruppe in der Bronzezeit
Autor
Jahr
1996
Seiten
60
Katalognummer
V93578
ISBN (eBook)
9783640125159
ISBN (Buch)
9783640125890
Dateigröße
5918 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stader, Gruppe, Bronzezeit
Arbeit zitieren
Ernst Probst (Autor), 1996, Die Stader Gruppe in der Bronzezeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93578

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