Zum Verhältnis von Staat und Militär in den politischen Systemen Süd- und Mittelamerikas vor dem Hintergrund der politischen Ideengeschichte

Staatstheoretische Einordnung und historische Entwicklung in der Region


Essay, 2008
7 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Einleitung

Das Militär, das die Gesamtheit der Streitkräfte eines Staates darstellt, ist Schutz und Bedrohung politischer Herrschaft zugleich. Zum einen muss das Militär so stark sein, dass es effektiv äußere Feinde abschrecken und besiegen kann, also die Existenz des Staates vor äußeren Eingriffen schützt. Zum anderen muss sichergestellt sein, dass sich dieses mit dem Gewaltmonopol entstehende Machtzentrum nicht gegen die eigene politische Herrschaft richtet. Ausgehend von diesem Dilemma stellt der folgende Aufsatz einige ideengeschichtliche Kerngedanken dar, um vor dem Hintergrund der allgemeinen Problematik den Blick auf Süd- und Mittelamerika zu wenden. Hier wird sich zeigen, dass durch die historischen Gegebenheiten ganz andere Beziehungen von Militär und Staat entstanden sind als die europäische Entwicklung zeigte. Welche Rolle spielt also das Militär bei der Formierung von Staatlichkeit in der westlichen Welt und welche Tendenzen lassen sich im lateinamerikanischen Raum vorfinden?

Hauptteil

Beginnen wir also mit einigen Gedanken zur idealen Beziehung von Staat und Militär.

Schon Platon (427-348 v. Chr.) und Aristoteles (384-322 v. Chr.) haben sich auf der Suche nach einer guten und gerechten Staatsordnung mit dieser Beziehung beschäftigt. Aristoteles formuliert in starker Anlehnung an Platon: „Eine Polis, die nicht imstande wäre, sich zu verteidigen – und damit ihre Freiheit -, wäre nicht autark und folglich auch kein Staat.“ (Kernic 2001: 74). Beide Denker verfolgen militärische Staatskonzeptionen, bei denen der Staatszweck in der Durchführung von Kriegen liegt. Die Entscheidung über Krieg und Frieden wird jedoch nicht vom Militär, sondern von der Politik getroffen. Es gilt das Primat der Politik, die das Militär als Instrument zur Durchsetzung des „Guten“ nutzt. Die politische Teilhabe ergibt sich auch aus der Leistung des Militärdienstes. Die Rolle des Militärs ist klar nach außen gerichtet. Militärische Gewaltanwendung im Innern ist ein schweres Übel, während militärische Auseinandersetzungen nach außen als Notwendigkeit betrachtet wird. (vgl. Kernic 2001: 68).

Niccoló Machiavelli (1469-1527), Politiker und Philosoph in Florenz, sucht nach militärpolitischen Lösungen, um die Gefahr, die das Militär für den herrschenden Fürsten darstellt, zu begrenzen. Unter der Prämisse, dass ein Staat niemals in Abhängigkeit zu seinem Militär geraten darf und das Heer als Instrument bedingungslos der politischen Führung zu dienen habe, entwirft er ein Konzept, dass eine Verbesserung durch die Schaffung nationaler Milizen vorsieht. Am ungefährlichsten würden dem Fürsten Männer vom Lande, die man nach erfolgreichem Einsatz wieder entlässt. Auf Machiavellis Argumentation, die auf die Erhaltung des Staates um jeden Preis und mit allen Mitteln abzielt, begründet sich in den darauffolgenden Jahren die Idee der neuen Staatsräson und damit auch für die Legitimation militärischer Gewalt (vgl. Kernic 2001: 137 f).

[...]

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Zum Verhältnis von Staat und Militär in den politischen Systemen Süd- und Mittelamerikas vor dem Hintergrund der politischen Ideengeschichte
Untertitel
Staatstheoretische Einordnung und historische Entwicklung in der Region
Hochschule
Universität Potsdam  (Politikwissenschaften)
Veranstaltung
HS: Militär und Politik in Süd- und Mittelamerika
Note
1,7
Jahr
2008
Seiten
7
Katalognummer
V93581
ISBN (eBook)
9783640098286
Dateigröße
372 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verhältnis, Staat, Militär, Systemen, Süd-, Mittelamerikas, Hintergrund, Ideengeschichte, Politik, Mittelamerika
Arbeit zitieren
Anonym, 2008, Zum Verhältnis von Staat und Militär in den politischen Systemen Süd- und Mittelamerikas vor dem Hintergrund der politischen Ideengeschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93581

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