Die Problematik des Terminus Gerundium im modernen Englisch


Seminararbeit, 2008
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Der Ursprung des Gerundiums im Englischen
1.2. Was ist ein Gerund ? – eine Umfrage

2. Probleme des Begriffs
2.1 Form oder Funktion? – eine Darstellung in Schulbüchern
2.2 Darstellung in linguistischer Literatur
2.2.1 Differenzierung Gerund-Present Participle
2.2.2 Probleme in der Unterscheidung
2.2.3 Gerund-Verbal Noun

3. Alternative Analysen des traditionellen Gerundiums
3.1 A Comprehensive Grammar of the English Language
3.2 Huddleston

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Arbeit soll das Gerundium in der heutigen englischen Sprache analysiert werden. Dabei werden verschiedene Darstellungsweisen in Schulbüchern, Grammatiken, und anderer linguistischer Sekundärliteratur überprüft und auf konträre Punkte hin untersucht.

1.1 Der Ursprung des Gerundiums im Englischen

Um die Wurzeln des Gerundiums im Englischen zu ergründen, ist es wichtig zuerst die hierbei relevanten Aspekte der Sprache diachronisch zu betrachten. Dazu werden drei, durch ihr Erscheinungsjahr zeitlich stark getrennte Werke untersucht, um die Wurzeln des Gerundiums zu analysieren. Bereits bei der etymologischen Untersuchung gab es Diskussionen unter Linguisten, ob das moderne Gerund von einer Urform in der Angel-Sächsischen Sprache abstammt oder nicht, da es zu jener Zeit ein eindeutiges Gerundium in der Sprache gab. Rusteberg stellt dieses Problem wie folgt dar:

„The Anglo - Saxon Gerund is really an inflected Infinitive, preceded in the dative case by the preposition ´to´“ (1874: 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie Rusteberg zu den oben tabellarisch erfassten Fällen weiter ausführt, wird jedoch nur die vorliegende Dativform im Altenglischen als Gerundium bezeichnet. Diese weist aber keinerlei Möglichkeiten auf mit dem modernen englischen gerund übersetzt zu werden. Die andere These, dass eine Urverwandtschaft des ursprünglichen und des heutigen Terminus aufgrund der anderen Fälle, wie dem Akkusativ zum Beispiel, möglich ist, wird somit von ihm widerlegt, da kein Fall neben dem Dativ als Gerundium benutzt wurde.

Obwohl einige Linguisten von einer Veränderungen von writan über writen und writin zur Endform writing ausgehen und darauf die Ursprünge des modernen Gerundiums im Englischen zurückführen, ist dies unwahrscheinlich da zur Zeit der Veränderung von

„- an“ zu „-en“ das moderne Gerund schon in der Form des Verbalsubstantivs auf „-ung“ nachweislich in der Angel-Sächsischen Sprache vorzufinden war (vgl. 1874: 1-5).

Eine Urverwandtschaft zum Gerundium des Angel-Sächsischen ist also laut Rusteberg auszuschließen. Hierbei ist anzumerken, das er im hier verwendeten Kapitel nicht angibt, ob der Terminus gerund sich auf die funktionale Ebene beschränken sollte, da es, wie später in dieser Arbeit beschrieben, keine eigene Form im modernen Englischen besitzt. Seine Meinung, dass keine Urverwandtschaft zum Angel- Sächsischen Gerundium bestünde, wird von anderen Linguisten geteilt. Folglich dürfte es in einer späteren Epoche der Englischen Sprache entstanden sein.

Auf der Suche nach den Ursprüngen des Gerundiums bietet sich eine andere Erklärung durch die Veränderungen des Verbalsubstantivs auf „-ung“ an, welche im Übergangszeitraum vom Altenglischen zum Mittelenglischen stattfand.

Im Altenglischen existierte das Verbalsubstantiv nur in zwei Formen: mit der Endung

„-ing“ oder „-ung“. Duffley schreibt hierzu: „[…] was a purely nominal form and could not be construed with accusative-case direct objects[…]“ (2006: 167)

Auf der anderen Seite steht im Altenglischen das Present Participle mit seinen Endungen „-inde“, „-ande“ und „-ende“. Interessanterweise nähern sich bei Formen einander auf verschiedenen Ebenen an: Die Form des present participle tauscht laut Duffley ihre Endung „-nd-“ gegen die „-ng-“ Endung auf formaler Ebene, und das Verbalsubstantiv nähert sich auf funktionaler Ebene an, indem die Akkusativkonstruktion als direktes Objekt möglich wird (vgl. Duffley, 2006: 167).

Durch diese Annäherung verschmolzen die beiden unterschiedlichen Formen und dadurch auch ihre Funktionen: „Thus the two forms merged into one form –ing(e). Under the influence of the present participle, this new form began to acquire verbal characteristics” (Lya Res, 1987: 5).

So verlor die Form nach und nach Artikel und Präpositionen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Thus, a new form crystallized – the gerund” (Lya Res, 1987: 5).

Zusammenfassend kann man sehen, dass die Urform des Angel-Sächsischen nichts mit der Funktion des Gerundiums im heutigen Englisch zu tun hat. Die Gemeinsamkeit der

-ING Form, welche sich das Partizip Präsens und das Gerundium teilen, scheint auf einer Annäherung beider Formen beim Übergang des Altenglischen ins Mittelenglische zu basieren.

Interessanterweise kommt die sehr viel ältere Analyse von Rusteberg aus dem Jahr 1874 zu dem gleichen Ergebnis wie die beiden aktuellen Werke, die untersucht wurden:

Eine Verwandtschaft zwischen dem altenglischen Gerundium und Terminus Gerund des modernen Englisch ist aus den genannten Gründen auszuschließen.

1.2. Was ist ein Gerund ? – eine Umfrage

An dieser Stelle folgt eine Statistik, die über den Erfolg der Schulbücher zum Thema Gerund Aufschluss geben kann. Die hierfür verwendete Befragung fand am 18.1.2008 in einem Grundkurs der Englischen Linguistik durch Frau Dr. Mitmann statt.

Die Studenten sollten einerseits beschreiben, um was es sich bei dem Begriff gerund in der Englischen Sprache handle, und auf der anderen Seite ein Beispiel für seine Verwendung angeben.

Das Ergebnis besteht aus den 31 folgenden Antworten, hier in Tabellenform erfasst:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei der Auswertung der Antworten ist vor allem der hier dunkelblau markierte Balken auffällig: Von 31 Universitäts-Studenten des Fachs Englisch, und daher Personen mit fortgeschrittenen Sprachkenntnissen, gaben 35 Prozent an, den gesuchten Terminus nicht zu kennen. Die übrigen zwanzig Befragten schrieben mit großer Mehrheit, dass es sich bei der gesuchten Form um eine -ING Form handle, beim Rest der Umfrageteilnehmer gehen die Meinungen noch weiter auseinander.

Interessanterweise wird hier einigen Übrigen das Gerund der Verlaufsform oder dem Partizip zugeordnet. Bei den Beispielen, die anzugeben waren, treten interessante Aspekte auf:

So wird in einem Beispiel die Konstruktion „I am going“ als Verlaufsform bezeichnet, aber auf der anderen Seite „ She was laughing“ als -ING Form tituliert.

Die verschiedenen Antworten, welche oben in der Tabelle farblich erfasst sind, haben daher manchmal die gleichen Beispiele.

Die von den Befragten benannten Kategorien scheinen nicht immer eindeutig getrennt, daher werden ähnliche Beispielsätze verschiedenen Termini zugeordnet. Auf der anderen Seite ist bei vielen Personen mit fortgeschrittenen Englischkenntnissen, keine oder keine einheitliche Darstellung des Gerundiums möglich. Die hierfür verantwortlichen Gründe des Wissensdefizits scheinen in den Schulbüchern zu liegen.

2. Probleme des Begriffs

2.1 Form oder Funktion? – eine Darstellung in Schulbüchern

Eine Analyse der Schulbücher zu diesen Themen ist daher für die Untersuchung dieser Arbeit sinnvoll. Um eine Begründung für das Umfrageergebnis zu erhalten, soll als erstes Beispiel die Darstellung des Gerundiums im Gymnasialschulbuch Compact Course 3 betrachtet werden.

Das Buch wurde für das Niveau des dritten Jahres im Fach Englisch als zweite Fremdsprache konzipiert. Das Gerundium wird hier als selbständige Form dargestellt, die wie das Partizip mit dem Infinitiv des zu verwendendes Wortes + - ing gebildet wird

(vgl. Ashton et al. 1993: 142). Das Kapitel zum Thema ist wie folgt unterteilt:

1. The gerund

The gerund as a subject

The gerund as an object

The gerund after prepositions

The gerund for adverbial clauses

The gerund after certain expressions

2. The infinitive with to and the gerund

The infinitve with to like, to love, to hate

The gerund or the infinitive with to stop, to mean, to try

The gerund or the infinitive with to forget and to remember

3. The gerund with a subject of its own

Somit wird zuerst das Gerundium als Form vorgestellt und danach dessen verschiedenen Funktionen erklärt. Aus diesem Umgang mit dem Terminus gerund folgert der Englischlernende, dass es sich hier auf der einen Seite um eine eigene grammatikalische Form handelt, die sich auf der anderen Seite durch Regeln in strikte Kategorien fassen lässt. Falls dies der Fall wäre, würde das Ergebnis der vorher dargestellten Befragung nicht nachvollziehbar erscheinen, da man ja leicht zwischen den verschiedenen Kategorien differenzieren könnte, und so hätten sich in der Umfrage die Beispiele für die Antworten nicht überschnitten; folglich wären nicht die gleichen Konstruktionen als Repräsentanten für die verschiedene Kategorien verwendet worden.

Doch bei Betrachtung von Go Ahead 10, einem weiteren Schulbuch, diesmal aus dem Cornelsen Verlag, ist eine wichtige Diskrepanz zu Compact Course 3 festzustellen:

Statt eines Gerundiums wird hier die -ING Form bei ähnlichen Distributionsregeln genannt, die als gerund, daher in der Funktion eines Gerundiums fungiert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(vgl. Eastwood et al. 2004: 112)

Dieses alternative Konzept im Umgang mit den gleichen Satzkonstruktionen, hat weit reichende Konsequenzen für den Englischlernenden:

Da nun der Terminus Gerundium auf formaler Ebene nicht vorhanden ist und die ihm entsprechende Form aufgrund ihrer Endung auf „-ing“ vereinfachend als -ING Form tituliert wird, ist diese Bezeichnung konsequenterweise auch auf die übrigen Formen gleicher Bildung anzuwenden: Daraus ergibt sich, dass das p resent participle und die Verlaufsform ebenfalls nicht als eigenständige Formen betrachtet werden können, und daher in gleicher Weise als -ING Form bezeichnet werden müssen.

Das Gerundium wird hier nur als Funktion vorgestellt, die durch eine die genannte Form realisiert werden kann.

Wenn man an dieser Stelle nochmals zum Vergleich das erste Buch betrachtet, kann man erkennen wie konfus die Unterscheidung der verschiedenen funktionalen Aspekte der

- ING Form auf formaler Ebene ist:

In den Büchern der Compact Course Reihe, wird, wie schon and vorheriger Stelle erwähnt, die - ING Form in das present participle, das gerund und die Verlaufsform geteilt. Jedoch dürfte gerade diese Unterscheidung den Lernprozess erschweren, da es für den Leser nicht ersichtlich ist, wieso die -ING Form als unterschiedliche Formen betrachtet werden sollte. Dies wiederum ist sicherlich eine der Ursachen für das Ergebnis der zuvor dargestellten Umfrage zum Thema Gerund:

Einige Schüler hatten diesen Terminus vermutlich nicht in ihren Schulbüchern, den anderen fällt es schwer das Gerundium von den anderen gelernten Begriffen abzugrenzen.

Die Präsentation als -ING Form von Go Ahead scheint an dieser Stelle logischer:

Dem Schüler wird somit das Lernen vereinfacht, denn statt mehreren Formen, welche in ihrer morphologischen Bildung keine Unterscheidung aufweisen, zu lernen, muss er sich nur die Satzbauregeln merken, um mit der –ING Form eine korrekte Syntax erreichen zu können. Der Begriff Gerund tituliert somit keine Form sondern eine Funktion, die von einer -ING Form realisiert werden kann.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Problematik des Terminus Gerundium im modernen Englisch
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Anglistik und Amerikanistik)
Veranstaltung
Syntax
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V93640
ISBN (eBook)
9783640100224
ISBN (Buch)
9783640113453
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Problematik, Terminus, Gerundium, Englisch, Syntax
Arbeit zitieren
Florian May (Autor), 2008, Die Problematik des Terminus Gerundium im modernen Englisch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93640

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