Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Aufleben von Verschwörungstheorien im 21. Jahrhundert. Die Leitfrage hierbei ist: Welche Rolle spielt das Internet für das Wiederaufleben von Verschwörungstheorien in der heutigen Gesellschaft?
Um sich einer Antwort auf diese Frage zu nähern, setzt sich diese Arbeit zunächst mit der Entstehung, den Merkmalen, aber auch der Problematik des Terminus von Verschwörungstheorien auseinander. Um die Entstehung bzw. die Beweggründe eines Menschen der heutigen Gesellschaft, sich einer Verschwörungstheorie anzuhängen, besser verstehen zu können, wird der luhmann’sche Begriff des "(System-)Vertrauens" herangezogen. Anhand des Fallbeispiels der amerikanischen Präsidentschaftswahl 2016, die der populäre Unternehmer Donald Trump für sich entscheiden konnte, wird im dritten Teil der Arbeit die Rolle des Internets für die Verbreitung von Verschwörungstheorien thematisiert. Dieses Beispiel ist gewählt, da Trump über die sozialen Medien, insbesondere Twitter gezielt bestehende Verschwörungstheorien aufgriff, Zusammenhänge frei erfand und auf diese Weise seine Gegner erfolgreich schwächte und sein Wahlprogramm verteidigte. An diesem Beispiel wird demonstriert, wie sehr digitale Medien und insbesondere soziale Medien als Katalysatoren bei der Verbreitung von Verschwörungstheorien fungieren. Sie bieten zum einen den perfekten Nährboden für Verschwörungstheorien und sind zum anderen zum Teil selbst betroffen, was sich an der Zuschreibung als Lügenpresse" zeigt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Relevanz und Zielsetzung
1.2 Inhaltliche Gliederung
2 Verschwörungstheorien
2.1 Merkmale von Verschwörungstheorien
2.2 Entstehung einer Verschwörungstheorie
2.3 Funktionsweisen von Verschwörungstheorien
2.3.1 Luhmann’scher Begriff des Vertrauens
3 Das World Wide Web und die digitalen Medien
4 Diskussion
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Wiederaufleben von Verschwörungstheorien im 21. Jahrhundert mit einem besonderen Fokus auf die Rolle digitaler Medien. Ziel ist es, die Mechanismen hinter der Verbreitung dieser Theorien zu verstehen und zu analysieren, wie das Internet als Katalysator für die Meinungsbildung und die Wahrnehmung von Realität in der heutigen Gesellschaft fungiert.
- Merkmale und Entstehungsgründe von Verschwörungstheorien
- Die systemtheoretische Perspektive auf Vertrauen nach Luhmann
- Der Einfluss digitaler Medien und Echokammern
- Die Rolle sozialer Medien in der politischen Kommunikation (Fallbeispiel Trump)
- Herausforderungen für Medienkompetenz und gesellschaftlichen Diskurs
Auszug aus dem Buch
Merkmale von Verschwörungstheorien
Der Terminus Verschwörungstheorie (im eng. conspiracy theory) stammt aus dem lateinischen conspirare (übereinstimmen, zusammenwirken) (Butter, 2018, S. 21). Diese begriffliche Ableitung lässt bereits auf eine der drei von M. Butter gelisteten Charaktereigenschaften einer Verschwörungstheorie schließen: Das Verbinden verschiedenster und zum Großteil unabhängigen Informationen/Ereignissen zu einem großen zusammenhängenden Ganzen (Butter, 2018, S. 21). Die Mockumentary bzw. Scheindokumentation „Kubrick, Nixon und der Mann im Mond“ veranschaulicht, wie sehr sich Verschwörungstheoretiker auf jedes noch so zufällig erscheinende Indiz stützen und diese zur Beweisführung ihrer Theorie nutzen (Karel, 2015, S. o.A.). Zwei weitere Grundannahmen, die M. Butter Verschwörungstheorien zuschreibt lauten: „Nichts passiert durch Zufall […] und nichts ist so wie es scheint“ (Butter, 2018, S. 21). Jede Verschwörungstheorie baut somit auf der Grundannahme auf „[…], dass im Verborgenen agierende Konspirationen einen umfassenden Plan mit betrügerischen Mitteln und unter Täuschung der Bevölkerung umzusetzen versuchen […]“ (Jaecker, 2005, S. 10).
Diese Wahrnehmung der Realität wird von Außenstehenden als verschobene und realitätsferne Wahrnehmung bewertet, sodass Verschwörungstheoretiker zumeist als paranoid abgestempelt wurden. Verschwörungstheoretisches Denken wurde somit ausschließlich mit Extremisten und Außenseitern in Verbindung gebracht. So schrieb Pipes, dass alle Verschwörungstheorien sich „[…] an die Ränder politischen Lebens der westlichen Welt und an die geographischen Ränder westlicher Staaten […]“ verflüchtigen würden (Pipes, Verschwörung. Faszination und Macht des Geheimen, 1998, S. 169). Diese sonst allgemeingültigen Annahme wurde jedoch zunehmend widerlegt. Richard Hofstadters schrieb hierzu in seinem Essay The Parnoid Style of American Politics über die starke Virulenz, die von Verschwörungstheorien ausgeht (Hofstadter, 1952, S. 86). Grohn spricht von einer „[…] ständige Versuchung für uns alle“ (Groh, 1996, S. 13).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz von Verschwörungstheorien in der heutigen Gesellschaft ein und stellt die Leitfrage nach der Rolle des Internets bei deren Verbreitung.
2 Verschwörungstheorien: Das Kapitel definiert den Begriff, analysiert zentrale Merkmale sowie Entstehungsbedingungen und beleuchtet anhand des Luhmann’schen Vertrauensbegriffs die psychologische Ebene.
3 Das World Wide Web und die digitalen Medien: Hier wird analysiert, wie das Internet durch Filterblasen und Echokammern als primäre Wissensquelle und Katalysator für Verschwörungserzählungen fungiert.
4 Diskussion: Das Kapitel setzt sich kritisch mit der Deutungshoheit der Medien auseinander und diskutiert Möglichkeiten der Förderung von Medienkompetenz und reflektiertem Umgang mit Informationen.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Rolle digitaler Medien als einflussreiche Faktoren zusammen und betont die Notwendigkeit von Medienkompetenz zur Bewältigung postfaktischer Diskurse.
Schlüsselwörter
Verschwörungstheorien, Internet, Digitale Medien, Systemvertrauen, Niklas Luhmann, Soziale Medien, Donald Trump, Postfaktische Politik, Medienkompetenz, Echokammer, Filterblase, Gesellschaft, Kommunikation, Verschwörungsideologien, Information
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Renaissance von Verschwörungstheorien im 21. Jahrhundert und untersucht, wie digitale Medien und das Internet deren Verbreitung und gesellschaftliche Wirkung beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definition und Merkmale von Verschwörungstheorien, die Rolle des Vertrauensverlustes in Systeme, die Dynamik von Online-Medien sowie die Auswirkungen auf die politische Kommunikation.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach: Welche Rolle spielt das Internet für das Wiederaufleben von Verschwörungstheorien in der heutigen Gesellschaft?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse, insbesondere unter Rückgriff auf die Systemtheorie von Niklas Luhmann, sowie auf die Einbeziehung aktueller Fallbeispiele, wie die US-Präsidentschaftswahl 2016.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehungsmechanismen von Verschwörungstheorien, die systemtheoretische Bedeutung von Vertrauen sowie die strukturellen Eigenschaften digitaler Medien, die eine Entstehung von Echokammern begünstigen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Verschwörungstheorien, Medienkompetenz, Digitalisierung, Systemtheorie und postfaktische Politik geprägt.
Warum spielt der Luhmann’sche Vertrauensbegriff eine Rolle?
Luhmanns Konzept des Systemvertrauens erklärt, wie bei einem Vertrauensverlust in gesellschaftliche Institutionen Menschen zur Komplexitätsreduzierung dazu neigen, ihr Vertrauen in Verschwörungstheorien zu investieren.
Welche Bedeutung hat das Beispiel Donald Trump in der Arbeit?
Donald Trump dient als exemplarisches Fallbeispiel, um zu demonstrieren, wie politische Akteure soziale Medien erfolgreich nutzen, um Verschwörungsmythen zu verbreiten und ihre politische Agenda zu legitimieren.
- Arbeit zitieren
- Antonia Schiller (Autor:in), 2019, Verschwörungstheorien in Zeiten digitaler Medien. Verbreitung von Verschwörungstheorien in der heutigen Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/936400