Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Forschungsfrage, welche Faktoren den Zugang zu Ausbildungsberufen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund beeinflussen und wie schulpraktische Unterstützungsangebote aussehen könnten. In dieser Arbeit geht es nicht nur um die Problemlage der Gesellschaft und mögliche Ursachen der Benachteiligung, sondern auch um die Konsequenzen für die Schulpraxis. Auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse um die Einflussfaktoren auf den Erfolg der Ausbildungsplatzsuche von Jugendlichen mit Migrationshintergrund sollen Rückschlüsse für erfolgreiche Unterstützungsangebote in der Realschule plus gezogen werden.
Gleichzeitig stellt die Bildung der SchülerInnen mit Migrationshintergrund Anforderungen an die gesamte Schulzeit und lässt sich nicht auf die Realschule plus eingrenzen. Anhand einer qualitativen Auswertung einer Quotenstichprobe mittels eines Umfragebogens mit offenen Fragen wird skizziert, wie die Berufsorientierungsphase einiger Personen mit Migrationshintergrund abgelaufen ist. Es geht um einen realistischen und praxisnahen Blick auf einige Menschen mit Migrationshintergrund, die in der Berufswelt angekommen sind.
Auf theoretischer Ebene soll die vorliegende studentische Abschlussarbeit aufzeigen, welche Faktoren auf den erfolgreichen Übergang von Schule zum Ausbildungsverhältnis einwirkten und wie sich dieser Übergang mit Blick auf die Lebenslage gestaltet. Aus der praktischen Perspektive von Schulen auf Basis der aktuellen Forschung sollen einige sinnvolle Unterstützungsangebote sowie außerschulischen Angebote dargestellt werden. Dabei werden didaktische Konzepte der Realschule plus auch im Kontext der Lernausgangsvoraussetzungen der SchülerInnen mit Migrationshintergrund kurz geschildert und reflektiert.
Die Benachteiligung jugendlicher MigrantInnen auf dem Ausbildungsmarkt ist unbestreitbar, da signifikant weniger Jugendliche mit Migrationshintergrund eine Ausbildungsstelle erhalten als die Jugendlichen ohne Migrationsgeschichte. Der BiBB-Report 2011 belegt, dass im Jahr 2010 zu Ende der Nachvermittlungsphase 42 Prozent aller BewerberInnen ohne Migrationshintergrund einen betrieblichen Ausbildungsplatz erlangt hatten, während es mit Migrationshintergrund lediglich 28 Prozent waren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Jugendliche MigrantInnen und ihre Ausbildung
2.1 Heterogenität der MigrantInnen und ihre Bildungschancen
2.2 Ausgangsbedingungen für den Eintritt in den Arbeitsmarkt
2.3 Der deutsche Ausbildungsweg und jugendliche MigrantInnen
3. Einflussfaktoren auf die Chancen jugendlicher MigrantInnen auf dem Ausbildungsmarkt
3.1 Störende Einflussfaktoren auf die Einstellungschancen jugendlicher MigrantInnen
3.1.1 Von der Bewerbung bis zum Vorstellungsgespräch und Probearbeiten: Selektionsprozesse im Bewerbungsverfahren
3.1.2 Die (wahrgenommene) Passung im Betrieb
3.1.3 Diskriminierung: Intersektionalität in der Diskriminierung
3.2 Fördernde Einflussfaktoren auf die Einstellungschancen jugendlicher MigrantInnen
4. Praxisorientierte Unterstützung jugendlicher MigrantInnen
4.1 Schulische Hilfsangebote
4.1.1 Ressourcen orientierte schulische Hilfen
4.1.2 Reduktion Institutioneller Diskriminierung
4.2 Außerschulische Hilfsangebote
4.2.1 Hilfsangebote vonseiten der Unternehmen, des Staates und des Gesetzgebers
4.2.2 Hilfsangebote vonseiten der Vereine und anderen nicht-staatlichen Trägerschaften
5. Beispiele von Biografien einzelner Personen zum Thema Ausbildungsplatzsuche
5.1 Begründung des methodischen Vorgehens und der Fragestellung
5.2 Ergebnisse der Umfrage
5.3 Analyse der Umfrage anhand der Qualitätskriterien nach Lincoln und Guba
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Benachteiligung jugendlicher MigrantInnen beim Übergang von der Schule in die Berufswelt und analysiert Faktoren, die diesen Prozess beeinflussen, um daraus konkrete Unterstützungsangebote für die Schulpraxis abzuleiten.
- Analyse der Hürden beim Übergang von der Schule in den Arbeitsmarkt für Jugendliche mit Migrationshintergrund.
- Diskussion theoretischer Ansätze wie Ressourcenorientierung und institutionelle Diskriminierung.
- Untersuchung von Einflussfaktoren im Bewerbungsprozess und betrieblicher Selektionsmechanismen.
- Vorstellung schulpraktischer und außerschulischer Hilfsangebote zur Förderung der Chancengleichheit.
- Qualitative Auswertung von Biografien zur Veranschaulichung individueller Erfahrungen.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Die (wahrgenommene) Passung im Betrieb
Eine Forsa-Umfrage von 2016 belegt es: 38 % aller Deutschen glauben, dass die Mehrheit aller Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integriert werden könne, 56 % verneinen dies (Statista Research Department, 2016). Das bedeutet, dass mehr als jeder zweite Deutsche kritisch gegenüber der Integration von Menschen mit Fluchterfahrung ist, die in den deutschen Arbeitsmarkt einmünden. Die Grundhaltung gegenüber dieser Personengruppe ist also bereits von der Überzeugung behaftet, dass die Migration hinsichtlich der Arbeit nicht gelingen wird. Insbesondere wenn durch die Migration im Jugendalter erst spät der Deutschspracherwerb gegeben ist, kommt dies als weitere Belastung auf einen Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu. So eröffnet sich auch mit Blick auf diese Umfrageergebnisse die Frage, wie viele Beschäftigende/ Firmeninhaber/ Betriebsinhaber und in dem Betrieb hoch angesehene Mitarbeiter mit dieser Haltung den Jugendlichen /jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung entgegentreten.
Und während Türkeistämmige seit den 1960er Jahren immer eine große Gruppe unter den Migranten in Deutschland darstellten, so ist die Diskriminierung dieser Gruppe auf dem Arbeitsmarkt durch Studien (BiBB-Studie, siehe Kapitel 2 und SCHERR et al., siehe 3.1.3) belegt. So stellt sich die Frage, inwiefern die kritische Haltung vieler Menschen in Deutschland gegenüber der Migration sich auch auf Migranten der zweiten und dritten Generation ausweitet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Benachteiligung jugendlicher MigrantInnen beim Übergang in die Berufswelt und leitet daraus die Forschungsfrage zur Identifikation beeinflussender Faktoren und möglicher Unterstützungsangebote ab.
2. Jugendliche MigrantInnen und ihre Ausbildung: Dieses Kapitel definiert die Zielgruppe, beleuchtet deren Heterogenität sowie die Ausgangsbedingungen und rechtlichen Rahmenbedingungen beim Übergang in den Arbeitsmarkt.
3. Einflussfaktoren auf die Chancen jugendlicher MigrantInnen auf dem Ausbildungsmarkt: Hier werden sowohl störende als auch fördernde Faktoren analysiert, wobei Konzepte wie institutionelle Diskriminierung und intersektionale Benachteiligung im Fokus stehen.
4. Praxisorientierte Unterstützung jugendlicher MigrantInnen: Das Kapitel widmet sich konkreten schulischen und außerschulischen Hilfsangeboten, die den Übergang in die Ausbildung erleichtern und Diskriminierung entgegenwirken können.
5. Beispiele von Biografien einzelner Personen zum Thema Ausbildungsplatzsuche: Mittels einer qualitativen Quotenstichprobe werden anonymisierte Fallstudien dargestellt und anhand wissenschaftlicher Qualitätskriterien reflektiert.
6. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Benachteiligung ein komplexes Geflecht aus gesellschaftlichen Strukturen ist und eine mehrdimensionale Förderung sowie die aktive Auseinandersetzung auf schulischer Ebene unerlässlich sind.
Schlüsselwörter
Jugendliche MigrantInnen, Ausbildungsmarkt, Berufsstart, institutionelle Diskriminierung, Chancengleichheit, Bildungsaspiration, Migrationshintergrund, Übergang Schule-Beruf, berufliche Bildung, soziale Ungleichheit, Intersektionalität, Bewerbungsverfahren, Integrationsförderung, Fachkräftemangel, Berufsorientierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der Benachteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz und analysiert die Ursachen sowie Lösungsansätze.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt Themen wie institutionelle Diskriminierung, den Einfluss von Herkunft und sozioökonomischem Status, die Bedeutung von Sprachkompetenzen sowie die Rolle von Förderangeboten.
Welche übergeordnete Forschungsfrage wird verfolgt?
Die zentrale Frage lautet, welche Faktoren den Zugang zu Ausbildungsberufen für Jugendliche mit Migrationshintergrund beeinflussen und wie schulpraktische Unterstützung hierbei aussehen kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Neben einer theoretischen Fundierung durch Fachliteratur und Studien nutzt die Arbeit eine qualitative Quotenstichprobe in Form einer anonymisierten schriftlichen Befragung von fünf Personen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert Einflussfaktoren (z.B. Bewerbungsprozess, Passung im Betrieb) und stellt praxisorientierte Unterstützungsangebote von Schulen, dem Staat und Vereinen gegenüber.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind unter anderem Jugendliche MigrantInnen, institutionelle Diskriminierung, Ausbildungsmarkt, Chancengleichheit und Übergang Schule-Beruf.
Wie spielt das Konzept der „Intersektionalität“ eine Rolle?
Die Arbeit nutzt Intersektionalität, um zu verdeutlichen, dass Diskriminierung nicht eindimensional ist, sondern dass das Zusammenwirken mehrerer Merkmale (z.B. Migrationshintergrund und Geschlecht) die Jobchancen beeinflusst.
Warum ist das Ergebnis der qualitativen Analyse für die Arbeit wichtig?
Die Fallbeispiele veranschaulichen reale Bildungsbiografien und zeigen exemplarisch auf, wie individuelle Strategien und schulische Unterstützung bei der Bewältigung des Übergangs in die Berufswelt wirken.
- Arbeit zitieren
- Driton Rizvanaj (Autor:in), 2020, Benachteiligung von Migranten auf dem Arbeitsmarkt. Der erschwerte Berufseinstieg von jugendlichen Migranten mit Schulabschluss, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/936515