Lessings "Emilia Galotti" und die Kampagne "Unhate Woman" (Rapmusik).Das Frauenbild im Schatten der Aufklärung - Damals wie heute


Unterrichtsentwurf, 2020

11 Seiten, Note: 1,2

Ann Chef (Autor)


Leseprobe

Thema der Unterrichtseinheit: Das Drama Emilia Galotti von G.E. Lessing - Erschließung des Dramas vor dem Hintergrund seines epochenspezifischen Kontextes

Thema der Unterrichtsstunde: Das Frauenbild im Schatten der Aufklärung? - Damals wie heute

Hauptintention: Indem die SchülerInnen das Frauenbild des Prinzen analysieren und bewerten sowie dieses ausgehend von der Kampagne „Unhate Women“ mit ihrer eigenen Lebenswelt in Beziehung setzen, erweitern sie ihre Kompetenzen, den Inhalt literarischer Texte zu analysieren sowie die in literarischen Werken enthaltenen Herausforderungen kritisch zu eigenen Wert­vorstellungen in Beziehung zu setzen.

Weiter zu fördernden Kompetenzen:

Ziel dieser Unterrichtsstunde ist es, dass die SuS... eigene Interpretationsansätze zu literarischen Texten entwickeln und diese argumentativ-erklärend darstellen, auch unter Berücksichtigung von Ideengehalt [und] epochenspezifischen Merkmalen.1... Schlussfolgerungen aus ihrer Analyse ziehen und die Ergebnisse in kohärenter Weise dar-stellen.2

Bezug zu den Fachanforderungen und anderen curricularen Vorgaben:

Die Fachanforderungen für das Fach Deutsch sehen für die Einführungsphase im 2. Halbjahr vor, den Epochenbegriff und Probleme dessen Kategorisierung zu thematisieren, wobei der Schwerpunkt auf literarische Werke einer ausgewählten Epoche gelegt wird.3 Das schulinterne Fachcurriculum legt dies ebenfalls für das zweite Halbjahr in der Einführungsphase der Sek II fest. Vorzugweise soll ein Werk aus der Epoche der Aufklärung thematisiert werden.

Einbindung der Unterrichtsstunde in die laufende Unterrichtseinheit:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Angaben zur Lerngruppe und unterrichtliche Voraussetzungen

Lerngruppenbeschreibung wurde entfernt- In der Unterrichtseinheit wurden bereits epochentypische Merkmale der Aufklärung herausgearbeitet und das Werk „Emilia Galotti“ eingeführt. In der vergangenen Stund e erarbeiteten sich die Lernenden die Charakteristika des Prinzen und setzten die Willkür des Herrschers mit den Epochenmerkmalen der Aufklärung in Verbindung.

2. Didaktische Überlegungen und Entscheidungen

Gotthold Ephraim Lessings 1772 uraufgeführtes bürgerliches Trauerspiel „Emilia Galotti“4 soll in der Unterrichtseinheit zum einen als Lerngegenstand dienen, welcher den SuS die Möglichkeit bietet, exemplarisch Methoden der Textanalyse einzuüben. Zum anderen bieten die Themen des Dramas für die Lernenden bezogen auf ihre Lebenswelt großes Diskussionspotenzial. Neben der Frage nach der individuellen Würde des Menschen in einem feudal-absolutistischen System sind der Kontrast zwischen bürgerlichen und höfischen Wertevorstellungen sowie die Willkür des Adels von zentraler Bedeutung. Die soziale Verträglichkeit unterschiedlicher Gesellschaftsschichten und gegenseitige Rücksichtnahme statt Willkür und Egoismus bilden eine wichtige Voraussetzung des Zusammenlebens und ist somit ein zentrales Prinzip des sozialen Miteinanders. Dies inkludiert auch insbesondere das Frauenbild. Nach Klafki berührt somit der Unterrichtsgegenstand die Lebenswelt der Lernenden und ist ebenfalls für die Zukunft von hoher Bedeutung.5

Das Frauenbild spielt damals wie heute eine bedeutende Rolle. Zur Zeit der Aufklärung musste sich die Frau unterordnen und wurde dementsprechend nicht gleichberechtigt behandelt. Frauen wurden immer noch größtenteils herabgewertet und als Objekt, auf das der Mann Besitzanspruch erheben kann, gesehen.6 In dieser Hinsicht war das Zeitalter aus heutiger Perspektive noch nicht vollends aufgeklärt. Für das Frauenbild der Aufklärung werden exemplarisch Auszüge herangezogen, in denen durch Regieanweisungen sowie Aussagen des Prinzen über Gräfin Orsina und Emilia sein Frauenbild deutlich wird. Es wurde sich hierbei auf die Figur des Prinzen fokussiert, da der Prinz in vergangener Stunde bereits charakterisiert wurde, sodass die Lernenden über diese Figur schon Vorwissen verfügen. Überdies repräsentiert der Prinz den Adel mit hoher Machtposition und entsprechendem Einfluss auf die Gesellschaft, wodurch das Thematisieren seines Frauenbildes relevant wird. So spricht der Prinz zu Beginn des Dramas abwertend und herabwürdigend von Orsinas „Grimasse“7 und ihren „Medusenaugen“8, was auch seinen mangelnden Respekt und Verachtung ihr gegenüber verdeutlicht. Die Wertlosigkeit Orsinas und die Gleichgültigkeit des Prinzen kommen durch sein Aufschieben einer Briefantwort zum Ausdruck, da Orsina seine Mühe und Aufmerksamkeit nicht wert ist.9 Weil der Prinz für Emilia eine große Begierde empfindet, wird sie nicht auf die gleiche Weise wie Orsina herabgewürdigt. Dennoch wird sie in ihrem Wert herabgestuft, da der Prinz Besitzanspruch auf sie erhebt und sie mit niemandem teilen möchte. Dies wird deutlich, indem er das Gemälde Emilias personifiziert und es direkt anspricht, als sei es Emilia persönlich, sodass sich seine Äußerung direkt auf Emilia beziehen lässt: „Dich hab ich für jeden Preis noch zu wohlfeil! [...] ist es wahr, dass ich dich besitze? [...] Noch bin ich mit dir zu neidisch.“10 Daraus lässt sich ableiten, dass der Prinz ein negativ gefärbtes Frauenbild hat, da er verachtende und herabwürdigende Äußerungen bzgl. Frauen tätigt und sogar Besitzanspruch erhebt.

Betrachtet man das heutige Frauenbild der Gesellschaft, zeichnet sich ein Bild von Emanzipation ab, dass man meinen mag, unser Zeitalter ist in dieser Hinsicht vollends „aufgeklärt“. Doch im Hinblick auf die Musik bzw. Texte des Deutschraps wird schnell deutlich, dass noch eine Menge Aufklärungsarbeit bezüglich des Frauenbildes zu leisten ist, da Frauen in unzähligen Liedern entwertet und beschimpft werden. Dieser aktuellen Herausforderung stellt sich seit Ende Februar 2020 die Initiative „Unhate Women“, welche sich gegen frauenverachtende Raptexte, für mehr Respekt gegenüber Frauen und generell für eine Sensibilisierung der Sprache in Raptexten einsetzt, wodurch ein Bewusstsein für die Verwendung von Sprache geschaffen werden soll.11 Gerade in dieser Lerngruppe ist das Genre des Deutschraps sehr beliebt. Hier sind also das kritische Reflektieren und die Bewusstheit für Sprache von hoher Bedeutung für die Jugendlichen, da sonst die Gefahr bestünde, dass in diesem Fall Frauenbilder sowie Sprachgebrauch unreflektiert verinnerlicht und nicht weiter hinterfragt würden. Aus diesen Gründen ist es in jeder Hinsicht notwendig, die Lernenden zum Reflektieren und zum kritischen Hinterfragen des in Raptexten vermittelten Frauenbildes anzuregen. Auch wenn die Zitate der Raptexte sehr extrem sind, bieten sie gerade eine produktive Grundlage, ihnen dieses Thema in seiner Aktualität widerzuspiegeln und eine Reflexion einzuleiten.

3. Methodische Überlegungen und Entscheidungen

Im Einstieg widmen wir uns der Zugänglichkeit des Themas, indem die Lernenden den Begriff „Frauenbild“ erklären, sodass alle SuS wissen, was mit diesem Begriff gemeint ist. Die Erklärung des Begriffs wird stichpunktartig an der Tafel gesichert. Die Phase weckt Interesse, sie aktiviert mögliches Vorwissen und sie dient als gedankliche Vorbereitung für die Erarbeitungs- und Vertiefungsphase. In der Hinführung stellen die Lernenden eine thematische Verknüpfung zum Drama her, um die Aufmerksamkeit auf die Lektüre zu lenken. Zur transparenten Stundenübersicht wird der Stundenfahrplan erläutert und das Stundenziel benannt (Lernzielorientierung)12.

Die Erarbeitung erfolgt in Partnerarbeit, um einen unterstützenden Austausch zu gewährleisten, sodass Schwierigkeiten beim Analysieren der Auszüge minimiert werden. In der Erarbeitung wird textbezogen, anhand ausgewählter, besonders prägnanter Auszüge, das Frauenbild des Prinzen analysiert. In der anschließenden Sicherung werden die Ergebnisse der SuS an der Tafel gesichert und somit ein Tafelbild erstellt. Die LiV sichert die Richtigkeit der Aussagen, gibt weitere Impulse und ergänzt gegebenenfalls. In der Vertiefung bewerten die Lernenden das Frauenbild des Prinzen im Hinblick auf die Epochenmerkmale der Aufklärung. Dabei können sie auf das Wissen der letzten Stunden zurückgreifen (Vernetzung der Unterrichtsstunden). Hierfür wird eine kurze Murmelphase eingesetzt, damit die SuS sich erst kurz miteinander austauschen und an Sicherheit gewinnen. Es werden somit alle Lernenden aktiviert und gefordert. Im Plenum werden anschließend einige Bewertungen erläutert. Im Transfer beziehen die SuS das Frauenbild auf ihre eigene Lebenswelt, indem sie die Frage nach dem heutigen Frauenbild in einer anscheinend aufgeklärten Zeit positiv bewerten. Nach den wahrscheinlich überwiegend bejahenden Äußerungen wird die angenommene Erwartungshaltung der SuS gebrochen, indem ein Video der Initiative „Unhate Woman“ gezeigt wird, in welchem Texte aus dem Deutschrap von Frauen zitiert werden. Dies regt bei den SuS einen Reflexionsprozess an, sodass sie Texte des Deutschraps kritisch hinterfragen und erkennen, dass diese ein verachtendes Frauenbild beinhalten. Ausgehend von persönlichen Reaktionen der SuS erfolgt im Plenum eine Reflexion des Frauenbildes in der Musik.

Die Hauptintention ist erreicht, wenn die Lernenden das Frauenbild des Prinzen textbezogen analysieren und erkennen, dass trotz der Epoche der Aufklärung das Frauenbild abgewertet wurde und keine Gleichberechtigung vorherrschte.

Literaturverzeichnis

Bovet, Gislinde / Huwendiek, Volker (Hg.), Leitfaden Schulpraxis. Pädagogik und Psychologie für dem Lehrberuf, Berlin 42004.

Lessing, Gotthold Ephraim, Emilia Galotti. Ein Trauerspiel in fünf Akten, Stuttgart: Reclam XL 2014. ”

Lindenhahn, Reinhard, Arbeitsheft zur Literaturgeschichte Aufklärung. Texte, Übungen, Berlin 2201 5.

Meyer, Hilbert, Was ist guter Unterricht? Berlin 12004.

Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein: Fachanforderungen Deutsch. Allgemeinbildende Schulen. Sekundarstufe I und II, Kiel 2014.

Internetquellen https://www.unhate-women.com/de/ (abgerufen am: 08.03.20). https://www.youtube.com/watch?v=C4d8rmS6IBc&feature=emb_err_watch_on_yt (abgerufen am: 08.04.2020)

Anhang: Verlaufsskizze, Arbeitsblatt, Erwartungshorizont, Zitate aus dem Video der Kampagne „Unhate Woman“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein: Fachanforderungen Deutsch. Allgemeinbildende Schulen. Sekundarstufe I und II, Kiel 2014, S. 52.

2 Vgl. ebd., S. 52.

3 Vgl. ebd., S. 71.

4 Lessing, Gotthold Ephraim, Emilia Galotti. Ein Trauerspiel in fünf Akten, Stuttgart: Reclam XL 2014.

5 Vgl. Bovet, Gislinde / Huwendiek, Volker (Hg.), Leitfaden Schulpraxis. Pädagogik und Psychologie für dem Lehrberuf, Berlin 42004, S. 42.

6 Lindenhahn, Reinhard, Arbeitsheft zur Literaturgeschichte Aufklärung. Texte, Übungen, Berlin 22015. S. 51.

7 Lessing, Gotthold Ephraim, Emilia Galotti. Ein Trauerspiel in fünf Akten, Stuttgart: Reclam XL 2014; S. 8.

8 Ebd., S. 8.

9 Vgl. ebd., S. 6.

10 Ebd., S. 12.

11 WWW-Dokument: https://www.unhate-women.com/de/ (abgerufen am: 08.03.20).

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Lessings "Emilia Galotti" und die Kampagne "Unhate Woman" (Rapmusik).Das Frauenbild im Schatten der Aufklärung - Damals wie heute
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
1,2
Autor
Jahr
2020
Seiten
11
Katalognummer
V936655
ISBN (eBook)
9783346264671
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Stunde ist sehr lebensweltnah für die Schüler geplant, sie arbeiten das Frauenbild des Prinzen heraus, setzen es in Beziehung zur Aufklärung und transferieren es auf die heutige Zeit mit aktueller Rapmusik bzw. ein Video der Kampagne Unhate Woman. Kompletter Entwurf mit Material und Ergebnissen
Schlagworte
emilia galotti, deutschunterricht, oberstufe, emanzipation, frauenbild, rapmusik, unterricht, entwurf
Arbeit zitieren
Ann Chef (Autor), 2020, Lessings "Emilia Galotti" und die Kampagne "Unhate Woman" (Rapmusik).Das Frauenbild im Schatten der Aufklärung - Damals wie heute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/936655

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