Geschlecht und Rechtsextremismus. Konstruktion von Männlichkeit in rechtsextremen Gruppen


Bachelorarbeit, 2019

46 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Rechtsextremismus
2.1 Definition
2.2 Dynamiken
2.3 Bedeutung des Geschlechts

3. Theoretische Darstellung von Männlichkeit
3.1 Konzept der hegemonialen Männlichkeit nach Connell
3.2 Das männliche Habitus-Konzept nach Bourdieu
3.3 Homosoziale Räume nach Michael Meuser

4. Bedeutung von Gewalt im Rechtsextremismus
4.1 Arten von Gewalt
4.1.1 Personelle Gewalt
4.1.2 Strukturelle Gewalt
4.1.3 Kulturelle Gewalt
4.2 Macht und Männlichkeit im Gefängnis

5 Männer in rechtsextremen Gruppen
5.2 Ursachen des Eintritts
5.3 Rolle der Frau

6. Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Seit dem Jahre 2016 herrscht vor allem in europäischen Ländern wie Deutschland, Österreich, den Niederlanden oder Schweden, ein wachsendes Rechtsextremismuspotenzial. Zwar sind die Zahlen der politisch rechts-motivierten Straftaten in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um etwa 13 Prozent (Bundesamt für Verfassungsschutz) zurückgegangen, allerdings ist die Gewaltbereitschaft der rechtsextremen Szene im Vergleich zu anders politisch-orientierten exorbitant hoch. Deshalb ist es von hoher Relevanz, sich mit dieser Thematik zu beschäftigen, da von rechtsextremen Gruppen stets eine hohe Gefahr hervorgeht (vgl. Bundesamt für Verfassungsschutz). Diese Subkulturen haben häufig eine Gemeinsamkeit: Männliche Dominanz unter den Mitgliedern.

Rechtsextreme Gruppen leiten sich zumeist aus volksgemeinschaftlichen Weltbildern ab und aspirieren deren Darstellung von Geschlecht, eines traditionellen Familienbildes und Vorstellung von Sexualität. Interessant ist jedoch, dass in bisherigen Forschungen und Auseinandersetzungen bezüglich des männlichen Geschlechts, rechtsextremer Zugehörigkeit und Ideologie kaum über deren Kausalität reflektiert wurde (vgl. Claus et. Al. 2010: 9ff.). Dies ist insofern verwunderlich, da Männlichkeiten die organisatorischen und machtvollziehenden Positionen rechtsextremer Kameradschaften und Bündnisse bilden. Hingegen wurde zu Beginn der 1990er Jahren eine Diskussion über die Funktion und Rolle der Frauen in rechtsextremen Feldern, dargelegt u.a. von Monika Engel (1994) und näher analysiert. Männlichkeit als Teil dessen galt jedoch lange als eine Gegebenheit des Selbstverständlichen. Grund dafür ist die Gleichstellung von Männlichkeit und Gewalt, beispielhaft belegt durch die oben erwähnten Gewaltstatistiken, die laut polizeilicher Gewalttaten zu rund 95% männlichen Ursprungs sind (vgl. Claus et. Al. 2010: 9-10). Dadurch entsteht ein immenser Forschungsbedarf, da ansonsten rechtsextreme Darstellungen gefährdet sind größtenteils unerklärt zu bleiben.

Rechtsextreme Männlichkeitskonstruktionen sind eng mit einem traditionell bürgerlichen Bild eines weißen, nationalistischen, heterosexuellen Mannes ohne jedwede physische oder psychische negative Disposition aus der Mittel- oder Oberschicht verknüpft (vgl. Hechler 2012: 74). Darüber hinaus wird diese Ausführung jedoch in rechtsextreme Deutungsmuster, „insbesondere die Legitimierung und Ausübung staatlicher nicht legitimierter Gewalt, die Imagination von Herrenmenschentum und eines elitären Kampfbundes, der antidemokratische Ziele verfolgt“ (Hechler 2012: 75) verortet. Anforderungen an Männlichkeiten zeichnen sich unter anderen durch einen souveränen Charakter, Konkurrenzfähigkeit oder die Sicherstellung von Machtverhältnissen, aber auch die Anerkennung der Zweigeschlechtlichkeit, häufig durch den Darwinismus begründet, aus. Generell ist nicht zu sagen, dass gravierende Unterschiede bei Mitgliedern rechtsextremer Gruppierungen feststellbar sind, beispielsweise sind diverse Milieus, Bildungsgrade, Herkunftsstädte, oder Altersgruppen auffindbar, allerdings tendieren Menschen auf dem Land oder in östlichen Teilen Deutschlands häufiger dazu, ähnliche Merkmale eines rechtsextrem geprägten Weltbildes zu verkörpern. Eine mögliche Erklärung wäre die Unzufriedenheit, die sich für manche lediglich in anti-demokratischen Denkweisen bekämpfen lasse (vgl. Hechler 2012: 75).

Männlichkeit, deren Identitäten und Rollen seien keine „überhistorischen festen Größen, sondern historisch vielfältig und wandelbar“ (Opitz-Belakhal 2008: 31). In diesem Zuge stellt sich die Frage, welche Art von Männlichkeit in rechtsextremen Milieus konstruiert wird. Um dies zu beantworten werden soll zunächst die Dynamik rechtsextrem­motivierter Gruppierung dargestellt werden, um die Relevanz des Themas näher zu bringen. Anschließend werden die Theoriemodelle von Raewyn Connel zur Hegemonialen Männlichkeit und Pierre Bourdieus Männliche Herrschaft, die zwar Äquivalenzen aufweisen, jedoch nicht unabdingbar aufeinander abstimmbar sind, mit Anschluss an die Homosozialen Räume von Michael Meuser, dargestellt Gewaltaffinität ist ein wichtiger Bestandteil rechtsextremer Zusammenschlüsse und wird in dieser Arbeit anhand verschiedener Arten, wie physische oder psychische Gewalt, mit Bezugnahme auf Gewalt in männlichen Gefängnissen diskutiert. Den Abschluss bildet ein konkreter Übergang zu den Ursachen der Männerdominanz mit Beispielen, unter anderem von Michael Kimmel und der Beschreibung von Hypermaskulinität. Frauen spielen in dem Geschlechterverhältnis ebenfalls eine signifikante Rolle, daher werden auch ihre Einstiegswege und Positionen erläutert. Anschließend werden in einem Fazit die Ergebnisse zusammengefasst und mögliche Forschungsfelder vorgeschlagen.

2. Rechtsextremismus

Im Folgenden soll zunächst der Begriff „Rechtsextremismus“ definiert werden und anschließend die Dynamiken anhand deutscher Statistiken dargestellt werden. Darauffolgend wird die Bedeutung des Rechtsextremismus im Hinblick auf das Geschlecht erläutert. Hierbei soll insgesamt herausgearbeitet werden, inwiefern der Zusammenhang beider Varianzen relevant für eine Untersuchung ist.

2.1 Definition

Der „Rechtsextremismus“ unterliegt vielen Definition. Häufig ist der Unterschied zwischen „Rechtsradikalismus“, „Neonazismus“ oder „Faschismus“ im allgemeinen Sprachgebrauch nicht eindeutig und wird in ein und demselben Kontext verwendet. Obwohl es viele Übereinstimmung gibt, liegen auch Unterschiede vor. Der Bundesverfassungsschutz versteht unter dem Begriff des Rechtsextremismus, dass dieser (in Deutschland) „kein ideologisch einheitliches Phänomen dar[stellt]; vielmehr tritt er in verschiedenen Ausprägungen chauvinistischer, rassistischer und antisemitischer Ideologieelemente hervor, woraus sich unterschiedliche Zielsetzungen ab- bzw. herleiten. Im Rechtsextremismus herrscht die Auffassung vor, die Zugehörigkeit zu einer Ethnie, Nation oder Rasse entscheide über den Wert eines Menschen.“ (Bundesamt für Verfassungsschutz)

Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und ein autoritäres Staatsverständnis sind wesentliche Ideologiefragmente, die Rechtsextreme verbindet. Untergliedert wird die rechtsextreme Szene in „verschiedene ideologische Strömungen, Gruppierungen und Organisationen“ (Bundesamt für Verfassungsschutz). Dazu zählen unter anderem Subkulturen - beispielsweise Skinheads oder Hooligans, die insbesondere durch einen Erlebnischarakter in Form rechtsextremer Konzerte, Internetforen oder sozialen Netzwerken gekennzeichnet sind -, Neonazis oder rechtsextreme Parteien, beispielsweise die NPD oder DIE RECHTE (vgl. ebd.) . Die vorliegende Arbeit befasst sich in erster Linie mit den subkulturell geprägten rechtsextremen Organisationen und Neonazis.

Darüber hinaus liefert Samuel Salzborn den Ansatz, dass es zwei Dimensionen gibt, die bei dem Erklärungsansatz des Rechtsextremismus beachtet werden müssen. Zum einen gibt es das „Explanans“, dass die Analyse der Einstellungen und des Verhaltens, das als rechtsextrem klassifiziert wird, examiniert. Darunter zählen eben genannte Weltanschauungen wie Rassismus, Antisemitismus, aber auch Gewaltaffinität. Zum anderen ist das „Explanandum“ herauszufinden. Dies meint die letztendliche Bezeichnung, die sich aus der Verhaltens- und Einstellungsanalyse ergibt, beispielsweise ob eine Person als Rechtsextremist oder Neofaschist benannt wird (vgl. Salzborn 2015: 13).

2.2 Dynamiken

Seit einigen Jahren ist ein Zuwachs rechtsextremer Szenen allgegenwärtig. Vor allem in Ländern, in denen seit der hohen Anzahl von Flüchtlingen 2014 viele Asylsuchende eine neue Heimat suchten, stieg das Rechtsextremismuspotential enorm an. Dies geht unmittelbar mit einer zunehmenden Anzahl rechtsextrem-motivierter Straftaten und Agitation einher. Aktuelle Erkenntnisse konstatieren, dass die Zahlen rückläufig sind, da sich die politische Lage und die Zuwanderung bereits etwas reguliert haben (vgl. VS- Bericht 2017). Das Gewaltenpotential m Zuge von Fremdenfeindlichkeit ist nach wie vor vorhanden und stellt ein großes Themenfeld im Bereich Rechtsextremismus dar. Eine wichtige Plattform für Rechtsextreme, um neue Mitglieder und Überzeugte zu mobilisieren, ist in der technologisierten Welt das Internet. Dort starten sie zahlreiche Kampagnen und öffentliche Meinungskundgebungen, sodass mögliche Sympathisanten den Weg zu ihnen finden (vgl. VS-Bericht 2017).

Darüber hinaus spielen Musikkonzerte eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, möglichst viele Rechtsextreme zu versammeln und rechte Hetze zu betreiben). Im Juli 2017 verzeichnete die größte Veranstaltung in Thüringen 6000 Teilnehmern (vgl. VS- Bericht 2017). Musik sei ein grundlegender identitätsstiftender Faktor und ist daher für jene interessant, die sich sozial und wirtschaftlich benachteiligt sehen (Innenministerium NRW 2001). Ein wichtiger Unterscheidungspunkt in diesem Milieu findet sich in der Art eines rechtsextremen Zusammenschlusses. Zum einen gibt es Parteien, wie die NPD, zum andern herrschen viele subkulturell geprägte und parteienunabhängige Strukturen, wie die Neonazis, vor (vgl. VS-Bericht 2017). Herauszustellen ist hierbei, dass im Vergleich zum Jahre 2016, die Zahlen für nicht-parteigebundene Gruppierungen (z.B. „Kameradschaft Aryans“) ein Jahr später zugenommen haben, während Parteien (z.B. „DIE RECHTE“, „NPD“) an Potenzial abgenommen haben.

Aktuelle sozioökonomische und politischen Entwicklungen in Industriegesellschaften des Westens sind von immensen Konflikten und Widersprüchen beschaffen (vgl. Möller/Schuhmacher 2007: 10). Umbrüche sozialer und politischer Art haben in den letzten Jahrzehnten zum einen für viele Menschen Chancen geschaffen, andererseits auch diverse ökonomische, ökologische und politische Risiken bewirkt. Unter den negativen Seiten solcher Umbrüche gehören ferner Schwierigkeiten beim Eintritt in den Arbeitsmarkt, marginalisierte positionelle und emotionale Anerkennung, sowie Probleme bei der Eingliederung in gewisse Gesellschaften bzw. Subsysteme. Viele dieser Betroffenen erfahren eine Exklusion und eine Sinneskrise in ihrem Alltag (vgl. Möller/Schuhmacher 2007: 11). Aufgrund solcher Verwicklungen kommt es gehäuft zu Integrationsproblematiken moderner Gesellschaften und einer Förderung des „Desintegrationstheorem“ (Virchow 2010: 8). Deutschland stellt nur ein Beispiel für eine Gesellschaft dar, in der soziale Ungleichheit größer geworden ist. Daraus entstehen Ideologien, die Menschenfeindlichkeit und menschenverachtende Gewalt hervorbringen können. Daher ist es von signifikanter Relevanz, dass die Forschung das Themenfeld der Integrationsfähigkeit und wachsender politischer Unruhen, beispielweise in Formen rechtsextremer Gruppierungen, auf ihre Agenda setzt (vgl. Heitmeyer/Imbusch 2007: 11).

Kurt Möller und Nils Schuhmacher (2007) haben die bedeutsamsten Hintergründe rechtsextremer Wähler oder Zugehörigen unter sozialstrukturellen und politisch­ökonomischen Anhaltspunkten betrachtet und folgende Faktoren festgehalten: Der berufliche Status ist bei den meisten zuvörderst negativ gestellt, da viele Personen, die politisch rechts geneigt sind, vor allem erwerbslos sind, oder aus der unteren-bis mittleren Arbeiterklasse stammen. Dies ist allerdings nicht die Regel, da durchaus auch Mitglieder aus höheren Schichten stammen können. Da im Rechtsextremismus antistaatliche und verfassungsfeindliche Weltanschauungen allgegenwärtig sind, machen die Betroffenen in erster Linie den Staat für ihr wirtschaftliches Versagen verantwortlich und versuchen demnach durch rechtsextreme Ausdrucksweisen ihrem Ärger Raum zu geben. Generell sehen sich Zugehörige rechter Gruppierungen tendenziell finanziell und wirtschaftlich schlechter gestellt. Daraus resultiert eine Systemunzufriedenheit, die rund vierfünftel aller Anhänger betreffen, während die Zufriedenheit gesamtgesellschaftlich betrachtet bei etwa der Hälfte liegt. Ein weiterer Faktor stellt das Bildungsniveau dar. Übermäßig repräsentiert sind vor allem all jene, die einen Hauptschulabschluss oder die mittlere Reife erworben haben (Möller/Schuhmacher 2007: 96). Der letzte zu nennende Aspekt ist die Geschlechtsspezifik, welcher im folgenden Unterkapitel genauer beleuchtet wird und die Hinführung zur weiteren Auseinandersetzung gestaltet. Unabhängig von der rechten Szene, Partei oder sonstigen Kultur, erweisen sich etwa zwei-Drittel der Wähler oder Mitglieder als männlich.

2.3 Bedeutung des Geschlechts

Im vorherigen Abschnitt wurden bereits wichtige Merkmale genannt, die eine rechtsextrem veranlagte Person in vielen Fällen beschreiben. Neben ökonomischen oder sozialen Faktoren, wie dem Bildungsstand oder beruflichen Werdegang, steht das im Rechtsextremismus biologische Geschlecht ebenfalls im Vordergrund. In den folgenden Kapiteln wird genauer beschrieben, inwiefern sich Männlichkeit wandelt und von gewissen Milieus abhängt. Zunächst soll jedoch geklärt werden, welche Rolle die Geschlechter im Rechtsextremismus einnehmen.

Rechtsexterme Organisationen zeichnen sich seit jeher durch ein festgesetztes Programm der Familien- und Geschlechterpolitik aus. Heutige Diskussionen über eine Unterscheidung zwischen „gender“, dem sozial erworbenen Geschlecht, und „sex“, dem biologischen Geschlecht (vgl. Dorothee/Stiegler 2017), stellt für jedwede Szenen ein tendierendes Feindbild dar, weil es von einer traditionellen Geschlechtlichkeit, die lediglich Mann und Frau annimmt, abweicht (vgl. Lang 2017). Das Konzept eines sozialen Geschlechts ist für Rechtsextremisten ein nicht begründbares Konzept und daher unumgänglich zu bekämpfen. Der Kampf gegen die aktuellen Debatten verfolge dabei zwei Ziele: Zum einen soll die klassische Geschlechterordnungen in der Szene erhalten bleiben, sodass nicht vergessen werde, wie sich ein Mann und eine Frau natürlich zu verhalten haben. Außerdem wollen sie Aufmerksamkeit erhalten und den öffentlichen Diskurs beeinflussen, indem sie Begriffe wie „Genderwahn“ oder „Gender­Terror“ verwenden (vgl. ebd.). In einem Interview der durch die Jugend der NPD geführten Zeitschrift sagte eine weibliche Rechtsextremistin, dass man "[a]m Beispiel Gender Mainstreaming [.] bestens erläutern [kann], wie ein Volk dem Erdboden gleichgemacht werden soll" (Mareike Bielefeld 2012), erläutert durch Juliana Lang mit den Worten „Gender-Mainstreaming-Politik sei eine nicht demokratisch legitimierte und machtvoll von oben durchgesetzte ideologische Machtpolitik einiger weniger gegen eine angebliche Mehrheit“ (Lang 2017). „Gender“ sei also eine Art Waffe, welche das „deutsche Volk zerstöre“ (Lang 2017). Ebenfalls wurden Vorwürfe erhoben, dass die moderne Geschlechterpolitik lediglich ein Gleichhschaltungsmechanismus sei, der alle Identitäten gleichschalte und somit alle einem Zwang unterwerfen (Tagesspiegel 2008). Des Weiteren stelle eine Gleichstellung der Geschlechter einen gravierenden Einbruch rechtsextremer Ordnung dar, denn die völkische Vorstellung besteht aus Geschlecht als biologische Tatsache und ordnet Frauen den Männern unter. Frauen seien demnach für das Familienleben, den Haushalt und Nachwuchs zuständig, während Männer als Verteidiger dessen dar stehen (vgl. Lang 2017).

Die Natürlichkeit der Geschlechter ist demnach eine unabdingbare Tatsache für das rechtsextreme Ideal und der „Körper wird zum Bedeutungsträger von Geschlechtlichkeit“ (Virchow 2010: 48). Damit meint Fabian Virchow, dass Geschlecht als eine Art „sozialer Platzanweiser“ (ebd.: 44) fungiert und Männern und Frauen so vorgegeben wird, an welchem Stand sie in der Gesellschaftshierarchie stehen, welchem vorgegeben Status - verbunden mit geschlechtsspezifischen Aufgaben - sie unterliegen und den Lebensweg, den sie gehen sollten, um ihrem natürlichen Geschlecht zu entsprechen. Dargestellt wird der echte Mann häufig - vor allem in propagierenden Illustrationen - in Abbild von Kriegern, Soldaten oder Wikinger (vgl. ebd). Beispielsweise war ein solches Bild in Deutschland vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 mit dem vorherrschenden Männlichkeitsstatus versehen. Nach Kriegsende hat sich sich das klassische Verständnis von Männlichkeit direkt mitnichten verändert. Von Rechten hingegen wird das der soldatische Mann als Leitfigur weiterhin gepflegt und als oberstes Ziel angesehen. All jene Männlichkeiten, die dem eben genannten Charaktertypus nicht entsprechen, werden „subordiniert und marginal behandelt“ (ebd.: 49). Darunter fallen vor allem homosexuelle Männer und Migranten. Sowohl Homosexualität als auch ein Migrationshintergrund gelten als Bedrohung für den beschützenden Mann, der seine Besitztümer - gemeint sind Familie, Arbeit und Finanzen - gefährdet sieht. Zum einen wird die Bedeutung der Heterosexualität für das Geschlecht deutlich, aber auch die Wichtigkeit der Bewahrung der eigenen Rasse. Allerdings ist es für den homosexuellen Mann möglich, Toleranz zu erfahren, insofern seine Sexualität weder ausgelebt wird, noch den nationalen Dienst der völkischen Bevölkerungspolitik beeinträchtige (vgl. ebd.).

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Zusammenhang von Männlichkeit und Rechtsextremismus ein wichtiges Themenfeld darstellt, da Geschlechtlichkeit in rechtsextremen Szenen ein signifikanter Anknüpfungspunkt ist, der in dem aktuellen Diskurs im Vergleich zur Frauenforschung unterrepräsentiert ist. Das dort vorherrschende Männerbild des kämpferischen Soldaten entspricht seit dem Kriegsende 1945 längst nicht mehr dem vorrangigen hegemonialen Status eines Mannes, ist jedoch präsenter denn je. Im folgenden Abschnitt soll die Theorie rund um Männlichkeit anhand von der Hegemonialen Männlichkeit Connells' und Bourdieus Habituskonzept erläutert werden und anschließend auf die Männlichkeitskonstruktionen in rechtsextremen Organisationen angewendet werden.

3. Theoretische Darstellung von Männlichkeit

Wie bereits konstatiert wurde, ist die rechtsextreme Szene kein Raum frei von Gesellschaft und daher unmittelbar mit der Wichtigkeit von Geschlecht verbunden. Vor allem in demokratischen Gesellschaften, so Lehnert, spiele Geschlecht sowohl in „öffentlichen als auch privaten Räumen“ (Lehnert 2010: 89) eine fundamentale Rolle. Jede soziale Zusammenkunft bedarf einer gewissen Ordnungsinstanz, und diese wird im Rechtsextremismus durch das „dichotome und patriarchale Geschlechterverhältnis“ (ebd.: 89) hergestellt. Diese Ordnung dient als Rahmen, der den Zusammenhalt der Szene garantierten soll. Daher würde der Rechtsextremismus ohne die Signifikanz des Geschlechts nicht funktionieren. Relevanz zeigt sich in dem Streben „richtiger Männer und Frauen“ (ebd. 90), der das traditionell bürgerliche Leitbild erhalten soll. Da sich der Verlauf dieser Arbeit insbesondere auf die Männlichkeitskonstruktion in rechtsextremen Szenen bezieht, soll geklärt werden, wie denn der richtige Mann aussehe und weshalb gewisse Männer sich diesem Bild zuordnen wollen.

Um dies genauer zu untersuchen müssen zunächst die vorherrschenden Theorien zur Männlichkeit aufgezeigt werden, damit sie anschließend auf das Konzept von Rechtsextremismus und Männlichkeit greifen können. Zwei der bedeutsamsten Soziologen, die die Männlichkeitstheorie prägten, sind die australische Soziologin Raewyn Connell1 und der Soziologe Pierre Bourdieu. Während Connell mit ihrem Konzept der Hegemonialen Männlichkeit (1999) die Dynamiken des Geschlechts darzustellen versucht, in denen eine Partei „eine klare Führungsposition einnimmt“ (Connell 1999: 98), begreift Bourdieus Habitustheorie (1998) vielmehr das statische, da seiner Meinung nach das Geschlecht - beziehungsweise die männliche Herrschaft - in Strukturen und Personen verankert sei, das durch die „soziale Welt [...] den Körper als soziale und geschlechtliche Tatsache“ (Bourdieu 2005: 22) konstruiere. Da der „common sense“ (Heilmann 2010: 53) im Rechtsextremismus von einem stark geprägten Männertum ausgeht, und rechtextreme Gruppen und Organisationen sowohl „personell“ als auch „strukturell“ einen deutlich höheren Anteil von Männern als Frauen zeigt, sollte das konstituierte Verhältnis beider anhand Theorien dargestellt und erläutert werden.

3.1 Konzept der hegemonialen Männlichkeit nach Connell

Hergeleitet von Antonio Gramscis Konzept der kulturellen Hegemonie (vgl. Langemeyer 2009) stammt die Connellsche Theorie der hegemonialen Männlichkeit. In dieser wird eine gesellschaftliche Dynamik beschrieben, in der es eine deutlich abgrenzbare Dominanzfigur gibt (vgl. Connell 2000: 89). Explizit wird das männliche Geschlecht als Führungsposition deklariert und meint die Verbindung von Männlichkeit und Autorität. Connell stellt fest, dass in der gegenwärtigen Geschlechterordnung der bedeutsamste Bezugspunkt der Macht und Dominanz die omnipräsente Unterordnung der Frau gegenüber dem Mann sei (vgl. Connell 2000: 98). Allerdings definiert sich Männlichkeit nicht ausschließlich aus dem weiblichen Gegenüber, sondern auch aus Beziehungen zwischen anderen Männern, in denen sich innerhalb der männlichen Geschlechtergruppe eine Hierarchie herausbildet. Es handelt sich dementsprechend um zwei Hauptmerkmale, welche den Dominanzakt von Männlichkeit bestimmen. An dieser Stelle muss man besonders betonen, dass es sich bei Männlichkeit nicht um einen „starren Charakter“ (ebd.: 97) handelt, sondern um ein Abbild, das jederzeit skeptisch betrachtet werden kann. Der geschichtliche Kontext und kulturelle Gegebenheiten sind all jene Varianzen, die das Leitbild Männlichkeit bestimmen und konstituieren. Für die Rechtsextremismusforschung bedeute dies, dass die hegemoniale Männlichkeit eine andere Zielvorstellung als beispielsweise im männlichen linkspolitischen Spektrum darstellt.

Hegemoniale Männlichkeit wird folglich als soziale Interaktion zwischen Männern und Frauen oder unter Männern verstanden, und bildet ein Leitbild, das kaum von allen Männern in vollem Maße erreicht und umgesetzt werden kann. Jedoch funktioniert es als Definition des Mannseins, um die sich die gesamte Männerschaft positioniert (vgl. Connell/Messerschmidt 2005); die allerdings auch kritisch betrachtet werden kann. Innerhalb eines Milieus, beziehungsweise einem gesellschaftlichen Raum unterstützen die meisten Männer dieses Orientierungsmuster, „da es ein effektives symbolisches Mittel zur Reproduktion gegebener Machtrelationen zwischen den Geschlechtern darstellt“ (Meuser 2009: 162). Als Beispiel dafür ist das Modell des Familienernährers zu nennen. Insofern man sich dieser Position begreift, unabhängig davon, ob man der Aufgabe ermessen ist oder nicht, unterliegt man einer derartigen Reproduktion des Geschlechterverhältnis (vgl. Connell 2000/Meuser 2009: 162). Der Ausgangspunkt hierbei ist die Annahme, dass hegemoniale Männer nicht notwendigerweise die einflussreichsten Männer (z.B. in der Ökonomie oder Politik) sind, jedoch durchaus eine Vorbildfunktion innehaben können (vgl. Connell 2000: 98). Connell liefert hierfür das Beispiel eines wichtigen Trägers einer australischen Wirtschaftsdynastie der 50er Jahre. Es handelte sich um eine Figur der Schwulen- und Transvestitenszene, somit fernab heteronormativer hegemonialer Männlichkeit, trotz immenser Machthabe durch Reichtum (vgl. Connell 2000: 98). Dennoch entsteht männliche Hegemonie lediglich, sobald zwischen der Kultur und institutionell ausgehenden Macht ein Einverständnis herrscht. Legitimierte Männlichkeit, beispielsweise in militärischen Bezügen, wird durch Autorität als indirekte Gewalt impliziert. In Kapitel 4 wird der Gewaltbegriff genauer erläutert und zeigt auch, dass Männlichkeit mit Hilfe direkter Gewalt durchgesetzt werden kann.

Wie bereits im ersten Abschnitt erwähnt, existiert nicht nur eine Dominanzsicherung gegenüber Frauen, sondern auch anderen Männern. Connell unterscheidet drei weitere Formen von Geschlechterbeziehungen zwischen Männern: Unterordnung, Komplizenschaft und Marginalisierung.

Unterordnung meint eine untergeordnete Männlichkeit gegenüber dem hegemonialen Modell und wird von Connell mit dem Beispiel der Sexualität aufgeführt. Kennzeichnend dafür ist zunächst die übergeordnete Rolle von Heterosexualität gegenüber Homosexualität. „[Eine] Reihe recht handfester Praktiken“ (Connell 2002: 99) sorgt dafür, dass schwule Männer heterosexuellen Männern subordiniert werden, unter anderem durch Staatsgewalt, beispielsweise Gesetzesparagraphen, die Koitus fernab zwischen Mann und Frau als Strafe erklären, kulturelle und wirtschaftliche Ausgrenzung sowie generelle Diskriminierung in der Öffentlichkeit. Heterosexuelle Männer sehen es als tendenziellen Nachteil, schwul zu sein, weshalb schwule Männer von allen Männlichkeiten an der untersten Position der Geschlechterhierarchie auftauchen (vgl. ebd: 99). In der westlichen patriarchalen Weltordnung wird Schwulsein als nicht-männlich angesehen und aufgrund dessen häufig der Weiblichkeit zugeordnet. Diese Nähe zur Weiblichkeit findet allerdings auch in heterosexuellen Kreisen satt, insbesondere durch Beschimpfung mit weiblicher Konnotation, zum Beispiel Muttersöhnchen, Schwächling oder Milchbrötchen (ebd.: 100).

Des Weiteren spricht Connell von der Komplizenschaft unter Männern. Dies ist von großer Bedeutung, da es kaum Männer gibt, die den „normativen Ansprüchen“ (ebd.: 100) vollkommen entsprechen und die hegemoniale Männlichkeit ausüben. Im Rahmen dessen wird der Begriff der patriarchalen Dividende genannt, da der Großteil aller Männer durch die Unterdrückung der Frau dennoch von diesem Leitbild profitieren, obwohl sie es mit hoher wahrscheinlich nicht komplett erfüllen. Hier ist außerdem der Gedanke aufzugreifen, dass bei einer Komplizenschaft Frauen geachtet werden, da Kompromisse mit dem anderen Geschlecht in vielen gesellschaftlichen Bezügen, wie der Ehe, Familiengründung, usw., unausweichlich sind. Daher wird hierbei auch selten Gewalt zur Durchsetzung des Patriarchats angewandt (vgl. ebd.: 101).

Bis jetzt wurde im Zusammenhang mit Hegemonie, Unterordnung und Komplizenschaft eine Relation der sozialen Geschlechterordnung hergestellt. Hinzuzufügen ist zuletzt die Dimension des Verhältnisses zwischen Geschlecht und Varianzen wie Rasse oder Klasse. Im Gegensatz zur Komplizenschaft stellt Marginalisierung einen Aspekt der Ausgrenzung von Männlichkeiten dar. Beispielhaft erläutert Connell dies anhand eines schwarzen Spitzensportlers, welcher trotz seines Erfolgs keinen Stand in der hegemonialen Männlichkeit hat und durch seine Hautfarbe systematisch exkludiert wird, obwohl er Merkmale wie Heterosexualität oder Sportlichkeit innehat. Eine Marginalisierung kann auch unter untergeordneten Männlichkeiten stattfinden. Es gibt durchaus schwule Männer die rassistischen Ansichten aufweisen, oder umgekehrt (vgl. Connell 2000: 101).

In der hegemonialen Männlichkeit besteht also ein Muster, welches sozial vor einem geschichtlichen Kontext geprägt wurde. Damit „derzeitige Ausprägungen von Männlichkeit“ (Connell 2000: 106), ebenfalls vor dem Hintergrund rechtsextremer Gruppierungen, ermessen werden können, sollte ein Blick auf die Krisenanfälligkeit des Geschlechterverhältnisses geworfen werden. Connell zeigt drei Grundstrukturen auf, die eben eine solche Krise versuchen näher zu erläutert: Macht(-beziehungen), Produktion(- sbeziehungen) und emotionale Beziehungsstrukturen.

Der erst genannte Punkt ist zudem der auffälligste Aspekt, an dem man eine Geschlechterkrise erkennt. Im Hinblick auf die Legitimation des Patriarchats ist der wichtigste Faktor die Unterordnung der Frau. Rolf Pohl, Professor in Hannover, versucht in einem Interview mit Die Tageszeitung die Frage zu skizzieren, weshalb dieses Handlungsmuster für einige Männlichkeiten so relevant ist. Dies beruhe auf dem Problem, dass männliche Identität schlichtweg so konstruiert sei und eben das „unbewusste Bedürfnis, sich aufzuwerten, indem Frauen abgewertet werden“ (Pohl, taz 2009) bestehe und sie somit ihrer Macht erhaben sind. In Zeiten immer breiter werdenden feministischen Akten, der Gleichberechtigung der Frau oder staatliche finanzielle Unterstützung für Familien - aufgrund fehlender Möglichkeit der alleinige Familienernährer zu sein - ist das Patriarchat in einer Art Machtkrise. Dies fordert folglich die Rekonstruktion beziehungsweise Identitätssuche der Männlichkeiten, die sich durch die Gesellschaft entmannt fühlen. Einige Männer treibt diese Art der Krise, eine fehlende Identität zu besitzen, in gewaltaffine, rechtsextreme Szenen, da sie sich dort eine Erneuerung und Sicherung ihrer Männlichkeit erhoffen (vgl. Kimmel 2018).

Produktionsbeziehung meint das Verhältnis in der Ökonomie zwischen Männern und Frauen. Jahrhunderte galten Männer als die Vorreiter in der Finanz- und Produktionspolitik, allerdings gab es einen enormen Anstieg weiblicher Berufstätiger nach dem zweiten Weltkrieg. Dieser Wandel der Kapitalverteilungen brachte dem Mann positive, aber auch negative Aspekte. Zum einen erhalten manche Männer die Möglichkeiten, an den neusten Technologien teilzuhaben, während andere von Arbeitsmarkt exkludiert werden. Für all jene, die eine Exklusion erfahren, besteht die Gefahr, in den unzuverlässigen Arbeitsmarkt zu geraten, beispielsweise das Dealen mit Drogen (vgl. Connell 2000: 122). Auch dies findet sich häufig in subkulturellen Szenen, sodass es einen wichtigen Faktor für die Männlichkeiten im Rechtsextremismus darstellt. Zuletzt spricht Connell von den emotionalen Beziehungsstrukturen. Kurz gefasst meinen diese Praktiken, die durch das Begehren und zeigen körperlicher Nähe sozial geformt werden. Alles, was als emotional definiert wird, gehört nicht in die patriarchale Geschlechterordnung des Mannes, sondern ist lediglich dem Weiblichen zuzuordnen. Der Mann stellt das rationale Gegenteil da, welches stets begründet handelt und sexuelle Akte selbst provoziert. Neuerdings nehmen Frauen das Recht auf ihren eigenen Körper jedoch zu mal viel deutlicher war, Homosexualität wird enttabuisiert und heterosexuelle Männer bekennen sich ihren Emotionen (vgl. Connell 2000: 107). Durch das Zeigen von Härte soll in rechtsextremen Organisationen die vorherige emotionale Beziehungsstruktur rehabilitiert werden und die sexuelle Provokation durch Männlichkeit erhoben werden (vgl. Kimmel 2018).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die hegemoniale Männlichkeit als Leitbild nicht ausschließlich und vollkommen auf heutige Männerbilder zutrifft. Allerdings ist es in der patriarchalen Gesellschaftsordnung stets ein Leitsatz, der sowohl von Männern als auch von Frauen akzeptiert wird, obwohl lediglich eine Minderheit der Männer normativ dieses Bild erfüllen.

3.2 Das männliche Habitus-Konzept nach Bourdieu

Neben Connells Ansatz zur hegemonialen Männlichkeit ist das Konzept des männlichen Habitus nach Pierre Bourdieu ebenfalls zentral. So schreiben Claus et. Al. (2010), dass „[o]hne eine Analyse und Einschätzung der verkörperten männlichen Praxis, die nicht mehr zwingend bewusst ist, wäre die Betrachtung von Männlichkeit(en) im Allgemeinen sowie von sich im Rechtsextremismus konstituierenden Männlichkeit(en) im Besonderen nicht erschöpfend“ (Claus et. Al. 2010: 11).

Gemeint ist, dass lediglich das Habitus-Konzept eine Möglichkeit darbietet, durch Institutionen geleitete Machtstrukturen und die einhergehenden männlichen Inszenierungen zu erfassen. Die Interaktion des Gefühls von Zugehörigkeit und der bestehenden Konkurrenz von Männlichkeit ist ein wichtiger Faktor, sobald man sich mit den Themen Gewalt und Macht, welche eine bedeutsame Rolle im Rechtsextremismus spielen, auseinandersetzt. Im Folgenden soll Bourdieus Konzeption genauer beleuchtet werden.

Im Jahre 1997 lieferte Pierre Bourdieu in seiner Schrift „Die männliche Herrschaft“ einen Erklärungsansatz über den männlichen Habitus. Demnach werde er „konstruiert und vollendet [...] nur in Verbindung mit dem den Männern vorbehaltenen Raum, in dem sich, unter Männern, die ernsten Spiele des Wettbewerbs abspielen“ (Bourdieu 1997: 203). Dies beruht vor allem auf dem bürgerlichen Hintergrund der Geschlechterordnung und meint all jene Handlungsfelder, die als „Domänen männlichen Gestaltungswillens vorgesehen“ (Meuser 2001: 1) sind. Darunter zählen vor allem Politik und Ökonomie, alle relevanten Wissenschaften, das Militär, religiöse Institutionen und alle sonst öffentlichen Bereiche. Frauen hingegen stellen eine marginale und untergeordnete Rolle dar, welche jedoch für die Konstitution von Männlichkeit unabdingbar ist, da sie dem Mann einen Spiegel darstellen, die „dem Mann ein vergrößertes Bild seiner selbst zurückwerfen, der er sich angleichen soll und will“ (Bourdieu 1997: 203). Sein Konzept entwickelte er anhand einer ethnographischen Forschung einer kabylischen Gesellschaft in Algerien, da es dort nur die soziale Trennung des Geschlechts, als Mann und Frau, gab und so ein repräsentatives Bild die Sozialordnung spätmoderner und industrialisierter Gesellschaften für das 20./21. Jahrhundert darbot (vgl. Meuser 2001: 5f).

Ziel der ernsten Spiele - einst noch rein physische Duellkämpfe, heutzutage Auseinandersetzungen zwischen Institutionen - ist vor allem die Verteidigung der männlichen Ehre und die Formung des männlichen Habitus. Hierbei ist jedoch wichtig, dass nicht Männern aller Klasse die Teilhabe erlaubt ist. Neben Frauen existieren auch marginalisierte Männer, wie Connell beschrieb, die aus männerdominierenden Bezügen ausgeschlossen werden (vgl. Meuser 2001: 6). Meuser spricht in diesem Zuge von einer „doppelte[n] Abgrenzung“ (ebd.: 6), demnach besteht ein Drang sich von Frauen und sekundären Männlichkeiten in einem symbolischen Kampf zu distanzieren (vgl. Bourdieu 1997). Im Kontext dessen ist nicht außer Acht zu lassen, wie sich der dominante männliche Habitus in Subkulturen, unter anderem rechtsextremen Szenen, verändert. Meuser spricht von der „homosozialen Männergemeinschaft“ (ebd.: 8) und spricht ihr eine hohe Bedeutung im Zusammenhang von Reproduktion des männlichen Habitus zu. Diese wird im hierauf folgenden Kapitel zu den Homosozialen Räumen genauer erläutert.

Um die Konstruktion von Männlichkeit nach Bourdieu genauer zu verstehen ist es notwendig seine Konzeption der symbolischen Gewalt mit einzubinden, welche im Gegensatz zu realer Gewalt eine effektive Gewalt mit geistiger Auswirkung ist: „Die symbolische Gewalt richtet sich mittels der Zustimmung ein, dem Herrschenden zu geben der Beherrschte gar nicht umhinkam, da er, um ihn und sich selbst, oder besser, seine Beziehung zu ihm zu erfassen, nur über Erkenntnismittel verfügt, die er mit ihm gemeint hat, und die, da sie nur die verkörperte Form des Herrschaftsverhältnisses sind, dieses Verhältnis natürlich erscheinen lassen - oder mit anderen Worten: da die Schemata (hoch/niedrig, männlich/weiblich, weiß/schwarz usw.), von denen er Gebrauch macht, um sich selbst oder die Herrschenden wahrzunehmen und zu bewerten, das Produkt der Inkorporierung der damit naturalisierten Klassifikation sind, deren Ergebnis sein soziales Sein ist.“ (Bourdieu 2006: 66)

Demnach benutzen Frauen Denkweisen, die durch die patriarchale Inkorporierung der Machtverhältnisse hergestellt sind und die symbolische Ordnung der Geschlechter darstellt. Die Gesellschaft befindet sich in einer doxa und nimmt gegenwärtige Meinungen und Sichtweisen unhinterfragt als „wirklich und wahrhaftig“ (Koller 2014: 79) hin. Da sie nicht hinterfragt werden gelten sie als gesellschaftlich korrekt und selbstverständlich (vgl. Bourdieu 2006). Es gibt jedoch nicht eine allgegenwärtige doxa - beziehungsweise Wirklichkeit. Jede Gesellschaft unterliegt einer anderen Wirklichkeit, somit haben Handlungen je nach sozialem Raum verschiedene Auswirkungen. Beispiele für diese Art der Gewalt stellt zum Beispiel das Aussehen in Form von Größe dar. In der Regel solle der Mann größer sein als die Frau, um seine Dominanz und hohe soziale Position zu repräsentieren. Die Relevanz einer solchen Eigenschaft findet sich vorranging in Milieus der Arbeiterklasse. Ebenso gilt die Heirat dort als „vorrangiges Mittel zum Erlangen einer [dominanten] Position“ (Bourdieu 2006: 69). Das oben genannte Zitat meint demgemäß Zustände der Unterwerfung, hervorgerufen durch eine ungewollte Angleichung mit „einer objektiven Herrschaftsstruktur“ (ebd.: 69), die unmittelbar mit einer Doxa verknüpft ist und somit keinerlei Logik unterliegt. Beherrschte, in jenem Falle Frauen oder untergeordnete Männlichkeiten, sind ungewollt Teil der Herrschaft. Sobald sich ein Subjekt aus derartigen Gesellschaften entzieht wird der Zwang deutlich, unter dem es unwillkürlich gelegen hat. Daher realisiert sich symbolische Gewalt „nur durch einen praktischen Erkenntnis- und Verkenntnisakt“ (Bourdieu 2006: 77). Dispositionen der Doxa hängen vom geschichtlichen Kontext, also deren Dynamik oder Statik ab. Diese Arbeit beschäftigt sich daher insbesondere mit den Dispositionen rechtsextremer Gruppierungen und versucht dessen Ursprung anhand einigen männlichen Sozialisationsmerkmalen zu erfassen.

Ebenfalls interessant für den Verlauf ist Bourdieus Ansicht einer „androzentrischen Kosmologie“ (Bourdieu 2006: 15), da ihrer Beurteilung nach das Patriarchat, demgemäß die „Macht der männlichen Ordnung“ (ebd.: 21) keinerlei Erklärung benötige. Es scheint für den Großteil der Gesellschaft als neutral und ohne Legitimationsbedarf, sodass die soziale Ordnung „wie eine gigantische soziale Maschine zur Ratifizierung der männlichen Herrschaft“ (ebd.: 21) besteht. Darunter zählen unter anderem die Arbeitsteilung (z.B. Eintreibung finanzieller Mittel durch die Männer und Kindererziehung durch Frauen) oder soziale Aufenthaltsräume (z.B. stehen Männern die öffentlichen Räume stets zur Verfügung, während Frauen vorrangig im Hause beschäftigt sind). Daneben steht vor allem der Körper als gegebene Tatsache der Natur, der durch die soziale Welt entworfen ist. Dies bedeutet, dass die Biologie als Erklärung der gesellschaftlichen Geschlechtskonstrukte fungiert (vgl. ebd.: 22).

Andreas Heilmann (2010) fasst dies zusammen, indem er schlussfolgert, dass die durch Wettbewerbe und Spiele erhaltenen Dispositionen des männlichen Habitus in unterschiedlichen „konjunktiven Erfahrungsräumen in spezifische Männlichkeitspraxen umgesetzt und [...] sich zu kollektiven Leitbildern von Männlichkeiten [verdichten]“ (Heilmann 210: 56) und, dass sich in homosozialen Räumen männliche Strukturelemente reproduzieren, da diese von Kampf und Verteidigung der männlichen Ehre (vgl. Meuser 2001: 6) geprägt sind. Auf den subkulturellen Rechtsextremismus bezogen lässt sich hervorheben, dass die Disposition Gewalt bei Szenen, wie den Skinheads, vorrangig körperlich und aggressiv beschaffen ist, während rechte Parteien, wie die NPD, vor allem durch Symbolik Gewalt erzeugen wollen (vgl. Heilmann 2010: 54). Das folgende Kapitel soll einen Überblick über den homosozialen Raum von Männern darbieten, da dies ebenfalls ein wichtiger Aspekt ist, wenn Männlichkeiten und deren Konstrukte analysiert werden, weil der soziale Kontext die Legitimationsgrundlage von Männlichkeit zeigt.

3.3 Homosoziale Räume nach Michael Meuser

Im Zuge deutscher Debatten rund um das Konzept der hegemonialen Männlichkeit stellte der Soziologe und Geschlechterforscher Michael Meuser die These auf, dass Connells Konzept vor dem Hintergrund verschiedener gesellschaftlicher Transformationsprozesse ein „Auslaufmodell“ (Meuser 2010: 319) sei. Begründet sei dies im Wandel von Erwerbsarbeitverhältnissen in Form von Prekarisierung und darüber hinaus in privaten Lebensformen, wie dem Monopolverlust in der Ehe und wachsende Individualisierung und Pluralisierung (vgl. ebd.). Betrachtet man die Kausalität der Rechtsextremismusforschung zum männlichen Geschlecht, sind die homosozialen Räume Meusers ein wichtiges Mittel, um die Männlichkeitskonstruktion rechtsextremer Gruppen zu verstehen.

In Anschluss an Bourdieus Habituskonzept meint Meuser, dass Männer ihre „habituelle Sicherheit“ (Meuser 2010: 297) in homosozialen Räumen finden. Wie im Zuge der Frauenrolle nochmals aufgegriffen wird, sind Frauen in diesen Räumen oder homosozialen Veranstaltungen nur anwesend, wenn sie von einer männlichen Person mitgenommen werden. Die Funktion beläuft sich insbesondere darin, sich abzugrenzen und „ungetrübtes Vergnügen“ (ebd.: 297) zu vollziehen. Es handelt sich um eine Kultur, die von Ritualen, beispielsweise dem Trinken von Alkohol oder Pöbeleien, gekennzeichnet ist. Die Homosozialität dient als „kollektiver Akteur der Differenzschaffung“ (ebd.: 298), wodurch die Sicherung der männlichen Hegemonie bereitgestellt werden soll. Gruppen, auch im rechtsextremen Spektrum, dienen der Reflexierung der Männlichkeit:

„Die radikalsten Versuche, eine homosoziale Männergemeinschaft aufzubauen, unternehmen die ,wilden‘ Männer. Sie haben sich, wie wir gesehen haben, zumindest auf rhetorischer Ebene vollends vom feministischen Diskurs abgekoppelt und bemühen sich, indem sie auf in Stammeskulturen praktizierte Rituale der Männerinitation rekurrieren, eine autonome Männerwelt zu etablieren, die über die traditionell praktizierte Trennung von Frauen- und Männerwelten noch hinausgeht.“ (Meuser 2010: 301)

Primär ist es in diesen Gemeinschaften wichtig, ein Refugium zu haben, das unabhängig von weiblicher Begleitung bestehen kann. Die habituelle Sicherheit, die zu sichern versucht wird, meint unter anderem die eigene Stellung innerhalb der Familie, Interaktions- und Verhaltensregel zwischen Männern und Frauen und Taktiken und Arten der Selbstdarstellung (vgl. ebd.: 312). Da Geschlecht als Schicksal angesehen wird, ist der Mann und das was er als Individuum vollbringt erheblich. Der männliche Dominanzanspruch ist stets präsent und die „Mystifikation“ (ebd.: 313) der hegemonialen Männlichkeit sind wichtige Faktoren, die dazu bewegen, eben diese Männlichkeit aufrecht erhalten zu wollen. Der Großteil bewegt sich hingegen in der Tendenz zur männlichen Komplizenschaft. Sie profitieren zwar von dem Privileg des Patriarchats, wissen jedoch aufgrund des Verlustes der Haupternährerfunktion, dass Kompromisse mit anderen Männern nicht zu umgehen sind, da ansonsten die Dominanz gefährdet ist.

Anhand homosozialer Räume lässt sich der Begriff der Hypermaskulinität integrieren. Verunsicherte Männlichkeit, wie sie stark in rechtsextremen Gruppen vertreten sind, führt zu einem Defizit und es entsteht „eine Sehnsucht nach Sicherheit“ (ebd.: 246), die ihre Erscheinungsform in der Hypermaskulinität findet. Unsicherheiten bezüglich der eigenen Identität erheben den Wunsch, an einer echten Männlichkeit teilnehmen zu können. Die zuvor genannte habituelle Sicherheit ist hier nicht unbedeutend, da sie häufig den Grund für verlorene Identität darbietet. In Männergruppen werden all jene „Sehnsüchte“ nach Männlichkeit und die versuchende Aneignung „typischer“ Männlichkeitsmuster ausgeübt (vgl. ebd.). In rechtsextremen Gruppen sind diese beispielsweise Abwertung anderer (Nicht-) Männlichkeiten und Frauen, Gewalt, verbindende Rituale oder ein offensives Auftreten.

Der soziale Kontext ist entscheidend dafür, in welchem Wesen sich der männliche Habitus verkündet. In subkulturell-rechtsextremen Gruppen (z.B. Skinheads) zeigt sich Gewalt vorrangig physisch, im parteilichen Kontext (z.B. NPD) wird Gewalt insbesondre durch verbale Ausdrücke geäußert (Heilmann 2010: 56). Diese Konkretisierung der Legitimationsweise von Männlichkeit, „konkretisiert, verdichtet und kommuniziert sich im jeweiligen Männlichkeitsbild als handlungsleitende Orientierung“ (ebd.: 56f). Heilmann erläutert, dass dieses Leitbild „subjektivierende Kraft“ (ebd.: 57) innehat und die daraus entstehenden Subjekte die männliche Wirklichkeit inkorporiert haben und sich gemeinsamen Männlichkeitsnormen in männergebundenen homosozialen Räumen hingeben.

4. Bedeutung von Gewalt im Rechtsextremismus

Gegenwärtige Männlichkeitsforschung unter Connell, Bourdieu und Meuser stellen gruppenbezogene Gewalt von Männern als „Strukturübung“ (Bereswill 2008: 2552) dar. Demnach ist die Gewaltanwendung ein unabdingbares Mittel zur Aneignung des männlichen Habitus. Der Körper, der im Gewaltakt riskiert wird, entwickelt sich zu dem Sinnestragenden einer sozialen Aktion (vgl. Meuser 2005: 5172). Es handelt sich demnach um einen Wettbewerb des Spiels als wichtige Ressource zur Männlichkeitskonstruktion. Das Streben nach einer gesellschaftlich legitimierten hegemonialen Männlichkeit führt zu normabweichendem Risikoverhalten innerhalb einer homosozialen Gruppe. Man könne auch von Männerbunden sprechen, dessen gemeinsames Ziel die Reproduktion von Männlichkeit ist (vgl. Bereswill 2008: 25552f.). Zu solchen Gruppen, die aufgrund ihres homosozialen Charakters sehr stark männlich geprägt sind, gehören rechtsextreme Gruppierungen.

Rechtsextreme Szenen tragen eine Selbstverständlichkeit der Ermächtigung von Gewalt als zentrales Mittel „politischer Selbstinszenierung“ (Lehnert et. Al. 2010: 20) und üben diese zum einen gegen Außenstehende aus, um die Funktion der Exklusion und Autorität sicherzustellen, zum anderen kommt es auch in internen Bezügen häufig zu Gewaltakten, da eine interne Hierarchiedynamik das Fundament einer funktionierenden Gruppe Rechtsextremer bildet. Allerdings ist vor allem in der Jugend bis hin zum jungen Erwachsenenalter Gewalt innerhalb sozialer Gruppen ein wichtiges Mittel, da es eine soziale Teilhabe garantieren soll. Spezifiziert auf den Rechtsextremismus ist Gewalt in zahlreichen Bereichen zu verorten. Handelt es sich um Gewalt gegenüber Menschen, die nicht Teil der Szene sind, so charakterisieren sich diese meist durch eine abweichende Herkunft, Kultur, Sprache oder Religion (bpb). Der Grund, warum diese für Rechtsextremisten fremden Menschen häufig in die Opferrolle fallen ist das abweichende Männerbild, das sie mit sich tragen. Deshalb fallen auch Menschen mit Behinderungen oder homosexuelle Männer in diese Kategorie.

Laut der Bundeszentrale für Politische Bildung sind in Deutschland seit 1990 mehr als 130 Menschen durch rechtsextreme Gewalt gestorben. Mehr als 5000 Menschen erfuhren andere Arten rechts motivierter Gewalt. Das Gewaltpotential rechter Gruppierungen hängt von deren Art des Zusammenschlusses ab. So spricht Kurt Möller (2010) von drei verschiedenen Typen von Organisationszusammenhängen: Zunächst gibt es rechts orientierte Parteien oder parteiähnliche Gemeinschaften, die Gewalt, vor allem wenn sie körperlicher Natur ist, größtenteils ablehnen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Gewalt dort fernab des Möglichen ist. Beispielsweise wurde der Rechtsanwalt Jürgen Rieger, Politiker der NPD, im Jahre 2007 wegen Körperverletzung verurteilt (BpB). Interessanterweise besteht die Wählerschaft rechter Parteien zu zwei-Drittel aus Männern, dessen Anteil mit wachsenden Gewaltpotential einer Gruppe zu nimmt. In rechten Subkulturen etwa finden sich aufgrund der hohen Gewaltbereitschaft vorrangig Männer (ungefähr 85 Prozent) und in „explizit neonazistische^] Zusammenschlüsse[n]“ (Möller 2012: 27), zum Beispiel freie Kameradschaften, ist der höchste Anteil männlicher Mitglieder. Allerding ist es schwierig das genaue Personenpotential anzugeben. Im Zusammenhang mit Straftaten, die von der Polizei registriert werden, liegt der Männeranteil bei etwa 90 Prozent und die Täter sind, wie im ersten Abschnitt erwähnt, drei-Viertel der jüngeren Generation (unter 25 Jahren). Hierbei handelt es sich um offizielle Zahlen, wogegen die Dunkelziffern von einem „etwa viermal [höheren] Anteil rechtsextremer Straftaten durch männliche Jugendliche“ (Möller 2010: 28) ausgeht. Bei öffentlich auftretenden rechten Cliquen ist der Einsatz von Gewalt ein Erfordernis für die Erreichung rechtsextremer Ziele, vor allem bei Demonstrationen oder Aufmärschen (BpB).

Aufgrund dessen, dass Männer den Kurs rechtsextremer Gruppierungen bestimmen, halten sie die dominante Position in gewaltbereiten Szenen. Wie bereits im vorherigen Abschnitt angeschnitten wurde, handelt es sich vor allem um Jugendliche Menschen, bei denen „Gewalt als Schlüsselrolle“ (Möller 2010: 29) auftritt und häufig ein Faktor ist, der den Eintritt in Szenen schuldet. Neben Fremden- oder Schwulenfeindlichkeit gilt Gewalt im Zuge von Männlichkeit, so Möller, als eine Art „Reproduktionsmotor“ (ebd.:29) und soll zum einen eine Sicherung des Mann-Seins garantieren, und zum anderen Antrieb als Funktion rechter Orientierungen wirken. Wie sich im Laufe der Arbeit herausstellen wird, sind rechte Idealvorstellungen meist nicht der Hauptgrund des Eintritts für junge Männer. Zumal gelangen viele schier durch die Möglichkeit, gewaltsam zu handeln in politisch extreme Gegebenheiten, da so eine Eventualität der reproduzierenden Männlichkeitsinszenierung besteht (vgl. ebd.: 29f.). Erst im Anschluss folgt eine Deutung auf idolisierter Ebene, zum Beispiel durch den Hass auf Flüchtlinge, Homosexuelle oder andere Minderheiten (vgl. Möller/Schuhmacher 2007). Es lässt sich also festhalten, dass die Ideologie (in vielen Fällen) erst nach gewalttätigen Akten folgt.

[...]


1 Ehemals Robert William Connell (mehr Informationen unter: http://www.raewynconnell.net/p/about-raewyn_20.html [27.06.2019])

Ende der Leseprobe aus 46 Seiten

Details

Titel
Geschlecht und Rechtsextremismus. Konstruktion von Männlichkeit in rechtsextremen Gruppen
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Autor
Jahr
2019
Seiten
46
Katalognummer
V936660
ISBN (eBook)
9783346264725
ISBN (Buch)
9783346264732
Sprache
Deutsch
Schlagworte
geschlecht, rechtsextremismus, konstruktion, männlichkeit, connell, bourdieu, gender, masculinity, right wing extremism, sociology
Arbeit zitieren
Linda Hoberg (Autor), 2019, Geschlecht und Rechtsextremismus. Konstruktion von Männlichkeit in rechtsextremen Gruppen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/936660

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Geschlecht und Rechtsextremismus. Konstruktion von Männlichkeit in rechtsextremen Gruppen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden