Akustische Analyse der Dog- und Adult-Directed-Speech

Unterscheidet sich der Sprechstil eines Sprechers in der Interaktion mit einem Hund vom Sprechstil in der Interaktion mit einem Erwachsenen?


Hausarbeit, 2019

17 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hintergrund

3. Hypothesen

4. Experiment
4.1. Aufbau
4.1.1. Teilnehmer
4.1.2. Materialien
4.1.3. Durchführung
4.2. Messungen und Ergebnisse
4.2.1. Grundfrequenz
4.2.2. Formanten

5. Diskussion

1. Einleitung

Allan Bell stellt in seinem Text Audience Design die Hypothese auf, dass ein Sprecher in der Interaktion mit einem Hörer, seinen Sprechstil an diesen anpasst (vgl. Bell, 1984, 159). So seien Veränderungen im Sprechstil eines Sprechers auf den Einfluss des Hörers zurückzuführen (vgl. ebd.). Ziel dieser Hausarbeit ist es zu untersuchen, ob und inwieweit, sich der Sprechstil eines Sprechers in der Interaktion mit einem Hund vom Sprechstil in der Interaktion mit einem Erwachsenen unterscheidet. Es soll außerdem der Frage nachgegangen werden, durch welche Faktoren ein möglicher Style-Shift gegenüber einem nicht sprechendem Individuum beeinflusst wird.

Um diese Fragen zu beantworten sollen in der vorliegenden Hausarbeit artikulatorische Besonderheiten der Dog-Directed-Speech gemessen werden. Dazu sollen zunächst einige Studien, die sich mit dem Sprechstil in der Interaktion mit Hunden beschäftigen, vorgestellt werden. Anhand dieser Studien sollen Hypothesen für eine eigene Studie aufgestellt werden. Schließlich ist es Ziel der Hausarbeit eine eigene akustische Analyse anhand ausgewählter Parameter durchzuführen. Für die akustische Analyse soll der Sprechstil in der Interaktion mit einem Hund mit dem Sprechstil in der Interaktion mit einem Erwachsenen verglichen werden. Anschließend sollen die Faktoren, die eine mögliche Veränderung des Sprechstils während der Dog-directed-speech bewirken, diskutiert werden.

2. Hintergrund

Will man den Sprechstil eines Sprechers in der Interaktion mit Hunden untersuchen, die Dog-directed-speech (DDS), ist es wichtig, zunächst Studienergebnisse zu betrachten, die die Interaktion mit Kleinkindern untersuchten, die Infant-directed- speech (IDS). Kuhl et al. fanden in ihrer Studie zur Infant-directed-speech heraus, dass Kleinkinder in den frühen Monaten ihres Lebens Sprache erwerben, indem sie Erwachsenen zuhören (vgl., 1997, 684). Die Ergebnisse der Studie suggerierten, dass Erwachsene den Spracherwerb ihrer Kinder durch Hyperartikulation der Vokale unterstützten (vgl. ebd.). Durch die deutlichere Aussprache der Vokale scheint den Kindern die Perzeption der Sprache erleichtert zu werden. Die Ergebnisse einer anderen Studie gaben ebenso Evidenz für die Hyperartikulation der Vokale (vgl. Uther, Knoll & Burnham, 2007, 2). Darüber hinaus konnte in der Interaktion mit Kleinkindern nachgewiesen werden, dass die Probanden im Vergleich zur Interaktion mit Erwachsenen mit höherer Grundfrequenz artikulierten (vgl. ebd.). Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Erhöhung der Grundfrequenz die Aufmerksamkeit der Kinder erregen solle, während der Hyperartikulation der Vokale eine didaktische Funktion zugeschrieben wird (vgl. Uther et al., 2007, 2).

Es stellt sich die Frage, warum es wichtig ist, zunächst auf die Besonderheiten der Infant-directed-speech zu verweisen. In der Studie Patterns of Brain Activation when Mothers View Their Own Child and Dog: An fmRI Study wurden Müttern sowohl Bilder ihres Kindes, als auch ihres Hundes präsentiert (vgl. Stoeckel et al., 2014, 1). Es zeigte sich, dass beim Betrachten der beiden Bilder die gleichen Bereiche im Gehirn aktiviert wurden (vgl. ebd.). Anhand dieses Befundes lässt sich die Vermutung aufstellen, dass es zwischen Infant- und Dog-directed-speech ebenso artikulatorische Gemeinsamkeiten geben könnte.

Eine der Studien zur Dog-Directed-Speech untersuchte die Vokalhyperartikulation in der Interaktion mit einem Papageien, einem Hund, einem Kleinkind und einem Erwachsenen (vgl. Xu, Burnham, Kitamura & Vollmer-Conna, 2013, 373). Die Interaktion mit dem Papageien soll im Folgenden als Parrot-Directed-Speech oder PDS benannt werden. Diese Studie gründet sich auf die Beobachtung anderer Studien zur Infant-Directed-Speech, die Vokalhyperartikulation erfülle einen didaktischen Zweck (vgl. Xu et al., 2013, 373). Da Papageien über eine gewisse sprachliche Kompetenz verfügen, sollte untersucht werden, inwieweit Sprecher zur Vokalhyperartikulation neigen (vgl. ebd.). Diese Befunde wurden dann mit der Vokalhyperartikulation gegenüber Hunden, Kleinkinder und Erwachsenen verglichen (vgl. ebd.). Es wurden zehn-minütige Sprachaufnahmen von insgesamt elf Müttern erstellt, die jeweils mit dem Papageien, dem Hund, dem Kleinkind und dem Erwachsenen sprachen (vgl. Xu et al., 2013, 375). Um die Untersuchung der Vokalhyperartikulation zu erleichtern, wurden die Probanden, dazu aufgefordert die Wörter sheep, shoe und shark in ihre Äußerungen zu integrieren, um die Formanten der Vokale /i/, /u/ und /a/ zu messen (vgl.??). Anhand der Aufnahmen konnten dann für die vier Sprachstile Vokaldreiecke erstellt werden (vgl. S??).

Die Ergebnisse suggerierten, dass die Vokalhyperartikulation von Adult- und Dog- Directed-Speech zu Parrot-Directed-Speech und dann schließlich zu Infant- Directed-Speech zunahm (vgl. Xu et al., 2013, 373). Dies lässt darauf schließen, dass der Grad der Vokalhyperartikulation mit der sprachlichen Kompetenz des Rezipienten korreliert (vgl. ebd.). Die Hyperartikulation während der Parrot- Directed-Speech lässt sich durch die Tatsache erklären, dass Papageien dafür bekannt sind in der Lage zu seinmenschliche Sprachlaute reproduzieren zu können (vgl. Xu et al., 2013, 378). Eine vergleichsweise stärkere Hyperartikulation war während der Infant-Directed-Speech zu verzeichnen. Im Gegensatz zu Papageien besitzen Kleinkinder die Fähigkeit Sprache nicht lediglich zu reproduzieren, sondern sie zu verstehen und mit zusammenhängenden Äußerungen zu antworten (vgl. ebd.). Dass während der Dog-Directed-Speech keine Vokalhyperartikulation auftritt, sei dem Umstand geschuldet, dass Hunde nicht dazu in der Lage sind menschliche Sprachlaute zu produzieren (vgl. ebd.). Der Vokalhyperartikulation komme demnach eine didaktische Funktion zu, die mit der sprachlichen Kompetenz des Rezipienten zu korrelieren scheine (vgl. ebd., 373). Diese Studie macht demnach die Beobachtung, dass es während der Dog-Directed-Speech nicht zur Vokalhyperartikulation kommt, da es sich bei Hunden um Individuen ohne sprachliche Kompetenz handelt.

Zuletzt soll nun eine Studie vorgestellt werden, die sich insbesondere mit der Veränderung der Grundfrequenz während der Dog-Directed-Speech befasst. Zur Beschreibung der Studie sollen die Begriffe Grundfrequenz und Tonhöhe, wie in Praat synonym verwendet werden (Quelle?). Ziel dieser Studie war es, die Veränderung des Grundfrequenz in der Interaktion mit Hunden zu untersuchen und die Reaktion der Hunde auf den veränderten Sprechstil zu beobachten (vgl. Ben- Aderet, Gallego-Abenza, Reby & Mathevon, 2017, 1). Den Probanden wurden zunächst Abbildungen von Hunden verschiedenen Alters präsentiert. Darunter Hunde jünger als ein Jahr, im Alter von einem bis acht Jahren und älter als acht Jahre (vgl. ebd., 2). Während die Probanden die Abbildungen betrachteten, wurden ihre sprachlichen Äußerungen aufgenommen (vgl. ebd.). Zur Kontrolle wurden außerdem Sprachaufnahmen der Probanden in der Interaktion mit Erwachsenen angefertigt (vgl. ebd.). Die akustische Analyse der Aufnahmen wurde anschließend mit Praat durchgeführt (vgl. ebd.). Diese Aufnahmen der Dog- und Adult-Directed- Speech wurden dann Hunden unterschiedlichen Alters präsentiert, um ihre jeweiligen Reaktionen auf die Aufnahmen zu untersuchen (vgl. ebd., 3). Getestet wurden hier zum einen junge Hunde im Alter von zwei bis fünf Monaten und erwachsene Hunde im Alter von 13-48 Monaten (vgl. ebd.).

Bezüglich der Ergebnisse konnten die Autoren dieser Studie feststellen, dass die Dog-Directed-Speech zum einen durch eine höhere Grundfrequenz und zum anderen durch eine größere Variabilität in der Grundfrequenz gegenüber der Adult- Directed-Speech gekennzeichnet war (vgl. ebd., 4). Den Ergebnissen zur Folge wurde die Dog-Directed-Speech gegenüber Hunden allen Alters verwendet (vgl. ebd.). Es konnte jedoch zusätzlich festgestellt werden, dass die Grundfrequenz gegenüber jungen Hunden höher war, als gegenüber älteren (vgl. ebd.). Bezüglich der Reaktion der Hunde ließ sich erkennen, dass die jüngeren Hunde deutlich stärker auf die Dog-Directed-Speech reagierten, als auf die Adult-Directed-Speech (vgl. ebd.). Bei den erwachsenen Hunden zeigte sich hingegen kein signifikanter Unterschied in der Reaktion auf Dog- oder Adult-Directed-Speech (vgl. ebd.).

3. Hypothesen

Anhand der vorgestellten Studien lassen sich Hypothesen bezüglich zweier Parameter aufstellen, die in der akustischen Analyse untersucht werden sollen. Zum einen ist während der Dog-Directed-Speech im Vergleich zur Adult-Directed- Speech mit einer erhöhten Grundfrequenz des Sprechers, sowie einer größeren Variabilität der Grundfrequenz zu rechnen (vgl. Ben-Aderet et al., 2017, 4). Zum anderen konnte bereits festgestellt werden, dass der Vokalhyperartikulation eine didaktische Funktion zukommt (Quelle). Da es sich jedoch bei Hunden um Individuen handelt, die nicht dazu in der Lage sind menschliche Sprachlaute zu erlernen, lässt sich zudem die Hypothese aufstellen, dass es während der Dog- Directed-Speech verglichen mit der Adult-Directed-Speech nicht zur Vokalhyperartikulation kommen wird (vgl. Xu et al., 2013, 378). Da in einem Großteil der Studien zur Dog-Directed-Speech hauptsächlich die Grundfrequenz, sowie die Formanten und damit einhergehend eine mögliche Vokalhyperartikulation untersucht wurden, möchte ich mich in meinem eigenen Experiment auch auf diese beiden Parameter beschränken.

4. Experiment

Ziel meines eigenen Experiments war es, zu untersuchen, inwieweit sich der Sprechstil eines Sprechers während der Dog-Directed-Speech vom Sprechstil während der Adult-Directed-Speech unterscheidet.

4.1. Aufbau

4.1.1. Teilnehmer

Das Experiment wurde in einem sehr kleinen Rahmen durchgeführt. Untersucht wurde lediglich der Sprechstil einer Sprecherin. Bei dieser Sprecherin handelte es sich um eine 52-jährige monolinguale Frau mit Deutsch als Muttersprache. Ich entschied mich für die Untersuchung einer weiblichen Sprecherin, da auch die Sprecherinnen von Xu et al. (2013), sowie Burnham et al. (2002), auf deren Ergebnisse sich meine Hypothesen stützen, ausschließlich weibliche Sprecherinnen testeten.

Bei dem Hund zu dem die Sprecherin während der Aufnahmen sprach, handelte es sich um einen 10 Monate alten Border Collie. In der Studie von Ben-Aderet et al. (2017) zeigte sich, dass sich die Grundfrequenz der Sprecher gegenüber Hunden jeden Alters im Vergleich zur Grundfrequenz gegenüber erwachsenen Menschen erhöhte. Auffällig war jedoch, dass die Sprecher gegenüber besonders jungen Hunden mit höherer Grundfrequenz artikulierten als gegenüber älteren Hunden (Ben-Aderet et al., 2017, 1). Um in meinem eigenen Experiment möglichst eindeutige Ergebnisse zu erhalten, entschied ich mich aus diesem Grund den Sprechstil der Sprecherin gegenüber eines 10 Monate jungen Hundes zu untersuchen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Akustische Analyse der Dog- und Adult-Directed-Speech
Untertitel
Unterscheidet sich der Sprechstil eines Sprechers in der Interaktion mit einem Hund vom Sprechstil in der Interaktion mit einem Erwachsenen?
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,3
Jahr
2019
Seiten
17
Katalognummer
V936785
ISBN (eBook)
9783346268488
ISBN (Buch)
9783346268495
Sprache
Deutsch
Schlagworte
akustische, analyse, dog-, adult-directed-speech, unterscheidet, sprechstil, sprechers, interaktion, hund, erwachsenen
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Akustische Analyse der Dog- und Adult-Directed-Speech, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/936785

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