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Lehrerpersönlichkeit und Lehrergesundheit. Zwischen Berufung und Belastung

Title: Lehrerpersönlichkeit und Lehrergesundheit. Zwischen Berufung und Belastung

Examination Thesis , 2016 , 119 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Anika Lühe (Author)

Pedagogy - Pedagogic Psychology
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Ziel ist es, einen potentiellen Zusammenhang zwischen berufsspezifischen Persönlichkeitsmerkmalen, Handlungskompetenzen und der Gesundheit bei Lehrkräften aufzuzeigen und Persönlichkeitsprofile, die sich als besonders stör- und belastungsanfällig erweisen, zu identifizieren.

Grundlage der hier angeführten Ausführungen und Erläuterungen bildet zudem ein salutogenetischer und ressourcenorientierter Ansatz bzw. ein ganzheitliches Verständnis von Gesundheit (im Sinne von psychosozialen Wohlbefinden). So werden – aus den gewonnenen Erkenntnissen über fundamentale, persönlichkeitsinterne Prozesse des Denkens, Fühlens und Handelns – Maßnahmen zur bewussten Gesundheitsförderung und Stärkung psychosozialer Grundkompetenzen abgeleitet. Denn eine professionelle Selbst-, Handlungs- und Unterrichtskompetenz sowie ein angemessenes Stressmanagement erweisen sich gerade in berufsspezifischen Krisensituationen explizit als Resilienzfaktoren, die Pädagogen helfen, im Beruf zu bestehen, Konflikte inhaltlicher und/oder personeller Natur zu bewältigen, qualitativ hochwertiges Leistungsvermögen an den Tag zu legen, auf dieser Basis Berufszufriedenheit als Lehrer zu bewahren und gesund das Pensionierungsalter zu erreichen. Die interdisziplinäre Annäherung an den Kern der Thematik soll somit nicht nur eine Art Situationsbeschreibung von Lehrkräften an deutschen Schulen ermöglichen, sondern bietet gleichzeitig Lehramtsinteressenten, -Studierenden, aber auch Lehrern mit Praxiserfahrung unter anderem die Möglichkeit, ihr eigenes (domänenspezifisches) Selbst aus einer kritisch-konstruktiven Perspektive zu beleuchten, zu reflektieren und gegebenenfalls positiv zu verändern.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Psychische Gesundheit und Beanspruchung im Lehrerberuf

1.1 Modelle und Konzepte psychischer Gesundheit

1.2 Aktuelle, empirische Ergebnisse zur gesundheitlichen Situation von Lehrkräften

1.3 Berufsbedingte und sozial-gesellschaftliche Beanspruchungsursachen

2. Aspekte der Lehrerpersönlichkeit

2.1 Persönlichkeitsparadigma

2.2 Prozess-Produkt-Paradigma

2.3 Expertenparadigma

2.4 Belastungs-Beanspruchungs-Paradigma

2.5 Zusammenfassung der konzeptionellen Überlegungen

3. Zum Zusammenhang von Lehrerpersönlichkeit und Lehrergesundheit

3.1 Personale Dimension – Persönlichkeitsspezifische Merkmale und Wohlbefinden

3.1.1 Arbeitsbezogene Verhaltens- und Erlebensmuster

3.1.2 Berufsinteresse und Berufswahlmotivation

3.1.3 Extraversion, Neurotizismus und Gewissenhaftigkeit

3.1.4 Optimismus und Selbstwirksamkeitserwartung

3.2 Fachliche Dimension – Zur Relevanz professionellen Wissens und Könnens

3.2.1 Kompetenzen und Standards im Lehrerberuf

3.2.2 Theoretisches Modell professioneller Kompetenz

3.2.3 Erkenntnisse aus dem Experten-Novizen-Vergleich

3.3 Soziale Dimension – Auswirkungen des Lehrerhandeln im sozialen Wirkungsgeflecht

3.3.1 Durch erfolgreiches Klassenmanagement zu einer positiven Lehrer-Schüler-Beziehung

3.3.2 Sozial-kommunikative Kompetenzen als Schlüssel zum Erfolg

3.3.3 Soziale Unterstützung als bedeutende Ressource im Lehrerberuf

3.4 Fazit: Selbstmanagement zum Schutz der Gesundheit

4. Konklusion

5. Möglichkeiten der Gesundheitsprävention und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, einen transdisziplinären Zugang zum Thema Lehrerpersönlichkeit und Lehrergesundheit zu schaffen. Sie untersucht, inwieweit berufsspezifische Persönlichkeitsmerkmale und Handlungskompetenzen die Gesundheit von Lehrkräften beeinflussen, um insbesondere stör- und belastungsanfällige Persönlichkeitsprofile zu identifizieren und Präventionsmaßnahmen abzuleiten.

  • Zusammenhang zwischen Lehrerpersönlichkeit und Lehrergesundheit
  • Analyse psychischer Belastungsfaktoren im Lehrerberuf
  • Einfluss professioneller Kompetenzen und Selbstmanagement
  • Bedeutung der Lehrer-Schüler-Beziehung und sozialer Unterstützung
  • Ressourcenorientierte Ansätze zur Gesundheitsprävention in der Lehrerausbildung

Auszug aus dem Buch

1.1 Modelle und Konzepte psychischer Gesundheit

Gemäß der Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO (World Health Organisation) von 1948 wird Gesundheit als ein „Zustand des völligen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen“ (WHO, 1948) definiert, wodurch sowohl die subjektive Dimension des Wohlbefindens als auch der objektive Aspekt, nämlich die Abwesenheit krankhafter Symptome, betont werden. Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass Gesundheit eine „komplexe Qualität menschlichen Lebens“ (Lorenz, 2005, S. 8) und eine „wesentliche Bedingung für [die] soziale, ökonomische und persönliche Entwicklung“ eines Menschen darstellt (WHO, 1986).

In Abgrenzung zur pathogenetischen Auffassung von Gesundheit, entwickelte der Medizinsoziologe Aaron Antonovsky 1979 ein salutogenetisches Gesundheitsmodell, welches Gesundheit nicht als ein dichotomes Konzept und einen antithetischen Zustand in Bezug zu Krankheit definiert, sondern Gesundheit als ein dynamisches psychosoziales System versteht, in dem Gesundheit als auch Krankheit gleichermaßen Berücksichtigung finden (Antonovsky, 1997). Jenes Modell wurde auf Grundlage gewonnener Daten zur Anpassungsfähigkeit von Frauen, welche sich 1939 im nationalsozialistischen Konzentrationslager befanden, konzipiert und bietet eine Erklärung für das Entstehen und die Aufrechterhaltung von Gesundheit beim Menschen – selbst in prekären Lebenslagen und Krisensituationen (ebd., S. 72 ff.). Da Lehrkräfte innerhalb ihres Berufes einem hohen Anforderungs- und Belastungspotential sowie Stressoren, die sich negativ auf die Gesundheit auswirken können, ausgesetzt sind, ist das Salutogenese-Modell Antonovskys im Setting Schule von höchster Relevanz und bildet das theoretische Rahmenmodell der vorliegenden Arbeit.

Gemäß der Gesundheitstheorie Antonovskys sind die Dimensionen Gesundheit und Krankheit als prozessuale Geschehen im gesamten Lebenslauf zu erfassen, was bedeutet, dass der Mensch – innerhalb seiner ontogenetischen Entwicklung – einer ständigen und allgegenwärtigen Konfrontation von physikalischen, biochemischen sowie psychosozialen Stressoren (aus der inneren und äußeren Umwelt) ausgesetzt ist (Antonovsky, 1997).

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die aktuelle Diskrepanz zwischen dem hohen gesellschaftlichen Ansehen von Lehrkräften und deren vulnerablen Gesundheitszustand, um die Relevanz der Forschungsfrage nach dem Zusammenhang von Lehrerpersönlichkeit und Gesundheit zu begründen.

1. Psychische Gesundheit und Beanspruchung im Lehrerberuf: Dieses Kapitel stellt theoretische Modelle wie das Salutogenese-Modell vor und analysiert aktuelle empirische Erkenntnisse sowie berufsbedingte Belastungsursachen, die die gesundheitliche Situation von Lehrkräften prägen.

2. Aspekte der Lehrerpersönlichkeit: Es erfolgt eine multiperspektivische Einordnung des Terminus "Lehrerpersönlichkeit" anhand unterschiedlicher Forschungsparadigmen, von der Persönlichkeitsforschung bis zum Expertenparadigma.

3. Zum Zusammenhang von Lehrerpersönlichkeit und Lehrergesundheit: Das Hauptkapitel untersucht systematisch die personale, fachliche und soziale Dimension und deren Einfluss auf die psychische Gesundheit und Berufszufriedenheit, basierend auf empirischen Studien.

4. Konklusion: Die Ergebnisse werden zusammengeführt und reflektiert, um die Bedeutung interner Kompetenzen und Ressourcen im Hinblick auf das individuelle Belastungserleben zu unterstreichen.

5. Möglichkeiten der Gesundheitsprävention und Ausblick: Abschließend werden konkrete präventive Maßnahmen für die erste Phase der Lehrerausbildung skizziert, um die Lehrergesundheit und -zufriedenheit langfristig zu fördern.

Schlüsselwörter

Lehrergesundheit, Lehrerpersönlichkeit, Salutogenese, psychische Belastung, Burnout-Prävention, professionelle Handlungskompetenz, Selbstmanagement, Klassenmanagement, Sozialkompetenz, Stressbewältigung, Lehrer-Schüler-Beziehung, Ressourcenorientierung, Berufswahlmotivation, Expertiseforschung, Arbeitszufriedenheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Persönlichkeit von Lehrkräften, deren berufsbezogenen Kompetenzen und ihrer psychischen Gesundheit, um zu verstehen, warum manche Lehrer trotz hoher Belastungen zufrieden und gesund bleiben.

Welche sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen umfassen salutogenetische Gesundheitskonzepte, verschiedene Paradigmen der Lehrerforschung, arbeitsbezogene Verhaltens- und Erlebensmuster sowie die Bedeutung sozialer und fachlicher Kompetenzen im Schulalltag.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, einen transdisziplinären Überblick über vorhandene psychologische Erkenntnisse zu geben und aufzuzeigen, welche Persönlichkeitsprofile und Handlungskompetenzen als Resilienzfaktoren fungieren, um Gesundheitsrisiken im Lehrerberuf zu minimieren.

Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Untersuchung gewählt?

Die Arbeit basiert auf einer literaturbasierten Synopse, die quantitativ-empirische Studien und theoretische Ansätze aus der Pädagogischen Psychologie, Gesundheitspsychologie und Expertiseforschung metaanalytisch reflektiert und bewertet.

Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Arbeit im Fokus?

Im Hauptteil werden personenspezifische Merkmale, professionelles Wissen, pädagogische Handlungskompetenzen sowie soziale Interaktionsprozesse wie das Klassenmanagement und die Bedeutung sozialer Unterstützung differenziert analysiert.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Lehrergesundheit, Belastungs-Beanspruchungs-Paradigma, Salutogenese, professionelle Handlungskompetenz und Selbstmanagement treffend beschreiben.

Warum ist das Salutogenese-Modell nach Antonovsky für Lehrkräfte so wichtig?

Das Modell ist zentral, da es Gesundheit nicht als starren Zustand, sondern als prozessualen Umgang mit Stressoren versteht, was Lehrkräften hilft, durch ein starkes Kohärenzgefühl schwierige Anforderungen als bewältigbare Herausforderungen wahrzunehmen.

Welche Rolle spielt das AVEM-Inventar für die Identifikation von Risikogruppen?

Das AVEM-Inventar ermöglicht es, verschiedene Bewältigungsstile (wie die Typen G, S, A und B) zu unterscheiden, wobei insbesondere die Typen A und B auf gesundheitsgefährdende Muster wie Überforderung oder Resignation hinweisen.

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Details

Title
Lehrerpersönlichkeit und Lehrergesundheit. Zwischen Berufung und Belastung
College
Martin Luther University  (Pädagogische Psychologie)
Grade
1,0
Author
Anika Lühe (Author)
Publication Year
2016
Pages
119
Catalog Number
V936807
ISBN (eBook)
9783346265135
ISBN (Book)
9783346265142
Language
German
Tags
Lehrergesundheit Salutogenese Lehrerpersönlichkeit Burnout Stress Resilienz Prävention Gesundheitsförderung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anika Lühe (Author), 2016, Lehrerpersönlichkeit und Lehrergesundheit. Zwischen Berufung und Belastung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/936807
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