Virtuelle Liebesbeziehungen von Digital Natives in sozialen Netzwerken und deren Folgen


Hausarbeit, 2019

18 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definitionen
2.1 Virtualität
2.2 Digital Natives
2.3 Soziale Netzwerke

3 Entwicklung und Nutzung sozialer Netzwerke
3.1 Die Entwicklung
3.2 Die Nutzung

4 Folgen virtueller Liebe
4.1 Verhalten in einer Liebesbeziehung in sozialen Netzwerken
4.2 Kommunikation in einer Liebesbeziehung in sozialen Netzwerken

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf.“ (Glattauer 2006: S.32.). Dieses Zitat drückt sehr gut aus, was in der heutigen Zeit völlig normal ist. Denn schreiben bzw. chatten über die sozialen Netzwerke sind aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken. Gerade und explizit die sozialen Netzwerke gehören zum Alltag eines jeden Jugendlichen. Aber was genau ist für Jugendliche so interessant an sozialen Netzwerken? Was verbinden sie mit ihnen? Und warum verbringen sie so viel Zeit im Internet? Es sind wohl die Möglichkeiten, mit anderen Nutzern1 zu kommunizieren und in Kontakt zu treten. Gerade im Alter von 14 bis 29 Jahren erleben viele junge Leute spannende Phasen in ihrem Leben. Es geht um den ersten Kontakt mit dem anderen Geschlecht, die erste Liebe und die erste Enttäuschung. Dies alles geschieht nicht unbedingt nur im realen Leben, sondern auch virtuell. Denn: „Sexualität im Internet prägt das sexuelle Leben und Erlernen und damit die intime Beziehung einer zunehmenden Zahl von Menschen in der heutigen Zeit.“ (Merk 2014: S.9). Für die meisten Jugendlichen ist es selbstverständlich, soziale Netzwerke jeden Tag zu nutzen. Sie finden einen Raum um sich selbst darzustellen. Sie selbst entscheiden dabei, was genau sie von sich preisgeben wollen und mit wem sie welche Inhalte teilen.

In dieser Ausarbeitung geht es um das Thema virtuelle Liebesbeziehungen der Digital Natives in sozialen Netzwerken und dessen Folgen. Auf Grund der vorgegebenen Seitenanzahl wird nicht auf die frühere Zeit vor den sozialen Netzwerken eingegangen und somit wird kein direkter Vergleich zu heute gezogen. Zunächst werden im zweiten Kapitel alle relevanten Begriffe definiert. Im dritten Kapitel werden schließlich die sozialen Netzwerke genauer beschrieben. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf die Entwicklung und Nutzung gelegt. In diesem Hinblick werden Teilnehmerzahlen und Aktivitäten der Digital Natives genauer verdeutlicht. Das letzte Kapitel beschreibt schließlich zwei wesentliche Folgen der Entwicklung virtueller Liebesbeziehungen. Auch der Aspekt Kommunikation in einer Liebesbeziehung und wie dieser sich in der heutigen Zeit in sozialen Netzwerken verhält, ist eine interessante Wendung und wird in dieser Arbeit aufgeführt.

2 Definitionen

2.1 Virtualität

„Abgeleitet vom etymologischen Ursprung des mittellateinischen „virtualis“ wird mit „virtuell“, dass verbunden, „was nach Anlage oder Vermögen der Möglichkeit nach vorhanden“ ist, also „mögliche Wirklichkeit“ oder „mögliche Möglichkeit“. (Burda 2008: S.43). Das bedeutet, dass das virtuelle möglich, aber eben noch nicht aktualisiert ist, also noch eine verborgene Möglichkeit ist. Im alltäglichen Sprachgebrauch wird virtuell auch als Synonym für „praktisch“ oder „so gut wie“ verwendet (vgl. Burda 2008: S. 43). Im technischen Sprachgebrauch kennzeichnet virtuell etwas, das nicht real ist, aber so funktioniert, als wäre es real (vgl. Burda 2008: S. 43). Beide Begriffsanwendungen, sowohl die technische, als auch die alltagspraktische, drücken aus, dass es darum geht, das Virtuelle am Realen zu messen (vgl. Welsch 2000: S.27). Zudem wird Virtualität auch als Kontrastbegriff zu einer angenommenen Realität verwendet. Es verdeutlicht das Verhältnis zwischen Sein, wirklich und nicht wirklich (vgl. Burda 2009: S.43).

2.2 Digital Natives

Digital Natives werden als Eingeborene des digitalen Zeitalters verstanden, für die das Internet schon immer da gewesen ist. Das Internet ist für sie ein elementarer Bestandteil ihrer erzieherischen, gesellschaftlichen und kulturellen Erfahrungen (vgl. Frieling 2010: S. 9). Durch die zunehmende Einbindung des Internets in den Alltag hat sich das Leben der Digital Natives grundlegend verändert. Für sie spielt sich das soziale Leben zunehmend online ab (vgl. Frieling 2010: S. 9). Digital Natives leben eine Doppelexistenz (vgl. Frieling 2010: S. 10), es handelt sich um eine separate Realität (vgl. Wellmann & Giulia 1999: S. 234), die sich neben dem wahren Leben abspielt. Für sie ist das Umschalten von real auf digital, bzw. leiblich auf virtuell selbstverständlich – wie ein angeborener Habitus. Es ist ganz normal, ein Leben zu führen, dass sich parallel sowohl online als auch offline abspielt (vgl. Frieling 2010: S. 38).

2.3 Soziale Netzwerke

Unter sozialen Netzwerken versteht man Plattformen, die zum gegenseitigen Austausch von Meinungen, Eindrücken und Erfahrungen dienen (vgl. Hilker 2010: S.11). Es erfüllt früher, sowie heute verschiedene Funktionen in diesen Bereichen (vgl. Hilker 2012: S 11). Mithilfe von Webseiten und Apps haben Nutzer die Chance Inhalte zu kreieren, sie zu teilen und sich mit anderen Nutzern zu vernetzen (vgl. Onlinemarketing o.J.). Laut Weinberg fallen dank sozialer Netzwerke die geografischen Mauern zwischen den Menschen (vgl. Weinberg 2012: S.1). Nutzer überall auf der Welt haben die Chance, sich rund um die Uhr über alle erdenklichen Themen und Sachverhalten auszutauschen und sich zu informieren (vgl. Weinberg 2012: S.1). Diese Informationsbeschaffung erfolgte früher, im Gegensatz zu heute, noch mündlich oder schriftlich durch Briefe (vgl. Hilker 2012: S 11). Auch die soziale Unterstützung spielt heutzutage eine große Rolle auf sozialen Netzwerken. Denn durch ein gut funktionierendes Netzwerk können Beteiligte im Internet Hilfe und Unterstützung durch andere Nutzer erhalten oder diese gewähren (vgl. Hilker 2012: S 11). Beispiele für soziale Netzwerke sind Facebook und Instagram, als eine der größten und bekanntesten Plattformen. Weitere bekannte Beispiele sind Videoplattformen wie YouTube oder Blogs wie Twitter, Tumblr oder Pinterest (vgl. Karl 2019). Auch dazu zählt der sogenannte User Generated Content, also Web-Inhalte, die von den Benutzern selbst erstellt und geteilt werden. Inhalte sind unter anderem Videos, Bilder, Texte, Rezensionen oder Podcasts (vgl. Rapp o.J.). Diese machen aus dem bisher passiven und konsumierten Web eine Plattform zur aktiven Teilnahme, an der sich jeder Interessierte beteiligen kann (vgl. Hilker 2010: S.11).

3 Entwicklung und Nutzung sozialer Netzwerke

3.1 Die Entwicklung

Noch vor Entstehung des Internets war es den Menschen nur möglich soziale Netzwerke zu bilden, in dem sie sich zu Gruppen zusammenschlossen. Dies setzte allerdings eine örtliche Nähe und physische Präsenz voraus (vgl. Universität Oldenburg o.J.). Heute, nach der Entstehung des Internets, auch World Wide Web (WWW) genannt (vgl. DW Magazin o.J.), nutzen es in Deutschland rund 90 Prozent der Bevölkerung (vgl. Statista 2018). Es bietet den Menschen im Gegensatz zu früher unendliche Möglichkeiten, mit anderen in Kontakt zu treten, zu kommunizieren und eine virtuelle Welt zu gestalten (vgl. Merk 2014: S. 41). Bei den Menschen entstand das Bedürfnis, sich auch über die bereits genannten Grenzen hinaus austauschen zu wollen (vgl. Universität Oldenburg o.J.). Der Ursprung sozialer Netzwerke im Internet liegt im Jahre 1978. Entwickelt von Randy Suess und Ward Christensen entstand das Bulletin Board System (BBS). Nutzer konnten Daten, Nachrichten und andere Informationen auf öffentlichen Boards posten (vgl. Steinberger 2017). Dieses ist vergleichbar mit einem schwarzen Brett, auf dem die Beiträge veröffentlicht wurden, sodass andere Nutzer sie einsehen und darauf reagieren konnten (vgl. onpulson o.J.). Schließlich ging im Jahr 1995 die Website Classmates online. Auf ihr konnten sich ehemalige Schulfreunde, Kommilitonen oder Wehrdienstkameraden wiederfinden (vgl. Steinbrenner 2017). ICQ und AOL Messenger folgten schließlich im Jahr 1996. Durch die Veröffentlichung von ICQ wurde ein weiterer Baustein von sozialen Netzwerkern einer breiten Masse zugänglich (vgl. Steinbrenner 2017). Die Messenger-Dienste basierten auf einer reinen Textdarstellung und boten den Usern an, sich über eine Web-Anwendung miteinander auszutauschen und zu chatten. Kaum ein Schüler oder Student in dieser Zeit nutze diese Dienste nicht (vgl. Bunz 2018). In den folgenden Jahren kamen 1999 Blogs und 2000 Friendster dazu. Diese Netzwerke ermöglichten es den Nutzern sich ein eigenes Profil zu erstellen um mit anderen Nutzern in Kontakt zu treten (vgl. Vivan 2013). Im Jahr 2003 wurden LinkedIn, MySpace und XING ins Leben gerufen. MySpace legte dabei einer der erfolgreichsten Starts der Social-Media-Geschichte hin. Bis zu 230.000 Mitglieder meldeten sich anfangs pro Tag an (vgl. Steinbrenner 2017). Im darauffolgenden Jahr ging das bis heute größtes Netzwerk der Welt online: Facebook. Die von Marc Zuckerburg entwickelte Plattform verbreitete sich anfangs nur auf Universitäten. Heute verbindet sie Nutzer auf der ganzen Welt (vgl. Jacobsen 2017). Ab 2005 ging schließlich YouTube online (vgl. Steinberger 2017). Die Video Plattform ermöglichte es Nutzern eigenen Content in Form von Videomaterial zu erstellen und einer breiten Masse zugänglich zu machen (vgl. Markwald o.J.). Instagram wird 2010 gegründet. Zusammen mit Pinterest fokussierte sich das soziale Netzwerk auf Bilder und Fotos (vgl. Steinbrenner 2017). Schließlich folgt 2011 Snapchat. Dieses Netzwerk besitzt eine proprietäre Instant-Messaging-Anwendung, die Nachrichten nach kurzer Anzeigezeit wieder löscht und nicht mehr zugänglich macht (vgl. Steinbrenner 2017). Im Jahr 2014 kaufte Facebook schließlich den 2009 gestarteten Messageging-Dienst Whatsapp auf, welcher mittlerweile mehr als eine Milliarden Nutzer verbuchen kann. Nur der Facebook Messanger überstreitet 2016 die Marke einer Milliarde Nutzer (vgl. Steinbrenner 2017). Laut der hohen Nutzerzahlen der einzelnen Medienplattformen lässt sich erkennen, dass gerade die sozialen Netzwerke bei der Nutzung des Internets eine besondere Bedeutung haben. Sie verbinden dank großer Vielfalt private und berufliche Zwecke (vgl. bpp 2017).

3.2 Die Nutzung

„Soziale Netzwerke haben in kürzester Zeit eine enorme Entwicklung vom Nischenphänomen zum Internetstandard gemacht.“ (Focus 2011: o.O.). Dank vielseitiger Nutzungsmöglichkeiten dringt das Internet immer tiefer in den Alltag von immer mehr Menschen ein (vgl. bpp 2017). Seit 2004 flotiert die Nutzung von sozialen Netzwerken immer mehr. Diese Entwicklung lässt sich, wie bereits aufgeführt, mit der Entstehung der großen sozialen Netzwerke erklären, da zu dieser Zeit beispielsweise Facebook und Twitter entstanden sind. Heute haben sie in Deutschland einen Höhepunkt erreicht, denn neun von zehn Internetnutzern (87 Prozent) sind auf sozialen Netzwerken angemeldet. Besonders die Digital Natives der Altersgruppe 14- bis 29-Jahre sind mit 98 Prozent besonders oft vertreten. Ein ähnlicher Wert ist es auch bei den 30- bis 49-jährigen, dort sind es 92 Prozent. Von den 50- bis 64-jährigen sind 80 Prozent auf sozialen Netzwerken angemeldet und auch bei den über 65-Jährigen besteht mit 65 Prozent eine große Mehrheit (vgl. Rohleder 2018: S.1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Internetnutzer ab 14 Jahren (Bitkom 2018: S.1)

Für die meisten Internetnutzer ist es normal, ein Teil der digitalen Welt zu sein. Es gehört dazu, sich über ein Profil auf den sozialen Netzwerken zu präsentieren und immer erreichbar zu sein. Digital Natives sind besonders aktiv im Web. Sie sind durchschnittlich auf fünf Plattformen angemeldet (vgl. Neuerer 2018). Die Netzwerke Facebook, YouTube und Instagram dominieren bei der Nutzung (vgl. Rohleder 2018: S. 4). Die Motivation zur Nutzung von sozialen Netzwerken ist das Knüpfen von neuen Kontakten und um alte Kontakte zu pflegen. Zudem hilft es dabei, das Privatleben zu organisieren und einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Elf Prozent der Nutzer geben an, soziale Netzwerke für die Suche nach einem Flirt oder Lebenspartner zu nutzen (vgl. Rohleder 2018: S. 7).

Laut Wampfler haben Jugendliche schon immer kommuniziert, vor Jahrzenten über Briefe oder Telefon und heutzutage über soziale Netzwerke (vgl. Wampfler 2014: S.46). Diese Aussage bestätigt sich, denn laut der Bitkom-Studie aus 2018, wird die Funktion, private Nachrichten zu verschicken, am häufigsten genutzt. Auch das Liken von Beiträgen und das Hochladen von Fotos ist ein eine häufige Aktivität der Nutzer (vgl. Rohleder 2018: S. 10). Die meisten Handlungen geschehen heutzutage über das Smartphone, denn 82 Prozent der Digital Natives greifen über dieses Gerät auf ihr Profil zu. Die Nutzung erfolgt weiterhin über den Laptop, den Desktop-PC oder das Tablet (vgl. Rohleder 2018: S. 8).

Ein Leben ohne soziale Netzwerke ist für jeden Dritten Nutzer unvorstellbar, denn 38 Prozent der Befragten können sich nicht vorstellen, ihr Profil zu löschen. Am wenigsten vorstellen können sich dies die Digital Natives (vgl. Rohleder 2018: S. 11). Sie geben mit 69 Prozent an, in Zukunft noch mehr aus ihrem Leben in sozialen Netzwerken zu teilen (vgl. Rohleder 2018: S. 14).

4 Folgen virtueller Liebe

4.1 Verhalten in einer Liebesbeziehung in sozialen Netzwerken

Zunächst wird für das Verständnis dieses Kapitels der Begriff Liebesbeziehung definiert. Eine Liebesbeziehung ist eine von Liebe bestimmte Beziehung zwischen mindestens zwei Menschen (vgl. Duden o.J.). Sie wird auch als romantische Beziehung bezeichnet und setzt ein emotionales, intimes und meist sexuelles Verhältnis voraus. Dieses ist durch gegenseitige Liebe, Mitgefühl, Interesse und Fürsorge geprägt. Zudem umfasst es eine erotische Anziehung. Liebe kann in diesem Kontext als Verliebtheit oder Leidenschaft, aber auch als stille und innige Zuneigung in Erscheinung treten (vgl. Aronson, Wilson & Akert 2010: S. 327). Eine kurzfristige Liebesbeziehung wird auch als Liebschaft, Liaison oder Liebesaffäre bezeichnet. Eine dauerhafte Liebesbeziehung hingegen als Partnerschaft oder Lebensgemeinschaft. Die rechtlich verbindliche Liebesbeziehung ist die Ehe. Parallele und außereheliche sexuelle Affäre werden als Seitensprung bezeichnet (vgl. educalingo o.J.). Unter virtuellen Liebesbeziehungen werden soziale Beziehungen verstanden, in der sich die Beteiligten im Netz kennenlernen oder sich bereits kennen und über das Computernetzwerk miteinander in Kontakt treten und eine Beziehung pflegen (vgl. Dröge o.J.: S.7).

Heutzutage verlieben sich immer mehr Menschen in sozialen Netzwerken. Sie erleben dort intensive Gefühle und streben danach, eine enge, intime Beziehung zu führen (vgl. Thimm 2000: S. 39). Sobald sie eine Beziehung eingehen, ist es nicht ungewöhnlich, dass die jeweiligen Partner mediale Gewohnheiten entwickeln. Somit entstehen auch bestimmte Normen, die beide Beteiligte annehmen (vgl. Wampfler 2014: S. 93). Es geht beispielweise darum, wie schnell eine Nachricht beantwortet werden sollte (vgl. Wampfler 2014: S.55). Zudem ist es den Partnern wichtig, dass ihre Beziehung von außen wahrgenommen wird. Die sozialen Netzwerke bieten dafür die Möglichkeit. Denn auf den jeweiligen Profilen kann der Beziehungsstatus öffentlich gemacht werden und ist somit für andere Nutzer zugänglich. Laut Wampfler streben Jugendliche danach, sich an einer ganzen Menge dieser Normen zu orientieren. Es geht darum, die Beziehung angemessen medial zu zeigen (vgl. Wampfler 2014: S. 93). „Vom ersten Kontakt bis zur Trennung lassen sich alle Phasen einer Beziehung in sozialen Netzwerken abbilden.“ (Wampfler 2014: S. 93). Diese Aussage von Wampfler sagt aus, dass Paare ihre Liebe, Innigkeit und Harmonie in Form von Beiträgen, wie Bildern oder Kommentaren darstellen (vgl. Wagener o.J.). Aber auch Auseinandersetzungen werden öffentlich ausgetragen (vgl. Wagener o.J.). Zwei wesentliche Effekte zeigen, dass diese Angewohnheiten Beziehungen beeinflussen. Zum einen führt eine intensive Nutzung sozialer Netzwerke in Bezug auf eine Liebesbeziehung zu Eifersucht und Unzufriedenheit. Jugendliche haben einen vermehrten Drang dazu, ihren Partner zu überwachen (vgl. Wampfler 2014: S. 93). Auf den Startseiten sozialer Netzwerke wird die Aktivität der Nutzer automatisch angezeigt. Eifersüchtige Beziehungspartner müssen demnach nicht aktiv nach in ihren Augen fehlerhaften Verhalten suchen (vgl. Aretz et al. 2012). Dieser Faktor beeinflusst die Zufriedenheit mit der Beziehung negativ (vgl. Wampfler 2014: S. 93). Neben diesem negativen Aspekt besteht jedoch auch ein positiver. Gemeinsame Rituale und öffentliche Liebesbekundungen stärken das Vertrauen in einer Beziehung. Soziale Netzwerke bieten eine Reihe von ritualisierten Kommunikationshandlungen an. Zum Beispiel die Möglichkeit den Partner virtuell über den Tag zu begleiten. Vom Gute Nacht wünschen vor dem Einschlafen, bis zum virtuellen Begleiten einer Zugfahrt ist alles möglich (vgl. Wampfler n2014: S.93). Auch dazu zählt das Kommentieren der Bilder der geliebten Person oder die öffentliche Liebesbekundung auf dem Profil des Partners. All diese Angewohnheiten führen dazu, dass das Vertrauen zwischen den Liebenden gefestigt wird, da der Partner verlässig ist und konform so reagiert, wie es erwartet wird (vgl. Wampfler 2014: S.94). Jedoch führt Wampfler auf, dass sowohl Liebende als auch andere Nutzer oft wenig von solchen Inszenierungen halten. Dennoch sind sie gängig unter Jugendlichen (vgl. Wampfler 2014: S.94). Dieses erlangte Vertrauen kann jedoch auch zum Verhängnis werden. Denn trotz seltener naiver Unwissenheit, gehen Jugendliche oft locker mit ihrer Privatsphäre um, weil sie Passwörter oder Nacktbilder weitergeben (vgl. Wampfler 2014: S.94).

Dies zeigt, dass Liebesbeziehungen unter Jugendlichen sich entlang der Grenze zwischen Öffentlichkeit und Intimität, Inszenierung und Authentizität bewegen. Da auch die sozialen Netzwerke an dieser Grenze angesiedelt sind, sind sie für Digital Natives eine optimale Form, um romantische Beziehungen zu medialisieren. Dies ist jedoch nicht ohne intensive Arbeit möglich, da die öffentliche Inszenierung oft mit Missverständnissen im realen Leben einhergeht (vgl. Wampfler 2014: S.94). Wampfler fügt zudem hinzu, Jugendliche erleben Beziehungen außerhalb von sozialen Netzwerken als wenig befriedigend (vgl. Wampfler 2012: S. 95). Diese Aussage zeigt, dass gerade die Online-Liebesbeziehungen wichtig für Digital Natives sind und sie diese als völlig normal betrachten und in ihren Alltag integrieren (vgl. Schachtner o.J.: S.4).

4.2 Kommunikation in einer Liebesbeziehung in sozialen Netzwerken

Wie bereits aufgeführt, hat das Internet gerade im Bereich Liebe und Partnerschaft auf sozialen Netzwerken eine rasante Entwicklung genommen. Es bietet den Digital Natives Raum für Empfindungen, Nähe und Intimität – alles auf virtueller Basis. Empfindungen werden dabei im Netz oftmals intensiver empfunden als im realen Alltag (vgl. Kemper, Menter & Tillmanns 2012: S.439). Die Kommunikation findet dabei über den Chat statt, auf welchen sich dieses Kapitel explizit richtet. Der Chat gilt als einer der wichtigsten Kommunikationsmedien einer Netzbeziehung (vgl. Dröge o.J.: S.7). Als Chat wird ein im Internet angebotenes Medium verstanden, mit dem online Kontakte hergestellt und Informationen ausgetauscht werden können (vgl. Duden). Laut Thimm ist Chat-Kommunikation elektronisch übermittelt, interaktiv und synchron, jedoch nicht am gleichen Ort. Es handelt sich um ein Life Medium, welches die Übertragung textlicher Inhalte vermittelt (vgl. Thimm 2000: S.112). Die Interaktion der Digital Natives findet demnach in einem virtuellen Raum statt. Sie sitzen dabei meist alleine vor ihrem Computerbildschirm oder Smartphone und tauchen in eine virtuelle Welt ein (vgl. Thimm 2000: S.114). Auch führen die im Chat ausgetauschten Nachrichten dazu, dass die Jugendlichen sich mehr und mehr in dem virtuellen Gegenüber, ihrem Liebespartner, verlieben (vgl. Kemper, Menter & Tillmanns 2012: S.439).

[...]


1 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung personenspezifischer Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichwohl für jedes Geschlecht.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Virtuelle Liebesbeziehungen von Digital Natives in sozialen Netzwerken und deren Folgen
Hochschule
Fachhochschule des Mittelstands
Note
1.0
Autor
Jahr
2019
Seiten
18
Katalognummer
V937023
ISBN (eBook)
9783346268808
ISBN (Buch)
9783346268815
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Medien, Liebesbeziehung, Folgen
Arbeit zitieren
Greta Löckener (Autor:in), 2019, Virtuelle Liebesbeziehungen von Digital Natives in sozialen Netzwerken und deren Folgen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/937023

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