Das Logbuch des Christoph Kolumbus auf seiner ersten Reise. Analyse der Wahrnehmung der Bewohner der neuen Welt


Seminararbeit, 2018

23 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2. Quellenkritik
2.1. Christoph Kolumbus
2.1.1 Herkunft, Kindheit und Jugend
2.1.2 Wohnorte und privates Leben
2.1.2 Der Weg zur ersten Reise
2.1.3 Weitere Reisen
2.2 Wissenshintergrund
2.3 Region
2.4 Überlieferungsgegenstand
2.4.1 Überlieferung des Originals
2.4.2 Bartolomé de las Casas
2.5 Sprache
2.6 Verbreitungsgeschichte
2.7 Causa Scribendi

3. Die persönlichen Interessen des Christoph Kolumbus
3.1 Die Entdeckerfreude des Kolumbus
3.1.1 Seefahrt
3.1.2 Natur
3.1.3 Colón als Kolonisator
3.1.4 Benennungen
3.2 Das Ziel der Expedition
3.2.1 Die Suche nach Gold
3.2.2 Die Suche nach dem Großen Kahn
3.2.3 Der Plan eines Kreuzzugs

4. Wahrnehmungsbeeinflussende Faktoren
4.1 Kommunikationsproblem
4.1.1 Unkenntnis der Sprache
4.1.2 Kommunikation mit der Schiffsbesatzung
4.2 Vorgefertigte Vorstellungen
4.2.1 Reiseberichte
4.2.2 Europäisches Bezugssystem
4.3 Christliches Weltbild
4.3.2 Finalistische Interpretationsstrategie
4.4 Überlegenheitsgefühl
4.5 Hintergedanken
4.5.2 Zwangsmissionierung

5. Fazit

Primärliteratur

Sekundärliteratur

Einleitung

,,1-4-9-2-Amerika schlüpft aus dem Ei‘‘, lautet eine bekannte Eselsbrücke, mit der sich viele Schulkinder die ,,Entdeckung‘‘ des amerikanischen Kontinents durch Christoph Kolumbus merken. Dass 1492 Amerika ,,geboren wird‘‘, ist natürlich unsachgemäß. Der Seefahrer wird des Weiteren vielerorts als ,,Entdecker Amerikas’’, und somit als Nationalheld gefeiert. Dass es sich hierbei um einen bedenklichen Ansatz handelt, ist ebenso evident. Die Definition von Duden für das Verb ,,entdecken‘‘ lautet folgendermaßen: ,,etwas bislang Unbekanntes finden‘‘.1 Kolumbus war mit großer Sicherheit nicht der Erste, der Amerika ,,entdeckte‘‘, da die Wikinger um circa 1000 nach Christus in Neufundland angekommen waren. Zumal dachte er bis zu seinem Tod, dass er sich in Hinterindien befände.2

Noch wichtiger als die Wikinger war die indigene Bevölkerung, die sich ja bereits in Amerika befand, und es demnach ,,entdeckt‘‘ hatte.3 Nichtsdestotrotz nimmt Kolumbus für viele Leute die Rolle des ,,Entdeckers Amerikas‘‘ ein. Im 15. Jahrhundert waren die Expeditionen des genuesischen Admirals für viele weitere Seefahrer jedoch vorbildhaft und die Zeit der sogenannten ,,Entdeckungsfahrten’’ hatte begonnen, welche den Beginn der Neuzeit einleiteten. Ironischerweise war Kolumbus jedoch zutiefst religiös und seine Motivationen für seine Reisen waren von seinen christlichen Hintergedanken stark geprägt. Mit diesem christlichen Weltbild, das man eher vom Mittelalter gewohnt war, trat der Seefahrer also seine Reisen an. Aus diesem Grund behandelt diese Proseminararbeit die Thematik der Wahrnehmung des Christoph Kolumbus und im Speziellen die Faktoren, die die Wahrnehmung der Menschen, auf die Kolumbus im Laufe seiner ersten Reise traf, beeinflusst haben könnten. Neben dem christlichen Weltbild, könnten auch Faktoren wie sein europäisches Bezugssystem, seine vorgefertigten Vorstellungen der Region durch Reiseberichte, das Überlegenheitsgefühl, das der Admiral an den Tag legte und vieles mehr Auswirkungen auf seine Wahrnehmung gehabt haben.

Die Forschungsfrage dieser Proseminararbeit lautet daher:

,,Welche Faktoren könnten Christoph Kolumbus bei seiner Wahrnehmung der Bewohner der ,,neuen Welt’‘ auf seiner ersten Reise beeinflusst haben?’’

Auf Wahrnehmung folgt Interpretation und darauf eine Haltung gegenüber den Menschen. Diese Faktoren könnten also Erklärungen dafür sein, wieso Kolumbus die indigene Bevölkerung so behandelt hatte, wie er es gemacht hatte. Als Analysemethode wurde eine hierarchische Kodierung mit drei Ebenen gewählt, bei der sich die Codes in den Überschriften des Hauptteils spiegeln. Die Codes wurden durch einen iterativen Kodierungsprozess induktiv definiert.

In der Arbeit wird zuerst das Logbuch der ersten Reise des Christoph Kolumbus, die von 3. August 1492 bis zum April 1493 stattfand, als Quelle vorgestellt. Um diese genau analysieren zu können, müssen wichtige Kontextinformationen wie die Biografie des Seefahrers, sowie Informationen, die zu einer kritischen Beleuchtung der Quelle notwendig sind, erläutert werden. Im nächsten Teil der Arbeit, werden die Interessen und Motivationen von Kolumbus besprochen. Dieser Teil wird bereits mit Auszügen aus der Quelle unterstützt. Im Hauptteil werden Faktoren, die Kolumbus bei seiner Wahrnehmung der Menschen beeinflusst haben könnten, analysiert. Hierfür wurde ein Katalog von einzelnen Faktoren, die die Wahrnehmung beeinflusst haben könnten, zusammengestellt. Die Beschreibungen der Faktoren werden mit Auszügen aus dem Boardbuch der ersten Reise hinterlegt. Der Hauptteil wird unter Miteinbezug des Werks ,,Die Eroberung Amerikas. Das Problem des Anderen’’ (1985) von Tzvetan Todorov bearbeitet, da es die Thematik der Wahrnehmung des Christoph Kolumbus behandelt. Die Ergebnisse basieren also auf den Schlüssen der Bearbeitung der Quelle mit dem Analysekatalog und den Erkenntnissen Todorovs zu den einzelnen Themenbereichen. Abschließend wird ein Fazit aus den Ergebnissen gezogen.

2. Quellenkritik

Bei der Quelle handelt es sich um das Bordbuch der ersten Reise des Christoph Kolumbus. Es ist im Zeitraum vom 3. August 1492 bis zum April 1493 entstanden.

2.1. Christoph Kolumbus

2.1.1 Herkunft, Kindheit und Jugend

Da es im 15. Jahrhundert keine ausgeprägten Geburtsregister gab, ist das genaue Datum der Geburt von Christoph Kolumbus nicht eruierbar. Man einigte sich jedoch auf das Jahr 1451. Ebenso ungewiss ist die Herkunft des Seefahrers. Genuesische, korsische, französische, spanische, katalanisch-jüdische, griechische und portugiesische Wurzeln wurden Kolumbus attestiert.4 Um dem Mysterium der Herkunft zu entkommen, sollte man sich auf die wenigen Originaldokumente aus der Zeit stützen.5 Ein königliches Dokument aus dem Jahr 1591 beschreibt den Seefahrer als ‘’Genuese Christoph Kolumbus, der aus Savona stammte’’. Dies könnte bedeuten, dass Kolumbus aus Genua war, aber in Savona wohnte. Dokumenten des genuesischen Archivs zu Folge, musste die Familie Colombo im Jahr 1461 von Genua nach Savona übersiedeln. Obwohl dies den Wohnort des Kolumbus bestätigt, erwähnt er selbst Savona nie und ist stets stolz auf seine genuesische Herkunft.6

Schon im Teenageralter war Christoph Kolumbus zu seinen ersten Seefahrten aufgebrochen. Ungefähr 10 Jahre später war er bereits Kapitän der Flotte von Renés von Anjou, des Grafen der Provence. In den folgenden Jahren leistete Kolumbus großen Einsatz als Korsar für den Grafen der Provence im aragonesisch-angiovinischen Erbfolgekrieg.7

2.1.2 Wohnorte und privates Leben

1476 gelangte Kolumbus zum Atlantik und ging in der Nähe der Küste von Portugal über Board.8 Er konnte sich retten und ließ sich für einige Jahre in Lissabon nieder, wo auch sein Bruder lebte, und verbrachte seine Zeit mit dem Studium von Büchern über Seefahrt und Karten der bisher erforschten Gebiete.9 In Lissabon lernte er schließlich auch seine Frau Filipa de Perestrelo e Moniz kennen, die jedoch bereits 1485, nämlich 5 Jahre nach der Hochzeit starb. Gemeinsam hatten sie einen Sohn namens Diego, der später alle Titel und Privilegien seines Vaters erben sollte. Direkt nach der Hochzeit besuchte das Ehepaar Felipa’s Bruder auf Porto Santo (Madeira) und blieb für zwei Jahre auf der Insel. So war Kolumbus für lange Zeit im direkten Kontakt zum Meer und konnte es studieren, wann immer er wollte.10

2.1.2 Der Weg zur ersten Reise

1481, als Johann II. König von Portugal wurde, versuchte Kolumbus ihn zu überreden, eine Expedition westlich über den Atlantik starten zu dürfen.11 1484 wurde er jedoch vom König zurückgewiesen und zog nach Spanien. Auch die Spanische Krone war von seinen Plänen zuerst nicht begeistert und lehnte seine Vorschlag 1487 ab. 1488 wurde ihm von der Portugiesischen Krone eine erneute Absage erteilt und erst 1492 war er bei Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragon erfolgreich.12 Es handelte sich um einen günstigen Zeitpunkt in der Geschichte, da die letzte Bastion der Mauren von Spanien eingenommen worden war und die Reconquista finalisiert werden konnte. Am 17. April dieses Jahres schloss Kolumbus mit der Spanischen Krone die Kapitulation von Santa Fe.13 Es handelte sich um einen Vertrag, der den Genuesen zum Admiral des Ozeanischen Meeres, zum Vizekönig und zum Generalgouverneur der zu entdeckenden Inseln, sowie Festland machte. An den Ressourcen wie Gold, Gewürze, Perlen, Edelsteine, die zu finden werden sein, dürfe er sich finanziell beteiligen. Die Kapitulation von Granada am 30. April sprachen ihm den sogenannten Titulo zu. Hierbei handelte es sich um die festive Anerkennung aller Ämter und Ehren, die im Vertrag niedergeschrieben worden waren. Die drei Schiffe Nina, Pinta und die Karacke Santa Maria wurden zwischen Mai und Juli 1492 mit Equipment und Nahrungsmitteln ausgestattet. Am 3. August 1492 waren Kolumbus und die drei Schiffe bereit, in See zu stechen.14

2.1.3 Weitere Reisen

Nach der ersten Reise, unternahm Kolumbus noch drei weitere Expeditionen über den Atlantik. Bereits im September 1493 trat Kolumbus seine zweite Reise an, von der er im Juni 1496 wieder zurückkam. Im Mai 1498 begann die dritte Reise, welche bis 1500 dauern sollte. Seine vierte und letzte Expedition fand vom Mai 1502 bis November 1504 statt. Am 20. Mai 1506 starb Kolumbus in Valladolid.15

2.2 Wissenshintergrund

Für die Lektüre und das Studium der spanischen Originalquelle, ist die Kenntnis der spanischen Sprache essenziell. Oft werden veraltete Begriffe benutzt, die im heutigen Spanisch nicht mehr zu finden sind. Hierfür ist ein Wörterbuch sicherlich von Nutzen.

2.3 Region

Die Quelle wurde im Rahmen der ersten Reise des Kolumbus geschrieben und ist daher in den Gebieten der Route der ersten Reise entstanden. Nachdem die drei Schiffe am 3. August 1492 von Palos in Spanien gestartet waren, erreichten sie am 12. Oktober die Insel von Guanahaní auf den Bahamas, welche von Kolumbus ,,San Salvador’’ genannt wurde. Drei Tage später erreichte Kolumbus eine Insel, die er ,,Santa María de la Concepción’’ nannte. Darauffolgend benannte er zwei weitere Inseln ,,Fernandina’’ und ,,Isabela’’. Am 28. Oktober erreichten die Schiffe Kuba, welches Kolumbus von nun an ,,Juana’’ nannte. Kolumbus erreicht ,,Hispaniola’’ am 5. Dezember, wo er eine Siedlung errichtete, die er ,,La Navidad’’ nannte. Am 18. Februar 1493 erreichte Kolumbus die Azoren und am 4. März desselben Jahres gelangten die drei Schiffe wieder nach Portugal, womit die erste Reise beendet war.16

2.4 Überlieferungsgegenstand

2.4.1 Überlieferung des Originals

Das originale Boardbuch des Christoph Kolumbus ist bedauerlicherweise nicht überliefert. Die dem Original wohl am nähesten stehende Version des Boardbuchs ist das Manuskript ,,Diario of Christopher Columbus’s first voyage to America’’ von Bartolomé de las Casas. Im Rahmen der Recherche für sein Werk ,,Historia de las Indias’’, welches zwischen 1527 und 1563 entstanden ist, stieß er auf die Kopie des Boardbuchs von Christoph Kolumbus, die vom Hofschreiber für Kolumbus selbst angefertigt worden war, nachdem Kolumbus das Original an die Katholischen Könige abgeliefert hatte, um ihnen von der Reise zu berichten. Die Kopie des Boardbuchs selbst ist ebenso nicht überliefert. Las Casas zitiert Kolumbus in seiner ,,Historia des las Indias’’ teilweise direkt und teilweise fasst er Stellen zusammen.17 Dieses Werk von Las Casas ist die Primärquelle der Informationen über die erste Reise von Christoph Kolumbus.18 Die ,,Historia de Las Indias‘‘ war auf für 250 Jahre unauffindbar gewesen und wurde aber in den 1790er Jahren von Martín Fernández de Navarrete in der Bibliothek des Dukes of Infantado gefunden. Heute befindet es sich in der Nationalbibliothek von Madrid.19 Im 19. Jahrhundert wurden schließlich mehrere Versionen des Boarbuchs publiziert und das Werk wurde in viele Sprachen übersetzt.20

2.4.2 Bartolomé de las Casas

Der Chronist Bartolomé de las Casas wurde 1484 vermutlich in Sevilla geboren. Um 1502 reiste er nach Hispaniola, wo er an einem Feldzug teilnahm.21 Für seine Recherchen orientierte er sich an 31 Manuskripten von Christoph Kolumbus, von denen heute nur noch 13 überliefert sind. Obwohl man Las Casas in seiner Arbeit vertrauen kann, ist immer zu bedenken, dass seine Zusammenfassungen und Überlieferungen der Manuskripte von Kolumbus subjektiv geschrieben sind.22

2.5 Sprache

Die erste Sprache, die Kolumbus lernte was das Genuesische. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um eine Sprache, sondern vielmehr einen Dialekt ohne Schrift. Kolumbus war der italienischen Sprache nicht mächtig, da er keine Schulbildung genießen durfte, die ihm dies ermöglichte. Er hatte sich lesen und schreiben autodidaktisch beigebracht und schrieb deswegen Kastilisch (Spanisch), eine damals sehr gehobene Sprache, die auf der iberischen Halbinsel und Portugal gesprochen wurde. In seinen kastilischen Schriften benutze Kolumbus die Rechtschreibung des Portugiesischen, was darauf hindeutet, dass Kolumbus Portugiesisch sprechen konnte. Auch der lateinischen Sprache war der Seefahrer mächtig.23

2.6 Verbreitungsgeschichte

Die Quelle war für die katholischen Könige verfasst worden, was bedeutet, dass das allgemeine Volk eher keinen Zugriff darauf gehabt hatte. Die Quellenedition des ,,Diarios’’ von Bartolomé de las Casas, auf die sich diese Arbeit bezieht, wurde von Oliver Dunn und James E. Kelley, Jr. herausgegeben. Es gibt eine Vielzahl an Quellenedition, die sich mit diesem Tagebuch beschäftigt. Die Wahl der Version von Dunn und Kelley wurde getroffen, da das Werk am aktuellen Stand der Forschung ist (1989) und da es mit einer Unterstützung vom Programm für Kulturelle Kooperation zwischen dem Spanischen Ministerium für Kultur und US-amerikanischen Universitäten herausgegeben wurde. Ein weiterer Grund für diese Wahl ist die logische Aufbereitung des Werks. Auf der linken Seite des Buchs ist das spanische Original von Bartolomé de las Casas zu lesen, während auf der rechten Seite eine direkte englische Übersetzung steht. Ebenso besitzt diese Quellenedition logische Fußnoten und Erklärungen. Zudem wurde der Syntax und die Groß-und Kleinschreibung so abgeändert, dass sie den heutigen Standards entspricht, jedoch trotzdem so nahe wie möglich an den Originalstrukturen festhält.

2.7 Causa Scribendi

Die gewissenhaft verfassten Einträge ins Boardbuch hatten den Zweck der detaillierten Berichterstattung für Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragon, die Sponsoren seiner Reise.24 Die Absicht des Kolumbus war es, alles, was er beobachtete niederzuschreiben, um es den katholischen Königen berichten zu können.25 Es ist daher davon auszugehen, dass das Boardbuch einen subjektiven Charakter besitzt, da es bestimmte Adressaten hat, dessen Vorstellungen und Erwartungen Kolumbus treffen wollte, da sie schließlich in ihn investierten.

3. Die persönlichen Interessen des Christoph Kolumbus

3.1 Die Entdeckerfreude des Kolumbus

3.1.1 Seefahrt

Bei Kolumbus handelte es sich ohne Zweifel um einen Seefahrer, der sich in seiner Materie perfekt auskannte. Vor der Expedition hatte er jahrelange Beobachtungen der verschiedenen Zustände des Meeres und des Wetters angestellt und wurde zum Experten der Navigation eines Schiffes. Am Ende des Prologs zum Logbuch der ersten Reise schreibt Kolumbus: ,,[...] and above all it is very important that I forget to sleep and pay much attention to navigation in order thus to carry out these purposes, which will be great labor’’.26

Kolumbus bewies also ein hundertprozentiges Engagement zur Expedition. Er stieß an seine Grenzen, um seine Passion durchführen zu können.

3.1.2 Natur

Kolumbus hegte großes Interesse für die Natur. Er beobachtete Tiere und beschrieb Pflanzen bis ins Detail. Der Seemann, der auch durch seine Profession stets mehr von Natur umgeben war, als von Menschen, war unbeschreiblich begeistert von den Tieren, der Landschaft und der Botanik, die er in der ,,neuen Welt’’ fand. Die Menschen, die er dort antraf interessierten ihn weniger.27

3.1.3 Colón als Kolonisator

Der Name des Seefahrers nahm zu Lebzeiten, sowie danach einen großen Stellenwert an. Der italienische Name des Admirals ist Cristoforo Colombo, die portugiesische Version lautet Cristovão Colombo, die englische Christopher Columbus und sein spanischer Name lautet Cristóbal Colón. Kolumbus hat seinen eigenen Namen im Laufe seines Lebens mehrmals verändert. Schließlich entschied er sich aus einem guten Grund für die spanische Variante.28

Las Casa schrieb, dass der illustre Mann, der seinen Familiennamen änderte, ,,Colón’’ heißen wollte.. Das war kein Zufall, denn er wählte den Namen gemäß seiner Bedeutung aus, da er auch danach handeln wollte. Dazu ist in der ,,Historia de las Indias’’ zu lesen, dass Colón ,,Neubesiedler’’, heißt, was seinen Taten entsprach, da er durch seine Missionierungsarbeit den Himmel mit vielen Menschen neu besiedeln wollte.29 Der Name ,,Colón’’ ist zusätzlich sehr passend, da Christoph Kolumbus der erste große Kolonisator war und mit ihm das Zeitalter des Kolonialismus begann. ,,[...]Llamose, pues, por nombre, Cristóbal, conviene a saber, Christum ferens, que quiere decir traedor o llevador de Cristo, y así se firmaba él algunas veces; como en la verdad él haya sido el primero que abrió las puertas deste mar Océano, por donde entró y él metió a estas tierras tan remotas y reinos hasta entonces tan incógnitos a nuestro Salvador Jesucristo y a su bendito nombre, el cual fue digno que antes que otro diese noticia de Cristo [...]’’

Las Casas schrieb weiter, dass man ihn mit dem Namen ,,Cristóbal’’ ansprach, was soviel heißt wie ,,Christum Ferens’’, also Träger Christi. Der Name war laut Las Casas treffend, denn in Wahrheit war er der erste, der die Türen des Ozeans öffnete und die Nachricht vom Erretter Jesus Christus in diese abgelegenen Länder und Königreiche brachte.30

3.1.4 Benennungen

Neben der Wichtigkeit der Bedeutung seines eigenen Namens, war Kolumbus auch erpicht darauf, andere Dinge selber zu benennen. Auf seinen Reisen vergab er allen Orten, auf die er stieß, neue Namen. Zu Beginn der Expedition konnte sogar eine Art chronologische Abfolge beobachtet werden. Die erste Insel (Guanahani) benannte er nach Gott (San Salvador), die zweite Insel benannte er nach der Jungfrau Maria (Santa María de la Concepión), die dritte Insel nach dem König von Spanien (Fernandina), die vierte nach der Königin (Isabella). Die fünfte Insel wurde nach der Thronfolgerin benannt (Juana). Aus der Namensgebung enstand eine Inbesitznahme der Länder.31

Auch lange nach dem Tod des Christoph Kolumbus wird er als Nationalheld angepriesen. Viele Orte und Gegenstände wurden nach dem Entdecker benannt. So wurde zum Beispiel 1791 die Region um Washington D.C., der damals neu-gegründeten Hauptstadt der USA, ,,District of Columbia (D.C.)’’ genannt.32 Ein weiteres Beispiel stellt der Name der Währung von Costa Rica dar: Colón. Der Colón löste 1896 den costarikanischen Peso ab und wurde zu Ehren des Genuesen eingeführt, da er der ,,erste Europäer’’ war, der Costa Rica auf seiner letzten Reise 1502 besuchte.33 Weiters befindet sich eine Vielzahl an Kolumbusmonumenten in den USA und der jährliche Columbus Day findet am 14. Oktober statt.34 Christoph Kolumbus wird also für seine Taten immer noch als Nationalheld verehrt.

[...]


1 Duden, Bedeutung von ,,entdecken‘‘.

2 Vocelka, Die Geschichte der Neuzeit, 349.

3 Bitterli, Die Entdeckung Amerikas, 11.

4 Bucher, Christoph Kolumbus, 13f.

5 Granzotto, Christopher Columbus, 8.

6 Bucher, Christoph Kolumbus, 15.

7 Bucher, Christoph Kolumbus, 30.

8 Wadsworth, Columbus & His First Voyage, xiii.

9 Granzotto, Christopher Columbus, 41.

10 Granzotto, Christopher Columbus, 43f.

11 Bucher, Christoph Kolumbus, 72.

12 Wadsworth, Columbus & His First Voyage, xiii.

13 Wadsworth, Columbus & His First Voyage, xiii.

14 Bucher, Christoph Kolumbus, 105.

15 Bucher, Christoph Kolumbus, 110.

16 Wadsworth, Columbus & His First Voyage, xivf.

17 Dunn, Kelley, Diario of Christopher Columbus’s First Voyage to America 1492-1493, 3.

18 Nowell, The Journal of Christopher Columbus, 291.

19 Dunn, Kelley, Diario of Christopher Columbus’s First Voyage to America 1492-1493, 3.

20 Morison, Texts and Translations of the Journal of Columbus’s First Voyage, 241f.

21 Borges, Quién era Bartolomé de las Casas, 16.

22 Bucher, Christoph Kolumbus, 228.

23 Boorstin, Die Entdecker, 248.

24 Wadsworth, Columbus & His First Voyage, 41.

25 Todorov, Die Eroberung Amerikas, 17.

26 Dunn, Kelley, Diario of Christopher Columbus’s First Voyage to America 1492-1493, 21.

27 Todorov, Die Eroberung Amerikas, 26f.

28 Todorov, Die Eroberung Amerikas, 36.

29 Las Casas, Historia de las Indias, 13.

30 Todorov, Die Eroberung Amerikas, 37.

31 Todorov, Die Eroberung Amerikas, 38f.

32 Loock, Kolumbus in den USA, 70f.

33 Chen, CRC.

34 Loock, Kolumbus in den USA, 285.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Das Logbuch des Christoph Kolumbus auf seiner ersten Reise. Analyse der Wahrnehmung der Bewohner der neuen Welt
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Raumvorstellung, Identität und Herrschaftsanspruch im Mittelalter
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
23
Katalognummer
V937098
ISBN (eBook)
9783346264985
ISBN (Buch)
9783346264992
Sprache
Deutsch
Schlagworte
logbuch, christoph, kolumbus, reise, analyse, wahrnehmung, bewohner, welt
Arbeit zitieren
Lisza-Sophie Neumeier (Autor), 2018, Das Logbuch des Christoph Kolumbus auf seiner ersten Reise. Analyse der Wahrnehmung der Bewohner der neuen Welt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/937098

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Logbuch des Christoph Kolumbus auf seiner ersten Reise. Analyse der Wahrnehmung der Bewohner der neuen Welt



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden