Egal, wen man nach der Lesart des Begriffes Generation fragen würde, ob Wissenschaftler oder Laie. Jeder einzelne würde sicher eine andere, wenn vielleicht auch ähnliche Antwort zurückgeben und mit Sicherheit würden viele verschiedene Beispiele zur Untermauerung der Definition benutzt werden. Von der ,Nachkriegs-’ und der ,Flakhelfergeneration’, von der ,Generation Golf’ und gewiss von der ,68er-Generation’ wäre die Rede. Jeder weiß scheinbar etwas mit dem Ausdruck Generation anzufangen und viele meinen demnach auch ganz genau differenzieren zu können, was diesen Begriff ausmacht. Bei dessen Aktualität stellt sich die Frage, ob man diesen weiterhin als wissenschaftlich bezeichnen darf. Kann er in der Geschichtswissenschaft überhaupt noch objektiv gebraucht werden, ohne sich dabei aus dem Gebiet der Wissenschaften heraus zu begeben?
In diesem Essay wird sich mit der Frage beschäftigt und abwägt werden, ob und inwiefern der Generationenbegriff der Geschichtswissenschaft von Nutzen oder gar von Nachteil ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Generationenbegriff als Hilfsmittel für die Geschichtswissenschaft
2.1 Naturphänomene oder Konstrukte
2.2 Problematik der Verallgemeinerung und Subjektivität
2.3 Männliche Färbung des Begriffs
2.4 Unhistorische Verwendung in der Gesellschaft
3. Nutzen und Nachteil für die Geschichtswissenschaft
3.1 Wissenschaftlichkeit des Generationenbegriffs
3.2 Zusammenfassende Bewertung
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Nutzen und die Grenzen des Generationenbegriffs für die Geschichtswissenschaft und analysiert, inwiefern dieser als wissenschaftliches Instrument zur Strukturierung historischer Prozesse dienen kann.
- Wissenschaftliche Validität des Generationenbegriffs
- Differenzierung zwischen Generationslagerung, -zusammenhang und -einheit
- Die Rolle der Geschlechterperspektive in der Generationenforschung
- Methodische Herausforderungen bei der Abgrenzung von Generationen
- Kritik an der unhistorischen Verwendung des Begriffs in der Gesellschaft
Auszug aus dem Buch
Problematik der Verallgemeinerung und Subjektivität
Das große Problem beim Gebrauch des Generationenbegriffes, welches Karl Mannheim erkannte und versuchte zu lösen, ist die Verallgemeinerung und somit die auftretende Subjektivität, wenn man von Generationen spricht. Wie Pinder kann man an dieser Stelle von einer „Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen“ sprechen. Mit diesem Modell sagt Pinder aus, dass das Angehören eines Geburtsjahrganges nicht ausreicht, um einer Generation angehörig zu sein.
Blickt man erneut auf die ,68er-Generation’ zurück und vertraut auf Herberts Aussage über die „Reichweite und Aussagekraft der Kategorie der Politischen Generation“, so waren lediglich 5-10% der Altersgruppe, die man gemeinhin zu den ,68ern’ zählt Aktivisten, Begeisterte und Sympathisanten. Sicherlich sprechen sich im Nachhinein eine größere Gruppe den ,68ern’ an - selbst Menschen, die vom Geburtenjahrgang nicht mehr der Kohorte angehören - da diese so genannte Generation damals Trends gesetzt hat, die heute wie selbstverständlich ausgelebt werden. Doch zu der aktiven Zeit dieser ,Generation’ kann man hier nicht von einer repräsentativen Gruppe der Gesamtzahl der gleichaltrigen Bevölkerung sprechen. Dieses Problem tritt selbstverständlich ebenfalls bei der Beobachtung anderer Generationen auf.
Karl Mannheim versuchte dasselbe zu lösen, indem er den Generationenbegriff aufteilte, um so beide Gruppen zu erfassen, die Gesamtheit und die kleinere Gruppe der Aktivisten. Er teilt den Begriff Generation in „Generationslagerung“, „Generationszusammenhang“ und „Generationseinheit“, wobei er unter Generationslagerung die „Zugehörigkeit zueinander verwandter Geburtsjahrgänge“ versteht. Ein Generationszusammenhang konstituiere sich aus Einzelnen derselben Generationslagerung, die an einem gemeinsamen Schicksal teilhaben. Aus diesem Generationszusammenhang könnten sich wiederum verschiedene Generationseinheiten bilden, die sich durch gemeinsames Reagieren auf das gemeinsame Schicksal auszeichneten. Bei der letzten Stufe könne es auch zur Bildung konkreter Gruppen kommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik des Generationenbegriffs und die Fragestellung nach dessen wissenschaftlicher Relevanz.
2. Der Generationenbegriff als Hilfsmittel für die Geschichtswissenschaft: Untersuchung theoretischer Ansätze zur Definition von Generationen sowie deren Problematiken hinsichtlich Subjektivität, Geschlechteraspekten und gesellschaftlicher Fehlverwendung.
3. Nutzen und Nachteil für die Geschichtswissenschaft: Analyse der wissenschaftlichen Kriterien und methodischen Möglichkeiten zur Einordnung historischer Ereignisse mittels des Generationenbegriffs.
4. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Nützlichkeit des Begriffs unter Berücksichtigung zukünftiger Entwicklungen und der Notwendigkeit einer differenzierten Anwendung.
Schlüsselwörter
Generationenbegriff, Geschichtswissenschaft, Karl Mannheim, Generationszusammenhang, Generationseinheit, Generationslagerung, historische Erkenntnis, Subjektivität, 68er-Generation, Methodik, Oral History, Geschlechterverhältnis, wissenschaftliche Kriterien, Strukturierung, Zeitgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich kritisch mit der Frage, ob der Begriff "Generation" als Instrument für die historische Forschung tauglich ist oder ob seine Unschärfe und Subjektivität den wissenschaftlichen Nutzen schmälern.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der theoretischen Fundierung durch Karl Mannheim, der Abgrenzung zu anderen Begriffen, der geschlechterspezifischen Kritik sowie der Frage nach der wissenschaftlichen Validität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, abzuwägen, ob der Generationenbegriff trotz der ihm innewohnenden Probleme als Hilfsmittel zur Strukturierung der Geschichte und zur Erlangung von Erkenntnis unerlässlich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit historischer Fachliteratur und vergleicht verschiedene Generationenmodelle (wie etwa die 68er-Generation) auf ihre wissenschaftliche Anwendbarkeit hin.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Konstruiertheit von Generationen, die Problematik der Verallgemeinerung und die Bedeutung von Ereignisschichtung, sowie den Vergleich der wissenschaftlichen Kriterien der Nachvollziehbarkeit und Generalisierbarkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Generationenbegriff, Geschichtswissenschaft, Generationszusammenhang und methodische Strukturierung charakterisiert.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen den von Mannheim definierten Ebenen?
Die Arbeit differenziert zwischen der Generationslagerung als Geburtsjahrgänge, dem Generationszusammenhang als geteiltes Schicksal und der Generationseinheit als aktive, spezifisch reagierende Gruppen.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Zukunftsprognosen?
Die Autorin schließt mit der Einschätzung, dass der Generationenbegriff zwar keine sicheren Zukunftsprognosen zulässt, aber als strukturgebendes Instrument für die Geschichtswissenschaft trotz der notwendigen differenzierten Anwendung unerlässlich bleibt.
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- Christiane Hillebrecht (Author), 2008, Ein generationsübergreifendes Problem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93722