Die Erzählung "Portret" von Nikolai Wassiljewitsch Gogol

Eine Analyse vier unterschiedlicher Motive


Studienarbeit, 2020

20 Seiten, Note: 1,67


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. N. V. Gogol’ (1809 – 1852) – Sein Leben und sein Schaffen
2.1 Geburt und Kindheit
2.2 Am Gymnasium
2.3 In St. Petersburg
2.4 Im Ausland
2.5 Die letzten Jahre und der Niedergang Gogol’s

3. Zwei Fassungen der Erzählung
3.1 Inhaltsangabe der zweiten (allgemein verbreiteten) Fassung

4. Motive in der Erzählung
4.1 Das weltliche Böse der Stadt
4.2 Das Teuflische und das Göttliche
4.3 Die wahre und die falsche Kunst (Kunsttheorie Gogol’s)
4.4 Das Motiv der Phantastik

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Seminararbeit bezieht sich auf die zweite allgemein verbreitete Fassung der Erzählung „Portret“ von N.V. Gogol’ aus dem Jahr 1842.

Zunächst soll im zweiten Kapitel ein Einblick ins Leben und Schaffen des Autors dem Leser gestattet werden. Dabei wird kein Anspruch auf Vollständigkeit der Lebensereignisse des Autors erhoben.

Im dritten Kapitel wird zum einen kurz auf die beiden Fassungen der Erzählung eingegangen und zum anderen werden die Inhalte der Erzählung wiedergegeben, ohne diese interpretieren zu wollen. Im vierten Kapitel folgen vier unterschiedliche Motive, die anhand von Zitaten aus der Erzählung diskutiert werden.

Im fünften und letzten Kapitel soll dann eine kurze Schlussbetrachtung der ganzen Arbeit erfolgen.

2. N. V. Gogol’ (1809 – 1852) – Sein Leben und sein Schaffen

Nikolaj Vassiljevič Gogol’ war ein russischer Schriftsteller ukrainischer Herkunft. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der russischsprachigen Literatur in der Ukraine und als Meister der Groteske und Satire, als Sprachvirtuose, der die russische Literatur zwischen Romantik und Realismus im 19. Jahrhundert prägte.1

2.1 Geburt und Kindheit

Gogol’ erblickte das Licht der Welt am 19. März 1809 in Velyki Soročyncy (Rajon Myrhorod, Oblast Poltava) in der ukrainischen und sehr religiösen Gutbesitzerfamilie von Wassilij Afanassjevič Gogol’ und Marija Ivanovna Gogol’ – Janovski. Seine Kindheit verbrachte er auf dem Besitzgut „Vasiljevka“. Da Nikolaj nach seiner Geburt gebrechlich und kränklich war und seine Eltern bereits die beiden ersten Kinder verloren, machten sie sich große Sorgen um sein Leben.2 Nichtsdestotrotz konnte er bereits mit 3 Jahren schreiben und mit 5 Jahren versuchte er sogar zu dichten. In seiner Kindheit war Gogol’ empfänglich für Eindrücke und wurde von Ängsten und Gewissensbissen geplagt: Einmal haben die Augen einer Katze ihm so eine große Angst eingeflößt, dass er die Katze im Gartenteich ertränkte und daraufhin Gewissensbisse bekam. Er beruhigte sich nur dann als er von seinem Vater für sein Vergehen verprügelt wurde.3 Darüber hinaus hörte er geheimnisvolle Stimmen, die in einer „Todesstille“ seinen Namen riefen. Um der Situation zu entkommen, rannte er weg und beruhigte sich nur dann, wenn er einen Menschen traf, der seine „schreckliche Herzenswüste“ («страшную сердечную пустыню») verjagte. Diese akustischen Halluzinationen sind wohl vielen Kindern bekannt, riefen aber bei Nikolaj ein unheimliches Gefühl und Angstzustände hervor.4 Nikolajs Ängstlichkeit und Sensibilität sind möglicherweise auf die Ängste seiner Eltern um sein Leben zurückzuführen. Seine krankhafte Veranlagung zu Ängsten wurde gleichzeitig durch die Erzählungen der Eltern über die Hölle, die Gottesstrafe und die Qual und Pein für die Sünder verstärkt. Das Leben an einem ruhigen Ort im Grünen, die saubere Luft, der materielle Wohlstand und Fürsorge seiner Eltern lieferten allerdings einen positiven Ausgleich zu den ganzen negativen Aspekten seines Lebens.5

2.2 Am Gymnasium

1818 wurde Gogol’ zusammen mit seinem jüngeren Bruder Ivan am Gymnasium in Poltava aufgenommen. In den damaligen Schulen sorgten körperliche Strafen für Zucht und Ordnung. Kleine Fehltaten wurden sofort mit Prügel sanktioniert. Kinder wurden zur Unterwürfigkeit und Feigheit erzogen. Geschätzt wurde nicht die schulische Leistungsstärke, sondern das wohlgesittete Benehmen, welches sich durch das dienliche Verhalten und das Petzen auszeichnete. Gogol’ zählte nicht zu den guten Schülern und hatte es in der Schule aufgrund seines sturen und eigensinnigen Charakters nicht einfach.6 Nach dem Tod seines Bruders, der einen starken Einfluss auf Nikolaj ausübte, musste Gogol’ das Gymnasium in Poltava verlassen, um den Erinnerungen an den jüngeren Bruder zu entkommen. 1821 wurde er am Nezhiner Lyzeum aufgenommen. Hier durchlebte er eine positive gesundheitliche Entwicklung, er wurde physisch stärker, fröhlicher und war bei sämtlichen Schülerstreichen mit von der Partie.7 Zugleich war er ebenfalls oft Einzelgänger und wurde von seinen Klassenkameraden gemobbt und drangsaliert.8

Als 1825 sein Vater starb, spielte er für einen Augenblick sogar mit den Gedanken, sich umzubringen. Seinen Briefen, die er in dieser Zeit an seine Eltern adressierte, ist zu entnehmen, dass er sich ständig in der Geld- und Essensnot befand. Er bittet und bettelt kriecherisch um Geld, Lebensmittel und Kleidungsstücke. Der junge Gogol’ isst gerne Süßigkeiten und mag es sich satt zu essen. Er schätzt immer noch solche Gegenstände wie Kugelschreiber, Bleistifte, Hefte und Notizenbücher.9 Sein Leben im Lyzeum beinhaltete schreckliche Langweile und Sehnsucht. Er war kein begeisterter Schüler und wurde für schlechte Zensuren und Fehlverhalten oft bestraft. Um der Strafe zu entgehen, gab er sich einmal vor, geistig krank zu sein und wurde daraufhin ins Krankenhaus eingeliefert, das später seinen Zufluchtsort darstellte.10

In seinen letzten Schuljahren im Lyzeum entdeckte er eine Leidenschaft für das Theater. Er spielte mit großer Begeisterung erfolgreich die Rollen der alten Damen und das Publikum fand ihn talentiert, authentisch, einfallsreich und außergewöhnlich scharfsinnig. Darüber hinaus beschäftigte er sich mit der Malerei, schrieb Gedichte von Puškin ab und ergänzte diese mit eigenen Zeichnungen. Außerdem verfasste er auch eigene Gedichte und nahm es mit Puškin auf. Schon damals grübelte er über seine Zukunft nach und sah sich nicht als Dichter oder Schriftsteller. Seine Berufung sah er im Staatsdienst, der ihn bekannt machen und dazu befähigen würde, etwas für den allgemeinen Wohlstand zu tun. Gogol’ fühlte sich in Nezhin unwohl und wollte am besten aus der Stadt fliehen. Er hatte Angst davor zu sterben, ohne eine Spur in seinem Leben hinterlassen zu haben: «Холодный пот проскакивал на леце моём при мысли, что, может быть, мне доведётся погибнуть в пыли, не означив своего имени ни одним прекрасным делом; быть в мире и не означить своего существования – это было для меня ужасно».11

In Erwartung eines ungewöhnlichen und wunderschönen Lebens entschied er sich nach St. Petersburg zu gehen und zog im Herbst 1828 dorthin.12

2.3 In St. Petersburg

Angekommen in St. Petersburg, um Beamter oder Schriftsteller zu werden, werden seine Erwartungen an die Hauptstadt nicht erfüllt. Das Leben in der Hauptstadt ist überteuert und Gogol’ kann sich keine Theaterbesuche leisten.13 Da er außerdem nur sehr mäßige Zeugnisse vorzuweisen hat, wird er als Kollegienregistrator der untersten Stufe eingestellt und versucht unter anderem seinen Lebensunterhalt durch die Tätigkeit als Hauslehrer, Geschichtslehrer und Hilfslehrer zu verdienen, wobei er stets scheitert.

Als 1829 seine Versidylle Hans Küchelgarten veröffentlicht wird, feiert Gogol seinen großen Misserfolg, worauf er das Buch verbrennt und ins Ausland (Lübeck, Travemünde und Hamburg) flieht. Zurück in St. Petersburg beginnt er seine Erzählungen über seine dörfliche Heimat in der Ukraine zu schreiben. Seine acht Erzählungen, zusammengefasst unter dem Titel Abende auf dem Weiler bei Dikanka (1831/1832), wurden zu einem Riesenerfolg. 1835 erschienen vier weitere ukrainische Erzählungen unter dem Titel Mirgorod (1835): „Altväterliche Gutsbesitzer“, die heroische Erzählung „Taras Bulba“, die Gruselgeschichte „Wij“ und die erste russische Humoreske „Die Geschichte, wie sich Ivan Ivanowitsch mit Ivan Nikiforowitsch verzankte“. Danach folgten die Petersburger Erzählungen: „Der Newskij Prospekt“, „Das Porträt“, „Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen“, „Die Nase“ und „Der Mantel“.14 Die Petersburger Erzählungen stellen eine besondere Etappe im Gogols Schaffen dar. Man spricht von einer zweiten Petersburger Periode seiner literarischen Tätigkeit.15 1836 wird seine Komödie Der Revisor in Anwesenheit des Zaren Nikolaus I. uraufgeführt, der die nach der Aufführung entstandene Grabesstille bricht und als erster Beifall klatscht.16 Die Komödie handelt von einem kleinen Beamten, der in einer Provinzstadt für einen Revisor, für einen staatlichen Prüfer von Verwaltungsvorschriften gehalten wird. Er nutzt es aus, um sich zu bereichern, da die Provinz sehr korrupt ist.17 Das Theaterstück war wiederum ein Riesenerfolg, allerdings spürt Gogol’ die Abneigung der Beamten, Kaufleute und Literaten:

„Der geringste Anschein von Wahrheit – und gegen dich erheben sich alle, und zwar nicht nur einer, sondern ganze Stände. Ich stelle mir vor, was wäre, wenn ich etwas aus dem Petersburger Leben genommen hätte, das ich heute besser kenne als das in der Provinz.“18

2.4 Im Ausland

Verärgert verlässt Gogol’ die verhasste Hauptstadt und reist nach Deutschland, Frankreich, in die Schweiz und vor allem nach Italien. Rom wird in den Jahren 1837 bis 1839 zu seiner zweiten Heimat.19 Bereits 1836 beginnt er am ersten Teil der Toten Seelen zu arbeiten. Das Sujet der Toten Seelen (als auch das von Revisor) geht auf Puškin zurück: Der Sohn eines Gutbesitzers, Čičikov, kommt auf die Idee, die verstorbenen Leibeigenen Bauern („Seelen“) den Gutsbesitzern für ein Spottgeld abzukaufen und somit ein auf dem Papier großes Vermögen aufzubauen, welches dann – natürlich ohne preiszugeben, dass die Seelen tot sind – versetzt oder beliehen werden kann. Mit dem Geld wollte er dann auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Dies gelingt ihm nicht, da sie Sache auffliegt und er flieht ohne das Geld davon.

Puškins Tod im Jahre 1837 erschüttert Gogol’ dermaßen, dass er folgenden Brief an den Schriftsteller Pletnёv verfasst: «Всё наслаждение моей жизни, всё моё высшее наслаждение исчезло вместе с ним. Ничего не предпринимал я без его совета. Ни одна строка не писалась без того, чтобы я не воображал его перед собою... Боже, нынешний труд мой (Мёртвые души), внушённый им, его создание... я не в силах продолжать его… Невыразимая тоска... Я был очень болен, теперь начинаю немного оправляться».20

Der erste Teil der Toten Seelen ist 1842 erschienen und wurde zu einem großen Erfolg, sodass dieses Buch heute als Gogols Hauptwerk gilt. Die weiteren zehn Jahre beschäftigte sich Gogol’ mit dem zweiten Band der Toten Seelen. Währenddessen verbrannte er einzelne abgeschlossene Kapitel und kurz vor seinem Tod den ganzen fertigen Band. 1847 werden die Ausgewählten Stellen aus dem Briefwechsel mit Freunden herausgegeben. Hier erscheint Gogol’ als Verteidiger der „herrschenden Ordnung des Zarentums und der Orthodoxie“ und spricht sich für die Leibeigenschaft aus.21 Der „Briefwechsel“ enthält darüber hinaus Gogols Angst vor dem Tod, die Vorahnung der revolutionären Umwälzung, die von den Schneidern und Handwerkern initiiert wird, die Kritik der westeuropäischen Zivilisation, die Predigt der seelischen Läuterung, die Hoffnungen auf den Monarchen, der das Gottesabbild sein sollte und seine Schuldgefühle aufgrund seines früheren Schaffens.22 Dieses Buch löst in den fortgeschrittenen Kreisen einen Sturm der Empörung aus. Der Kritiker Belinkij reagiert auf dieses Buch Gogols mit einem Brief, der folgenden Satz enthält: «Проповедник кнута, апостол невежества, поборник обскуратизма и мракобесия, панегирист татарских нравов – что вы делаете?» 23

2.5 Die letzten Jahre und der Niedergang Gogol’s

Im Januar 1848 unternimmt er seine bereits im „Briefwechsel“ angekündigte Pilgerreise nach Palästina. Das gelobte Land, wo angeblich Milch und Honig fließen, erscheint ihm arm und roh: Sand, Steine, Hitze, eintönige Berge, staubige Vegetation, Armut, Schmutz und armselige Ruinen. Im Februar erreicht er Jerusalem. Das Grab Gottes schenkt ihm keinen Trost.24 Er ist äußerst unzufrieden mit sich selbst und mit der ganzen Pilgerreise: «Скажу вам, что ещё никогда не был я так мало доволен состоянием сердца своего, как в Иерусалиме и после Иерусалима. Только разве, что больше увидел черствость свою и своё самолюбие, - вот весь результат».25

Die Pilgereise zeigt keine positive Auswirkung auf sein literarisches Schaffen und treibt auch seine Arbeit an den Toten Seelen nicht voran. Gogol’ versucht seine «очерствелость» durch das Fasten und die Gebete zu heilen und ist bestrebt überall den Teufel und Verdorbenheit zu suchen. Nach einem kurzen Aufenthalt in Palästina reist er nach Odessa und dann in seinen Heimatort „Vasiljevka“, in dem er seine Arbeit an den Toten Seelen fortsetzt. Im September 1848 reist er nach Moskau, um weiterhin an den Toten Seelen zu arbeiten. Das revolutionäre Geschehen in Europa und der Schwund seiner schöpferischen Kraft üben einen großen Einfluss auf seine Arbeitsfähigkeit aus, sodass er nur langsam mit dem Schreiben vorankommt. Er fürchtet sich vor dem Alter und dem Tod. Das Nahen des Alters verspürt er bereits mit 27-28 Jahren. Nichtsdestotrotz setzt er in dieser Zeit seine literarischen Bemühungen fort.26

Gogol’ beginnt nach dem Tod von Homjakova (Schwester des Poeten Jazykov und seines Freundes), der ihn sehr erschüttert hat, zu fasten und sich auf den eigenen Tod vorzubereiten. Es beginnt die Masleniza, Gogol’ bekommt vonseiten seiner Freunde zahlreiche Einladungen, lehnt sie aber ab und ernährst sich dabei lediglich von Prosphora. Der Erzpriester besucht Gogol’, um ihn auf den „schamlosen Tod“ vorzubereiten und dabei Puškin zu entsagen, da er Sünder war. Nach dem Besuch des Erzpriesters hört Gogol’ mit seinem literarischen Schaffen auf und verbringt noch mehr Zeit mit Gebeten, Gottesdiensten und dem Fasten. In der Nacht vom 11. auf den 12. Februar verbrennt Gogol’ den zweiten Band der Toten Seelen. Er ist der Meinung, dass sein Poem vom Teufel und nicht vom Gott stammt und deshalb vernichtet werden soll.27 Es wird vermutet, dass Gogol’ mit diesem „Brandopfer“ – wie Abraham – Gott sein Liebstes opfern wollte.28 Allerdings sind die Kunst und die Literatur sein Leben und mit der Vernichtung des Poems verliert das Leben seinen Sinn und das einzige, was bleibt, ist der bevorstehende Tod. Er ist bereit zu sterben, hört nicht auf die Ratschläge der Ärzte, verzichtet auf das Essen, trinkt nur etwas Wasser mit Rotwein, hört auf sich zu waschen und die Kleidung zu wechseln. Die Ärzte treffen die Entscheidung, ihn gegen seinen Willen zu behandeln, um sein Leben zu retten. Aber die erfolgte Behandlung beschleunigt nur seinen Tod. Am 20. Februar um 22 Uhr hat Gogol’ wohl seine letzten Worte ausgesprochen: «Лестницу, поскорее, давай лестницу!» Die Leiter (лестница) bedeutet für Gogol’ den sittlichen Aufstieg, den er nach seinem Tod erleben soll. Am 21. Februar um 8 Uhr ist Gogol’ qualvoll gestorben.29

3. Zwei Fassungen der Erzählung

Die Erzählung „Portret“ ist womöglich das einzige literarische Werk Gogol’s, das solch einer Überarbeitung unterzogen wurde. Die erste Fassung schrieb Gogol’ in den Jahren 1833 – 1834. Diese wurde im Jahre 1835 im ersten Teil der zweiteiligen Erzählsammlung „Arabeski“ veröffentlicht. In Kombination mit anderen Werken und Artikeln dieser Erzählsammlung bekundet die Erzählung „Portret“ definitiv Gogol’s Kunstauffassung.

Die zweite, sorgfältig überarbeitete Fassung der Erzählung kam 1842 in der Zeitschrift „Sovremennik“ heraus und ging in den dritten Band der ersten Ausgabe letzter Hand seiner Werke ein. Die zweite Fassung der Erzählung unterscheidet sich von der ersten Fassung vor allem durch das Fehlen der übernatürlichen Ereignisse und Figuren.30 Was hat Gogol’ dazu bewegt, die Novelle stark zu verändern bzw. neu zu schreiben? Auf der einen Seite ist es eine Reihe von Lebensereignissen zwischen den Jahren 1835 – 1842, die seine Weltanschauung beeinflusst haben. Zu den Ereignissen zählen die „gescheiterte“ Uraufführung des „Revisors“, seine Abreise ins Ausland im Jahre 1836, sein Aufenthalt in Rom, das Kennenlernen der besten Beispiele der europäischen Malerei, seine Leidenschaft zum Katholizismus (1837 – 1839), Bekanntschaft und Freundschaft mit dem Maler Ivanov (1837 – 1839).31 Auf der anderen Seite ist es die schlechte Kritik Belinskijs, der die Erzählung als „misslungenen Versuch Gogol’s im phantastischen Genre“ bezeichnete.32 Zum zweiten Teil der Erzählung äußerte sich Belinskij sogar folgendermaßen:

[...]


1 https://www.dtv.de/autor/nikolai-gogol-14468/

2 FOKIN 2008, S. 166

3 VORONSKIJ 2009, S. 25

4 VORONSKIJ, S. 26

5 Ebenda, S. 27

6 VORONSKIJ 2009, S. 31-32

7 FOKIN 2008, S. 168

8 Ebenda, S.170-171

9 VORONSKIJ 2009, S. 33-37

10 Ebenda, S. 39

11 VORONSKIJ 2009, S. 48

12 Ebenda, S. 49,52

13 FOKIN 2008, S. 193-194

14 http://www.russland.news/nikolaj-wassiljewitsch-gogol-die-russische-seele-2/

15 VORONSKIJ 2009, S. 140

16 http://www.russland.news/nikolaj-wassiljewitsch-gogol-die-russische-seele-2/

17 https://www.zeit.de/2009/12/Gogol

18 Aus einem Brief an den Schauspieler Michail Ščepkin vom 29.April 1836 in Urban, Peter: Gogols Petersburger Jahre – Gogols Briefwechsel mit Aleksandr Puškin, 2003

19 http://www.russland.news/nikolaj-wassiljewitsch-gogol-die-russische-seele-2/

20 VORONSKIJ 2009, S. 193

21 http://www.russland.news/nikolaj-wassiljewitsch-gogol-die-russische-seele-2/

22 VORONSKIJ 2009, S. 331-332

23 VORONSKIJ 2009, S. 334-335

24 VORONSKIJ 2009, S. 352 - 353

25 Aus dem Brief an den Erzpriester Matvej in VORONSKIJ 2009, S. 354 (Matvej Konstantinopol’skij war strenggläubiger Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche und Gogol’s geistiger Mentor, der einen außergewöhnlichen Einfluss auf das Schicksal Gogol’s nimmt und seinen tragischen Tod beschleunigt oder sogar bestimmt.)

26 VORONSKIJ 2009, S. 354-365

27 VORONSKIJ 2009, S. 373-378

28 http://www.russland.news/nikolaj-wassiljewitsch-gogol-die-russische-seele-2/

29 VORONSKIJ 2009, S. 378 ff.

30 Eine ausführliche Diskussion der Unterschiede und Übereinstimmungen der beiden Fassungen der Erzählung erfolgt in dieser Arbeit nicht.

31 vgl. dazu ARHIPOVA 2004, S. 101

32 Zitiert nach: AMBERG in BRANG 1986, S. 143

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Erzählung "Portret" von Nikolai Wassiljewitsch Gogol
Untertitel
Eine Analyse vier unterschiedlicher Motive
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Slavistik)
Veranstaltung
Hauptseminar: N.V. Gogol
Note
1,67
Autor
Jahr
2020
Seiten
20
Katalognummer
V937275
ISBN (eBook)
9783346261861
ISBN (Buch)
9783346261878
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Portret, Gogol, Studienarbeit, Slavistik, Russisch
Arbeit zitieren
Michael Rabinovych (Autor), 2020, Die Erzählung "Portret" von Nikolai Wassiljewitsch Gogol, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/937275

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