Medienerziehung von Kleinkindern

Eine Analyse der Rolle des familiären Umfelds im Vergleich zu Betreuungspersonen


Bachelorarbeit, 2020

36 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

MEDIENNUTZUNG: GEFAHREN UND POTENTIALE

KINDER UND DIGITALE MEDIEN: AKTUELLE ZUGÄNGE UND FORSCHUNGSSTAND
Kommunikationswissenschaftliche Zugänge

DEFINITIONEN
Medienerziehung
Medienpädagogik
Medienbildung
Medienkompetenz

AKTUELLE FORSCHUNGSLAGE: MEDIENERZIEHUNG
Eltern und Familie
Betreuungspersonen

INTERVIEW: VERGLEICH MIT DER THEORIE

ERGEBNISSE

RESÜMEE

LITERATURVERZEICHNIS

Abstract

Die vorliegende Arbeit bietet einen Überblick über Medienerziehung in Familien, insbesondere von Eltern und in Kindergärten. Es werden grundsätzliche Begriffe erläutert und im Anschluss die Vor- und Nachteile der Medienerziehung im Kontext Familie und Kindergarten erläutert. Ein Interview mit einer ehemaligen Kindergartenpädagogin gibt genauere Einblicke in diesen Bereich der Erziehung. Grundsätzlich ist die vorliegende Arbeit eine Literaturarbeit, welche sich an deutscher Literatur aus Österreich und Deutschland bedient. Es wurden vorwiegend aktuelle Werke verwendet, da digitale Medien sich in den letzten Jahren sehr verändert und entwickelt haben.

Vorwort

Im Rahmen des Bachelorseminars habe ich mich mit dem Thema Medienerziehung im Kindergarten und in der Familie auseinandergesetzt. Grund für die Wahl des Themas war vorrangig mein Persönliches Interesse an den Entwicklungen und Möglichkeiten, die bereits bei Kleinkindern bestehen. Immer wieder habe ich beobachtet, dass bereits sehr kleine Kinder mit digitalen Medien konfrontiert sind und sich bereits sehr gut mit diversen Geräten zurechtfinden. Daher kam die Frage auf, wie man Kinder bei den ersten Erfahrungen mit digitalen Medien begleiten und bestmöglich darauf vorbereiten kann. Um dieses Thema möglichst gut zusammenzufassen und mich intensiv damit zu beschäftigen, habe ich mich dazu entschlossen dies in Form meiner Bachelorarbeit zu machen. Es geht darum herauszuheben, wie Kinder begleitet werden können und welche Möglichkeiten die Familie und der Kindergarten dabei haben.

Ursprünglich war ein Interviewteil für diese Arbeit geplant welcher die Perspektive von Pädagogen und Pädagoginnen darlegen sollte. Aufgrund der aktuellen weltweiten Corona Pandemie war dies aus Sicherheitsgründen leider nicht realisierbar. Trotzdem konnte eine Interviewpartnerin gefunden werden, welche neue Aspekte zum Thema einbringt. Da auch Bibliotheken in der Zeit geschlossen waren, als die Arbeit verfasst wurde, konnten nur Online Quellen herangezogen werden und daher wurden einige Werke, die das Thema ebenfalls behandeln, nicht miteinbezogen.

Die Arbeit richtet sich an Eltern und Betreuungspersonen, sowie an alle die sich für Medienerziehung bei Kleinkindern interessieren.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Medienbiografie von Kindern (Junge, 2013, S. 168)

Abbildung 2 Hierarchie von Kompetenzen der Medienerziehung (Six, Frey und Grimmler, 1998, S.35)

Abbildung 3 Bielefelder Medienkompetenzmodell nach Dieter Baacke (Junge, 2013, S.135)

Abbildung 4 Kontexte der Medienaneignung; leicht modifizierte Darstellung in Anlehnung an Theunert

Einleitung

Das immer größer werdende Medienangebot, welches auch von Kindern mittlerweile vermehrt genutzt wird, bringt neue Erziehungsfragen auf. Für Eltern und Betreuungspersonen gilt es die Kinder bei den ersten Medienerfahrungen pädagogisch angemessen zu begleiten. Für Tulodziecki (2008) handelt es sich dabei um eine Fragestellung der Medienerziehung. „Unter diesem Begriff lassen sich alle Aktivitäten und Überlegungen in Erziehung und Bildung zusammenfassen, die das Ziel haben, ein humanes bzw. verantwortliches Handeln im Zusammenhang mit der Mediennutzung und Mediengestaltung zu entwickeln (Tulodziecki, 2008, S.110).“ Der Gedanke hinter der Medienerziehung und auch die Medien selbst haben sich in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt. Aktuell ist in der Kindererziehung das Einbeziehen von Digitalen Medien kaum noch wegzudenken. Kinder, die zur Generation Y (erste Generation die teilweise als Digital Natives aufwuchsen) aber vor allem zur Generation Z (erste Generation die komplett im digitalen Zeitalter aufgewachsen ist) gehören, wachsen mit Medien auf und sind täglich damit konfrontiert (Mihovilovic, 2019). Ziel der Arbeit ist es daher, einen umfassenden Überblick über Medienerziehung von Kindern zu geben. Sollte es den Inhalt und die Vorgaben dieser Bachelorarbeit nicht sprengen wäre auch eine Empfehlung/ ein Modell angedacht, welches beschreibt wie bestmöglich an die Medienerziehung von Kindern herangegangen werden kann. Natürlich gibt es schon zahlreiche Werke, die sich auf Medienerziehung, sowohl von Eltern als auch von Betreuungspersonen beziehen. Eine neue Erkenntnis, die diese Arbeit hervorbringen soll, ist zu dokumentieren und zusammenzufassen, welche Bereiche besonders von Eltern und welche Bereiche besonders von Pädagogen und Pädagoginnen abgedeckt werden können. Zudem sollen Begriffe aus diesem Bereich definiert und abgegrenzt werden. Schlussendlich soll ein Vergleich angestellt werden, welcher die Unterschiede und Gemeinsamkeiten hervorhebt. So werden die Möglichkeiten und vorgeschlagenen Arten der Medienerziehung verglichen und verschiedene Aspekte herausgearbeitet. Zusätzlich wird die Arbeit auch ein Interview mit einer Familienexpertin enthalten, welche die aktuellen Probleme und Herausforderungen herausheben soll.

Um einige Begrifflichkeiten des Arbeitstitels noch genauer einzugrenzen: In dieser Arbeit sollen vorrangig Kinder im Kleinkindalter (ab zwei Jahren bis ca. 6 Jahre) behandelt werden. Des Weiteren soll ausschließlich auf die Medienerziehung durch die Eltern und der Betreuungspersonen eingegangen werden. Mit Betreuungspersonen sind vor allem Pädagogen und Pädagoginnen gemeint, die die Kinder in den ersten Lebensjahren begleiten. Sowohl die Möglichkeiten der Betreuungspersonen, als auch die der Eltern sollen dargelegt und verglichen werden. Betreuungspersonen werden in die Arbeit mit einbezogen, um einen Faktor außerhalb der Familie zu berücksichtigen. Zu diesem Aspekt wird vor allem die Interviewpartnerin, die für diese Arbeit herangezogen wird, einen wesentlichen Teil beitragen, da sie nicht nur Familienexpertin ist, sondern auch über 20 Jahre selbst als Kindergartenpädagogin tätig war. Das Interview soll der Arbeit einen Input geben, der neu ist und speziellere Fragen beantworten kann, als es vielleicht in der Literatur möglich ist und wird daher wertvoll für diese Arbeit sein. Unter Medien werden neue, vor allem digitale Medien wie Smartphones, Tablets aber auch Fernsehen verstanden und damit einhergehend auch Soziale Medien und Plattformen wie Facebook, Youtube, Instagram, Netflix oder ähnliche. Bücher oder Radio werden in dieser Arbeit nicht spezifisch berücksichtigt oder wenn, dann fürVergleiche herangezogen.

Die Grundlage dieser Bachelorarbeit wird ein Theorieteil, welcher grundsätzlich anhand einer Literaturrecherche erarbeitet werden soll. Dabei wird sich die Arbeit im speziellen damit beschäftigen, welche Rolle die Medienerziehung in Bezug auf die Mediennutzung von Kindern spielt. Es soll anhand von Theorien dargelegt werden, wie Erziehungsberechtigte unterschiedlich mit Medienerziehung umgehen und welche Auswirkungen der Umgang haben kann. Die Werke, die für die Arbeit herangezogen werden, sollen möglichst aktuell sein; bevorzugt aus den Jahren 2000-2020. Vereinzelt wird aber, aus Zwecken der Vollständigkeit und bei Hinweisen auf die Entwicklung, auch auf ältere Werke zurückgegriffen. Literatur die verwendet wird, soll sich vor allem mit der elterlichen Medienerziehung und deren Auswirkungen, aber auch konkret mit der Rolle der Betreuungspersonen beschäftigen. Grundsätzlich soll in dieser Arbeit der deutschsprachige Raum behandelt werden, weshalb ausschließlich deutsche Literatur herangezogen wird.

Mediennutzung: Gefahren und Potentiale

Bereits im Jahr 2001 stellte sich für Pädagogen und Pädagoginnen die Frage, wie man Medien bestmöglich in das Kindergartengeschehen eingliedern kann. Zum damaligen Zeitpunkt war das digitale Medienangebot allerdings noch nicht so umfangreich wie zum heutigen Zeitpunkt. Dennoch waren diesbezüglich bereits Zweifel am Aufkommen, die den Einfluss der Medien auf die elementare Entwicklung kritisch sahen. Ein Beispiel dafür liefert ein Artikel der Zeitschrift „Unsere Kinder: Fachzeitschrift für Kindergarten- und Kleinkindpädagogik“ aus dem Jahr 2001. Bereits zum damaligen Zeitpunkt wurde die Frage gestellt, ob „den Kindern dadurch nicht Kreativitätsverlust, soziale Vereinsamung und Mangel an elementaren Spiel- und Lernerfahrungen“ drohe. Klargestellt wird, dass Medien ein wichtiger Teil der Entwicklung sind. Der Profit durch die Nutzung des jeweiligen Mediums hänge allerdings maßgeblich von elterlichem Einfluss und dem der pädagogischen Einrichtungen ab. Um das Mediennutzungsverhalten von Kindern zu klären, ist es zu Beginn interessant, auch einen Blick auf das allgemeine Mediennutzungsverhalten zu werfen. Es stellt sich die Frage, warum beziehungsweise wofür Medien überhaupt genutzt werden, und anschließend warum Kinder Medien nutzen. Des Weiteren ist es interessant sich sowohl die Gefahren und Potentiale der digitalen Medien anzusehen, um darzulegen, warum Medienerziehung überhaupt notwendig ist. Ein sehr häufig verwendeter Ansatz zur Erklärung, warum Medien genutzt werden, ist der „Uses- and Gratifications- Ansatz“. Diesem Ansatz nach werden Medien von den Rezipienten genutzt, um bestimmte Bedürfnisse zu befriedigen. Wenn diese Bedürfnisse durch die Nutzung von digitalen Medien erfüllt werden, dann erhält man die gesuchte oder gewünschte Gratifikation. Daher gilt als eine der Grundannahmen, dass Mediennutzung durch Bedürfnisse erklärt werden kann. Der Ansatz geht davon aus, dass das Publikum aktiv die Medien auswählt und nutzt. Dabei handelt es sich um die zweite wichtige Grundannahme: Dass das Handeln der Rezipienten zielgerichtet ist (Meyen, 2004). Dieser Ansatz ist natürlich bei Kleinkindern sehr interessant, da hier sofort die Frage aufkommt, ob Kinder im Bezug auf Medien überhaupt schon so zielgerichtet Handeln können. Laut „Uses- and Gratifications- Ansatz“ werden Medien genutzt, um bestimmte Bedürfnisse zu befriedigen. Die Menschen sind quasi das Subjekt der Handlung und haben Ziele und Absichten in Bezug auf die Mediennutzung. Bei Kindern stellt sich hier die Frage, welche Ziele und Absichten dahinterstecken und, ob eine wirkliche Intention hinter der Mediennutzung steckt. Hier lässt sich eher vermuten, dass Kinder Medien nutzen, weil sie dieses Verhalten bei den Erwachsenen beobachten und diese eine gewisse Art Vorbildfunktion übernehmen. Um allerdings eine Vorbildfunktion für ein verantwortungsvolles Medienverhalten übernehmen zu können, liegt es nahe, dass auch die Erziehungsberechtigten wissen, wie man mit Medien umgeht. Das Bewusstsein über die Gefahren, welche Medien darstellen, sollte einem zu jeder Zeit bewusst sein. Laut Junge (2013) ist es nicht nur wichtig die Potentiale die die neuen Medien bieten wahrzunehmen und den Kindern zugänglich zu machen. Ebenso gilt es Risiken und Herausforderungen zu erkennen und zu vermeiden. Es geht nicht darum Misstrauen gegenüber Medien zu erwecken, sondern Gefahrenpotentiale offenzulegen und zu reagieren. Junge (2013) legt folgende Gefahren dar, welche sich im Zuge der Nutzung sozialer Medien ergeben können:

- Cyber Mobbing
- Ungewollte Kontakte
- Anleitungen zu abweichenden Handlungen
- Politischer und religiöser Radikalismus
- Datenschutz- Umgang mit privaten Daten
- Verbreitung pornografischer oder gewalthaltiger Inhalte
- Überwachung
- Unkontrollierbare Kosten

Einige dieser Gefahren mögen für Kinder bis sechs Jahre weniger relevant sein, allerdings treffen auch einige der Probleme schon bei kleineren Kindern zu. Da es bei Medienkompetenz vor allem um Erfahrungen und die richtige Vorbereitung auf den Umgang mit Medien geht, ist es naheliegend, die Kinder auf diese Gefahren vorzubereiten. Es gilt, schon früh das Gefahrenpotential einzudämmen. Gefahren sollen den Kindern früh genug bewusst sein, ohne diesen Angst zu machen. Medienerziehung soll also ebenso dazu dienen, die Kinder auf die Probleme, die im Netz auftauchen können, vorzubereiten und aufzuklären. Laut Junge (2013) ist Mediennutzung mit Risiken verbunden, welche durch eigenes Fehlverhalten oder auch durch das Fehlverhalten anderer (wie es beim Cybermobbing der Fall ist) auftauchen können. Diese sind allgegenwärtig und können jedes Kind betreffen. Medien sollen deshalb nicht abgelehnt werden. „Vielmehr sollte die Relevanz der einzelnen Gefährdungspotenziale anhand der Ergebnisse der Medienwirkungsforschung bestimmt werden, um die Notwendigkeit von Interventions- und Präventionsmaßnahmen zu bestimmen“ (Junge, 2013, S.84). Isabel Grewe (2012) erwähnt in diesem Kontext, dass Kinder mit Medien aufwachsen und daher Gefahren teilweise nicht hinterfragen. Daher ist es wichtig, dass sich Kinder die kritische Haltung gegenüber Medien von klein auf aneignen. Dieser Prozess muss laut Grewe allerdings pädagogisch unterstützt werden.

Folgen oder Auswirkungen, die mittlerweile durch den Umgang von Kindern mit digitalen Medien beobachtbar sind, zeigt Katharina Kaiser-Müller (2020) in ihrer Studie. Demnach treten nicht nur Konflikte zwischen Erwachsenen und Kindern auf, wenn es um die Mediennutzung geht. Teilweise haben die Medien schon Auswirkungen auf den Alltag der Kinder. Demnach geben 14% der Eltern an, „dass ihr Kind in bestimmten Situationen die Beschäftigung mit digitalen Geräten wie ein Ritual braucht. (Kaiser-Müller, 2020, S.4)“ Des weiteren wird von 11% der Eltern angegeben, dass es den Kindern sogar schwer fällt, sich ohne digitale Geräte selbst zu beschäftigen. Da den Kindern ihr eigenes Konsumverhalten im Kindergarten alter noch nicht direkt bewusst ist, gilt es hier für die Medienerziehung anzusetzen und reflektierte, verantwortungsvolle, junge Mediennutzer „auszubilden“. Ganz allgemein lässt sich also sagen, dass das Gefahrenpotential, welches Medien durchaus bieten, durch eine passende Medienerziehung von klein auf minimiert werden soll.

Kinder und digitale Medien: Aktuelle Zugänge und Forschungsstand

Der Medienbereich, welcher Kinder und Jugendliche betrifft, befindet sich stetig im Wandel. Daher gilt es auch, diese Medienentwicklungen kontinuierlich zu verfolgen und neue grundliegende Forschungsergebnisse in diesem Bereich zu liefern. Im Folgenden wird darauf eingegangen welche Ergebnisse in Bezug auf Medienerziehung die Forschungen der letzten Jahre liefern konnten.

Tillman et al. (2014) sehen die Kindheit als Bereich, welcher laufend von neuen Medien vorangetrieben wird. Ebenfalls wird aber darauf aufmerksam gemacht, dass Kinder nicht einfach nur „Digital Natives“ sind, sondern dass, „die mediale Handlungsfähigkeit von Kindern erst dann voll zur Entfaltung kommen kann, wenn sie von bestimmten entwicklungsförderlichen Bedingungen beeinflusst wird“ (Tillman et al., 2014, S.9). Dies zeigt, dass es für das Verhältnis zwischen Kindern und digitalen Medien zahlreiche Herausforderungen gibt, die es im Laufe des Heranwachsens zu bewältigen gilt. Kinder werden nicht einfach nur in dieses Zeitalter, in dem Medien eine wesentliche Rolle spielen, hineingeboren. Vielmehr noch gilt es, die Kinder bei der Entwicklung im Umgang mit sozialen Medien zu fördern. Es ist nicht nur wichtig vor Gefahren zu warnen, sondern ein umfangreiches Bewusstsein der Kinder für den Umgang mit digitalen Medien zu schaffen. Damit ist gemeint, dass Kinder richtig vorbereitet werden, Medien zu nutzen. Ganz allgemein lässt sich aber sagen, dass Medien für Kinder heutzutage durchaus eine Bereicherung darstellen, was auch durch aktuelle Studien belegt wurde. So erforscht beispielsweise die Studienreihe KIM bereits seit 1999 das Medienverhalten von Kindern im Alter von 6-13 Jahren. Bei der Studie 2012 wurde erstmals auch ein Sonderteil veröffentlicht, welcher „miniKIM“ genannt wurde und welcher das Medienverhalten von Kindern im Kindergartenalter (2-5 Jahre) untersuchte. In diesem Teil wurden die Fragen vom Haupterzieher der Kinder beantwortet. Folgende Ergebnisse sind für diese Arbeit relevant:

1. Kinder im Alter von 2-3 nutzen das Internet im Schnitt zu 1% einmal pro Woche, Kinder im Alter von 4-5 Jahren zirka zu 8%.
2. Bei den Erziehungsberechtigten ist das Thema fast ebenso wichtig wie bei Eltern mit älteren Kindern.
3. In Kindergärten geben nur 2% an, einen Internetzugang für die Kinder zu haben.
4. Was die Medienkompetenz der Haupterzieher betrifft, so nutzen 46% täglich einen Computer, nur 39% gehen täglich ins Internet. Jeder zweite ist auf sozialen Medien vertreten, davon hat ein Drittel Informationen über das Kind online gestellt (Karg, 2014, S. 66-72)

Dies zeigt deutlich, dass Medienerziehung immer früher relevant wird und schon Kleinkinder betrifft. Allerdings lässt sich auch deutlich erkennen, dass zum damaligen Zeitpunkt Smartphone und soziale Medien noch nicht so präsent waren. Ein ähnliches Bild zeichnet Junge (2013) in seiner Grafik, welche veranschaulichen soll ab welchem Alter Kinder welche spezifischen Medien nutzen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Medienbiografie von Kindern (Junge, 2013, S. 168)

Die Abbildung aus dem Jahr 2013 zeigt, dass Smartphone und Internet damals eher später relevant waren. Im Vorschulalter herrschten vorwiegend Fernseher und Radio vor. Aktuellere Literatur allerdings verweist auf Änderungen in diesem Bereich hin. Aus heutiger Sicht lässt sich dennoch vermuten, dass das Smartphone jetzt vermehrt eingesetzt wird, ebenso wie Tablets oder ähnliche Geräte. Diese Schlussfolgerung bestätigt eine sehr aktuelle Studie von Katharina Kaiser-Müller (2020). Laut ihrer Untersuchung steigen Kinder immer früher in die Welt der digitalen Medien ein. Laut Kaiser-Müller (2020) sind sie im Durchschnitt 12 Monate alt, wenn sie zum ersten Mal Kontakt mit digitalen Geräten haben. „Am häufigsten beschäftigen sich die Kinder dabei mit dem Tablet (32%), gefolgt von Smartphone (30%) und dem internetfähigen Fernseher (20%)“ (Kaiser-Müller, 2020, S.2). In der Studie wird auch ein Aufschluss darüber gegeben, wie das Nutzungsverhalten der Kleinkinder aussieht. Hier zeigt sich, dass die Kinder hauptsächlich Videos und Fotos schauen, sowie Musik hören oder Spiele spielen. Dabei nutzen 28% der Kinder die Geräte der Familie, und bereits 22% der Kinder haben ein eigenes Gerät zur Verfügung. Laut Kaiser-Müller lässt sich auch ein deutlicher Anstieg in der Nutzungshäufigkeit beobachten, wonach 33% der Kinder jeden Tag ein internetfähiges Gerät nutzen und 46% der Kinder mehrmals pro Woche. Im Jahr 2013 waren es noch 15% täglich und 30% mehrmals pro Woche. Ein wichtiger Gedanke der in dieser Studie ebenfalls aufgegriffen wird ist, dass die meisten Eltern und Erwachsenen zwar Erfahrungen mit digitalen Medien haben, sie allerdings in der eigenen Kindheit damit keine Erfahrungen sammeln konnten und somit nicht auf diese Erfahrungswerte zurückgreifen können. Dennoch ist allerdings erkennbar, dass sich die Erziehungsberechtigten Gedanken darüber machen, wie sie die Kinder im Bezug auf Medien bestmöglich begleiten können. Nicht nur zirka Dreiviertel der Eltern ist es bewusst, dass sie eine Vorbildfunktion haben, sondern ein Großteil trifft Vorkehrungen und Maßnahmen um die Kinder im Umgang mit digitalen Medien bestmöglich zu unterstützen. Maßnahmen die getroffen werden sind beispielsweise:

- zeitliche Beschränkungen
- Einschränkung auf ausgewählte Seiten/Apps
- Kinderschutzapps und Programme
- Beaufsichtigung der Handynutzung

Es wird davon ausgegangen, dass der Umgang mit digitalen Medien durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden kann. Diese Unterschiedlichen Aspekte fasst Süss (2008) als „Mediensozialisation“ zusammen. Dabei geht es darum, dass Kinder sich aktiv mit ihrer Umwelt auseinandersetzten und Medien genutzt werden, um beispielsweise Entwicklungsaufgaben zu bewältigen. Ganz allgemein lässt sich sagen, dass Medien in Bezug auf die Entwicklung der Kinder aber ganz unterschiedlich aufgefasst werden. Je nach „Weltbild und politischen Positionen“ (Süss, 2008, S.362) kann zwischen kritischen Ansichten und optimistischen Ansichten, welche in neuen digitalen Medien Chancen sehen, unterschieden werden. In diesem theoretischen Kontext werden drei Paradigmen unterschieden:

Kulturpessimistische Position: Diese Position ist bereits am längsten in der Geschichte verankert. Medien werden vor allem als negativ und gefährlich angesehen.

Kritisch Optimistische Position: Hier werden die Medien als hilfreiche Ergänzung angesehen.

Medieneuphorische Position: Bei dieser Position wird den Medien ein hoher Stellenwert in der Entwicklung von Kindern zugeschrieben. Sie ist das entgegengesetzte Extrem der kulturpessimistischen Position, welche ebenfalls die aktuelle Forschungslage vernachlässigt.

Was die aktuelle Forschungslage zu Kindern und Medien betrifft, so ist es nicht unwesentlich auch anzumerken, dass sich Marktforschungsstudien und Hochschulforschung in diesem Bereich unterscheiden. Dies bietet allerdings auch eine Möglichkeit, Forschungsergebnisse nicht nur zu vergleichen, sondern gegebenenfalls auch zu ergänzen. Einige wichtige Punkte fasst Süss (2008) anhand von Studien und Statistiken zusammen:

- Wenn Kinder älter werden, haben sie mehr unterschiedliche Medien im eigenen Zimmer zur Verfügung, welche sie ohne die Aufsicht der Eltern nutzen können
- Jungen nutzen eher den Computer, Mädchen eher das Handy
- Die Gesamtmedienzeit der Kinder ist über die letzten Jahrzehnte angestiegen
- „Der Medienzugang hat sich in den letzten Jahrzehnten bei den Altersgruppen nach unten verschoben (Akzeleration). Immer jüngere Kinder verfügen über ein breites Medienensemble und nutzen Medieninhalte, die früher den älteren Kindern vorbehalten waren. (Süss, 2008, S.365)“

Besonders der letzte Punkt zeigt sehr deutlich, warum es so wichtig ist, Kinder schon vom Kleinkindalter an durch Medienerziehung zu stützen. Es zeigt, dass Medien nicht mehr nur für Erwachsene zugänglich sind, sondern auch bereits von immer jüngeren Kindern genutzt werden. Die Rolle der Medienerziehung erforschte auch Junge (2013) in seiner Studie zu Jugendmedienschutz und Medienerziehung im digitalen Zeitalter. Seiner Ansicht nach fehlten zum damaligen Zeitpunkt noch Studien die die Rolle der Eltern in der Medienerziehung tiefergehend untersuchen.

Kommunikationswissenschaftliche Zugänge

Nicht nur für Erwachsene Menschen gelten Mediennutzungstheorien. Diese können ebenso auf Kinder angewendet werden. Laut Süss (2008) werden Medien von Kindern vorrangig genutzt, um kognitive, affektive, sozial-integrative und integrativ-habituelle Bedürfnisse zu befriedigen. Dabei ist dann noch zu unterscheiden, was sich die Kinder ursprünglich von der Mediennutzung erwarten und was letztendlich davon dann erreicht wird. Diese Theorie wird der „Nutzen und Belohnungs-Ansatz“ genannt, nach welchem Medien zur Befriedigung diverser Bedürfnisse genutzt werden.

Ein weiterer Kommunikationswissenschaftlicher Ansatz, welcher von Baacke (2007) erwähnt wird ist die sogenannte „Agenda-Setting-These“. Die These besagt, dass die Themen die wir wahrnehmen und auch kommunizieren, nicht durch unsere eigenen Erfahrungen entspringen, sondern dass die Medien bestimmen worüber wir Nachdenken und Sprechen. Dieses Konzept kann auch auf Kinder angewendet werden, da diese ebenso über Themen sprechen die sie in den Medien rezipieren. Die Medien haben also bereits auf das Denken von Kleinkindern Einfluss indem sie diesen sogar teilweise Themen vorgeben.

[...]

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Medienerziehung von Kleinkindern
Untertitel
Eine Analyse der Rolle des familiären Umfelds im Vergleich zu Betreuungspersonen
Hochschule
Universität Wien
Autor
Jahr
2020
Seiten
36
Katalognummer
V937300
ISBN (eBook)
9783346299062
ISBN (Buch)
9783346299079
Sprache
Deutsch
Schlagworte
medienerziehung, kleinkindern, eine, analyse, rolle, umfelds, vergleich, betreuungspersonen
Arbeit zitieren
Nina Gundacker (Autor:in), 2020, Medienerziehung von Kleinkindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/937300

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Medienerziehung von Kleinkindern



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden