Die Arbeit setzt sich mit den sozialen Reaktionen auf stotternde Menschen auseinander. Dazu beschäftigt sich der Autor mit dem Stottern sowie mit den sozialen Reaktionen, die daraufhin entstehen.
Zunächst widmet sich der Autor der Wahrnehmung des Stotterns im Laufe der Geschichte. Anschließend werden Ursachen beleuchtet, bevor aufgezeigt wird, dass das Stottern auch sichtbar ist. Abschließend bezieht sich der Autor auf aktuelle Studien, die die soziale Reaktion auf stotternde Menschen beschreiben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition Stottern
3. Geschichte
4. Ätiologie des Stotterns
5. Stottern als sichtbare Behinderung
6. Soziale Reaktionen
6.1 Eltern/Familie
6.2 Schule
6.3 Gesellschaft
7. Fazit
8. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sozialen Reaktionen auf stotternde Menschen, um aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Wahrnehmung, Stigmatisierung und der Umgang mit dieser Sprechstörung die Lebensrealität Betroffener prägen. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse von Ursachen, historischen Aspekten sowie konkreten Auswirkungen im familiären, schulischen und gesellschaftlichen Kontext.
- Phänomenologie und Ätiologie des Stotterns
- Stottern im Kontext von Behinderung und gesellschaftlicher Normierung
- Soziale Dynamiken und Reaktionen im familialen Umfeld
- Herausforderungen und Stigmatisierungsprozesse im schulischen Alltag
- Gesellschaftlicher Umgang, Medienbilder und Wege zur selbstbewussten Teilhabe
Auszug aus dem Buch
6.3 Gesellschaft
Die heutige kapitalistische Gesellschaft, in der Zeit und Geld von immer größerer Bedeutung sind, ist die Position eines Stotternden nicht einfach, denn ein Stotterer braucht mehr Zeit, um zu sprechen als ein Nichtstotternder. Für einen Stotterer ist es schon schlimm, wenn er zu stottern beginnt. Noch schlimmer wird es, wenn er die herablassenden Blicke oder gelangweilten Gesten seiner Mitmenschen wahrnimmt (vgl. Sandrieser & Schneider, 2008, S. 51 ff.).
Alltägliche Kommunikation wie beispielsweise die Bestellung beim Bäcker ist für einen Stotterer bereits eine Hürde. Daher vermeiden stotternde Menschen „Situationen, bei denen sie fürchten, stottern zu müssen. Alltägliche Situationen, wie der Kauf einer Fahrkarte, können für stotternde Menschen eine große Belastung darstellen“ (Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e.V., 2012, S. 2).
In manchen Situationen entsteht der Eindruck, dass stotternde Menschen oder Personen mit einer anderen Sprachstörung bevormundet beziehungsweise nicht als „normale“ Menschen gesehen werden. „Dass man seinem Gesprächspartner nicht ins Wort fällt und ihn nicht mitten im Satz unterbricht, ist eigentlich selbstverständlich und gehört zu einem höflichen und respektvollen Miteinander. Doch im Umgang mit stotternden Menschen scheint dieses ungeschriebene Gesetz außer Kraft zu treten. Viele Menschen reagieren auf Stotterer, indem sie einfach für sie weiter sprechen, ihnen die Wortfindung abnehmen, ungeduldig Sätze vervollständigen und möglichst auf Blickkontakt verzichten. Hinter solchen Reaktionen steckt in den meisten Fällen kein böser Wille. Gesprächspartner sind vielmehr hilflos, verunsichert und peinlich berührt. Aber Stotterer empfinden dieses Verhalten als sehr entmündigend und demütigend“ (von Gudenberg, 2012).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des Stotterns als Sprachstörung ein, beleuchtet anatomische sowie kommunikative Aspekte und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die sozialen Reaktionen auf Betroffene zu analysieren.
2. Definition Stottern: Dieses Kapitel definiert Stottern als komplexe Redeflussstörung, grenzt es vom Poltern ab und beschreibt die Symptomatik sowie die variablen Bedingungen, unter denen die Störung auftritt oder abnimmt.
3. Geschichte: Hier wird der historische Kontext des Stotterns betrachtet, der als universelles Phänomen quer durch alle Kulturen beschrieben wird, wobei ein Wandel in der Wahrnehmung und Behandlung von der Antike bis zur Neuzeit aufgezeigt wird.
4. Ätiologie des Stotterns: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit den (weitestgehend unbekannten) Ursachen des Stotterns auseinander, widerlegt veraltete psychologische Theorien und verweist auf neue Erkenntnisse aus der Genetik und Neurophysiologie.
5. Stottern als sichtbare Behinderung: Hier wird das Stottern als Behinderung in den Kontext gesellschaftlicher Normvorstellungen und der Einstellungsforschung eingeordnet, wobei die Visibilität der Beeinträchtigung als Determinante sozialer Reaktion hervorgehoben wird.
6. Soziale Reaktionen: Dieses Hauptkapitel analysiert detailliert die Auswirkungen der Stigmatisierung von Stotternden in verschiedenen Lebensbereichen.
6.1 Eltern/Familie: Das Kapitel behandelt den Umgang von Familien mit stotternden Kindern, räumt mit Schuldzuweisungen auf und betont die Notwendigkeit einer informierten, angstfreien Begleitung.
6.2 Schule: Dieser Abschnitt thematisiert die Belastungssituation stotternder Schüler, die Rolle von Lehrkräften sowie die negativen Folgen von Mobbing und mangelndem Verständnis im Bildungskontext.
6.3 Gesellschaft: Hier werden die gesellschaftliche Ausgrenzung, das verzerrte Bild in Medien sowie die psychische Belastung durch „gut gemeinte“ aber entmündigende Reaktionen der Mitmenschen beleuchtet.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, betont die Notwendigkeit der Integration Stotternder als vollwertige Gesellschaftsmitglieder und resümiert, dass das Stottern trotz umfangreicher Forschung weiterhin viele offene Fragen aufwirft.
8. Literaturverzeichnis: Dieses Kapitel listet die verwendeten Buchquellen, Sammelbände, Internetquellen sowie Berichte und Zeitschriften auf, die der Arbeit zugrunde liegen.
Schlüsselwörter
Stottern, Redeflussstörung, Soziale Reaktion, Stigmatisierung, Kommunikation, Sprachentwicklung, Behinderung, Inklusion, Sprechablauf, Vorurteile, Soziale Interaktion, Pädagogik, Sprachtherapie, psychische Belastung, Bewusstsein
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Menschen in ihrem sozialen Umfeld auf Stotternde reagieren und welche Auswirkungen diese Reaktionen auf die betroffenen Personen haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition und den Ursachen des Stotterns, der Einordnung als sichtbare Behinderung sowie der Analyse des sozialen Umgangs in Familie, Schule und Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Stottern weit mehr als eine medizinische Sprechstörung ist, sondern durch soziale Stigmatisierungsprozesse massiv die Lebensqualität und Selbstwahrnehmung der Betroffenen beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die auf Basis aktueller Forschungsergebnisse aus der Psychologie, Soziologie und Sonderpädagogik eine theoretische Aufarbeitung des Themas vornimmt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die medizinisch-theoretische Fundierung des Stotterns und eine detaillierte Untersuchung der sozialen Interaktionen in spezifischen Lebensbereichen wie dem Familienleben und dem schulischen Kontext.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Stottern, Stigmatisierung, Soziale Interaktion, Kommunikation, Behinderung, Inklusion und der Einfluss der gesellschaftlichen Sozialisation.
Wie unterscheidet sich die Wahrnehmung von Stottern gegenüber anderen Behinderungen?
Da Stottern oft als "unsichtbare" oder variabel auftretende Behinderung wahrgenommen wird, führt es bei Außenstehenden häufig zu einer besonderen Verunsicherung, da es den normativen Erwartungen an einen flüssigen, „normalen“ Redefluss widerspricht.
Welche Rolle spielen Lehrer bei der Entwicklung stotternder Kinder?
Lehrkräfte haben einen erheblichen Einfluss, da sie durch Unwissenheit Stotternde unbewusst bloßstellen oder ausgrenzen können, oder durch eine inklusive Haltung das Selbstwertgefühl und die Schulleistungen des Kindes maßgeblich fördern können.
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- Felix Girst (Author), 2020, Die Soziale Reaktion auf stotternde Menschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/937315