Psalm 139 - Gott der Allwissende und Allgegenwärtige


Hausarbeit, 1999

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

2 Einleitung

3 Die Gattung des 139. Psalms
3.1 Schwierigkeiten bei der Zuordnung
3.2 Ansichten verschiedener Exegeten
3.3 Die neue Forschung
3.4 Weitere Zuordnungen verschiedener Exegeten

4 „Sitz im Leben“ des 139. Psalms

5 Parallelismus des 139. Psalms

6 Allwissenheit und Allgegenwart Gottes
6.1 Allwissenheit Gottes
6.1.1 Der Mensch im Licht der Allwissenheit Gottes.
6.1.2 Die Selbstoffenbarung des allwissenden Gottes
6.2 Allgegenwart Gottes
6.2.1 Konkrete, wirkliche Allgegenwart
6.2.2 Doppelte Spannung des Glaubens an die Allgegenwart Gottes
6.2.3 Gottes Allgegenwart und unser räumliches Denken

7 Exemplarische Untersuchung der Verse 1 – 6
7.1 Traditionskritische Aspekte

8 Abschließende Beurteilung des 139. Psalms

9 Anhang Psalm 139

10 Literaturverzeichnis

2 Einleitung

In meiner biblisch theologischen Hausarbeit möchte ich mich nachfolgend mit dem 139. Psalm im Rahmen des Seminars „Hiob / Psalmen“ auseinandersetzen.

Dieser Psalm ist für mich mit besonderen Erfahrungen verbunden. Während eines Einzeleinkehrwochenendes im Gethsemanekloster in Riechenberg bei Goslar / Harz stand dieser Psalm in der Mitte und im klostereigenen Oratorium wurde der Vers 7 dieses Psalms während einer Gebets- und Stillezeit bedacht. So möchte ich diesen Psalm, der in der Übersetzung Luthers mit „Gott der Allwissende und Allgegenwärtige“ überschrieben ist, näher betrachten, dabei insbesondere gesamtbiblisch den Begriff der Allwissenheit Gottes und der Allgegenwart Gottes untersuchen sowie exemplarisch einige Verse des 139. Psalms.

Nach der Kommentierung Artur Weisers hat dieser Psalm nicht ohne Grund ein reiches Echo gefunden in vielerlei dichterischen Bearbeitungen, wie sie der große Schatz christlicher Kirchenlieder aufzeigt. Die Worte des Dichters können auch heute noch als ein klassisches Zeugnis dafür empfunden werden, was die Theologie mit den Begriffen der Allgegenwart, Allwissenheit und Allwirksamkeit Gottes umschreibt. Das ist darin begründet, dass ihr in weitestem Rahmen eine der Menschheitsfragen zur Sprache kommt, die immer wieder gestellt und zu beantworten versucht wurde, wo das Verhältnis von Gott und Mensch das Denken des Glaubens beschäftigt hat.[1] Die hier von Artur Weiser angesprochene Allwirksamkeit Gottes möchte ich hier jetzt nicht näher untersuchen und mich auf die von Luther in der Überschrift zu Psalm 139 gebrauchten beiden Begriffen der Allgegenwart und Allwissenheit beschränken.

In Analogie zum Pentateuch ist die Psalmsammlung in fünf Bücher unterteilt worden. Der Psalm 139 gehört zum 5. Buch innerhalb der Psalmsammlung. Ich lege zur Untersuchung ausschließlich den Text nach Luther in Anbetracht des begrenzten Umfangs der Hausarbeit zugrunde, ferner weil mir die Übersetzung nach Luther persönlich sehr liegt und ich mich in dieser sehr gut in die Lage des Psalmbeters hineinversetzt fühle.

Von einer besonderen formalen exegetischen Gliederung, wie z.B. der nach Horst-Klaus Berg, nehme ich Abstand, da einerseits der begrenzte Umfang zu beachten ist und ich andererseits insbesondere die beiden besonderen Eigenschaften Gottes (Allwissenheit und Allgegenwart) in Bezug auf den 139. Psalm und darüber hinaus untersuchen möchte, daneben nur exemplarisch einen Teil des 139. Psalm näher betrachten möchte.

3 Die Gattung des 139. Psalms

3.1 Schwierigkeiten bei der Zuordnung

Bei der Zuordnung des zu untersuchenden Psalms zu den bekannten Gattungen steht man in der formkritischen Analyse vor größeren Problemen. Es fällt der starke Umschwung ab Vers 19 auf. Hans-Joachim Kraus hat sich in seiner Kommentierung im Hinblick auf die auffallende Andersartigkeit der Verse 19-24 entschlossen, diesen Schlußteil als selbständiges Stück abzusetzen. Er stellt sich die Frage, ob die „im Rhythmus seltsam ungleichmäßigen, leidenschaftlich dahinstürmenden Verse wirklich zu dem stillen Gedicht gehören, mit dem verbunden sie auf uns gekommen sind?“. Allerdings muß man gefühlsmäßig sagen, dass Vers 24 offensichtlich in einer innigen Beziehung zu Vers 1 steht. Der Psalm ist eine Einheit. Es stellt sich jedoch weiter die Frage, zu welcher Gattung das Lied gehört?[2]

3.2 Ansichten verschiedener Exegeten

Der von Hans-Joachim Kraus angeführte H. Gunkel hält die „Grundstimmung“ für hymnisch, hebt jedoch hervor, dass das Ich des Beters in einer eigenartigen Weise Reflexionen über die Allwissenheit und Allgegenwart Gottes anstelle. „Diese neue und gerade im Schöpfungshymnus unerhörte innere Haltung des Psalmisten ist es, die auch die Form der Gattung gesprengt hat: vom Hymnus ausgehend, ist der Dichter in Form und Inhalt weit über ihn hinausgekommen.“ Ähnlich äußert sich R. Kittel, welcher meint, dass der Psalm halb Hymnus, halb lehrhafte Betrachtung über eines der größten theologischen Probleme, das vor der göttlichen Allwirksamkeit über Raum und Zeit [...] ist. Andere Exegeten rechnen den Psalm 139 zu den „Gebeten der Angeklagten“ oder meinen, dass der Psalm als Vorbereitung zur göttlichen Gerichtsentscheidung im Rahmen des Gottesdienstes seinen ursprünglichen Platz hatte.[3]

3.3 Die neue Forschung

Die neue Forschung wendet sich den kultischen Hintergründen zu, um von dort aus das Lied zu verstehen. Es ist jedoch fraglich, zu schnell eine kultische Situation zu substituieren, um dem Psalm eine bestimmte Gattung zuzuweisen. Sicher sollte man zuvor die Formensprache gründlich untersuchen. Hierbei sollte man mit dem Schlußstück der Verse 19-24 einsetzen, wobei auffallen würde, dass diese Verse einen Ton anschlagen, der aus den „individuellen Klageliedern bekannt ist. Hier ist eine bemerkenswerte Parallele zu entdecken: „Individuelle Klagelieder“ enthalten den entscheidenden Bittruf: Erhöre mich !

Psalm 139 setzt ein wie ein individuelles Dank- und Vertrauenslied, er klingt aus mit den Worten, die der Beter einst in seiner Not vor Jahwe ausrief. Würde der Sänger chronologisch exakt vorgegangen sein, dann hätte er den Schlußteil an den Anfang stellen müssen. Aber das Ereignis des göttlichen Einschreitens steht für ihn am Anfang und im Mittelpunkt des ganzen Liedes. Wie im Dank- und Vertrauenslied wird das Wunder der hilfreichen Macht Jahwes in Versen 1 – 18 verkündet. Der hymnische Grundklang ist unverkennbar.

Nach Hans-Joachim Kraus wird man an dieser Stelle zunächst einmal eine Zusammenfassung und kategoriale Einordnung versuchen müssen, falls die Einordnung überhaupt möglich ist. Bei der kategorialen Einordnung ist festzustellen, dass der Psalm Töne des Lobliedes äußert, ohne dass in Stil und Form von einem Hymnus die Rede sein könnte. Der Psalm trägt auch Züge des Gebetsliedes eines Einzelnen, die – andeutungsweise – in das Danklied eines Einzelnen hinüberweisen, ohne dass man den Psalm in eine der beiden Formgruppen einfügen könnte. Abschließend kommt Hans-Joachim Kraus zu dem Schluß, dass es in jedem Fall angezeigt ist, Psalm 139 in erster Linie als Lehrdichtung zu verstehen. In allen formkritischen Überlegungen wird jedoch die Frage nach der Situation gegenwärtig bleiben müssen.[4]

[...]


[1] Vgl. ATD. Die Psalmen II, Psalm 61 – 150, Seite 534 – 535.

[2] Vgl. Kraus, Hans-Joachim, Biblischer Kommentar AT, 2. Teilband Psalmen 60-150, S. 1093.

[3] A.a.O.

[4] A.a.O., S.1094 – 1095.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Psalm 139 - Gott der Allwissende und Allgegenwärtige
Hochschule
Evangelische Hochschule Ludwigsburg (ehem. Evangelische Fachhochschule Reutlingen-Ludwigsburg; Standort Ludwigsburg)
Note
1,0
Autor
Jahr
1999
Seiten
15
Katalognummer
V93733
ISBN (eBook)
9783638073165
ISBN (Buch)
9783656499480
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psalm, Gott, Allwissende, Allgegenwärtige
Arbeit zitieren
Jörg Peters (Autor), 1999, Psalm 139 - Gott der Allwissende und Allgegenwärtige, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93733

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