Das Attentat vom 20. Juli 1944


Hausarbeit, 1996

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ereignisse vor dem 20. Juli 1944
2.1. Die Entwicklung des militärischen Widerstandes im Dritten Reich
2.2. Die Phase vor dem Umsturzversuch und dessen Notwendigkeit

3. Die Ereignisse am 20. Juli 1944 und ihre Konsequenzen
3.1. Das Scheitern des Staatsstreiches
3.2. Die Konsequenzen des nationalsozialistischen Staatsapparates auf den Umsturzversuch

4. Zusammenfassung

Bibliographie

Biographie des Oberst Claus Graf Stauffenberg

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Am 21. Juli 1944 richtete Reichsmarschall Göring aus dem Führer­hauptquartier eine Ansprache an die Soldaten der Luftwaffe, in der das Attentat auf Adolf Hitler am vor­herigen Tage auf das schärfste verurteilt. Außerdem ordnete er an, daß gegen mögliche Sympathisanten der Attentäter ohne Rücksichtnahme vorzugehen sei. Er wies noch­mals ausdrücklich auf die Macht der Vorsehung hin, die den "Führer" angeblich vor dem Tode bewahrte.1 Diese Rede, die in der Dokumentensammlung von Herbert Mi­chaelis und Ernst Schraepler auch als Ergebenheitskundgebung für Hitler tituliert wird2, war die Reaktion Görings auf den gescheiterten Staats­streich. Er beabsichtigte damit, seine Solidarität mit Hitler zu bekunden. Henning von Tresckow, ein führender oppo­sitioneller Offizier, idealisierte das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 als positi­ves Zeichen vor der Welt und vor der Geschichte. Er sah den Sinn des Umsturzver­suchs weniger in seinen praktischen Zwecken, als in der Tatsache, daß die deutsche Wider­standsbewegung dieses Wagnis und seine daraus resultierenden Konse­quenzen ein­ging.3 Doch die Realität offenbarte eine Tragödie, denn in Deutschland begann eine "Hetzjagd" der nationalsozialistischen Schergen nach vermeintlichen Widerstands­kämpfern. Eine große Zahl unschuldiger Menschen fand so den Tod.4

Im folgenden wird die Entwicklung des militärischen Widerstandes bis hin zu den Vor­be­reitungen und den Gründen des Staatsstreiches am 20. Juli 1944 dargestellt. Danach werden Attentat und der folgende Umsturzversuch, einschließlich der daraus resultie­renden Konsequenzen und Maßnahmen der Nationalsozialisten, erörtert. Der Bestand an Literatur bezüglich dieses Themas kann als gut bezeichnet werden. Es ist zudem bemerkenswertes Quellenmaterial über die Schauprozesse am Volksgerichtshof nach dem Attentat vorhanden. Anläßlich des fünfzigsten Jahrestages des 20. Juli 1944 wur­den einige Darstellungen publiziert, in denen sich die Autoren teilweise sehr genau mit den Persönlichkeiten des Staatsstreiches befassen. In den Veröffentlichungen wird auch mehrheitlich betont, daß für den militärischen Widerstand, besonders in dessen An­fangszeit, nicht nur die moralischen Gesichtspunkte, im Angesicht der Verbrechen des NS-Regi­mes, für einen möglichen Umsturzversuch im Vordergrund stan­den, sondern hauptsächlich militärisches Interesse die Handlungswei­se der Offi­ziere prägte, teil­weise zur Vergrößerung der Machtstellung der Streit­kräfte im Staat und zur Bewah­rung der traditionellen Strukturen des Rei­ches. Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges war die Motivation des mili­täri­schen Widerstandes, einen Staatsstreich einschließlich eines Attentats zu wagen, die Sicherung der weiteren Existenz des deut­schen National­staa­tes.

2. Ereignisse vor dem 20. Juli 1944

2.1. Die Entwicklung des militärischen Widerstandes im Dritten Reich

In diesem Zusammenhang sei bemerkt, daß der militärische Widerstand nicht allein agierte, sondern in Kooperation mit der zivilen Opposition stand, der unter anderem Politiker, Diplomaten, sowie Unternehmer, Gewerkschaften und auch die Kirchen an­gehörten.5 Die gesamte Opposi­tion, einschließlich der Offiziere, kann als national-kon­servativ definiert werden, da sie die bestehende Struktur des deutschen Staates nicht verän­dern wollte, sondern nur die Beseitigung der Machthaber unterstützte. Die Be­zeichnung militärischer Widerstand trifft auf den Teil der Opposition zu, der den deut­schen Streitkräften angehörte, die sogenannte "Militärelite"6.

Die Militärelite trat in den Jahren nach der Machtergreifung noch nicht in Aktion, da sie die politischen Maßnahmen der Regierung, wie z.B. die Gleichschaltung des Staats­apparates, aber auch der Judenverfolgung bis auf wenige Ausnahmen nicht in Frage stellte, sondern als Möglichkeit auffaß­te, die eigene Macht im Reich zu verstär­ken.7 Der Versuch Ernst Röhms im Juni 1934, das Deutsche Reich in einen totalitären SA-Staat umzuwan­deln, in dem die Landesverteidigung den Sturmabteilungstruppen un­ter­stehen sollte, wurde von der Militärelite verurteilt, da diese Maßnahmen einen Machtver­lust der regulären Armee bedeutet hätte. Außerdem wäre die traditio­nelle Struktur des deutschen Staates in Frage gestellt. Deshalb solidarisierte sich dann schließlich die Militärelite mit Hitler, der den sogenannten "Röhm-Putsch" dann ge­waltsam unterdrückte.8 Die "Fritsch-Krise" 1938 führte zu einer zunehmenden Radika­lisierung des militärischen Widerstandes. Auf­grund der zunehmenden Unzufriedenheit mit dem nationalsozialisti­schen System, sanken die Skrupel der Männer der Opposi­tion, notfalls auch mit Gewalt gegen das NS-Regime vorzugehen. Es fehlten nur mehr entschlos­sene Führungsper­sonen in den Kreisen des Widerstandes, die in der Lage waren, Aktionen gegen die nationalsozialistische Bewegung zu realisieren. Ein weiterer Grund für das Zögern des Widerstandes war der Ehrenkodex des deutschen Offiziers, der ihm moralisch die Re­bellion gegen seinen Führer untersagte. Bei den Männern der Militärelite überwog also noch das soldatische Denken gegenüber dem Drang, die of­fensichtlichen Mißstände in Deutschland zu beseitigen.9

Adolf Hitlers radikales Vorgehen gegen die Tschechoslowakei 1938 und die daraus re­sultierende Gefahr eines europäischen Krieges beeindruckte die Opposition. Die mili­tärische Elite war den Plänen der Nationalso­zialisten bezüglich einer Machtex­pansion Deutschlands keineswegs abge­neigt, befand aber den Zeitpunkt aus den o. g. Gründen als ungeeignet. So versuchten etliche militärische Führer, unter anderem der General­stabschef Beck, Hitler davon zu überzeugen, von seinen Plänen, die Tschechoslowakei betreffend, abzulassen. Um dies durchzusetzen, wurde ein kollekti­ver Rücktritt der führenden Generalität geplant, der auch dazu führen sollte, daß potentielle "Kriegstreiber", wie z.B. die SS, durch die Rück­trittsdrohung und die daraus mögli­cherweise entstehenden politischen Spannungen entmachtet würden, doch auch diese Maßnahmen wurden nicht durchgeführt.10

Im Herbst 1938 entwickelte der Nachfolger von Beck, Generalstabschef Halder, einen Umsturzplan gegen das NS-Regime, der unter dem Begriff "Septemberverschwörung" bekannt wurde. Danach sollte Adolf Hitler verhaftet werden. Radika­lere Kräfte forder­ten dessen sofor­tige Tötung.11 Doch das Münchener Abkommen vom 29. September 1938 erfüllte weitgehend die Forderungen des Widerstandes, so daß dieser ge­plante Staatsstreich zum Scheitern verurteilt war12. In den ersten Jahren des Zweiten Welt­krieges kamen die Aktivitäten des Widerstandes fast völ­lig zum Erliegen, denn die mili­tärischen Anfangserfolge (der Sieg über Frankreich) und der beginnende Kampf gegen die als Hauptfeind dekla­rierte bolschewistische Sowjetunion veränderte die mo­ralische Einstellung vieler Offiziere aus dem Widerstand zur national­sozialistischen Politik und lähmte die Opposition somit in ihrer Handlungsfähigkeit.13 Doch die Nie­derlage der deutschen Truppen in Stalingrad 1943, sie be­deutete den Wendepunkt des Kriegsgeschehens an der Ostfront14, ließ den Widerstand wieder in Aktion treten. Nun war es jedoch das Hauptziel der Op­position, den Krieg möglichst schnell zu beenden um so den totalen Zu­sammenbruch des deutschen Reiches zu verhindern. Ein gezieltes Attentat auf den Führer wurde somit notwendig.15 Am 13. März 1943 scheiterte ein von dem oppositionellen Offizier Henning von Tresckow geplantes Attentat16. Hitler rettete dabei nur ein glücklicher Zufall vor dem sicheren Tod, so wie in den weiteren Attentatsversuchen. Otto John schrieb in sei­ner Darstel­lung das Überleben Hitlers der Vorsehung zu. Eine Reihe von Verhaftungen einiger wich­tiger Personen aus dem Wi­derstand war die Folge.17

[...]


1Ursachen und Folgen. Vom deut­schen Zusammenbruch 1918 und 1945 bis zur staatlichen Neuord­nung Deutschlands in der Gegenwart. Eine Urkunden- und Doku­mentensamm­lung zur Zeitgeschich­te. Bd. 21, Das Dritte Reich. Der Sturm auf die Fe­stung Europa II, Berlin O.J., S.452.

2Ebenda, S.451.

3Widerstand gegen den Nationalsozialismus, hrsg. von Peter Steinbach und Johannes Tuchel, Berlin 1994, S.12. Vgl. auch Manfred Messerschmidt, Der deutsche Widerstand 1933-1945, Paderborn 19862, S.76.

4Ger van Roon (Hrsg.), Widerstand im Dritten Reich. Ein Überblick, München 1979, S.192, 193.

5Klaus Achmann / Hartmut Bühl (Hrsg.), 20. Juli 1944. Lebensbilder aus dem mili­täri­schen Wider­stand, Herford 1994, S.19.

6Klaus-Jürgen Müller, Widerstand gegen den Nationalsozialismus 1994, S.266-268.

7Manfred Messerschmidt, Widerstand und Exil 1933-1945, Frankfurt 1986, S.135.

8Klaus-Jürgen Müller, Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Berlin 1994, S.269, 270.

9Klaus-Jürgen Müller, Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Berlin 1994, S.270, 271. Vgl. auch Manfred Messerschmidt, Widerstand und Exil 1933-1945, Frankfurt 1986, S.136.

10Klaus-Jürgen Müller, Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Berlin 1994, S.271-274. Vgl. auch Manfred Messerschmidt, Widerstand und Exil 1933-1945, Frankfurt 1986, S.136-138.

11Klaus-Jürgen Müller, Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Berlin 1994, S.274, 275.

1220. Juli 1944. Lebensbilder aus dem militärischen Widerstand, hrsg. von Klaus Achmann / Hartmut Bühl, Herford 1994, S.198-201.

13Klaus-Jürgen Müller, Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Berlin 1994, S.277. Vgl. auch Lothar Gruchmann (Hrsg.), Der Zweite Weltkrieg, Kriegführung und Politik, München 19785, S.66ff., S.118ff.

14Lothar Gruchmann (Hrsg.), Der Zweite Weltkrieg. Kriegführung und Politik, München 19785, S.188-194.

15Manfred Messerschmidt, Widerstand und Exil 1933-1945, Frankfurt 1986, S.141. Vgl. auch Klaus-Jürgen Müller, Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Berlin 1994, S.277.

16Klaus Achmann / Hartmut Bühl (Hrsg.), 20. Juli 1944. Lebensbilder aus dem militäri­schen Wider­stand, Herford 1994, S.47, 48.

17Otto John (Hrsg.), Falsch und zu spät. Der 20. Juli 1944, Berlin 19892, S.155-157.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Attentat vom 20. Juli 1944
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Institut für Geistes- Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Einführung in das Studium der Neueren und Neuesten Geschichte
Note
1,0
Autor
Jahr
1996
Seiten
17
Katalognummer
V9374
ISBN (eBook)
9783638160971
ISBN (Buch)
9783638746465
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Attentat, Juli, Einführung, Studium, Neueren, Neuesten, Geschichte
Arbeit zitieren
Magister Artium Michael Krinzeßa (Autor), 1996, Das Attentat vom 20. Juli 1944, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9374

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