Die Globalisierung der Welt

Ursache und Dimension


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2008

58 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Das Wesen der Globalisierung

Der historische Hintergrund

Die wirtschaftliche Entwicklung

Die globale Vernetzung

Die Ressourcenverknappung

Die weltweite Völkerwanderung des 21. Jahrhunderts

Wirtschaftliche Dimension der Globalisierung

Technologieaspekte

Internationale Unternehmenskonzentration

Gründe für Unternehmenszusammenschlüsse

Auswirkungen der Globalisierung auf die Arbeitsmärkte

Verstärkung der Ungleichgewichte weltweit

Die Macht der Finanzmärkte

Der Wirtschaftsstandort Deutschland

Internationaler Vergleich der Wettbewerbsfähigkeit

Strukturelle Arbeitslosigkeit und ihre Auswirkungen

Literaturverzeichnis

Der Autor

Vorwort

Europa und die Länder der Erde stehen in Dritten Jahrtausend vor gewaltigen Herausforderungen. Nicht nur der ungezügelte Ressourcenverbrauch der letzten 50 Jahre beginnt sich durch die globale Klimaerwärmung, mit seinen bisher nicht gekannten Umweltproblemen, unangenehm und gefährlich bemerkbar zu machen. Insbesondere die Gesellschaften der „technisch fortgeschrittenen“ Länder, als Verursacher der sich anbahnenden ökologischen Katastrophe suchen fieberhaft nach Mitteln und Methoden die von ihnen indizierte Entwicklung aufzuhalten oder zu mindern. Eine dieser Methoden nennt man Globalisierung. Vor zweihundert Jahren herrschte in Europa die Kleinstaaterei, von der auch Deutschland in seinen damaligen Grenzen, zumindest was die wirtschaftliche Seite anbelangte, betroffen war. Verschiedene Währungen, unterschiedliche Zölle und verschiedene Rechtsprechungen erschwerten die Entwicklung und den Austausch von Gütern. Der Reichspräsident von Bismarck beendete die Kleinstaaterei in Deutschland und schweißte wieder zusammen, was seit dem Kaiser Friedrich II. Barbarossa in Auflösung befindlich war. Die Situation des Europa von heute ist letztlich das Ergebnis des zweiten Weltkrieges. Die Siegermächte integrierten Deutschland zunächst in vier Teilzonen mit verschiedenen Besatzungsmächten und ab 1990 übernahmen im Prinzip die Amerikaner, die Franzosen und die Engländer auch noch den von den Russen verlassenen Osten. Genau in dieser Zeit beginnt der Gedanke der Globalisierung in seine Verwirklichungsphase zu treten. Die Pläne für ein vereintes Europa lagen bereits seit den achtziger Jahren in den Schubladen. Und so kam zusammen, was nicht unmittelbar zusammen gehören muss. Dennoch, dass Hauptproblem, eine gerechtere Verteilung der Ressourcen in der Welt wurde bisher nicht erreicht. Im Gegenteil die Schere der Verteilung öffnet sich zum Nachteil der Weltbevölkerung immer weiter. Aus dem, noch von breiten Volksmassen akzeptiertem Sozialkapitalismus, entstand unter dem Druck des Finanzkapitals, der jegliche humanistische Rücksichtnahme hinweg fegende Turbokapitalismus. Die jahrzehntlang ungebremst anhaltende Entwicklung des technischen Fortschritts bescherte der Menschheit ungeahnte technische Hilfsmittel, die sich in den Händen von nur wenigen befinden. Seit Anfang 1990 gelangten die überseeischen, aber auch die europäischen Wirtschaftskonzerne in Absatzschwierigkeiten. Die Sättigung an den technischen Segnungen war unabsehbar und der Kampf um Marktanteile zwingt die Finanzgewaltigen zu Kompromissen. Die Strategie heißt: teile und herrsche. Allerdings entspringt diese Strategie nicht dem Wesen der Globalisten, sondern mehr der Notwendigkeit, die nichtbesitzenden besser zu beherrschen. Und dies allein ist der Grund für die weltweite Globalisierung. Globalisierung bedeutet: sehr viel Macht in wenigen Händen, und selten werden diese Hände auch von einem entwickelten Verstand gelenkt. 14.000 Kriege in 5.000 Jahren, wobei die Opferzahlen achtstellige Größenordnungen erreichen führen uns vor Augen, dass technisches Wissen und entwickelter Verstand diametral auseinander driften. Daher kommt den Unternehmen und deren sogenannten „Unternehmenskultur“, also der dahinter stehenden Philosophie eine steigende Bedeutung zu. „Sage mir mit wem du gehst (fusionierst) und ich sage dir wer du bist.“ Die Schaffung und Entwicklung neuer Technologien geht fast nie mit vorteilhaften sozial-politischen oder ökologisch-kulturellen Konsequenzen für die wirklichen Schöpfer dieser Segnungen einher. Es ist daher ein plausibler Gedanke, bei jeder Erfindung die Konsequenzen für die sozial Schwachen und die Tier -und Pflanzenreiche durch analytische Untersuchungen abzuschätzen. Das der „Markt“ solche Dinge regelt, ist der Verlegenheitsausdruck der Unkenntnis. Unabweisbare Tatsache jedoch ist es, dass es bei den Bestrebungen zur Schaffung einer globalen Wirtschaftsmacht um Zentralisierung und Deregulierung geht, praktisch um die „Narrenfreiheit“ privater Herrschaftsapparate, die wir Unternehmen nennen. Diese Machtentfaltung schafft sich einen absurden Wirtschaftskreislauf, der eine zivilisatorische Monokultur im Gefolge nachzieht, welche parallel zum Wachstum von Armut und rücksichtsloser Zerstörung der Natur einhergeht. Die sogenannten „Grundwerte“ eines Volkes, welche die Politiker zwar ständig im Munde führen, aber niemals darlegen was das Volk darunter zu verstehen hat, werden quasi ad absurdum geführt. Wirkliche Werte, wie Ehrlichkeit, Sittlichkeit, Enthaltsamkeit, Sparsamkeit, Barmherzigkeit usw. sollten von den Regierungen dem Volk vorgelebt werden. Nur dann kann von Grundwerten einer Gesellschaft gesprochen werden. Hier wird die Globalisierung einen weiteren Beitrag zu chaotischen Verhältnissen leisten, indem niemand mehr verantwortlich ist, aber jeder schuldig wird. Im Prinzip gibt es in solchen Gesellschaften nur noch zwei Arten von Menschen: Betrogene und Betrüger. Die Unternehmen der Zukunft erfüllen de facto nur noch lebensfeindliche Funktionen, auf deren Erfüllung ihre Führungsmitglieder ausgerichtet sind. Somit bezweckt die Globalisierung eine rücksichtslose Profitmaximierung die es darauf anlegt das menschliche Leben zu manipulieren, zu quantifizieren und zu verwerten. Das Resultat ist eine übertriebene Förderung eines materialistischen und verbrauchsintensiven Lebensstils mit einer heuchlerischen Werbung, die jeder kulturellen, spirituellen und ökologischen Vielfalt feindlich gegenübersteht. In den Medien hat dieser Trend der Dauermanipulation in seiner Maßlosigkeit an Übertreibung bereits aus simplen Bürgern Mega- und Superstars produziert. Das Feld der Globalisierung ist das Feld der Eitelkeiten, worauf sowohl die Vernunft, als auch die Ehrfurcht vor der Schöpfung und dem Schöpfer keinen Platz mehr haben. Die Konzentration von Macht und die Deregulierung treiben die Verschwendung an menschlicher Arbeitsenergie und natürlichen Ressourcen in einem nie erlebten Maße in die Höhe. Ein Beispiel von ungezählten ist der Transportwahnsinn. Hier werden zugunsten des Profites Bäume aus Indonesien nach Japan transportiert und dort daraus Zahnstocher hergestellt, diese werden dann in die USA verkauft und in den USA werden für Japan Essstäbchen produziert und nach Japan importiert. Ebenso ist die Ausgestaltung von Arbeitsverhältnissen von einem unglaublichen Schwachsinn und Verschwendungssucht gekennzeichnet. Menschen fahren über einhundert Kilometer täglich mit dem eigenen Kraftfahrzeug oder den öffentlichen Verkehrsmitteln auf Arbeit in die Stadt A, zum Beispiel für einen Job in einer Markthalle bei ALDI. Im Gegenzug sitzen Personen, die den gleichen Job bei NORMA in der Stadt B ausüben, wo A herkommt. An allen diesen Beispielen erkennt man, dass solche Verwaltungsformen, die sich aus gewählten Zwei-Vierjahrespolitikern rekrutieren, sich auch die Diskontinuität bis in die letzten Bereiche des menschlichen Lebens fortsetzt. Die Globalisierung bewirkt genau das Gegenteil dessen, was notwendig wäre, nämlich viel Verantwortung auf wenige Schultern, statt keine Verantwortung auf alle zu verlagern. Der Grund, warum dies so gemacht wird, nennt sich Subvention. Subvention ist in weiten Teilen der Wirtschaft nur noch das Verschwenden von Steuereinnahmen der Bürger, um Großunternehmen und Banken die Gewinne zu sichern. Die Globalisierung ist, so wie diese praktiziert und verstanden wird, lediglich die Integration von vielen unsinnigen Handlungsweisen, die zu einem großen Schwachsinn zusammen gelegt werden. Und dies zum Nachteil aller Völker und deren Bevölkerungen, aber auch zum Nachteil unserer Natur, von der wir abhängig sind. Die vorliegende Arbeit hat sich daher als eine wichtige Zielsetzung die Aufgabe gestellt, der Globalisierung den „globalen Überblick“ über die Kausalität von Ursache und Wirkung entgegen zu stellen. In diesem Blickfeld kommt den Unternehmen, als Motore der Wirtschaft und des Lebens mehr Bedeutung zu, als die Bürokraten der Europäischen Union oder anderer Einrichtungen diesen zugestehen möchten. Vielfalt in kultureller Hinsicht schließt Monotonie im Denken aus. Und da die denkenden und arbeitenden Menschen die Ausführenden aller Handlungen in der Kette der Wertschöpfungen sind, müssen völlig neue Leitlinien und Denkweisen der Flickschusterei entgegengesetzt werden, die diesem Anspruch auch wirklich gerecht werden.

Das Wesen der Globalisierung

Der Begriff Globalisierung findet sich heute geradezu inflationär in den Äußerungen von Politikern, Wirtschafts- und Medienvertretern. Was aber bedeutet Globalisierung? Der Begriff selbst ist neutral: Er bezeichnet, globales Zusammenwachsen, Vernetzung, Verflechtung.[1] Globalisierung ist ein Schlagwort, mit dem völlig unterschiedliche Vorstellungen verbunden sind. „Der Begriff Globalisierung weist auf komplexe Änderungen in einer zunehmend offenen Welt hin, die sich aufgrund vielschichtiger Verflechtungen auf wirtschaftliche, politische und soziale Bereiche des gesellschaftlichen Lebens auswirken. Die mit diesen Prozessen entstehenden neuen Chancen und Risiken für Länder, Gruppen, Institutionen oder Individuen werden je nach Standpunkt kontrovers diskutiert.“[2] Kann man diesen Begriff klar definieren und auf einen für alle verbindlichen Nenner bringen? Im Brockhaus findet sich folgende Definition: „Globalisierung, schlagwortartig benutzte Bezeichnung für die weltweite Durchdringung von Märkten, bewirkt durch die wachsende Bedeutung der internationalen Finanzmärkte, den Welthandel und die intensive internationale Ausrichtung von (multinationalen) Unternehmen (global players) und begünstigt durch neue Telekommunikationstechniken sowie durch Finanzinnovationen. Diskutiert wird unter anderem, inwieweit die Einflussmöglichkeit einer nationalen (Wirtschafts-) Politik durch die Globalisierung eingeschränkt wird und welche Beschäftigungseffekte daraus erwachsen."[3] Da es eine Vielzahl von unscharfen Definitionen über den Begriff der Globalisierung gibt, soll hier noch eine weitere beispielhaft angeführt werden. „Hier wird darunter zum einen eine Tendenz zu einer stärkeren Integration der internationalen Gütermärkte verstanden, d.h. die Offenheit der betrachteten Volkswirtschaften nimmt zu. Gemessen werden kann diese Tendenz anhand des Offenheitsgrades einer Volkswirtschaft.“[4] Hierunter versteht man die Relation der Summe aus Ex- und Importen zum gesamten Inlandsprodukt. Zum anderen impliziert Globalisierung aber auch eine zunehmende Verflechtung der Finanzmärkte. Dies kommt etwa im starken Anstieg der (Brutto-) Kapitalströme in Relation zum Bruttoinlandsprodukt zum Ausdruck. Diese Reduzierung des Globalisierungsbegriffes auf rein wirtschaftliche Aspekte ist weit verbreitet. Doch die Globalisierung hat auch andere Facetten. Dies ergibt sich teils aus den wirtschaftlichen Veränderungen, die gesellschaftlichen und politischen Wechsel nach sich ziehen und teils aus den technischen Möglichkeiten moderner Verkehrs-und Kommunikationstechnologien. Dazu kommen globale ökologische Probleme, die auf lokaler oder nationalstaatlicher Ebene kaum zu lösen sind. Die Befürworter der Globalisierung werben mit dem Argument, durch die Überwindung nationaler Grenzen würden sich die wirtschaftlichen Möglichkeiten ungeahnt entfalten. Globalisierung aus dem Blickwinkel der Kritiker wird als Bedrohung gesehen, da sie im Zeitablauf zu verschärftem Wettbewerb und internationaler Standortkonkurrenz und damit zum Verlust von Arbeitsmöglichkeiten in den Hochpreis-Industrieländern führt. Für das einzelne Individuum kann dies eine Herauslösung aus den sozialen Sicherungssystemen und den ständigen Zwang zur Mobilität, Flexibilität und Risikobereitschaft bedeuten. Oder anders ausgedrückt: Globalisierung fordert den flexiblen Menschen, der sein festes Lebensgefüge verliert, da Standardisierung und Sicherheit durch Individualisierung und Unsicherheit abgelöst werden.

Der historische Hintergrund

Wenn man Globalisierung als Weltdimension begreift, so hat diese Weltdimension einen positiven Aspekt, nämlich die Menschen trennende Strukturen zu überwinden. In der Wirtschaftswissenschaft geht man von festen Stufen der Wirtschaftsentwicklung aus, die von den Kommunikationsstrukturen und den Bewegungsmöglichkeiten in Raum und Zeit abhängen. Insofern haben sich die Wirtschaftsstufen folgendermaßen entwickelt.

- Hauswirtschaft (Agrarstruktur, Hofleben),
- Stadtwirtschaft (Schutz in Mauern, Arbeitsteilung zwischen Landwirt- schaft und Handwerk, Verwaltung),
- Regionalwirtschaft (Wege, Infrastruktur, Verteilung von Gütern etc.),
- nationale Volkswirtschaft (Verbesserte Verkehrsmöglichkeiten, erwei- terte technische Kommunikation, staatliche Verwaltung, Steuern),
- supranationale Wirtschaftsräume (übernationale Institutionen, hochentwickelte Telekommunikation),
- Weltwirtschaft (Freihandel, rasche gesellschaftliche wirtschaftliche, technologische, politische, kulturelle Veränderung).

Neben der wirtschaftlichen Entwicklung hat die Globalisierung auch einen starken Bezug zum Freiheitsgedanken. Die Reformation hat den Menschen von der Vormundschaft der katholischen Kirche befreit. Er übernimmt vor Gott selbst die Verantwortung für sein Leben. Eine asketische Arbeitsauffassung und das Gewinnstreben werden zu Triebfedern des menschlichen Lebens. “Nicht freilich für Zwecke der Fleischlust und der Sünde, wohl aber für Gott dürft Ihr arbeiten, um reich zu werden” (Theologische Freiheit)[5]. Das bedeutete aber auch Freiheit für andere. Durch die Religionskriege wurden auch die Bauern aus der Leibeigenschaft befreit. Philosophisch wurde diese Selbstverantwortung von Kant (1724-1804) begründet. “Handle so, dass die Maxime Deines Handelns Grundlage für ein allgemeines Gesetz werden könnten (kategorischer Imperativ).”[6] Damit wurde der Mensch auch ethisch eigenständig (Philosophische Freiheit). Auf diese eher privat einzuschätzenden Freiheiten folgte die politische Befreiung durch die amerikanische Unabhängigkeitserklärung und die Maximen der französischen Revolution “Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Die Herrscher verloren als Folge der Aufklärung ihre Legitimation. Das Volk wollte selbst die politische Verantwortung übernehmen, sich selbstbestimmend und in den Grenzen von Nationalstaaten souverän sein. (Politische Freiheit) Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wurde die Idee des Nationalstaates im Zeitablauf von übernationalen Denkweisen abgelöst. Der Liberalismus sieht alle Beschränkungen durch Grenzen, nationale Werte, Zölle und andere Handelshemmnisse als suboptimal an und fordert weltweite Freiheit für die Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital, Unternehmertum sowie Gleichberechtigung aller Individuen. (Wirtschaftliche Freiheit). Im 19. Jahrhundert begann deshalb auch die Emanzipationsbewegung zur rechtlichen Gleichstellung der Frau. (Freiheit und Gleichheit im Rechtswesen). Der Sozialismus sollte die arbeitende Bevölkerung von der Herrschaft des Kapitals befreien. Unglücklicherweise wurde dabei eine Veränderung der menschlichen Natur vom Eigennutzen zum Gemeinwohl angestrebt, was sich nur im Rahmen von Diktaturen verwirklichen ließ, die zwar national realisiert werden mussten, aber über die “sozialistische Internationale” weltweite Verbreitung finden sollten. (Soziale Freiheit)Jahrzehnte lang wurde die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts durch den “kalten Krieg” zwischen diesen beiden Ideologien geprägt. In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts brachen die sozialistischen Diktaturen zum größten Teil auf Grund von Kapitalmangel und dem Freiheitsstreben der betroffenen Menschen zusammen. Die Vorherrschaft der liberal- demokratischen Idee einer “einzigen internationalen Welt” war nicht mehr aufzuhalten. (Internationale Freiheit) Der freie Handel zwischen Volkswirtschaften wurde schon in der Antike praktiziert. Mit Luxusgütern wie Gold, Silber, Edelsteinen, Stoffen, Gewürzen wurde damals lebhafter Handel betrieben. In der europäischen Frühzeit und im Mittelalter kam infolge der unausgebildeten Geldsysteme der freie Handel zum Erliegen. Die absoluten Herrscher im 17. und 18. Jahrhundert förderten mit dem Merkantilismus als herrschende wirtschaftspolitische Lehre mit Hilfe dirigistischer Maßnahmen und staatlicher Interventionen den Wohlstand im eigenen Land. Im 19. Jahrhundert kam durch die Neuordnung Europas nach dem Wiener Kongress sowie durch die Ablösung der merkantilen Wirtschaftspolitik durch den Liberalismus, der für Arbeitsteilung und Freihandel eintrat, der freie Handel in Schwung. Der Wirtschaftsraum der damaligen Zeit beschränkte sich allerdings auf ein Viertel der damaligen Weltbevölkerung. Das waren Europa und seine Kolonien in den übrigen Erdteilen. Durch die beiden Weltkriege und die Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre kam der Globalisierungsprozess ins Stocken. Gegen Kriegsende (1944) wurden die Grundlagen für eine freie Handelspolitik mit der Gründung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank gelegt. 1948 wurde mit den General Agreement on Tarifs and Trade (GATT) weitere Handelsbarrieren abgebaut. In Europa wurde in mehreren Schritten die Europäische Wirtschaftsunion geschaffen, die heute auch zu einer politischen Union zusammenwachsen soll. 1995 wurde das GATT durch die World Trade Organisation (WTO) ersetzt, deren Arbeit zur Zeit auf Grund der Fundamentalisierung der Religionen, Kulturen und Nationen zum Stillstand gekommen ist. Der Prozess der weltweiten Verflechtung scheint allerdings unumkehrbar. Das Volumen des Warenhandels ist global etwa dreimal so schnell gewachsen wie die Weltwarenproduktion.

Die wirtschaftliche Entwicklung

Es sind vor allem drei Faktoren, die der „neuen industriellen Revolution", wie die Globalisierung von einigen Ökonomen und Politologen genannt wird, Bahn gebrochen haben. Der erste Faktor ist der zunehmende Abbau von internationalen Handelsschranken vor allem nach dem Fall des eisernen Vorhangs 1989. Dieser hat an Gewicht in den letzten Jahren durch die Öffnung des asiatischen Raums zugenommen. Der zweite Bestimmungsgrund ist durch den technologischen Fortschritt begründet. Die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte im Bereich der Mikroelektronik und Telekommunikation sind atemberaubend. Durch die Erfindung von PCs, Telefax, Glasfaserkabel, Satelliten, hochauflösende Monitoren und Modems zur Datenübertragung können Firmengeflechte gesteuert werden.[7]

Die maßgebliche Ursache liegt in den verkürzten Kommunikationswegen begründet.[8] Globalisierung umfasst eine Vielzahl miteinander verwobener grenzüberschreitender Kommunikationsprozesse, die technisch möglich geworden sind und politisch von den Metropolen der Prosperitätszonen gewollt wurden und werden. Dazu gehören unter anderem eine zunehmende transnationale Bewegung von Kapital, Gütern und Menschen, eine engere Vernetzung mittels neuer Kommunikationstechnologien (z. B. durch Internet, Mobiltelefone, E-Mail und Mediennetzwerke), eine komplexe internationale Arbeitsteilung durch die Verlegung der Produktion von Waren und Dienstleistungen an verschiedene Orte, ein stetiger Fluss von Ideen, Bildern und Konsummustern und Objekten sowie ein sensibles Bewusstsein für die Risiken und Gefahren, welche die Welt als Ganzes bedrohen, ein quantitativer Anstieg und Bedeutungszuwachs transnationaler Institutionen sowie global vernetzter politischer Bewegungen. Es geht somit um die wechselseitige, horizontale wie vertikale Durchdringung dieser Prozesse, und zwar auf nationaler, subnationaler und transnationaler Ebene.[9]

Betrachtet man den Globalisierungsprozess als Gesamtheit, zeigt sich, dass nicht nur einzelne Lebensbereiche betroffen sind, sondern dass diese Entwicklung sämtliche Aspekte der Gesellschaft tangiert und auch das Individuum als solches in neue Dimensionen des Daseins katapultiert. Der US-amerikanische Soziologe Roland Robertson, (der den Begriff Globalisierung populär gemacht hat) hat Globalisierung als einen geschichtsmächtigen, von Europa ausgehenden Transformationsprozess definiert, der mit der Krise des mittelalterlichen Feudalismus begann. Dabei unterscheidet er vier Hauptbestandteile oder Bezugspunkte der Konzeption von Globalität, mit denen es möglich sei, Globalität zu erkennen und ihren Sinn zu deuten. Gleichzeitig repräsentieren diese auch die Form, in der sich der Jahrhunderte lange Globalisierungsprozess vollzogen hat. Auf der Erde leben zur Zeit mindestens 100 Millionen Menschen als Migranten und Flüchtlinge in einem anderen als ihrem Herkunftsland. Das gilt ohne die Ex-Sowjetunion und ohne Ex-Jugoslawien. Hinzu kommen noch die illegalen Migranten, deren Anzahl sich sehr viel schlechter abschätzen lässt. Es wird vermutet, dass es sich um etwa 300 Millionen Menschen handelt. Gemessen an der Weltbevölkerung liegen diese Zahlen sehr niedrig, (etwa 2%). Andererseits handelt es sich um eine Bevölkerungsanzahl von der Größe Deutschlands und Frankreichs zusammen. Diese Migranten überweisen jährlich etwa eine Summe von 67 Millionen Dollar in ihre Herkunftsländer. Diese Überweisungssummen liegen nach dem Handel mit Erdöl, nach Angaben der Welthandelsstatistik, auf dem zweiten Platz. Einen statistischen Überblick gibt eine ILO-Publikation. Sie führt 98 Länder auf, von denen 24 sowohl Entsende- als auch Aufnahmeländer sind, 31 sind ausschließlich Entsendeländer und 43 ausschließlich Aufnahmeländer. Das ist ein wesentlicher Aspekt der Globalisierung, denn dieser Prozess der Völkerwanderung umfasst den gesamten Erdball. In Deutschland geht man von ca. 25 Millionen Migranten aus, die hier bereits ansässig sind und teilweise eingedeutscht wurden. Dabei sind es neben geografisch bedingten Strukturen auch die unterschiedlichen Rechtsvorschriften, die für die Komplexität der Migrationsprozesse mitverantwortlich sind. Der größte Anteil der Wanderbewegungen erfolgt von Süd nach Nord, die Alternative dazu ist die Ost-West-Einwanderung. Es ist offensichtlich, dass solche Prozesse, die es immer in der Geschichte der Menschheit gab, einen Basisfaktor der Globalisierung ausmachen. Neu mag die Quantität der Bewegungen erscheinen. Den Hauptanteil der Migranten machen Arbeitsmigranten aus Afrika, Asien und Lateinamerika aus, wobei interessant ist, dass es sich um etwa 50 % Frauen handelt, die in den Gastländern in den Dienstleistungsbereichen Reinigungsservice, Krankenpflege, Haushalt tätig sind, aber auch Prostitution betreiben.[10] Auch die Heiratsmigration umfasst einen großen Anteil. Obwohl gerade diese Frauen häufig diskriminiert werden, ist ihr Leben außerhalb ihrer Heimatländer qualitativ oft wesentlich besser. Insgesamt gesehen ist diese Problematik, nämlich die der totalen Verschiebung und Vermischung aller Kulturen ein wichtiger auslösender Faktor der Globalisierung, welcher häufig vergessen wird.[11]

[...]


[1] vgl. Chang, Ha-Joon: Kicking away the Ladder: Development Strategy in historical Perspective,

Anthom Press, London 2002

[2] vgl. Tänzer, Uwe u. a.: Unternehmen in Globalisierungsprozess, Ernst Klett, Leipzig 2005, S. 7

[3] vgl. Brockhaus Verlag, Leipzig-Mannheim 1997

[4] vgl. ohne Verfasser, ohne Titel, in: Wirtschaftsdienst, Januar 2004, S. 59

[5] vgl. Weber, Max: Die protestantische Ethik. Eine Aufsatzsammlung, Mohn, Gütersloh 1991, S.167ff.

[6] vgl. Geier, Manfred: Kants Welt, 6. Auflage, Rowohlt, Reinbeck 2004, S. 252 ff.

[7] Vgl. Weltkommission für die soziale Dimension der Globalisierung (ILO) (Hrsg.): Eine faire
Globalisierung, Chancen für alle schaffen, Genf 2003.

[8] Vgl. Stückelberger, Christoph: Ethischer Welthandel, eine Übersicht, Paul Haupt Verlag, Bern-

Stuttgart-Wien, 2001, S. 198

[9] Vgl. Mankiw, N.: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 15. Auflage, Wien 1998, S. 138 ff.

[10] Vgl. Strauhaar, Thomas: Globalisierung und nationale Arbeitsmärkte, in: Krömmelbein, Silvia,

Schmid, Alfons (Hrsg.): Globalisierung, Vernetzung und Erwerbsarbeit, München 2000, S. 23 ff.

[11] Vgl. Potts, Lydia: Weltmarkt für Arbeitskraft, Globalisierung und Tendenzen der Migrationspolitik,

S. 301-302; http://www.bis.uni-oldenburg.de/ bisverlag/lemwid96/kapii-7.pdf

Ende der Leseprobe aus 58 Seiten

Details

Titel
Die Globalisierung der Welt
Untertitel
Ursache und Dimension
Autor
Jahr
2008
Seiten
58
Katalognummer
V93749
ISBN (eBook)
9783638064439
ISBN (Buch)
9783638951364
Dateigröße
627 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Globalisierung, Welt, Politik, NWO, Export, global player, EU, Existenz, Massenarbeitslosigkeit
Arbeit zitieren
Bernd Staudte (Autor), 2008, Die Globalisierung der Welt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93749

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