Geschichte der Psychologie. Von der Antike bis ins 21. Jahrhundert, der Leipziger Schule und der Romantischen Psychologie

Eine kurze Darstellung


Einsendeaufgabe, 2018

18 Seiten, Note: 1.3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Historische Entwicklung der Psychologie
1.1 Grundzüge der Psychologie in der Antike
1.2 Psychologie im Mittelalter und in der Renaissance
1.3 Psychologie in der Romantik
1.4 Psychologie im 19. und 20. Jahrhundert
1.5 Psychologie heute

2 Das erste Labor für experimentelle Psychologie in der Leipziger Schule
2.1 Bedeutung des ersten Labors für die Psychologie als eigenständige Wissenschaftsdisziplin
2.2 Einfluss von den Experimenten Wundts und anderer auf das heutige Verständnis psychologischer Forschung

3 Romantische Psychologie
3.1 Bedeutung der Romantik für die Psychologie
3.2 Wirkung der Empfindsamkeit auf das psychische Verständnis am Beispiel von Heinrich von Kleist
3.3 Leib-Seele-Problem in der Romantik

4 Literaturverzeichnis

1 Historische Entwicklung der Psychologie

1.1 Grundzüge der Psychologie in der Antike

Die Geschichte der Psychologie beginnt schon in der Antike. Die Grundzüge der Psychologie bildet die Philosophie, die im antiken Griechenland in Akademien, wie von Platon gelehrt wurden. In der Antike ging es mehr um die Erzählung und das Berichten, als um die systematische Dokumentation von gewonnenen Erkenntnissen. Die Philosophen der Antike beschäftigten sich mit der Natur, mit den Elementen und über das Seelenleben der Menschen. (Helmut Reuter, 2014, S. 51)

Eines dieser Philosophen ist Platon. Platon hat eine dualistische Auffassung, in der er von einer Trennung von Körper und Seele spricht, d.h. die körperliche Substanz und die geistige Substanz zwei getrennte Einheiten sind. Platon teilt die Seele in drei Instanzen auf. Der Erste Teil ist die denkende Seele (gr. logistikon), welches die Kognition ist. Der Sitz im menschlichen Körper der denkenden Seele ist der Kopf. Der zweite Teil ist die zielstrebige und entschlossene Seele (gr. thymoeides). Dies ist die Motivation und dessen Sitz ist die Brust. Der dritte und letzte Teil ist die versorgende Seele (gr. epithymetikon) und dies ist die Emotion. Der Sitz dieser Instanz ist der Unterleib. Platon teilt die Politeia („der Staat“) auch in diese drei Instanzen auf. Die denkende Seele ist der Herrscher im Staat. Die Menschen die am intelligentesten sind, also die Philosophen, die Denker. Sie sind das Oberhaupt im Staat und regieren das Land. Die entschlossene Seele ist das Militär, also die Krieger in dem Land. Die versorgende Seele sind die Handwerker, das Volk. (Helmut Reuter, 2014, S. 34–35) In seiner Politeia spricht Platon über eine Ideenwelt, dessen Abbildung die materielle Welt ist. Man kann nur durch den Zugang zur Ideenwelt, Erkenntnisse erlangen. Dies beschreibt er in dem Höhlengleichnis. In einer Höhle sind Menschen so angekettet, dass sie nur auf eine Wand sehen können. Hinter ihnen ist eine Lichtquelle vor dem anderen Menschen verschiedene Gegenstände tragen, die auf die Wand Schatten werfen. Die Menschen in der Höhle sehen nur die abgebildeten Schatten, also nur die Abbildung der sogenannten Ideen. Diese Höhlenbewohner leben ohne Wissen über die Quelle des Lichts. (Helmut Reuter, 2014, S. 39–40)

Ein anderer Philosoph dieser Zeit ist Aristoteles. Aristoteles beschäftigt sich ebenfalls mit der Seele. Im Gegenteil von Platons dualistischen Kerngedanken vertritt Aristoteles eher eine monistische Denkweise. Für ihn kann eine Form ohne materielle Basis nicht existieren, deswegen kann die menschliche Psyche ohne die körperlichen Prozesse zu berücksichtigen nicht betrachtet werden. (Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH, 2014) Ebenfalls wie Platon, teilt Aristoteles die Seele in drei Instanzen auf: die vegetative, animalische und denkende Seele. Diese Aufteilung dient zur Zuweisung seelischer Fähigkeiten zu körperlichen Funktionen. (Funke, 2007, S. 37) Des Weiteren spricht er von Tugenden, die notwendig für das Streben nach Glück und einem erfüllten Leben sind. Für Platon gibt es nur vier Tugenden (Weisheit, Tapferkeit, Besonnenheit und Gerechtigkeit). In Erweiterung dazu spricht Aristoteles in der nikomachischen Ethik von zehn Tugenden (Tapferkeit, Besonnenheit, Großzügigkeit, Hochsinnigkeit, Ehrliebe, Aufrichtigkeit, Freundschaft, Gewandtheit, Schamgefühl und Gerechtigkeit). Das Wesentliche dabei ist der Ausgleich zwischen den Gegensätzen, als Voraussetzung eines erfüllten Lebens. Wie z.B. der Ausgleich zwischen Beherrschtheit und Unbeherrschtheit, Lust und Unlust. (Helmut Reuter, 2014, S. 43–44)

Somit wurden die Grundsteine der Psychologie gesetzt. Auch wenn diese Erkenntnisse nicht den heutigen empirischen Kriterien entsprechen, sind diese Annahemen trotzdem die ersten Schritte in Richtung Wissenschaft.

1.2 Psychologie im Mittelalter und in der Renaissance

Im Mittelalter ist das Gedankengut eher theologisch aufgebaut. Die Kirchenphilosophen haben eine dogmatische Auffassung. Ziel der Scholastik ist es, nicht wissenschaftliche Erkenntnisse zu erlangen, sondern die Erklärung des Glaubens. In der Scholastik beschäftigen sie sich mit der Seelenkunde und auch mit der Naturwissenschaft. Über allem stehen Gott und die Verherrlichung der Religion. Religiöse Richtlinien dienen als Regeln für den Alltag der Menschen. (Helmut Reuter, 2014, S. 54)

Thomas von Aquin (1225-1274), einer dieser sog. Kirchenväter sieht Aristoteles als Zentrum seines Arbeitens. Er setzt sich mit Aristoteles Buch „Über die Seele“ aus um diese Erkenntnisse für den christlichen Glauben neu auszulegen. Ebenfalls wie Aristoteles, hat Thomas von Aquin auch eine monistische Auffassung. Die Existenz der Seele beginnt mit der Zeugung, die sog. „forma substantialis“, d.h. Seele und Leib sind eine einzige und einheitliche Gestalt. Darüber hinaus bedeutet für ihn Wahrheit die Übereinstimmung von Sein und Geist.

Ein anderer Scholastiker ist Johannes Duns Scotus. Er setzt sich mit dem menschlichen Willen auseinander. Er differenziert den Willen in göttlichen Willen und dem menschlichen Willen. Der göttliche Wille ist Ursache der Schöpfung und der menschliche Wille ist die Selbstbestimmung der Person. (Helmut Reuter, 2014, S. 63–66)

Ein Vertreter des psychologischen Gedankenguts in der Renaissance ist René Descartes. Er ist ebenfalls der Überzeugung, dass Körper und Geist gegensätzliche Instanzen sind. Descartes unterscheidet zwischen einer geistigen Substanz, die als „res cogitans“ (das Denkende) bezeichnet wird und eine körperliche Substanz, die sog. „res extensa“ (das Ausgedehnte). Diese Differenzierung wird auch kartesianischer Dualismus genannt. Der „res extensa“ kann wie alle anderen Lebewesen, wie z.B. Tiere und Pflanzen mit naturwissenschaftlichen Methoden untersucht und beobachtet werden und ist denselben Naturgesetzlichkeiten ausgesetzt. Die „res cogitans“ jedoch kann so nicht untersucht oder beobachtet werden. Auch wenn diese beiden Einheiten komplett getrennt sind stehen sie in einer Wechselwirkung zueinander. (Helmut Reuter, 2014, S. 80–82)

1.3 Psychologie in der Romantik

In der Romantik sieht man die Psychologie in der Kunst, Musik und Literatur, in der die Empfindung, Wahrnehmung und Emotion das zentrale Thema spielen, wider. In dieser Zeit befassen sich Künstler, Dichter und Komponisten mit den verschiedenen menschlichen Seelenzuständen. Sie experimentieren damit, psychologische Prozesse in ihren Werken zu schildern. Dabei sind sie mehr mit den dunklen Seiten der Seele begeistert. Somit beschreiben sie mit der Beobachtung innerer Zustände und durch Selbsterfahrung das „Innenleben“. Unterdessen haben die Romantiker eine grundlegende Haltung, dass der Mensch durch das seelische Erleben bestimmt wird. Nicht nur der Mensch wird so gesehen, sondern die Natur wird ebenfalls als „beseelt“ beschrieben. Die Seele der Natur hat viel Seiten, nämlich eine helle aber auch eine dunkle, die den Wahnsinn widerspiegeln soll. (Helmut Reuter, 2014, S. 138–140)

Die Schilderung der Psychologie in der Musik hat den Vorteil, dass sie direkt erfasst werden kann. Sie muss nicht kognitiv entschlüsselt werden, sondern kann emotional als auch kognitiv begriffen werden. Eines dieser Komponisten ist Franz Schubert, der Gedichte mit Musikstücken vertont, wie z.B. „Die Forelle“. Dieses Gedicht ist eine Komponente der beseelten Natur. Sie spricht von der Wanderung, dessen Geschwindigkeit eine optimale Kommunikation mit sich selbst und der Natur begünstigen. Diese Geschwindigkeit ist wahrnehmungspsychologisch optimal für die Kommunikation zwischen Wanderer und der Natur. (Helmut Reuter, 2014, S. 116–117)

1.4 Psychologie im 19. und 20. Jahrhundert

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kommt es zu einer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wende. Durch die industrielle Revolution und ihre neuen Produktionsverfahren und die Gewinnung von Stahl veränderten sich ganze Regionen. Ebenso durch neue Erfindungen gewinnen die Menschen ein neues Weltbild. Diese neue Grundanschauung widerspricht vollkommen der romantischen Auseinandersetzung mit der seelenvollen Natur und dem „Innenleben“. Als Folge dieser industriellen Revolution kommt es zu Auswanderungen in Industriegebiete und Verlassen der Agrarregionen, die wiederum zu einer politischen Wende führen. Dieser politische Umbruch löst Widerstände bei Studenten und Professoren aus. Antworten für diese Probleme findet man nicht mehr durch Literatur, Philosophie oder in der Religion, sondern in naturwissenschaftlichen Methoden und Techniken. (Helmut Reuter, 2014, S. 143–145)

Somit werden die ersten Versuche gestartet psychologische Prozesse und Erkenntnisse mit Methoden und Techniken aus der Naturwissenschaft zu beobachten und zu untersuchen. Als Erkenntnisgewinnung wird nicht mehr die poetische Sprache eines Dialogs genutzt, sondern eine neue Art von Sprache zwischen dem Versuchsleiter und der Versuchsperson. Diese Sprache beinhaltet kurze Anweisungen zur Steuerung des Experiments und technische Fachbegriffe. Diese Kommunikation ist nicht verständlich für einen Außenstehenden. Ein wichtiger Aspekt ist die Kontrollierbarkeit der Variablen und der Störfaktoren. In der Literatur findet sich ein Beispiel dazu in dem Drama „Woyzeck“ von Georg Büchner.

„Es ist das psychologisch, oder besser: kriminalpsychologisch, höchst aufschlussreiche Drama des einfachen Soldaten Woyzeck, der zum Mörder an seiner Geliebten Marie wird und dem Wahnsinn verfällt. Eine der Dramengestalten, die in ihrer Arroganz und Menschenverachtung zu seinem Untergang beitragen, ist der „Doctor“. Der Doctor verfolgt ein Forschungsprojekt und Woyzeck ist seine Versuchsperson. Damals begann die Zeit der experimentellen Versuche, und diese erfordern die vollständige Kontrolle der Variablen. Die Variablen sind in diesem Fall die Handlungen des Soldaten Woyzeck.“ (Helmut Reuter, 2014, S. 145)

Gustav Theodor Fechner (1801-1887) ist einer der ersten Forscher, die physikalische Methoden nutzt um die psychologische Wahrnehmung zu messen. Fernerhin beschäftigt er sich mehr mit der Wahrnehmungspsychologie. Er studiert Medizin, Physik, Mathematik, sowie auch Philosophie. Dadurch verknüpft er die Traditionen der romantischen Weltauffassung und der Sprache mathematischer Formeln. Nachdem er wegen einer Erkrankung an seinen Augen jahrelang in einem dunkeln Zimmer, vollkommen abgeschottet von der Außenwelt lebt, verändert sich sein Denken in eine monistische Auffassung. Er arbeitet nun darauf, die Phänomene der beseelten Welt systematisch experimentell zu erforschen und das nicht mehr im poetischen Schreibstil, sondern in mathematischer Sprache. Ernst Heinrich Weber beschäftigt sich ebenfalls mit der Wahrnehmung des Menschen und spricht von einer Reizschwelle. Mit dieser Tatsache beschreibt Fechner das Verhältnis von ansteigenden Reizstärken und den einhergehenden Sinnesintensitäten. Die Formel E = k · log R + C legt den Maß der Empfindung dar. (E=Empfindungsintensität, R= Reizgröße, k= konstanter Schwellenwert, C =additive reizspezifische Konstante) (Helmut Reuter, 2014, S. 149–151)

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde das erste Labor an der Universität Leipzig von Wilhelm Wundt gegründet. Dies war das erste Labor mit kontrollierten Bedingungen, in der das menschliche Erleben experimentell beobachtet und untersucht wird. Somit wird die Psychologie zur Wissenschaft. Sie wird nicht nur als etwas Geistiges angesehen, sondern wird nun auch mit naturwissenschaftlichen Aspekten unter die Lupe genommen. (Helmut Reuter, 2014, S. 152–154)

1.5 Psychologie heute

Das Fach Psychologie ist eine sehr vielfältige Disziplin in der Gegenwart. Sie verknüpft sich mit sehr vielen Nachbardisziplinen und ergibt so eine weite Bandbreite an Forschungsgebieten. Von der biologischen Psychologie, Gesundheitspsychologie, Arbeits- und Organisationspsychologie bis hin zur Verkehrspsychologie gibt es viele verschiedene Richtungen, in die die Psychologie einschlägt. Auch wenn die Psychologie ein interdisziplinäres Fach ist, hat sie trotzdem ein gemeinsames Fundament, die sich mit bestimmten Grundfragen des menschlichen Erlebens und Verhaltens beschäftigt. Um verschiedene Fragestellungen in bestimmten Teildisziplinen zu bearbeiten, muss man spezifische Vorgehensweisen und Arten der Theorienbildung nachgehen. Auch wenn die Psychologie sich in so viele Teildisziplinen derart ausbreitet, verliert sie trotzdem ihren Kern und ihre Identität nicht. Im Gegenteil kommt es durch diese Vernetzung mit verschiedenen Nachbardisziplinen, wie z.B. der Medizin, Informatik und Ethologie, zu atemberaubenden Erkenntnissen und Entwicklungen. Somit öffnen diese Entwicklungen und Verknüpfungen viele neue Perspektiven in der Zukunft dieses Faches. Demzufolge hat die Psychologie eine sehr glänzende Zukunftsperspektive. (Klaus Fiedler, Reinhold Kliegl, Ulman Lindenberger, Rainer Mausfeld, Amelie Mummendey, Wolfgang Prinz, 2007)

2 Das erste Labor für experimentelle Psychologie in der Leipziger Schule

2.1 Bedeutung des ersten Labors für die Psychologie als eigenständige Wissenschaftsdisziplin

Wilhelm Wundt (1832-1920) wird als Begründer der wissenschaftlichen Psychologie gesehen. Er studiert ursprünglich Medizin, spezialisiert sich später über das Verhalten der Nerven und die Habilitation in der Physiologie. 1875 wird er zur Universität Leipzig für den Lehrstuhl der Philosophie auserwählt. Somit beginnt die Entwicklung der Psychologie als eigenständige Wissenschaft. Nach vier Jahren 1879 begründet Wundt das erste experimentelle Labor für Psychologie. Zu dieser Zeit ist Leipzig eines der bedeutendsten Universitäten der Welt und hat Akademiker aus aller Welt, die in vielen verschiedenen Fächern gelehrt sind. Folglich beginnt die Differenzierung von Wissenschaftsdisziplinen, deren Stabilisierung und danach ihre Förderung. Demzufolge gibt es auch andere Neugründungen außerhalb der Psychologie. Leipzig gilt zu dieser Zeit als „Mekka der Anhänger der neuen Wissenschaft“. (Helmut E. Lück, 1984, S. 63)

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Details

Titel
Geschichte der Psychologie. Von der Antike bis ins 21. Jahrhundert, der Leipziger Schule und der Romantischen Psychologie
Untertitel
Eine kurze Darstellung
Hochschule
SRH Fernhochschule
Note
1.3
Autor
Jahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V937579
ISBN (eBook)
9783346263957
ISBN (Buch)
9783346263964
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte der Psychologie, Psychologie in der Antike, Psychologie im Mittelalter, Psychologie im 19. und 20. Jahrhundert, Wilhelm Wundt, Romantische Psychologie, Leib-Seele-Problem
Arbeit zitieren
Mevhibe Dülger (Autor:in), 2018, Geschichte der Psychologie. Von der Antike bis ins 21. Jahrhundert, der Leipziger Schule und der Romantischen Psychologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/937579

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