Phänomene sozialer Wahrnehmung im Assessment Center und ihre Auswirkungen auf die Personalauswahl


Hausarbeit, 2019

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziel der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Definitionen
2.1 Soziale Wahrnehmung
2.2 Assessment Center

3 Einflüsse sozialer Wahrnehmung im Assessment Center
3.1 Hypothesentheorie der sozialen Wahrnehmung (Bruner & Postmann, 1951)
3.2 Phänomene sozialer Wahrnehmung
3.2.1 Ähnlichkeitseffekt
3.2.2 Halo-Effekt
3.2.3 Stereotype und Vorurteile
3.2.4 Primacy- und Recency-Effekt

4 Kritische Diskussion und Würdigung: Bedeutung für die Personalauswahl
4.1 Chancen: Untersuchung der Güte eines Assessment Centers
4.2 Kritik am Assessment Center: Diskussionswürdige Faktoren

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

AC Assessment Center

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: AC-Standards als Prozesskette

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Eine geeignete und effektive Personalauswahl gilt als ein bedeutender Erfolgsfaktor für Unternehmen. Umso bedeutsamer wird es daher, die Auswahl von Bewerbern nicht auf der Grundlage persönlicher Eindrücke und Momentaufnahmen zu treffen, die die Rationalität und Entscheidungsobjektivität vernachlässigen, sondern Verfahren anzuwenden, die den Rationalitäts- und Objetktivitätsverlust zu einem großen Teil vermeiden (vgl. Kleebauer, 2007, S.1 f.).

Der Bereich des Personalwesens, mit dem sich die Psychologie am intensivsten beschäftigt, ist die Personalauswahl, die die Basis für die Effizienz und den Erfolg von Abteilungen und Unternehmen im Hinblick auf die Ressource Mensch und somit den Produktionsfaktor Arbeit bildet. Für die Psychologie ist der Bereich insbesondere daher von Bedeutung, da die wissenschaftlichen und empirischen Erkenntnisse in Bezug auf die Personalauswahl deutlich von der alltäglichen Praxis abweichen (vgl . Kanning, 2015, S. V).

Das Assessment Center als standardisiertes Personalauswahlverfahren wurde in den achtziger Jahren zunächst als Lösung für das Rationalitäts- und Objektivitätsproblem in der Personalauswahl betrachtet. Heute ist das Assessment Center ein umstrittenes und häufig diskutiertes Verfahren, das auf der einen Seite die Objektivierung von Entscheidungssituationen ermöglicht, auf der anderen Seite jedoch die Gefahr großen zeitlichen und monetären Aufwandes und gleichzeitig geringer Aussagekraft der Ergebnisse birgt (vgl. Schuhmacher, 2009, S. 19).

Personalauswahlverfahren werden außerdem die Gefahr zugeschrieben, dass vor dem Hintergrund der Beurteilung von Menschen, die Bewertung und Entscheidung durch Beurteilungsfehler verzerrt wird, die auf Erfahrungen, Emotionen und persönlichen Motiven basieren (vgl. Donaubauer, 2014, S. 42).

Die vorliegende Seminararbeit wird daher die Zusammenhänge zwischen sozialer Wahrnehmung und Personalauswahl näher betrachten und es wird untersucht, inwiefern Entscheidungssituationen in einem standardisierten Verfahren wie einem Assessment Center durch Phänomene sozialer Wahrnehmung verzerrt werden können.

1.2 Ziel der Arbeit

Ziel der Arbeit ist es, herauszuarbeiten, inwiefern soziale Wahrnehmung in der Personalauswahl eine Rolle spielt und wie Entscheidungen durch Phänomene sozialer Wahrnehmung im Assessment Center, das als standardisiertes Personalauswahlverfahren gilt, verzerrt werden können. Schließlich wird ein Überblick darüber geschaffen, wie auf subjektiven Bewertungen basierende Entscheidungen im Assessment Center reduziert werden können.

1.3 Aufbau der Arbeit

Nach der Problemstellung folgen in Kapitel Eins die Darstellung des Ziels sowie der Aufbau der Arbeit.

Kapitel Zwei beinhaltet eine Grundlage für die weiteren Ausarbeitungen der vorliegenden Arbeit. Dazu werden die Begriffe „Soziale Wahrnehmung“ und „Assessment Center“ zum besseren Verständnis definiert.

Im dritten Kapitel wird die Bedeutung sozialer Wahrnehmung im Assessment Center thematisiert. Dazu wird zunächst eine Theorie angeführt, die eine Erklärung für Wahrnehmungs- und Entscheidungsverzerrungen ermöglicht. Anschließend werden mögliche Phänomene sozialer Wahrnehmung dargestellt.

Im vierten Kapitel folgt eine kritische Diskussion und Würdigung des Themas. Es wird herausgearbeitet, welche Auswirkungen die Beurteilung im Assessment Center für die Personalauswahl mit sich bringt. Dazu erfolgt zunächst die Untersuchung der Güte eines Assessment Centers mit anschließender Betrachtung diskussionswürdiger Faktoren, die im Assessment Center eine Rolle spielen.

Die Arbeit schließt mit einem fünften Kapitel als Fazit ab. Es wird schlussfolgernd erläutert, welche Rolle soziale Wahrnehmung in der Personalauswahl spielt und inwiefern Entscheidungen, die auf verzerrten Wahrnehmungen und subjektiven Bewertungen basieren, reduziert werden können.

2. Definitionen

2.1 Soziale Wahrnehmung

Das Begriffspaar „Soziale Wahrnehmung“ setzt sich aus den Begriffen „sozial“ und „Wahrnehmung“ zusammen. Die Wahrnehmung beschreibt zunächst einen Prozess der Orientierung des Menschen in seiner Umwelt mithilfe seiner Sinnesorgane. Wahrnehmung beruht auf der Bildung von Relationen zwischen der inneren, subjektiven Welt und der objektiven Realität des Menschen. Wahrgenommene Inhalte erhalten erst durch die Zuordnung des Beobachteten zu lebenslang und durch Lernprozesse aufgebauten Wahrnehmungskategorien einen Sinn (vgl. Fischer & Wiswede, 2014, S. 189). Die „soziale“ Komponente des Begriffspaares bezieht sich auf das menschliche Umfeld einer Person und stellt das durch die Anwesenheit anderer Personen beeinflusste und veränderte Erleben und Verhalten des Menschen in den Mittelpunkt (vgl. Jonas, Stroebe & Hewston, 2014, S. 6).

Die Soziale Wahrnehmung beschreibt einen Prozess, der die Eindrucksbildung anderer Personen zum Ziel hat. Dieses Ziel wird durch die Sammlung und Interpretation von Informationen und individuellen Merkmalen anderer Personen verfolgt und erreicht (vgl. Parkinson, 2014, S. 67). Für die Sozialpsychologie ist in jenen Prozessen von Bedeutung, inwiefern soziale Einflüsse, wie z. B. die Anwesenheit anderer Personen sowie vermittelte Einstellungen und Denkweisen, die Wahrnehmung der einzelnen Person beeinflussen (vgl. Hartung, 2009, S. 32).

Dieser Prozess, der die Wahrnehmung sowie das Erkennen und die Zuordnung von Personen umfasst, bildet die Grundlage für soziale Interaktionen und das Zusammenleben von Personen (vgl. Cross et al., 2015, S. 1). Neuropsychologische Erkenntnisse lassen darauf schließen, dass die Auseinandersetzung mit einer anderen Person die Verarbeitung der eigenen Person voraussetzt (vgl. Northoff et al., 2006, S. 440 ff.). Soziale Wahrnehmung und soziale Interaktionen gehen nach neuronalen Befunden damit mit der Wahrnehmung der eigenen Person einher. In jenen Prozessen stellen Personen einen Bezug zu sich selbst her und vollziehen Vergleiche, wodurch auch Emotionen zu einem elementaren Bestandteil sozialer Prozesse werden (vgl. Fischer, P., Jander, K. & Krueger, J., 2018, S. 237).

2.2 Assessment Center

Ein Assessment Center (AC) ist ein standardisiertes Verfahren zur Personalauswahl und Beurteilung von Bewerbern (vgl. Obermann, 2018, S. 1) bei dem eine Vielzahl diagnostischer Verfahren zur systematischen Erfassung individueller Leistungen und Defizite herangezogen wird. Die Erfassung basiert auf der Einschätzung mehrerer geschulter Beobachter orientiert an systematischen Regeln und unter Berücksichtigung vorab definierter Anforderungen (vgl. Kleinmann, 2013, S. 2). Ziel eines AC-Prozesses ist es, gültige und für den zukünftigen Berufserfolg relevante Informationen über die beobachteten Personen zu erhalten (vgl. Randhofer, 2004, S. 6).

Multiple diagnostische Verfahren zielen darauf ab, anhand verschiedener diagnostischer Instrumente das Potenzial des Bewerbers entsprechend für die zu besetzende Stelle einzuschätzen. Dabei wird im AC häufig auf das Simulationsprinzip zurückgegriffen, um eine realitätsnahe und leistungsrelevante Beurteilung zu ermöglichen. Eine systematische Bewertung wird gewährleistet durch die Beurteilung gleicher Anforderungsmerkmale innerhalb verschiedener Übungen, durch eine zeitliche Trennung zwischen Beobachtung und Beurteilung sowie durch Unabhängigkeit der Einzelbeobachtungen und eine gezielte Schulung der Beobachter im Voraus (vgl. Kleinmann, 2013, S. 2).

Die folgenden Merkmale sind elementare Bestandteile und Kennzeichen eines ACs:

- Mehrere Kandidaten,
- mehrere geschulte Beobachter,
- systematische Bewertung,
- Vielzahl von Beurteilungssituationen,
- erfolgt über einen längeren Zeitraum (vgl. Sarges, 2001, S.7).

Es lassen sich außerdem Standardkriterien für das AC als Personalauswahl- und eignungsdiagnostisches Verfahren ableiten, um eine angemessene Vorbereitung und Durchführung einer Personalauswahl innerhalb eines ACs sowie die Akzeptanz über die Aussagefähigkeit der im AC getroffenen Personalauswahlergebnisse zu gewährleisten. Insbesondere im Hinblick auf den zeitlichen und finanziellen Aufwand, den ein AC mit sich bringt, wird die Einhaltung von Standards bei der Planung und Durchführung von ACs nahezu unerlässlich (vgl. Neubauer, & Höft, 2006, S. 77 f.).

Der Arbeitskreis Assessment Center formuliert neun Standards für die Entwicklung und Durchführung eines ACs. Jedem Standard ist ein Kernprinzip zugeordnet (siehe Abbildung 1). In der detaillierten Fassung beinhaltet jeder Standard darüber hinaus eine umfangreiche Beschreibung des jeweiligen Nutzens sowie einen Auschlusskatalog, der Verstöße umfasst, die die Konformität mit dem jeweiligen Standard verletzen (vgl. Neubauer, & Höft, 2006, S. 79).

Abbildung 1 : AC-Standards als Prozesskette

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Neubauer, & Höft, 2006, S. 78

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Details

Titel
Phänomene sozialer Wahrnehmung im Assessment Center und ihre Auswirkungen auf die Personalauswahl
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
22
Katalognummer
V937612
ISBN (eBook)
9783346265920
ISBN (Buch)
9783346265937
Sprache
Deutsch
Schlagworte
phänomene, wahrnehmung, assessment, center, auswirkungen, personalauswahl
Arbeit zitieren
Leonie am Orde (Autor:in), 2019, Phänomene sozialer Wahrnehmung im Assessment Center und ihre Auswirkungen auf die Personalauswahl, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/937612

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