Im Zentrum der Geschichtsstunde in der 10. Klasse seht die Erarbeitung wesentlicher Unterschiede zwischen der „Sozialen Marktwirtschaft“ der BRD und der „sozialistischen“ Planwirtschaft der DDR anhand eines Auszugs aus Ludwig Erhards „Wohlstand für Alle“ (1957) und eines Auszugs aus dem Arbeitsgesetzbuch der DDR (1966).
Die SuS erkennen die zentralen Merkmale der beiden Wirtschaftssysteme und die damit verbundenen Unterschiede auf dem Weg zu allgemeinem Wohlstand, die die Wirtschaftsordnungen für verschiedene soziale Gruppen attraktiv erscheinen lassen.
Dies wird daran sichtbar, dass die SuS diese Merkmale aus einer der beiden Quellen herausarbeiten und stichpunktartig in eine Tabelle eintragen, anhand dessen den jeweiligen Weg zu allgemeinem Wohlstand stichpunktartig erläutern und in der Sicherung präsentieren, im Rahmen des Sicherungsgesprächs die Unterschiede der jeweiligen Wege zu Wohlstand akzentuieren, aus der Perspektive verschiedener Sozialtypen die Attraktivität der beiden Wirtschaftssysteme beurteilen. Die Stunde dient damit schwerpunktmäßig der Förderung der Analyse- und Urteilskompetenz.
Inhaltsverzeichnis
1. Didaktisches Zentrum
2. Analyse der Lerngruppe und der Lernausgangslage
3. Didaktische Analyse mit Materialanalyse
4. Methodische Analyse
5. Anhang
5.2 Verlaufsplan
5.3 Material, Arbeitsblätter Einstiegsimpuls:
5.4 Allgemeiner Wohlstand – Wie soll er erreicht werden?
5.5 Vertiefung - Rollenkarten
5.6 antizipierte Stundenergebnisse
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Unterrichtseinheit ist die Förderung der Analyse- und Urteilskompetenz der Schülerinnen und Schüler durch den Vergleich der beiden deutschen Wirtschaftssysteme. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie innerhalb der jeweiligen Wirtschaftsordnung ein allgemeiner Wohlstand erreicht werden soll.
- Erarbeitung der Merkmale von Sozialer Marktwirtschaft (BRD) und sozialistischer Planwirtschaft (DDR).
- Analyse und kritische Auseinandersetzung mit historischen Quellentexten.
- Einübung der Perspektivübernahme durch Rollenspiele.
- Reflexion über das Spannungsfeld von Gerechtigkeit, staatlichen Eingriffen und individueller Leistung.
- Förderung der Fähigkeit zur Trennung von Sach- und Werturteil.
Auszug aus dem Buch
Didaktische Analyse mit Materialanalyse
Neben der Ausgestaltung politischer Herrschaft ist die jeweilige Wirtschaftsordnung wohl einer der wichtigsten Unterschiede zwischen der BRD und der DDR. Sie sind dabei zugleich Hauptbezugspunkte der Affirmation oder Ablehnung beider Staaten. So wird die Soziale Marktwirtschaft als praktischer Garant des bundesdeutschen Wohlstandes idealisiert und ist vor dem Hintergrund drohenden Sozialabbaus in jüngerer Zeit gar positiver Bezugspunkt linker PolitikerInnen. Die sozialistische Planwirtschaft wiederum wird vor allem im Westen gemeinhin als unterlegene und ineffiziente „Mangelwirtschaft“ verworfen. Gleichwohl erlebte zumindest ein Teil der DDR-Bevölkerung die sozialen Absicherungen ihres Wirtschaftssystems durchaus positiv und erinnert sich seit den Verlusterfahrungen der Wendezeit mit gewisser Nostalgie früherer Gemeinschaftsideale.
Jene zum Teil noch in Denkmustern der Systemkonkurrenz verwurzelten Auffassungen wirken auch auf die SuS und prägen diffus-klischeesierende, meist der westlichen Perspektive nahestehende Vorurteile zu beiden Wirtschaftssystemen. So wurde die BRD in den ersten Stunden der Reihe recht pauschal als zwar geschichteter, aber erfolgreicher Wohlstandsstaat bezeichnet. Der DDR attestierten die SuS hingegen schätzenswerte Bemühungen um soziale Gerechtigkeit, sahen sie allgemein aber als rückständiges Land mit ob ihrer Armut geradezu bemitleidenswerten Bürgern. In der angedachten Sequenz zu den beiden Wirtschaftssystemen kann nun keineswegs beansprucht werden, diesen Vorurteilen entgegenzusetzen, „wie es eigentlich gewesen.“ Vielmehr geht es darum, dass sich die SuS von diesen Vorurteilen ausgehend mittels sachbezogener Analysen Orientierung hinsichtlich der Triftigkeit und Perspektivität verschiedener Urteile verschaffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Didaktisches Zentrum: Dieses Kapitel erläutert die zentrale Fragestellung der Unterrichtsstunde bezüglich der Unterschiede der Wirtschaftsordnungen und die angestrebte Förderung der Analyse- und Urteilskompetenz.
2. Analyse der Lerngruppe und der Lernausgangslage: Es wird der Leistungsstand und die methodische Vorerfahrung der Klasse 10d dargelegt, insbesondere im Hinblick auf die Herausforderungen bei der Arbeit mit historischen Textquellen.
3. Didaktische Analyse mit Materialanalyse: Dieses Kapitel beleuchtet die theoretischen Hintergründe der beiden Wirtschaftssysteme und begründet die Auswahl der exemplarischen Quellentexte zur Bearbeitung der Fragestellung.
4. Methodische Analyse: Hier wird der geplante Unterrichtsverlauf dargelegt, inklusive der Methoden zur Aktivierung der Lernenden und der Sozialformen für die Erarbeitungs- und Sicherungsphase.
5. Anhang: Dieses Kapitel enthält das Literaturverzeichnis, den Verlaufsplan, die Arbeitsmaterialien, die Rollenkarten sowie die antizipierten Stundenergebnisse.
Schlüsselwörter
Soziale Marktwirtschaft, Planwirtschaft, BRD, DDR, Wirtschaftssysteme, Wohlstand, Analysekompetenz, Urteilskompetenz, Perspektivübernahme, Geschichtsunterricht, Quellentexte, Sozialpolitik, Systemkonkurrenz, Arbeitsgesetzbuch, Ludwig Erhard.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der didaktischen Konzeption einer Unterrichtsstunde zum Vergleich der beiden deutschen Wirtschaftssysteme – Soziale Marktwirtschaft in der BRD und sozialistische Planwirtschaft in der DDR.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die verschiedenen Wege zum allgemeinen Wohlstand, die Rolle des Staates in der Wirtschaft, sozialpolitische Maßnahmen und die Förderung der historischen Perspektivität.
Was ist die primäre Forschungsfrage oder Zielsetzung?
Die zentrale Fragestellung lautet: „Wie soll innerhalb der jeweiligen Wirtschaftsordnung ein allgemeiner Wohlstand erreicht werden?“ Das Ziel ist die Förderung der Sach- und Urteilskompetenz der Lernenden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt fachdidaktische Prinzipien der historischen Quellenarbeit, der Perspektivübernahme und der kognitiven Aktivierung durch „kognitive Dissonanz“ im Unterrichtseinstieg.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine didaktische und methodische Reflexion über die geplante Unterrichtseinheit, die Erarbeitung der Wirtschaftsprinzipien anhand von Primärquellen und die Reflexion über Lernvoraussetzungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Soziale Marktwirtschaft, Planwirtschaft, Wirtschaftssysteme, Historische Perspektivübernahme und Geschichtsdidaktik geprägt.
Warum wird das Zitat von Ludwig Erhard als Einstieg genutzt?
Das Zitat soll durch seinen Inhalt „kognitive Dissonanz“ erzeugen, da Lernende die Aussagen oft fälschlicherweise dem sozialistischen System zuordnen, was die Neugier und die Bereitschaft zur kritischen Analyse weckt.
Welche Rolle spielen die Rollenkarten in der Vertiefung?
Die Rollenkarten zwingen die Lernenden dazu, sich in spezifische soziale Lagen zu versetzen und die Attraktivität der Systeme aus einer anderen als der eigenen Perspektive zu beurteilen, um die Urteilsbildung zu schärfen.
- Quote paper
- Andreas Bonß (Author), 2020, Wirtschaftssysteme in der BRD und DDR im Vergleich. Unterrichtsentwurf Geschichte Klasse 10, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/937656