Digitalisierung in der Sozialen Arbeit. Auswirkungen und Anspruch


Bachelorarbeit, 2020

36 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Stand der Forschung

3 Fragestellung der Bachelorarbeit

4 Methode und Vorgehensweise der Arbeit

5 Was ist unter dem Begriff Digitalisierung zu verstehen?

6 Neue Medien und Technologien
6.1 Was ist unter den „neuen Medien" zu verstehen?
6.2 Medienkompetenz
6.3 Medienpädagogik
6.4 Technologischer Fortschritt

7 Auswirkung auf die Methoden der Sozialen Arbeit
7.1 Beratung
7.2 Lebensweltorientierung
7.3 Empowerment

8 Auswirkung auf den Bereich der Sozialen Arbeit
8.1 Digitalisierung und Dienstleistung in der Sozialen Arbeit
8.2 Professionalität
8.3 Veränderung in der Arbeitswelt
8.4 Auswirkung auf die Lebenswelt der Klienten
8.5 Auswirkung auf die Bedürfnisse der Klienten
8.6 Anspruch der Sozialen Arbeit an die Digitalisierung

7 Ethik und Moral

9 Diskussion

11 Fazit

12 Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Diese Arbeit befasst sich mit dem Thema Digitalisierung in der Sozialen Arbeit und der Fragestellung, welche Auswirkungen die in dem Prozess entstandenen neuen Medien und Technologien auf den Arbeitsbereich in der Sozialen Arbeit haben. Di­gitalisierung und deren Auswirkungen sind Themen über die täglich berichtet und diskutiert wird. Eine Diskussionsgrundlage ist dabei die Frage, ob die Einführung neuer Technologien, neuer Arbeitsweisen oderauch grundlegende Veränderungen in der Lebenswelt von jedem Menschen, als eine Chance oder Gefahr betrachtet werden kann. Damit einher ergeben sich moralische Fragestellungen, wie der Frage, ob Computersysteme mit künstlicher Intelligenz versehen, Entscheidungen treffen dürfen, die das Leben von Menschen bestimmen. Bezüglich der Arbeit mit Klienten zeigt sich im Zuge der Digitalisierung, dass neue Möglichkeiten der Kom­munikation oder der technologische Fortschritt von Hilfsmitteln für Klienten mit Ein­schränkungen, entscheidende Vorteile mit sich bringt. Jedoch resultieren daraus auch mögliche Gefahren, wie der medialen Beeinflussung oder auch Abhängigkeit, die zu Konflikten oder psychischen Erkrankungen führen kann. Darüber hinaus ist der Frage nachzugehen welchen Einfluss die Digitalisierung auf die Professionalität und deren Methoden hat. Die Bedürfnisse der Klienten passen sich an die Gege­benheiten der Digitalisierung an und müssen von den Sozialarbeitern und Sozialar­beiterinnen erkannt werden. Hilfsangebote müssen sich an die Digitalisierung an­passen und sich an der Lebenswelt der Klienten orientieren.

1 Einleitung

„Digitalisierung bezeichnet einen durch technische Innovationen und Technik­Durchdringung getriebenen Wandel aller gesellschaftlicher Bereiche, von der Ar­beitswelt über die Freizeit, bis hin zu sozialen Beziehungen“ (Sozialverwaltung, 2016, S. 2).

Das Thema Digitalisierung und die damit verbundenen neuen Medien gewinnen in der Sozialen Arbeit zunehmend an Bedeutung. Der technologische Fortschritt bringt neues technisches Wissen, die Schaffung neuer Arbeitsbereiche und Märkte und den immer stärker werdenden Einsatz der neuen Medien. Von all diesen Prozessen und Anpassungen innerhalb der Digitalisierung, ist der Bereich der Sozialen Arbeit ebenso betroffen. Ein immer größer werdender Teil ist der Ersatz oder die Ergän­zung menschlicher Denk- und Kommunikationsleistungen, sowie die Anwendung von Computern und Robotern.

Eine bedeutende Frage ist, wie sich diese Veränderungen auf die Soziale Arbeit und die damit verbundenen Methoden auswirken. Bei der Betrachtung der Auswir­kungen der Digitalisierung auf die Soziale Arbeit ergeben sich zwei Diskussionsan­sätze. Die eine Seite geht von einer Bereicherung oder auch Chance für den Be­reich der Sozialen Arbeit aus, wie zum Beispiel eine Verbesserung des Zugangs zu Wissen und Bildung oder die Pflege sozialer Beziehung unabhängig von dem jewei­ligen Ort (Sozialverwaltung, 2016, S. 2-5). Dem gegenüberstehend schrieb Chris­tian Müller (2017) in einem Kommentar über die Hürden der Digitalisierung in der Sozialen Arbeit. Ein wichtiger Punkt den Christian Müller als problematisch ansieht, ist die fehlende Infrastruktur für das digitale Arbeiten. Er sagt, dass soziale Einrich­tungen oft nicht den technischen Stand erreicht haben, um eine optimale Kommu­nikation zwischen den Mitarbeitern, aber auch Klienten zu gewährleisten (Müller, 2017).

Mit der Digitalisierung verbunden, kam der Begriff der „neuen Medien“ schon im dem Jahr 1980 mit Funktionen wie Teletex, Videotext oder auch Satellitenrundfunk auf. Mitte der 1990er - Jahre steht der Begriff für computergestützte Kommunikation und digitale elektronische Medien (Boehnke, Voß, & Holly, 2000, S. 5-7).

Die in der Digitalisierung entstehenden Hilfsmittel wie Computer und Smartphones können auch als technische Hilfsmittel zur Unterstützung in den administrativen­bürokratischen Aufgabenfeldern, sowie der unmittelbaren sozialpädagogischen Ar­beit wie Online Beratung, computerbasierte Lernspiele oder auch als Ergänzung von medienpädagogischen Projekten angesehen werden (Bertsche & Como-Zipfel, 2016).

Ziel der Bachelorarbeit ist die Erläuterung und Diskussion darüber, welche Auswir­kungen die neuen digitalen Medien und Technologien auf die Soziale Arbeit und Ihre Methoden haben.

2 Stand der Forschung

Bei der Betrachtung des Forschungstandes in Bezug auf das Thema „Digitalisierung in der Sozialen Arbeit und die Auswirkung der neuen Medien und Technologien“ ist es wichtig einzubeziehen, dass dieses Thema von täglichen Veränderungen und Anpassungen geprägt ist.

Ein interessanter Beitrag zu dem Thema „Soziale Arbeit im Digitalem Wandel“ ist in einem Bericht aus der Caritas Kampagne aus dem Jahr 2019 zu finden. In einem Zitat der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, welches sich in der Caritas Kampagne findet, heißt es „Digitale Teilhabe wird elementare Voraus­setzung gesellschaftlicher Teilhabe. Die digitale Transformation erfordert Anpas­sungsleistungen in allen Lebensbereichen; sie kann nur gelingen, wenn die Rich­tung der Entwicklungsdynamik als gestaltbar erlebt wird und unterschiedliche Ge­schwindigkeiten nicht zu uneinholbaren Vorsprüngen kleiner digitaler Eliten führen“. Dieses Zitat zeigt, dass es von großer Notwendigkeit ist, dass Mitarbeiter und vor allem die Klienten in dem Bereich der Sozialen Arbeit einen eigenen Gestaltungs­spielraum, sowie Mitbestimmungsrechte haben, um sich auf die digitale Transfor­mation einzustellen.

Ein besonderes Augenmerk in der Forschung ist auf die Service- und Pflegeroboter gerichtet. Der DiCV München arbeitet an dem Einsatz von Assistenzrobotern zur Unterstützung von pflegebedürftigen Menschen mit Behinderung im Alltag.

Auch ist die Rede von einem Medien Programm mit dem Titel „Medien-Kids“, wel­ches eine medienpädagogische Fortbildung vorsieht. Es soll nicht mehr darum ge­hen ab wann der Umgang mit den neuen Medien sinnvoll ist, sondern wie der Um­gang mit ihnen gestaltet werden kann.

Zuletzt soll es darum gehen wie der Anpassungsprozess und die Auswirkung auf die Strukturen aussehen könnte. Digitale Beratung rückt immer mehr in den Mittel­punkt und wird aufgrund der technologischen Vernetzung ein wichtiger Bestandteil der professionellen Beratung. Es wird ganz klar gesagt, dass in der digitalen Welt sozialen Dienstleistungen auch online zur Verfügung stehen müssen. Wie schon zuvor gesagt, müssen jedoch die technischen Vorrausetzungen dafür geschaffen werden. Eine weitere große Aufgabe wird es sein, die Professionalität bei der Um­stellung oder Ergänzung der digitalen Medien und Technologien zu gewährleisten (Beck, 2020).

3 Fragestellung der Bachelorarbeit

Ziel und Anlass dieser Bachelorarbeit ist es, zu untersuchen, welche Auswirkungen die neuen Medien wie Smartphones und Computer und andere fortschreitende Technologien auf die Soziale Arbeit haben. Außerdem werden die Methoden der Sozialen Arbeit mit dem Hintergrund des Digitalisierungsprozesses genauer be­leuchtet. Es gilt herauszufinden, ob die Grundsätze der Sozialen Arbeit mit der Di­gitalisierung zu vereinen sind und ob diese rasante Veränderung eine Chance oder Gefahr für den Bereich der Sozialen Arbeit darstellt. Weiterführend soll der Fokus dabei auf die Klienten gerichtet werden. Ist es im Prozess der Digitalisierung wei­terhin möglich, eine professionelle und qualitative Arbeit unter Berücksichtigung der Methode durchzuführen? Diese Bachelorarbeit soll eine Übersichtsarbeit zu dem Thema Digitalisierung in der Sozialen Arbeit darstellen und aktuelle und zukünftige Fragen zu dem Thema genauer beleuchten.

4 Methode und Vorgehensweise der Arbeit

Die Bachelorarbeit wird in Form einer Literaturarbeit verfasst. Grundlage für die Ar­beit bilden aktuelle Ergebnisse zu dem Thema „Digitalisierung in der Sozialen Ar­beit“, sowie Studien und weitere Quellen. Die verwendeten Informationen werden genutzt, um die Fragestellung dieser Arbeit zu beantworten und mit Hilfe verschie- denerwissenschaftlicherAussagen kritisch zu beleuchten.

Zu Erstellung dieser Arbeit ist es notwendig die Thematik zu analysieren, um Zu­sammenhänge deutlich zu machen. Die verwendenden Quellen dieser Arbeit erge­ben sich aus Bibliotheksdatenbanken, sowie der wissenschaftlichen Suchmaschine Google Scholar, bei der ausschließlich wissenschaftliche Artikel zur Verfügung ge­stellt werden. Außerdem werden Bücher der Humboldt-Universität und der Techni­schen Universität mit Hilfe einer Stichwortsuche hinzugezogen. Schlagwörter oder auch Themenbereiche z.B. wie Digitalisierung in der Sozialen Arbeit, Neue Medien und Technologien in der Sozialen Arbeit, Gefahren und Risiken der Digitalisierung insbesondere in dem Bereich der Sozialen Arbeit, sowie Auswirkungen auf die Me­thoden der Sozialen Arbeit werden recherchiert. Besonders gilt es bei dieser Arbeit darauf zu achten, dass die Quellen von höchster Aktualität sind, da die Digitalisie­rung und die damit verbundenen Medien und Technologien einem täglichen Verän­derungsprozess durchlaufen. Zusätzlich wird sich ein Teil der Arbeit mit möglichen Zukunftsszenarien beschäftigen und die wissenschaftlichen Vorstellungen werden miteinander verglichen. Bei den Ein- und Ausschlusskriterien wird besonders auf die Autoren, die Frage nach der Primär- und Sekundärquelle und dem Erschei­nungsjahr geachtet, da es ein sehr aktuelles Thema darstellt. Vorrangig wurde ver­sucht, in den genannten Bibliotheken primäre Literatur für die Recherche zu finden, jedoch war der Zugang zu den Bibliotheken stark eingeschränkt aufgrund des Co- vid-19 Virus. Aufgrund dieser Tatsache wurde an einigen Stellen Sekundärliteratur verwendet, an der normalerweise Primärliteratur eingesetzt werden würde. Dies wurde natürlich kenntlich gemacht.

5 Was ist unter dem Begriff Digitalisierung zu verstehen?

Im ersten Schritt dieser Arbeit soll die Frage geklärt werden, was unter dem Begriff Digitalisierung verstanden wird und wie sich die verschiedenen Aspekte und Ar­beitsbereiche in den Bereich der Sozialen Arbeit eingliedern.

Der Begriff Digitalisierung kann unter verschiedenen Gesichtspunkten definiert und beschrieben werden. Eine Definition aus dem Bereich der Informatik von Wolf und Strohehen (2018) geht davon aus, dass analoge Leistungserbringung durch die Leistungserbringung in einem digitalen und computerspezifischen Modell ganz oder teilweise ersetzt wird (Wolf & Strohschen, 2018, S. 56-64). Interessant ist auch die Erläuterung des wissenschaftlichen Beirates der Bundesregierung Globaler Um­weltveränderungen. In ihren Augen ist Digitalisierung das Zusammenwirken von Datenerfassung, Vernetzung, künstlicher Intelligenz und Robotik. Weiterführend ge­hen sie davon aus, dass diese Instrumente radikale Änderungen im persönlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben haben werden (WGBU, 2018, S. 1). Es lassen sich zusammengefasst in den letzten 30 Jahren zwei unterschiedliche Welle der Digitalisierung erkennen. Die erste Welle kennzeichnet die Übertragung von analogen Datenträgern in digitale, maschinell verarbeitete Daten die mittels ei­ner Datenbank gespeichert werden können. Die zweite Welle, macht die Daten für Maschinen verständlich und nutzbar, welche als die künstliche Intelligenz bezeich­net wird. Eine weitere Eigenschaft der zweiten Welle ist, dass Menschen den Ma­schinen ein eigenes Lernverhalten aneignen können oder sie sogar dazu befähigen können, sich unabhängig von dem Menschen selbst zu optimieren und weiterzu­entwickeln (e.V., 2017, S. 12).

In dem Bereich der Kinder- und Jugendarbeit ist es unerlässlich sich mit den digita­len Medien und der dazugehörigen Lebenswelt der Adressaten und Adressatinnen auseinanderzusetzen, da die Sozialen Medien großen Einfluss auf die Entwickelung von Kindern und Jugendlichen haben. Jedoch wirkt sich der Prozess der Digitalisie­rung auf alle Arbeitsbereiche der Sozialen Arbeit aus (Beranek, Hill, & Sagebiel, Digitalisierung und Soziale Arbeit-ein Diskursüberblick, 2019). „Mit Digitalisierung wird ein umfassender Wandel sozialer Systeme verbunden, der Ökonomisches, Technologisches und Soziales neu verbindet und zusammensetzt“ (Doerk, et al., 20, S. 1-2). Weiterführend zu dem, was Beranek, Hill & Sagebiel gesagt haben, lässt sich hinzufügen, dass die Digitalisierung die Lebenswelt der Klienten, sowie die in der Sozialen Arbeit professionell tätigen Menschen massiv beeinflusst. Die Frage nach den Machtverhältnissen, sozialer Gerechtigkeit und auch Teilhabe sind zu beachten, wenn es um die Digitaliserung in der Sozialen Arbeit geht (Doerk, et al., 20, S. 1-2).

Bei weiteren Erklärungsversuchen zu dem Begriff der Digitalisierung stößt man auch auf das Thema „Digitale Transformation“. Dazu zählen Bereiche wie das In­novationsmanagement und das Change-Management. Es geht um die Einführung von digitalen Technologien in Unternehmen oder auch Organisationen, was zur Folge hat, dass es große Veränderungen für die Mitarbeiter, die Unternehmens­struktur oder auch das Leistungsangebot hat. Ein Grundsatz der digitalen Transfor­mation ist es den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Es ist wichtig sich nach seinen Bedürfnissen, Wünschen aber auch der Meinung zu Veränderungsprozes­sen zu erkundigen. Ob ein eine digitale Transformation in einer Organisation erfolg­reich ist, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Die Frage der Führung, der Kul­tur oder auch der Kommunikation wird oftmals damit in Zusammenhang gebracht (Parthier, 2018, S. 3-20).

Nach der Klärung der Frage, was Digitalisierung bedeutet, soll nun Bezug darauf genommen werden, was die konkreten Mittel innerhalb der Digitalisierung sind.

6 Neue Medien und Technologien

Im Folgen soll ein Einblick geben werden, was unter den „neuen Medien“ zu verste­hen ist, sowie unter dem Begriff Medienkompetenz. Auch interessant, wenn von sozialer Arbeit und den neuen Medien gesprochen wird, ist die Medienpädagogik, da dieser Bereich in den letzten Jahren an Bedeutung zugenommen hat und sich in einem ständigen Veränderungs- und Anpassungsprozess befindet. Im letzten Schritt soll aufden Technologischen Fortschritt eingegangen werden.

6.1 Was ist unter den „neuen Medien“ zu verstehen?

Bevor auf die „neuen Medien“ Bezug genommen wird, soll im Vorfeld geklärt wer­den, was unter einem Medium zu verstehen ist. Hierzu gibt es zahlreiche Ansätze und Definitionen. Eine allgemeingültige Klarlegung dessen, was Medien sind, gilt es nicht. Hierzu kommt auch, dass die Medienentwickelung in den letzten Jahren stark an Tempo zu genommen hat. Aufgrund der Tatsache, dass Medien aus unserem Alltag nicht mehr weg zu denken sind, da sie nahezu jeder benutzt, wird die derzei­tige Epoche auch als Medien- und Informationszeitalter bezeichnet (Schellmann, Baumann, Gläser, & Kegel, 2017). Medien können in kognitive und kommunikative Werkzeuge eingeteilt werden und dienen, so wie wir sie heute kennen, als Werk­zeuge zur Verarbeitung, Speicherung und Übermittelung von Informationen. Petko (2014) sagt „Einerseits gibt es „Medien als Denken“ (Aebli,1994; Bruner, 1971), d.h. die gedanklichen Modi der Sprache, der bildhaften Vorstellungen und der Hand­lungsmunster, die allesamt auf unterschiedliche Weise dazu dienen, Wissen aufzu­bauen, es zu verarbeiten, abzurufen und zu nutzen. Andererseits gibt es „Medien der Kommunikation“, d.h. geäußerte Zeichen und materielle Zeichenträger, mit de­nen Menschen Gedanken und Botschaften austauschen (z.B. Ratzke, 1982; Ohler & Nieding, 2005) (Petko, 2014, S. 13). Diese beiden Definitionen verdeutlichen das im heutigen Zeitalter eine Wechselwirkung von individueller und kollektiver Informa­tionserarbeitung vorliegt und dies in dem Raum des sozialen Kontextes geschieht.

Der Begriff der „neue Medien“ hat sich in den letzten 30 Jahren stark gewandelt. Die damals neuen Technologien, wie die Einführung von Computern für die breite Masse, wurde abgelöst. Digitale Technologien bringen immer neue Anwendungs­möglichkeiten hervor. Was die „Neue Medien“ von den traditionellen Medien unter­scheidet ist zum einen die Interaktivität, Adaptivität und Multimedialität. Interaktivität zeichnet sich dadurch aus, dass durch Algorithmen das System, wie zum Beispiel ein Computer, mit dem Benutzer kommunizieren kann und die eingegebenen Daten dazu verwendet auf den Benutzer angepasste und hilfreiche Informationen anzu­zeigen. Adaptivität bezeichnet die Fähigkeit von Programmen einzuschätzen wie der Wissensstand des Benutzers aufgrund von bereits getätigten Eingaben ist und passt die Oberfläche individuell auf den Benutzer an. Die Kombination aus mehre­ren Medien wird als Multimedialität bezeichnet und vereint Beispielsweise in einem multimedialen Text Wort, den Ton, das Bild und den Film (Petko, 2014, S. 13-21).

6.2 Medienkompetenz

Interessant bei der Betrachtung der Digitalisierung in Bezug auf das Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit ist auch die Medienkompetenz. Erst ab Mitte der 1990er Jahre mit der Verbreitung des „World Wide Web“ wurde dem Begriff der Medienkompetenz Aufmerksamkeit geschenkt. Die Forderung nach mehr Medienkompetenz galt zu­nächst für die Schule und das Elternhaus, gefolgt von Kindertagesstätten, so wie der medialen Weiterbildung von Auszubildenden, aber auch Senioren und Senio­rinnen. Es geht um ein Grundverständnis bezüglich Mediennutzung, der richtigen Anwendung von Medien und speziell mit Hinblick auf die Zukunft, die digitalen Me­dien, wie der Computer und die Nutzung des Internets (Gapski, Oberle, & Staufer, 2017, S. 18). Parthier (2018) erwähnte in seinem Artikel aus der Zeitschrift Itmanag- ment mit dem Titel „Digitale Transformation“, das Digitale Transformation in einer Organisation von verschiedenen Faktoren wie der Führung, Kommunikation oder auch Kultur abhängig ist. Zu diesem genannten Punkt lässt sich außerdem die Me­dienkompetenz hinzufügen. Die Alltags- und Lebenswelt der Klienten ist, wie der von den Sozialarbeitern und Sozialarbeiterinnen, von digitalen Medien geprägt und fordert von beiden Seiten Kompetenzen. Die Herausforderung für Klienten besteht darin, bei der Nutzung von digitalen Medien, Wissen und Kompetenzen abzurufen, um professionelle Hilfe in Anspruch nehmen zu können. Die Sozialarbeiter und So­zialarbeiterinnen müssen in ihrer täglichen Arbeit den Umgang mit den Medien, spe­ziell den digitalen Medien, beherrschen, um den Anforderungen einer digital ge­stützten professionellen Arbeit gerecht zu werden (Silier, Tillmann, & Zorn, 2020, S. 315). Medienkompetenz kann somit als eine Fähigkeit bezeichnet werden und be­schreibt die „in die Welt aktiv aneignender Weise auch alle Arten von Medien für das Kommunikations- und Handlungsrepertoire einzusetzen“ (Baake, 1996, S. 119). Grundlegende und notwendige Rahmenbedingungen für die soziale Teilhabe und Partizipation rücken mit der Verbreitung der digitalen Medien immer mehr in den Vordergrund. Dazu gehört auch die Medienkompetenz (Buckingham, 2003, S. 2).

6.3 Medienpädagogik

Im Zuge der Digitalisierung hat der Bereich der Medienpädagogik immer mehr an Bedeutung zugenommen. In diesem Kapitel soll der Frage auf den Grund gegangen werden, warum die Medienpädagogik für Bildungsinstitutionen in dem sozialen, pä­dagogischen und kulturellen Bereich so wichtig geworden ist. Bevor auf die aktuelle Entwickelung eingegangen wird, soll in einigen Sätzen der Begriff Medienpädagogik erklärt werden. Als einer der Ersten, der sich mit der Medienpädagogik im schuli­schen Rahmen auseinandergesetzt hat und konkrete Aufgabenfelder der Medien­pädagogik definiert hat, war Gerhard Tulodziecki. Er umschreibt die Medienpäda­gogik als eine „Gesamtheit aller pädagogisch relevanten handlunganleitenden Überlegungen mit Medienbezug, einschließlich ihrer empirischen, theoretischen und normativen Grundlagen“ (Tulodziecki, 1989, S. 21). Diese Definition lässt sich auch auf die heutige Ausrichtung der Medienpädagogik übertragen und zeigt eine umfassende Wirkung in allen sozialen Bereichen. Es hat eine Verlagerung stattge­funden, konzentrierte man sich früher in der Medienpädagogik noch auf Medien wie Filme, Fernsehen und Computer, dominiert der heutige tägliche Gebrauch die Nut­zung des Internet und der Smartphones (Hajok & Fleischer, Einführung in die medienpädagogische Praxis und Forschung, Kinder und Jugendliche im Spannungsfeld der Medien, 2016, S. 15-17).

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Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Digitalisierung in der Sozialen Arbeit. Auswirkungen und Anspruch
Hochschule
MSB Medical School Berlin - Hochschule für Gesundheit und Medizin
Note
2,5
Autor
Jahr
2020
Seiten
36
Katalognummer
V937720
ISBN (eBook)
9783346266569
ISBN (Buch)
9783346266576
Sprache
Deutsch
Schlagworte
digitalisierung, sozialen, arbeit, auswirkungen, anspruch
Arbeit zitieren
Marvin Grote (Autor), 2020, Digitalisierung in der Sozialen Arbeit. Auswirkungen und Anspruch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/937720

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