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Ludwig Tieck als Anti-Illusionist?

Title: Ludwig Tieck als Anti-Illusionist?

Term Paper , 2008 , 21 Pages , Grade: 1.0

Autor:in: Viktoria Groepper (Author)

German Studies - Modern German Literature
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"Ist es denn eine Oper?" […] "Ein Kindermärchen?" […] "Am Ende ist es ein ordentliches Familiengemälde, […]" "Ein Revolutionsstück, so viel ich begreife." […] "Aber wie kann man denn solch Zeug spielen?" Der Verfasser des Theaterstücks 'Der gestiefelte Kater' ist der Aufklärer, Romantiker und Realist Ludwig Tieck. Das Stück besitzt den Nebentitel ‚Ein Kindermärchen in drei Akten‘, und ist damit der Bezeichnung zufolge ein Märchen. Das Theaterstück entstand zur Zeit der Frühromantik, erstmals veröffentlicht wurde es 1797, eine zweite Fassung wurde 1911 herausgegeben. Ursprünglich von einem Märchen stammend, handelt es von einem wie ein Mensch denkenden und sprechenden Kater, welcher durch eine List dem Müllerssohn Gottlieb auf den Thron verhilft. Durch einige Änderungen und Erweiterungen hat Tieck dem Märchen ein neues ironisches, gar satirisches Gesicht verliehen. Da der Autor Tieck sich seiner Zeit und seinen Werken zufolge unterschiedlichen Epochen zuordnen lässt und diese sich auch überschneiden, stellt sich nun die Frage, von welcher Strömung und Denkweise 'Der gestiefelte Kater' am stärksten durchzogen ist, und was ihn als ein Stück der Romantik oder der Aufklärung auszeichnet. Viele unterschiedliche, sich teilweise widersprechende Züge sind in dem Stück aufzufinden. Mit vielen Begriffen lässt sich 'Der gestiefelte Kater' beschreiben, es handelt sich dabei, wie bereits erwähnt, um ein abgewandeltes Märchen, ein Theaterstück, eine Komödie, eventuell auch um eine Satire, ein Revolutionsstück? Für jede dieser Annahmen lassen sich Thesen finden. Interessant ist, welche Forderungen Tieck selbst an Literatur, insbesondere an Komödien stellte, und ob er diese in seinem eigenen Werk befolgt hat. Dabei soll sein Aufsatz 'Über Shakespeare‘s Behandlung des Wunderbaren' aus den Schriften von 1789 bis 1794 zu Hilfe gezogen werden. Hierin hat Tieck Maximen aufgestellt, welche eine wirklich gute Komödie oder Tragödie aufzuweisen hat, um ihren Zuschauern glaubhaft das Wunderbare zu vermitteln. Tieck zufolge beherrschte nur Shakespeare diese Kunst und zeichnete sich dadurch als Genie aus. Das ‚Wunderbare‘ wird hier im romantischen Sinn verstanden, es handelt sich dabei um Übernatürliches, Unerklärliches, Verzaubertes, auch Erschreckendes und Geisterhaftes. Erstaunlich ist, wie Tieck von seinen eigens aufgestellten Thesen über das Wunderbare abweicht, wie er mit ihnen spielt...

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Shakespeares Behandlung des Wunderbaren – Thesen

3. ‚Der gestiefelte Kater‘

3.1 Der Kater Hinze

3.2 Das Wunderbare im ‚Gestiefelten Kater‘

3.3 Inwiefern ist Tiecks Stück Satire?

3.4 Illusionsdurchbrechung

4. Tieck als Anti-Illusionist? - Ausblick

5. Quellenangabe

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Theaterstück „Der gestiefelte Kater“ von Ludwig Tieck hinsichtlich seiner literarhistorischen Einordnung. Im Zentrum steht die Analyse, inwiefern Tieck das Märchen durch ironische und satirische Mittel verfremdet, wie er die Illusion des Zuschauers gezielt durchbricht und in welchem Verhältnis das Stück zu Tiecks eigenen theoretischen Thesen über Shakespeare und das Wunderbare steht.

  • Analyse der ästhetischen Thesen Ludwig Tiecks zum „Wunderbaren“.
  • Untersuchung der Figur des Katers Hinze als zentrale Treibkraft.
  • Interpretation der satirischen Elemente (Theater-, Gesellschafts- und Politsatire).
  • Untersuchung der Illusionsdurchbrechung und Verfremdungseffekte.
  • Einordnung Tiecks als Romantiker im Spannungsfeld der Epochen.

Auszug aus dem Buch

3.1 Der Kater Hinze

Tiere haben in den Erzählungen vieler Epochen bereits eine große Rolle gespielt. In Märchen werden Menschen oft zu Tieren verwandelt, sie können sprechen und besitzen menschliche Charaktereigenschaften. Oft geschieht diese Verwandlung als Strafe oder wurde durch einen Fluch ausgelöst, oder aber sie fungiert als Tarnung. Handelt es sich bei den vorkommenden Tieren nicht um einen verwandelten Menschen, spielen sie keine tragende Rolle, sondern kommen eher am Rande vor und sind ausschließlich märchenhaft und von einem Zauber umgeben. In Fabeln stehen Tiere symbolisch für bestimmte Charaktereigenschaften, ihr Verhalten wird rationalisiert, sie sollen Moral vermitteln. Die Aufklärung hatte zwar wenig Verständnis für wahre Märchenhaftigkeit, Fabeln waren jedoch sehr beliebt. Im alten Volksglauben stehen die Katze oder der Kater zumeist im Bunde mit dem Teufel, sie sind intelligent und geheimnisvoll, aber insgesamt ein schlechtes Omen. Tierfiguren haben auch schon in den orientalischen Märchen und den Komödien des Aristophanes eine wichtige Rolle gespielt, auch im deutschen Mittelalter gehen Tierepos und Moralsatire Hand in Hand. In den Erzählungen und Theaterstücken der neueren Zeit spielen sie jedoch keine größere Rolle mehr, sie treten nicht mehr als die treibende Kraft auf, höchstens als Randfiguren. In Tiecks Version des Gestiefelten Katers jedoch ist Hinze der Protagonist und die treibende Kraft des Stückes. Er ist es, welcher durch Intelligenz und List seinem eigenen Tod entkommt, da er dem Müllerssohn zuerst nutzlos erscheint und dieser in Erwägung zieht ihn zu einem Muff für den Winter verarbeiten zu lassen. Er denkt und spricht, wenn auch immer wieder tierische Charaktereigenschaften an die Oberfläche dringen, zum Beispiel wenn der Kater Kaninchen jagt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt den Autor Ludwig Tieck und das Werk „Der gestiefelte Kater“ vor und formuliert die zentrale Fragestellung zur literarhistorischen Einordnung und den eingesetzten Verfremdungsmitteln.

2. Shakespeares Behandlung des Wunderbaren – Thesen: Dieses Kapitel arbeitet zehn theoretische Regeln Tiecks für Komödien und Tragödien heraus, die als Maßstab für die spätere Analyse des Hauptwerkes dienen.

3. ‚Der gestiefelte Kater‘: Dieser Abschnitt analysiert die Funktion der Tierfigur Hinze, das Verständnis des Wunderbaren im Stück sowie die verschiedenen satirischen Ausprägungen und die Technik der Illusionsdurchbrechung.

3.1 Der Kater Hinze: Hier wird die Rolle von Tieren in der Literaturgeschichte mit der speziellen, als treibende Kraft agierenden Figur des Katers Hinze bei Tieck verglichen.

3.2 Das Wunderbare im ‚Gestiefelten Kater‘: Das Kapitel untersucht die wenigen wunderbaren Elemente im Stück und stellt fest, dass diese durch die Enttarnung der Schauspieler als solche ihre Wirkung verlieren.

3.3 Inwiefern ist Tiecks Stück Satire?: Der Text untersucht das Stück als Theater-, Gesellschafts- und Politsatire, unterstützt durch ein fiktives, kritisches Publikum innerhalb der Handlung.

3.4 Illusionsdurchbrechung: Dieses Kapitel prüft den Vergleich der von Tieck aufgestellten Thesen mit seinem tatsächlichen Werk und stellt fest, dass die Illusion für den realen Zuschauer durch gezielte Desillusionierung aufgehoben wird.

4. Tieck als Anti-Illusionist? - Ausblick: Der abschließende Ausblick ordnet Tieck als Romantiker ein, der die Regeln der Literatur ignoriert und das Theater als ein Spiel mit sich selbst begreift.

5. Quellenangabe: Hier werden die verwendeten Primär- und Sekundärliteraturquellen aufgeführt.

Schlüsselwörter

Ludwig Tieck, Der gestiefelte Kater, Romantik, Aufklärung, Shakespeare, Wunderbares, Satire, Illusionsdurchbrechung, Verfremdungseffekt, Komödie, Literaturwissenschaft, Theatersatire, Kater Hinze, Dramentheorie, Epochenumbruch.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit analysiert Ludwig Tiecks Theaterstück „Der gestiefelte Kater“ im Hinblick auf seine literarische Einordnung und die Verwendung von Illusionsdurchbrechung sowie Satire.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Felder sind die Definition des „Wunderbaren“ nach Tieck, die Funktion des fiktiven Publikums und die satirische Auseinandersetzung mit zeitgenössischen dramatischen Konventionen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage untersucht, inwiefern Tieck das Märchen verfremdet, zu welchen Mitteln er dafür greift und ob er durch die ständige Durchbrechung der Illusion eher als Romantiker denn als Aufklärer zu verstehen ist.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, bei der Tiecks eigene theoretische Schriften über Shakespeare und das „Wunderbare“ als interpretativer Rahmen auf sein eigenes Theaterstück angewendet werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst Tiecks Thesen zu Shakespeare expliziert, gefolgt von einer detaillierten Untersuchung des „Gestiefelten Katers“, wobei Figurenkonstellation, Satire-Aspekte und die Illusionsbrüche im Fokus stehen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Ludwig Tieck, Theatersatire, Illusionsdurchbrechung, Romantik, Verfremdungseffekt und die Poetologie des Wunderbaren.

Warum spielt die Figur des Katers Hinze eine besondere Rolle?

Hinze fungiert nicht als bloße märchenhafte Randfigur, sondern als aktiver Protagonist und treibende Kraft des Stücks, der durch seine Intelligenz und List den Handlungsverlauf dominiert und gleichzeitig als Schauspieler im Stück enttarnt wird.

Welche Funktion hat das „fiktive Publikum“ im Stück?

Das fiktive Publikum, das das Stück während der Aufführung kommentiert, dient als zentrales satirisches Mittel, um die Illusionsbildung des realen Publikums von Beginn an zu unterlaufen und den Zuschauer ständig an die Künstlichkeit des Theaters zu erinnern.

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Details

Title
Ludwig Tieck als Anti-Illusionist?
College
University of Regensburg  (Institut für Germanistik)
Course
PS II Poetik des Wunderbaren
Grade
1.0
Author
Viktoria Groepper (Author)
Publication Year
2008
Pages
21
Catalog Number
V93778
ISBN (eBook)
9783638070430
ISBN (Book)
9783638957403
Language
German
Tags
Ludwig Tieck Anti-Illusionist Poetik Wunderbaren Shakespeare Illusion wunderbar Wunderbare William Romantik Der gestiefelte Kater Märchen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Viktoria Groepper (Author), 2008, Ludwig Tieck als Anti-Illusionist?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93778
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