1. Die wissenschaftliche Aufgabe der Moralphilosophie: Begründungen finden
In dieser Arbeit möchte ich mich mit dem Thema der Moralphilosophie beschäftigen, um so einen Vorschlag zur Begründung von Moral zu erarbeiten, der nicht nur auf natürliche Grundlagen des menschlichen Wesens zurückgreift, sondern auch die Rationalität als Grund für gemeinschaftsförderliche Handlungen annimmt.
Nachdem die Rolle der Philosophie im Kampf um eine Moralbegründung verdeutlicht wurde, gehe ich zunächst zur Begründungsfrage nach dem ‚Warum’ über. Im Zuge der ersten Überlegungen zur Moralbegründung im Allgemeinen, bot sich ein grundlegender Skeptizismus an, der gegenüber allen menschlichen Gebilden, Erfindungen und Gedankengängen nicht mit kritischer Aufmerksamkeit spart. Sodann stellte sich mir die Frage, was diesen Skeptizismus begründet. So kam ich zu dem Schluss, die These zu formulieren, dass der Mensch ein Individuum in der Gesellschaft ist und die Moral als Mittel für ein möglichst erträgliches Zusammenleben gilt. [...]
Um die Erfahrungswissenschaften (empirische Wissenschaften) zu stärken, stützt sich mein Vorschlag zur Moralbegründung in weiten Teilen darauf, was die naturalistische Ethik auf den Plan ruft. Diese Position möchte ich dann darlegen, indem der Begriff der Moral geklärt und grundsätzlich festgehalten wird: der Mensch ist in erster Linie notwendig ein biologisches Wesen aus Fleisch und Blut. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Die wissenschaftliche Aufgabe der Moralphilosophie: Begründungen finden
1.1 „Felix, qui potuit rerum cognoscere causas.“ – moralphilosophische Geltungsansprüche
1.2 Der erkenntnistheoretische Anthropozentrismus als Ausgangsbasis von moralischen Begründungsversuchen
2. Begründungsansätze für Moral
2.1 Kants deontologischer Begründungsversuch – eine normative Ethik
2.2 Der pragmatische Begründungsversuch – ein moralisches Gefühl
3. Die naturalistische Ethik – soziobiologische Grundlagen und moralischer Anspruch
3.1 Rationalitätsansprüche und Moralkriterien
3.2 Der Mensch – ein Individuum im Gemeinwesen
3.3 Versuch einer Abgrenzung zu Foot und McDowell
4. Die Fähigkeit moralischer Abstraktion – ein naturalistisches Modell pragmatischer Moralbegründung
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, einen auf naturalistischen Grundlagen basierenden Begründungsansatz für Moral zu entwickeln, welcher die menschliche Vernunft und soziale Konventionen als Mittel für ein erträgliches gesellschaftliches Zusammenleben integriert.
- Erkenntnistheoretischer Anthropozentrismus als methodische Basis
- Kritik an deontologischen und rein pragmatischen Moralbegründungen
- Verknüpfung von soziobiologischen Erkenntnissen mit moralischen Normen
- Konzept der „moralisch-künstlichen Rationalität“
- Rolle von Erziehung und Kommunikation für die Stabilität moralischer Standards
Auszug aus dem Buch
3.2 Der Mensch – ein Individuum im Gemeinwesen
Die Menschen sind – und diese Bemerkung mögen mir die institutionalisierten Religionen verzeihen – Wesen aus Fleisch und Blut und keine moralisch tugendhaft handelnden Engel. Manche Dinge können sie wahrnehmen, mache auch nicht. Manchmal ist der Mensch ein moralisch Handelnder, manchmal nicht. Gewiss können solche moralischen Handlungen gute und damit richtige Handlungen sein, jedoch ohne das Bestehen einer Notwendigkeit darin.
„Unsere biologischen Erkenntnisse geben uns vermehrt Aufschluss darüber, wie diese Wahrnehmungsvorgänge ablaufen“. „Der Mensch ist ein moralisch ambivalentes Wesen.“
Angenommen also, es gibt moralische Werte in der Welt, die vom Menschen konstruiert und einem ständigen Wandel unterworfen sind, so ist die Wahrnehmung dieser Werte die eigentliche Frage nach dem Grund der Moral. Und wahrgenommen werden kann die Welt nur durch die natürlichen Bausteine (z.B. Sinneszellen) des Menschen. Ein Mensch, der zwar um die Bedeutung des Begriffs des Versprechen Gebens und Haltens weiß, sich aber bewusst gegen diese Bedeutung entschieden hat – und das Versprechen bricht – hat sich aus freien Stücken bewusst dafür entschieden. Normen und Werte haben nur dann eine moralische Bedeutung in einer Gesellschaft, wenn die betroffenen menschlichen Individuen auch danach handeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die wissenschaftliche Aufgabe der Moralphilosophie: Begründungen finden: Einführung in die Problematik der Moralbegründung unter Einbeziehung des erkenntnistheoretischen Anthropozentrismus.
2. Begründungsansätze für Moral: Kritische Gegenüberstellung des kantischen Deontologismus und eines pragmatischen, gefühlsbasierten Moralverständnisses.
3. Die naturalistische Ethik – soziobiologische Grundlagen und moralischer Anspruch: Untersuchung biologischer Basisvorgänge des Sozialverhaltens und deren Bedeutung für moralische Normen unter Abgrenzung zu anderen Positionen.
4. Die Fähigkeit moralischer Abstraktion – ein naturalistisches Modell pragmatischer Moralbegründung: Präsentation des eigenen Modells, das Moral als künstliches, durch natürliche Rationalität begründetes Konstrukt zur Gemeinschaftssicherung definiert.
5. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Moral als dynamisches Instrument des Zusammenlebens, das im Menschen verwurzelt ist und durch Erziehung sowie kulturelle Entwicklung stetig angepasst wird.
Schlüsselwörter
Moralbegründung, Naturalismus, Anthropozentrismus, Rationalität, Soziobiologie, Ethik, Gesellschaft, Normen, menschliche Natur, Erziehung, Pragmatismus, Freiheit, moralisches Handeln, Erkenntnistheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Suche nach einer wissenschaftlich fundierten Begründung für Moral, die ohne metaphysische oder religiöse Autoritäten auskommt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die erkenntnistheoretischen Voraussetzungen des Menschen, die naturalistische Ethik, die Rolle der Soziobiologie sowie die Funktion von Moral als notwendiges Instrument für das Zusammenleben.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Ausarbeitung eines Modells, das die Fähigkeit zur moralischen Abstraktion als eine Form pragmatischer Rationalität auf naturalistischer Basis erklärt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine methodisch-analytische Herangehensweise, die philosophische Begründungsmuster mit Erkenntnissen aus Naturwissenschaften und Soziobiologie verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert bestehende Ethik-Modelle (Kant, Pragmatismus), beleuchtet biologische Grundlagen menschlichen Verhaltens und entwickelt daraus ein eigenes Modell der „moralisch-künstlichen Rationalität“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Kernbegriff Moralbegründung sind es vor allem Begriffe wie Anthropozentrismus, Rationalität, Soziobiologie und die Unterscheidung zwischen natürlicher und künstlicher Ordnung.
Wie unterscheidet der Autor zwischen moralischem und natürlichem Defekt?
Ein natürlicher Defekt liegt bei biologischen Funktionsstörungen vor, während ein moralischer Defekt als bewusste, individuelle Entscheidung gegen geltende gesellschaftliche Normen gewertet wird.
Warum lehnt der Autor eine metaphysische Moralbegründung ab?
Weil metaphysische Begründungen sich laut Autor einer rationalen Überprüfung entziehen und zu einem Absolutheitsanspruch führen, der der individuellen Aufklärung entgegensteht.
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- Patrick Große (Author), 2007, Wie lässt sich Moral begründen? – Ein Modell pragmatischer Rationalität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93790