Zuerst werden die Ereignisse im Golf von Tonkin geschildert und untersucht, da dieser Vorfall maßgeblich für den direkten militärischen Eintritt der USA in den Konflikt war. Anschließend soll die Rede, welche Johnson unmittelbar nach dem Vorfall gab, analysiert und auf Begründungen und Motive hinsichtlich der ersten militärischen Intervention in Vietnam untersucht werden. Im Folgenden soll eine zweite Rede vom April 1965 herangezogen und darauf untersucht werden, wie sich die Begründungen und Motive des Präsidenten geraume Zeit später entwickelten. Zuletzt folgt eine Zusammenfassung der vorgebrachten Ergebnisse.
Die Forschung zu diesem Themenkomplex produzierte über die Jahre zahlreiche Abhandlungen von ausgezeichneter Qualität. Der erste Teil dieser Arbeit stützt sich hauptsächlich auf die Monographie des damaligen Secretary of Defense, Robert S. McNamara, da diese einen umfassenden und selbstkritischen Rückblick auf wichtige Ereignisse der besagten Zeit zu geben versucht. Durch seine Position gibt dieses Werk wertvolle Informationen von den höchsten politischen Entscheidungsträgern der damaligen Zeit wieder. Eine weitere, hier verwendete Monographie ist die von Gary R. Hess. Er fokussiert sich auf die Entscheidungen und Begründungen von Präsidenten zu Kriegseintritten, was bei dieser Arbeit ebenfalls im Vordergrund stehen soll. Des Weiteren finden Abhandlungen von Bernd Greiner Verwendung, da diese gute Ergebnisse zur Ideologie des Krieges und zur Forschung über die Beteiligten liefern. Sonstige Belege sind dem Werk von Edwin E. Moise entnommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Quellenkorpus
3. Der Golf-von-Tonkin-Vorfall: Kriegseintritt unter falschem Vorwand?
3.1 Die Vorgänge vom 30. Juli bis zum 04. August 1964
4. Johnson’s erstes Statement zur militärischen Intervention in Vietnam
5. Vietnam als ein heißer Krieg im kalten Krieg
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die rhetorische Begründung und die Motive hinter der militärischen Eskalation des Vietnam-Konflikts durch Präsident Lyndon B. Johnson im Zeitraum von 1964 bis 1965. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Johnson durch die Instrumentalisierung des Golf-von-Tonkin-Vorfalls sowie die Verknüpfung des Vietnam-Kriegs mit dem globalen ideologischen Antagonismus des Kalten Krieges die direkte militärische Intervention der USA legitimierte.
- Analyse der Rolle des Golf-von-Tonkin-Vorfalls als Auslöser für den US-Kriegseintritt.
- Untersuchung der rhetorischen Strategien in den Ansprachen Johnsons vom August 1964 und April 1965.
- Darstellung der amerikanischen Perzeption von Nordvietnam als Aggressor und Kommunismus-Vertreter.
- Verknüpfung der Vietnam-Politik mit der Dominotheorie und der globalen Außenpolitik der USA.
- Kritische Beleuchtung des Spannungsfelds zwischen deeskalativer Rhetorik und tatsächlicher militärischer Expansion.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Vorgänge vom 30. Juli bis zum 04. August 1964
„The closest the United States came to a declaration of war in Vietnam”, so beginnt McNamara sein Kapitel über den Zeitraum vom 30. Juli bis zum 7. August 1964, “was the Tonkin Gulf Resolution of August 1964.”21 Die besagte Resolution wurde als Reaktion auf den sogenannten Golf-von-Tonkin-Vorfall in Kraft gesetzt und gab dem Präsidenten Autorisierung für militärische Aktionen in Vietnam nach seinem Ermessen. Dies ließ den Krieg auf amerikanischer Seite eskalieren. Die Ereignisse im Golf von Tonkin sowie die folgende Resolution wurden damals und werden bis heute jedoch von vielen Leuten „as the most controversial period of the ‚Twenty-five-year War‘“22 angesehen. War diese Übertragung von Macht auf den Präsidenten vor dem Hintergrund ungesicherter Vorfälle also gerechtfertigt?
Zum Verständnis der Situation muss man sich der Ausgangslage sowie der genauen Rolle der US-amerikanischen Schiffe bewusst sein. Im Januar 1964 hatte das National Security Council (NSC) Vorgänge der CIA in Vietnam autorisiert. Genauer gesagt, handelte es sich um die Unterstützung verdeckter Operationen Südvietnams gegen Nordvietnam. Diese Operationen standen unter dem Codenamen „Plan 34A“.23 Bestandteil hiervon waren zum Einen Aufklärungs- und Sabotagemissionen südvietnamesischer Agenten in Nordvietnam sowie zum Anderen schnelle Angriffe gegen nordvietnamesische Inselziele, ausgeführt durch Schnellboote.24
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert den historischen Kontext des Vietnam-Konflikts, die Rolle des Kalten Krieges sowie die Zielsetzung der Arbeit, Johnsons Begründungen für die Eskalation zu analysieren.
2. Quellenkorpus: Dieses Kapitel stellt die primären Quellen vor, bei denen es sich um zwei zentrale Fernsehansprachen von Präsident Lyndon B. Johnson zur Vietnam-Thematik handelt.
3. Der Golf-von-Tonkin-Vorfall: Kriegseintritt unter falschem Vorwand?: Dieses Kapitel untersucht die umstrittenen Ereignisse im Golf von Tonkin, die den unmittelbaren Anlass für die Tonkin-Gulf-Resolution und die Eskalation bildeten.
3.1 Die Vorgänge vom 30. Juli bis zum 04. August 1964: Hier werden die spezifischen militärischen Operationen und der Ablauf der Zwischenfälle zwischen US-amerikanischen Zerstörern und nordvietnamesischen Kräften detailliert betrachtet.
4. Johnson’s erstes Statement zur militärischen Intervention in Vietnam: Analyse der ersten Rede Johnsons, in der er den militärischen Einsatz als Reaktion auf vermeintliche Angriffe legitimiert und ein Feindbild gegen Nordvietnam konstruiert.
5. Vietnam als ein heißer Krieg im kalten Krieg: Dieses Kapitel behandelt die zweite Rede Johnsons, in der er den lokalen Konflikt in Vietnam mit dem globalen Kampf gegen den Kommunismus und der Dominotheorie verknüpft.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse, wonach Johnsons Begründungen teilweise auf falschen Fakten basierten und rhetorisch geschickt mit amerikanischen Werten verknüpft wurden.
Schlüsselwörter
Lyndon B. Johnson, Vietnam-Krieg, Golf-von-Tonkin-Vorfall, Kalter Krieg, Dominotheorie, Militärintervention, Außenpolitik USA, Rhetorik, Eskalation, Nordvietnam, Kommunismus, Kriegsbegründung, Tonkin-Gulf-Resolution, Robert S. McNamara, Stellvertreterkrieg.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit den Begründungen und Motiven, die Präsident Lyndon B. Johnson für die direkte militärische Intervention und Eskalation des US-Engagements im Vietnam-Krieg zwischen 1964 und 1965 anführte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Ereignisse rund um den Golf-von-Tonkin-Vorfall, die rhetorische Konstruktion eines Feindbildes gegenüber Nordvietnam sowie die Einbettung des Krieges in den globalen Ideologiekonflikt des Kalten Krieges.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Publikation?
Ziel ist es, kritisch aufzuzeigen, wie die US-Administration unter Johnson ungesicherte Informationen nutzte, um militärische Schritte zu rechtfertigen und das amerikanische Volk durch gezielte Rhetorik und die Dominotheorie von der Notwendigkeit des Krieges zu überzeugen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt primär die Analyse von historischen Reden und deren Abgleich mit der faktenbasierten Quellenlage, um die Diskrepanz zwischen politischer Rhetorik und den tatsächlichen Ereignissen herauszuarbeiten.
Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Golf-von-Tonkin-Vorfalls, die rhetorische Analyse von zwei zentralen Reden Johnsons aus den Jahren 1964 und 1965 sowie die ideologische Einordnung Vietnams in den Kalten Krieg.
Durch welche Schlagworte lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Vietnam-Krieg, politische Rhetorik, Eskalationsstrategie, Dominotheorie, militärische Intervention und Präsidentenentscheidungen charakterisiert.
Inwiefern spielte der Golf-von-Tonkin-Vorfall eine Schlüsselrolle?
Er diente als direkter Auslöser für die sogenannte Tonkin-Gulf-Resolution, die dem Präsidenten weitgehende Befugnisse für militärische Aktionen gab, obwohl die Faktenlage bezüglich der Angriffe unklar war.
Wie veränderte sich Johnsons Rhetorik zwischen 1964 und 1965?
Während die Rede von 1964 primär auf die unmittelbare Rechtfertigung der Angriffe im Golf von Tonkin abzielte, erweiterte Johnson die Argumentation 1965 auf eine globale Ebene, indem er den Vietnam-Konflikt als essenziellen Kampf gegen die weltweite Expansion des Kommunismus darstellte.
- Arbeit zitieren
- Christoph Zistler (Autor:in), 2018, Präsident Lyndon B. Johnson und die Eskalation des Vietnam-Konfliktes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/937961