„Hört ihr die Kinder weinen? – Hört ihr die Kinder lachen?“, der Titel meiner Hausarbeit und des dazu gehörten Referats thematisiert den Buchvergleich des Buches „Hört ihr die Kinder weinen – Eine psychogenetische Geschichte der Kindheit“ herausgegeben von dem Historiker Lloyd deMause, in fünfjähriger Zusammenarbeit mit einigen anderen Historikern geschrieben, mit dem Buch „Hört ihr die Kinder lachen? – Zur Kindheit im Spätmittelalter“, herausgegeben von Elisabeth Loffl-Haag. Das Leben eines Kindes zur Zeit des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit wird in deMaues Buch überwiegend negativ, traurig und schwer dargestellt, während sich Loffl-Haag um ein positiveres Bild von Kindheit im Spätmittelalter bemüht. Diese verschiedenen Darstellungen möchte ich in meiner Arbeit herausstellen, vergleichen und vor allem die Wiederlegungen einiger verschwärzlichten Auffassungen des Mittelalters, welche Loffl-Haag leistet in den Vordergrund stellen.
Säuglingspflege
Um die Säuglingspflege des Spätmittelalters zu rekonstruieren, hat sich Elisabeth Loffl-Haag mehrere Hebammenbücher zur Quelle genommen, deren Existenz allein schon Anzeichen für eine intensive Beschäftigung mit der Gesundheit und Pflege der Säuglinge ist. Diese Hebammenbücher aus dem 15. und 16. Jahrhundert, wie zum Beispiel „Das Regiment der jüngeren Kinder“ von einem Arzt namens Bartholomäus Metlinger von 1473, auf welches sich Loffl-Haag besonders bezieht, waren medizinische Ratgeber für Hebammen und gaben zugleich praktische Hinweise für die Eltern selbst. Jedoch lassen sich kaum Rückschlüsse auf die Verbreitung dieser Bücher ziehen, da deren Exemplare nicht mehr erhalten sein können. Die einzigen Anhaltspunkte hierfür geben die Anzahlen der Auflagen und die Nachdrucke der Hebammenbücher. Die Existenz dieser lässt sich auf jeden Fall nicht leugnen.
In den Büchern werden Anweisungen gegeben, welche von den heutigen üblichen Vorgehensweisen bei der Pflege eines Neugeborenen teilweise kaum abweichen. Es werden präzise Anleitungen zu der Körperpflege gegeben. „Danach wurde das Kind in lauwarmen Wasser gebadet.“ „Nach dem Baden sollte das Kind wiederum eingesalbt werden, diesmal mit Rosenöl oder Myrrthenöl.“
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Säuglingspflege
Kindererziehung
Kinderspielzeug und Kinderspiele
Rechtsstellung des Kindes
Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die konträren Darstellungen der Kindheit im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit kritisch zu vergleichen, wobei der Fokus insbesondere auf der Widerlegung der überwiegend negativen und als verschwärzlicht kritisierten Auffassungen durch einen kontrastierenden Buchvergleich liegt.
- Vergleich konkurrierender historischer Forschungsansätze zur Kindheit
- Analyse der Säuglingspflege und Erziehungspraktiken
- Untersuchung von Kinderspielzeug und Spielverhalten
- Rechtliche Stellung und Schutz des Kindes im Mittelalter
Auszug aus dem Buch
Säuglingspflege
Um die Säuglingspflege des Spätmittelalters zu rekonstruieren, hat sich Elisabeth Loffl-Haag mehrere Hebammenbücher zur Quelle genommen, deren Existenz allein schon Anzeichen für eine intensive Beschäftigung mit der Gesundheit und Pflege der Säuglinge ist. Diese Hebammenbücher aus dem 15. und 16. Jahrhundert, wie zum Beispiel „Das Regiment der jüngeren Kinder“ von einem Arzt namens Bartholomäus Metlinger von 1473, auf welches sich Loffl-Haag besonders bezieht, waren medizinische Ratgeber für Hebammen und gaben zugleich praktische Hinweise für die Eltern selbst. Jedoch lassen sich kaum Rückschlüsse auf die Verbreitung dieser Bücher ziehen, da deren Exemplare nicht mehr erhalten sein können. Die einzigen Anhaltspunkte hierfür geben die Anzahlen der Auflagen und die Nachdrucke der Hebammenbücher. Die Existenz dieser lässt sich auf jeden Fall nicht leugnen.
In den Büchern werden Anweisungen gegeben, welche von den heutigen üblichen Vorgehensweisen bei der Pflege eines Neugeborenen teilweise kaum abweichen. Es werden präzise Anleitungen zu der Körperpflege gegeben. „Danach wurde das Kind in lauwarmen Wasser gebadet.“ „Nach dem Baden sollte das Kind wiederum eingesalbt werden, diesmal mit Rosenöl oder Myrrthenöl.“
Eine weitere übliche Behandlung der Säuglinge im Spätmittelalter ist das Wickeln. Hier wurden die Kinder eng von einem Leinenband umwickelt, so dass sie lediglich ihren Kopf bewegen konnten. Elisabeth Wirth Narvick nennt in dem von deMause herausgegebenen Werk drei Gründe, aus denen man die Kinder gewickelt hat. Zum einen wollte man eine gerade Körperhaltung garantieren.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die Zielsetzung der Arbeit erläutert, die konträren Positionen von Lloyd deMause und Elisabeth Loffl-Haag bezüglich der Kindheit im Spätmittelalter gegenüberzustellen.
Säuglingspflege: Dieses Kapitel widerlegt durch die Analyse historischer Hebammenbücher die These einer lieblosen oder unwissenden Pflege von Säuglingen.
Kindererziehung: Hier wird untersucht, wie Erziehungspraktiken, schulische Ausbildung und Kinderarbeit im Mittelalter im Kontext elterlicher Sorge und gesellschaftlicher Anforderungen zu bewerten sind.
Kinderspielzeug und Kinderspiele: Das Kapitel belegt durch archäologische Funde und schriftliche Zeugnisse, dass Kinder im Mittelalter über Spielzeug und Freizeit verfügten.
Rechtsstellung des Kindes: Es wird analysiert, inwieweit das mittelalterliche Recht Kinder schützte und welche rechtlichen Einteilungen des Lebensalters existierten.
Resümee: Das Fazit fasst zusammen, dass die Darstellung von deMause einseitig negativ ist, während Loffl-Haag ein realistischeres Bild einer Kindheit zeichnet, die zwar hart war, aber keineswegs grausam im Vergleich zur Moderne.
Schlüsselwörter
Kindheit, Spätmittelalter, Frühe Neuzeit, Lloyd deMause, Elisabeth Loffl-Haag, Säuglingspflege, Kindererziehung, Spielzeug, Kindesrecht, Kindsmord, Historische Forschung, Erziehungsschriften, Hebammenbücher, Sozialgeschichte, Kindesentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit vergleicht zwei gegensätzliche historische Perspektiven auf die Kindheit im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Themen umfassen die Säuglingspflege, Erziehungspraktiken, Spielverhalten und die rechtliche Stellung des Kindes.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die einseitig negative Darstellung der Kindheit bei Lloyd deMause durch die Ergebnisse von Elisabeth Loffl-Haag zu hinterfragen und zu korrigieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Autorin nutzt einen vergleichenden Buchvergleich (Literaturanalyse) sowie die Auswertung von historischen Quellen wie Hebammenbüchern und Gesetzeskodizes.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die tägliche Pflege, das pädagogische Vorgehen, die existierenden Spielmöglichkeiten sowie den rechtlichen Schutz von Kindern.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kindheit, Spätmittelalter, Erziehung, Kindesrecht, Spielzeug und die Auseinandersetzung mit der psychogenetischen Geschichte.
Wie bewertet die Autorin das Wickeln der Kinder im Mittelalter?
Das Wickeln wird nicht als Unterdrückung oder Misshandlung gewertet, sondern als eine damals anerkannte gesundheitserhaltende Methode zur Förderung einer aufrechten Haltung.
Welche Rolle spielten Gesetze beim Thema Kindsmord?
Entgegen der Behauptung einer gesellschaftlichen Akzeptanz von Kindstötungen belegt die Arbeit, dass das Mittelalter strenge Gesetze und Strafen gegen Kindsmörder kannte und anwendete.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2004, Weinende oder lachende Kinder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93798