Lawrence Kohlberg und seine Theorie der Moralentwicklung als Unterrichtsreihe im Unterrichtsfach Pädagogik


Hausarbeit, 2006

29 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Sachanalyse
2.1 Biografie
2.2 Einführung in das Thema
2.3 Entwicklung der Stufentheorie
2.4 Kritik an der Stufentheorie

3. Unterrichtsreihe
3.1 Bedingungsanalyse – Lernsituation
3.2 Didaktische Analyse zur Unterrichtsreihe
3.3 Lernziele der Unterrichtsreihe

4. Detaillierte Darstellung einer Unterrichtsstunde
4.1 Fachwissenschaftliche Begründung
4.2 Tabellarische Übersicht der Unterrichtsstunde
4.3 Methodische Begründung
4.4 Fachdidaktische Begründung

5. Schluss

6. Anhang
6.1 Tafelbild
6.2 Zum 3. Kapitel: Unterrichtsreihe
6.3 Arbeitsblatt: Sechs Stufen des moralischen Urteils.

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Lawrence Kohlberg und seine Theorie der Moralentwicklung als Unterrichtsreihe im Unterrichtsfach Pädagogik“ und möchte hauptsächlich einen Überblick geben, wie das Thema in einem Pädagogik Leistungskurs eingebettet werden kann, welche Inhalte bedeutend für die SchülerInnen sind und wie diese fachwissenschaftlich, fachdidaktisch und methodisch umgesetzt werden.

Das Thema der Hausarbeit wurde bewusst gewählt, da es Bestandteil des Lehrplanes ist und  einen wichtigen Gegenstand für die SchülerInnen bietet, denn die moralische Urteilskraft der heutigen SchülerInnengeneration sollte gefördert werden.

Um einen ersten Einstieg in das Thema zu erleichtern, beginnt die Arbeit mit der Sachanalyse. Hier werden die Teilgebiete des Gegenstandbereichs vorgestellt und es wird eindeutig die Bedeutung des Themas in der Fachwissenschaft erkennbar.

Die Sachanalyse beginnt mit der Biografie Kohlbergs. Hier wird geklärt, welche Faktoren seine Auseinandersetzung mit der Moralentwicklung beeinflusst haben. Warum hat Kohlberg sich mit der Moral so intensiv und professionell beschäftigt?

Im darauf folgenden Teil der Sachanalyse wird versucht das Thema in den Zusammenhand des wissenschaftlichen Bereiches zu bringen. Dazu werden die Begriffe Entwicklung und Moral definiert und auf Freud, Durkheim und Piaget eingegangen.

Anschließend wird das Heinzdilemma vorgestellt, da dieses für die Unterrichtsplanung eine große Bedeutung hat. Es werden unterschiedliche Fragen vorgestellt, die Kohlberg für das moralische Argumentieren wichtig fand und die wiederum die Lehrperson im Verlauf der Unterrichtsstunde zum Heinzdilemma bei der Plenumsdiskussion einbringen kann.

Das anschließende Unterkapitel befasst sich ausführlich mit der Stufentheorie. Es wird unter anderen die Frage beantwortet werden, welches Beispiel sich zu den einzelnen Stufen finden lässt. Zu den drei Ebenen und den sechs Stufen wird nicht nur eine Deskription angeführt, sondern es wird ein Argumentationsbeispiel zum Heinzdilemma gegeben, da die SchülerInnen später während der Unterrichtsreihe ebenfalls solche Beispiele finden sollen. Zum Schluss des zweiten Kapitels werden die wichtigsten Kritikpunkte zur Theorie vorgestellt.

Das nächste Kapitel präsentiert die neunstündige Unterrichtsreihe. Zuerst soll eine Bedingungsanalyse zur Lernsituation Teil dieses Kapitels sein. Danach wird eine didaktische Begründung für die Auswahl des Themas gegeben. Geklärt wird, inwieweit Kohlberg und seine Moralentwicklung Gegenstand im Unterrichtsfach Pädagogik während der Hochschulreife sind.

Im Folgenden werden Lernziele formuliert, denn sie sollen den Blick für die lehr- und lernmethodische Gestaltung des Unterrichts schärfen und den Erfolg des Unterrichts prüfen.

Anzumerken ist, dass sich eine tabellarische Übersicht zu der Unterrichtsreihe im Anhang finden lässt, die der Lesen zur Ergänzung des dritten Kapitels hinzuziehen sollte, um einen besseren Überblick zu bekommen.

Im vierten Kapitel wird eine Unterrichtsstunde zu den sechs Stufen der Moralentwicklung Kohlbergs mit Arbeitsmaterialien und fachwissenschaftlicher, methodischer, sowie fachdidaktischer Begründung ausgearbeitet. Das Arbeitsmaterial wird im Anhand gefunden. Zuerst soll eine Tabelle die Unterrichtsstunde detailliert beschrieben. Anschließend werden unter anderen folgende Fragen beantwortet: In welchen thematischen Kontext befindet sich die Unterrichtsstunde? Welche Sozialform ist für diese Stunde die geeignete? Weshalb sollen die Lernenden sich überhaupt mit Kohlberg auseinandersetzen? Was lernen die SchülerInnen bei der Auseinandersetzung?

In Bezug auf die Literaturlage ist anzumerken, dass sich eine sehr hohe Anzahl an Quellen mit Kohlberg und seiner Moralentwicklung befasst hat und sich auch sehr viele Anmerkungen im Internet finden lassen. Daher ist es sehr schwer aus der Quantität die für den Unterricht bedeutendsten Inhalte zu selektieren.

2. Sachanalyse

2.1 Biografie

Lawrence Kohlberg wurde am 25. Oktober 1927 in den USA nahe New York geboren. Sein Vater war Jude und seine Mutter Christin.[1] Er verbrachte seine Schulzeit in einem Internat in Massachusetts. Das Ende seiner High-School-Zeit fiel mit dem Ende des 2. Weltkrieges zusammen. Kohlberg bekannte sich zum Judentum, schloss sich der Handelsmarine an und schmuggelte jüdische Flüchtlinge nach Palästina. Von britischen Einheiten wurde er bei einem dieser Einsetze erst festgenommen, dann auf Zypern interniert. Während der zwei Jahre Gefangenschaft konnte Kohlberg sein Handeln reflektieren. Ihm wurde bewusst, dass er im jugendlichen Idealismus und Egoismus handelte. Um sich professionell mit der Moral und Politik auseinandersetzen zu können, besuchte er die Law School.

Anschließend entschloss er sich nach langem Überlegen für ein Psychologiestudium, was er im Jahre 1947 an der Universität von Chicago aufnahm. Während dieser Zeit lernte er einige der renommiertesten amerikanischen Wissenschaftler und Philosophen seiner Zeit kennen, wie zum Beispiel Carl Rogers, Charles Morris, Bernice Neugarten, Bob Havighurst, sowie Anselm Strauss.

Von 1959 bis 1961 lehrte Kohlberg als Assistenzprofessor für Psychologie an der Yale University. 1965 bis 1968 verbrachte er an der University of Chicago. Seit 1968 arbeitete er als Professor für Erziehungswissenschaften und Sozialpsychologie an der Harvard University in Cambridge, Massachusetts. Dort gründete und leitete er ab 1974 das Center for Moral Education and Development. Am 17. Januar 1987 nahm ihm schließlich eine unheilbare Krankheit das Leben.[2]

2.2 Einführung in das Thema

In Auseinandersetzung mit der Theorie Lawrence Kohlbergs, ist nicht nur seine Biografie bedeutend, sondern es sollten ebenfalls im Vorfeld einige Parameter geklärt werden, wie beispielsweise die Frage, was Entwicklung genau bedeutet.

Bei Zimbardo lässt sich zum Begriff Entwicklung folgende Definition finden:

Die Entwicklungspsychologie befasst sich mit der Beschreibung, Erklärung und Beeinflussung intraindividueller Veränderungen während der gesamten Lebensspanne eines Individuums sowie mit interindividuellen Ähnlichkeiten bzw. Unterschieden, was diese Veränderung angeht.[3]

Außerdem sollte die Definition des Begriffes Moral zugrunde gelegt werden.  Moral wird als ein System von Glaubenssätzen und Werthaltungen, das Urteilen über richtige und falsche Handlungen beschrieben. Die Moral stellt sicher, dass Menschen durch ihr Verständnis so handeln, dass sie die Rechte und Interessen anderer Personen nicht verletzen.[4]

Ebenfall ist es wichtig zu erwähnen, dass vor Kohlberg unter anderen Sigmund Freud (1856-1939) die moralische Entwicklung untersucht hat. Er wählte jedoch einen anderen Zugang, denn er „interessierte sich mehr für die Entwicklung der Motivation zum moralischen Handeln, als für die Handlungen selbst“[5]. Bei ihm spielte der Faktor des Schuldgefühles die Hauptrolle bei der Moralentwicklung[6], welche das Kleinkind durch Strafe und Belohnung durch die Eltern erfährt und welches es langfristig in seinen Handlungen und Ansichten prägen wird.[7] Von der Theorie Durkheims und Freuds distanziert sich jedoch Kohlberg mit seiner Arbeit.

Auch Jean Piaget (1896-1980) beschäftigte sich mit der moralischen Entwicklung des Kindes, worauf sich Kohlberg später stützte. Piaget vertrat die These, dass die jeweilige kognitive Struktur des Menschen notwendige Bedingung sei, im ethischen Sinne der Gerechtigkeit zu urteilen und zu handeln. Das heißt, dass der Mensch sich die Fähigkeit aneignet, autonome Entscheidungen nach dem Prinzip der Gerechtigkeit zu fällen.

Kohlberg konzentrierte sich wie Piaget auf die Entwicklung moralischen Argumentierens und schlug ein Modell qualitativ unterschiedlicher Stufen vor.[8] Seit 1963 haben seine Veröffentlichungen große Aufmerksamkeit gefunden.[9] Kohlberg untersuchte mit Dilemmata, d.h. dem Konflikt zwischen zwei moralischen Normen, die moralische Entwicklung des Menschen. In allen Lebensbereichen lassen sich solche Dilemmata finden. Das bekannteste Dilemma Kohlbergs scheint das folgende, Problem zu sein.

Das „Heinz-Dilemma“: Eine todkranke Frau litt an einer besonderen Krebsart. Es gab ein Medikament, das nach Ansicht der Ärzte ihr Leben hätte retten können. Ein Apotheker der Stadt hatte es kurz zuvor entdeckt. Das Medikament war teuer in der Herstellung, der Apotheker verlangte jedoch ein Vielfaches seiner eigenen Kosten. Heinz, der Ehemann der kranken Frau, borgte von allen Bekannten Geld, brachte aber nur die Hälfte des Preises zusammen. Nach ergebnislosen Verhandlungen mit dem Apotheker brach Heinz in die Apotheke ein und stahl das Medikament für seine Frau.[10]

Es ist offensichtlich, dass sich nach einer solchen Vorgabe zahlreiche Fragen anschließen.

Hätte Heinz das Medikament stehlen sollen? Warum? Was ist schlimmer: jemanden sterben zu lassen oder zu stehlen? Warum? Hätte ein Ehemann einen triftigen Grund zu stehlen, auch wenn er seine Frau nicht liebt? Warum? Angenommen, Heiz stiehlt das Medikament für ein haustier, das er sehr gern hat. Wäre es gerechtfertigt, für ein solches Tier zu stehlen? Heinz stiehlt das Medikament und wird festgenommen: Soll der Richter ihn verurteilen? Warum? Der Richter überlegt sich, Heinz ohne Strafe freizulassen. Was könnten die Gründe sein? Wenn man einmal daran denkt, dass wie alle in einer Gesellschaft zusammenleben, welche Gründe hätte der Richter dann, Heinz zu verurteilen?[11]

2.3 Entwicklung der Stufentheorie

Kohlberg interessierte sich weniger für die Entscheidungen, sondern eher für die Prinzipien dieser Entscheidungen. Kohlberg entwickelte daher sechs moralische Stufen, die drei Hauptebenen zugeteilt werden:

I. präkonventionelle Ebene:  Stufe 1 und 2
II. konventionelle Ebene:  Stufe 3 und 4
III. postkonventionelle Ebene:  Stufe 5 und 6

Wie lassen sich die Stufen im Einzelnen charakterisieren?

I. Präkonventionelle Ebene

Ein Mensch auf präkonventionellem Niveau kann die Regeln und Erwartungen der Gesellschaft noch nicht wirklich verstehen oder unterstützen.[12] Moralische Entscheidungen werden hier entweder durch drohende Strafen und mächtigen Autoritäten oder mit eigenen Interessen begründet.[13] Diese Ebene entspricht dem Niveau der meisten Kinder bis zum neunten Lebensjahr, einiger Jugendlicher und vieler jugendlicher sowie erwachsener Straftäter.[14]

Stufe 1: Orientierung an Strafe und Gehorsam - Ob eine Handlung gut oder schlecht ist, hängt von ihrer psychischen Konsequenz ab. Vermeidung von Strafe und Unterordnung gegenüber einer Autorität gelten hier als Werte. Es wird sich nicht an moralischen Ansprüchen orientiert.[15] „Der Handelnde berücksichtigt die Interessen anderer nicht oder erkennt nicht, daß [sic] sie von den seinen verschieden sind, oder er setzt zwei verschiedene Gesichtspunkte nicht miteinander in Beziehung.“[16] Die Intentionen, die hinter der Handlung stehen, werden hier nicht berücksichtigt.

Bespiel: Heinz soll nicht stehlen, da er sonst ins Gefängnis muss.

Stufe 2: Orientierung am instrumentellen Zweck und Austausch – Diese Stufe orientiert sich an der Befriedigung der eigenen Bedürfnisse. Den anderen wird zugleich auch das Recht zugesprochen, Interessen anzumelden und Bedürfnisse einzufordern.[17]

„Gerecht ist auch, was fair ist, was ein gleichwertiger Austausch, ein Handeln oder ein Übereinkommen ist.“[18] Daher gilt als Metapher dieser Stufe: `Wie du mir, so ich dir´ bzw. ´Eine Hand wäscht die andere´.[19]

Beispiel: Heinz soll das Medikament stehlen, sonst hat er niemanden mehr, der ihm das Essen kochen kann.

II. Konventionelle Ebene

„Der Begriff ´konventionell´ bedeutet, daß [sic] man den Regeln, Erwartungen und Konventionen der Gesellschaft oder einer Autorität eben deshalb entspricht und sie billigt, weil sie die Regeln, Erwartungen und Konventionen der Gesellschaft sind.“[20] Auf dieser Ebene herrscht eine Tendenz zur Erhaltung wichtiger Sozialbeziehungen vor. Ein Großteil der Jugendlichen und Erwachsenen lassen sich dieser Ebene zuordnen.[21]

[...]


[1] Vgl. Hofmann (1991: 100).

[2] Vgl. Garz (1989: 134-136).

[3] Zimbardo (1983:101).

[4] Vgl. Zimbardo (1995: 86).

[5] Zimbardo (1995: 86).

[6] Vgl. Kohlberg (1996: 7).

[7] Vgl. Durkheim (2004: 58).

[8] Vgl. Zimbardo (1995: 87)

[9] Vgl. Oerter, Montada (1995: 874)

[10] Oerter, Montada (1995: 875)

[11] Oerter, Montada (1995: 875)

[12] vgl. Kohlberg (1996: 127).

[13] Vgl. Oerter, Montada (1995: 877)

[14] Vgl. Kohlberg (1996: 126)

[15] Vgl. Oerter, Montada (1995: 876)

[16] Kohlberg (1996: 128)

[17] Vgl. Oerter, Montada (1995: 876)

[18] Kohlberg (1996: 128)

[19] Vgl. Garz (1989:157)

[20] Kohlberg (1996: 127)

[21] Vgl. Kohlberg (1996: 126)

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Lawrence Kohlberg und seine Theorie der Moralentwicklung als Unterrichtsreihe im Unterrichtsfach Pädagogik
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Veranstaltung
„Lernen und Entwicklung des pädagogischen Unterrichts“
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
29
Katalognummer
V93810
ISBN (eBook)
9783640097180
Dateigröße
580 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lawrence, Kohlberg, Theorie, Moralentwicklung, Unterrichtsreihe, Unterrichtsfach, Pädagogik, Entwicklung, Didaktik
Arbeit zitieren
Daniela Witt (Autor), 2006, Lawrence Kohlberg und seine Theorie der Moralentwicklung als Unterrichtsreihe im Unterrichtsfach Pädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93810

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