Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Lawrence Kohlberg und seine Theorie der Moralentwicklung als Unterrichtsreihe im Unterrichtsfach Pädagogik“ und möchte hauptsächlich einen Überblick geben, wie das Thema in einem Pädagogik Leistungskurs eingebettet werden kann, welche Inhalte bedeutend für die SchülerInnen sind und wie diese fachwissenschaftlich, fachdidaktisch und methodisch umgesetzt werden.
Das Thema der Hausarbeit wurde bewusst gewählt, da es Bestandteil des Lehrplanes ist und einen wichtigen Gegenstand für die SchülerInnen bietet, denn die moralische Urteilskraft der heutigen SchülerInnengeneration sollte gefördert werden.
Um einen ersten Einstieg in das Thema zu erleichtern, beginnt die Arbeit mit der Sachanalyse. Hier werden die Teilgebiete des Gegenstandbereichs vorgestellt und es wird eindeutig die Bedeutung des Themas in der Fachwissenschaft erkennbar.
Die Sachanalyse beginnt mit der Biografie Kohlbergs. Hier wird geklärt, welche Faktoren seine Auseinandersetzung mit der Moralentwicklung beeinflusst haben. Warum hat Kohlberg sich mit der Moral so intensiv und professionell beschäftigt?
Im darauf folgenden Teil der Sachanalyse wird versucht das Thema in den Zusammenhand des wissenschaftlichen Bereiches zu bringen. Dazu werden die Begriffe Entwicklung und Moral definiert und auf Freud, Durkheim und Piaget eingegangen.
Anschließend wird das Heinzdilemma vorgestellt, da dieses für die Unterrichtsplanung eine große Bedeutung hat. Es werden unterschiedliche Fragen vorgestellt, die Kohlberg für das moralische Argumentieren wichtig fand und die wiederum die Lehrperson im Verlauf der Unterrichtsstunde zum Heinzdilemma bei der Plenumsdiskussion einbringen kann.
Das anschließende Unterkapitel befasst sich ausführlich mit der Stufentheorie. Es wird unter anderen die Frage beantwortet werden, welches Beispiel sich zu den einzelnen Stufen finden lässt. Zu den drei Ebenen und den sechs Stufen wird nicht nur eine Deskription angeführt, sondern es wird ein Argumentationsbeispiel zum Heinzdilemma gegeben, da die SchülerInnen später während der Unterrichtsreihe ebenfalls solche Beispiele finden sollen. Zum Schluss des zweiten Kapitels werden die wichtigsten Kritikpunkte zur Theorie vorgestellt.
Das nächste Kapitel präsentiert die neunstündige Unterrichtsreihe. Zuerst soll eine Bedingungsanalyse zur Lernsituation Teil dieses Kapitels sein. Danach wird eine didaktische Begründung für die Auswahl des Themas gegeben. Geklärt wird, inwieweit Kohlberg und seine Moralentwicklung Gegenstand im Unterrichtsfach Pädagogik während der Hochschulreife sind.
Im Folgenden werden Lernziele formuliert, denn sie sollen den Blick für die lehr- und lernmethodische Gestaltung des Unterrichts schärfen und den Erfolg des Unterrichts prüfen.
Anzumerken ist, dass sich eine tabellarische Übersicht zu der Unterrichtsreihe im Anhang finden lässt, die der Lesen zur Ergänzung des dritten Kapitels hinzuziehen sollte, um einen besseren Überblick zu bekommen.
Im vierten Kapitel wird eine Unterrichtsstunde zu den sechs Stufen der Moralentwicklung Kohlbergs mit Arbeitsmaterialien und fachwissenschaftlicher, methodischer, sowie fachdidaktischer Begründung ausgearbeitet. Das Arbeitsmaterial wird im Anhand gefunden. Zuerst soll eine Tabelle die Unterrichtsstunde detailliert beschrieben. Anschließend werden unter anderen folgende Fragen beantwortet: In welchen thematischen Kontext befindet sich die Unterrichtsstunde? Welche Sozialform ist für diese Stunde die geeignete? Weshalb sollen die Lernenden sich überhaupt mit Kohlberg auseinandersetzen? Was lernen die SchülerInnen bei der Auseinandersetzung?
In Bezug auf die Literaturlage ist anzumerken, dass sich eine sehr hohe Anzahl an Quellen mit Kohlberg und seiner Moralentwicklung befasst hat und sich auch sehr viele Anmerkungen im Internet finden lassen. Daher ist es sehr schwer aus der Quantität die für den Unterricht bedeutendsten Inhalte zu selektieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sachanalyse
2.1 Biografie
2.2 Einführung in das Thema
2.3 Entwicklung der Stufentheorie
2.4 Kritik an der Stufentheorie
3. Unterrichtsreihe
3.1 Bedingungsanalyse – Lernsituation
3.2 Didaktische Analyse zur Unterrichtsreihe
3.3 Lernziele der Unterrichtsreihe
4. Detaillierte Darstellung einer Unterrichtsstunde
4.1 Fachwissenschaftliche Begründung
4.2 Tabelarische Übersicht der Unterrichtsstunde
4.3 Methodische Begründung
4.4 Fachdidaktische Begründung
4.5 Lernziel der Unterrichtsstunde
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit erarbeitet ein Konzept, wie die Theorie der moralischen Entwicklung nach Lawrence Kohlberg in den Pädagogik-Leistungskurs der gymnasialen Oberstufe integriert werden kann, wobei ein besonderer Fokus auf der fachwissenschaftlichen Einbettung, der methodischen Umsetzung durch Dilemmadiskussionen und der kritischen Reflexion der Lernenden liegt.
- Biografischer und wissenschaftstheoretischer Hintergrund von Lawrence Kohlberg.
- Detaillierte Analyse der Stufentheorie der Moralentwicklung.
- Bedingungsanalyse und didaktische Planung einer neunstündigen Unterrichtsreihe.
- Methodische Ausarbeitung einer exemplarischen Unterrichtsstunde zum Stufenmodell.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Theorie im Kontext aktueller pädagogischer Debatten.
Auszug aus dem Buch
2.1 Biografie
Lawrence Kohlberg wurde am 25. Oktober 1927 in den USA nahe New York geboren. Sein Vater war Jude und seine Mutter Christin. Er verbrachte seine Schulzeit in einem Internat in Massachusetts. Das Ende seiner High-School-Zeit fiel mit dem Ende des 2. Weltkrieges zusammen. Kohlberg bekannte sich zum Judentum, schloss sich der Handelsmarine an und schmuggelte jüdische Flüchtlinge nach Palästina. Von britischen Einheiten wurde er bei einem dieser Einsetze erst festgenommen, dann auf Zypern interniert. Während der zwei Jahre Gefangenschaft konnte Kohlberg sein Handeln reflektieren. Ihm wurde bewusst, dass er im jugendlichen Idealismus und Egoismus handelte. Um sich professionell mit der Moral und Politik auseinandersetzen zu können, besuchte er die Law School.
Anschließend entschloss er sich nach langem Überlegen für ein Psychologiestudium, was er im Jahre 1947 an der Universität von Chicago aufnahm. Während dieser Zeit lernte er einige der renommiertesten amerikanischen Wissenschaftler und Philosophen seiner Zeit kennen, wie zum Beispiel Carl Rogers, Charles Morris, Bernice Neugarten, Bob Havighurst, sowie Anselm Strauss.
Von 1959 bis 1961 lehrte Kohlberg als Assistenzprofessor für Psychologie an der Yale University. 1965 bis 1968 verbrachte er an der University of Chicago. Seit 1968 arbeitete er als Professor für Erziehungswissenschaften und Sozialpsychologie an der Harvard University in Cambridge, Massachusetts. Dort gründete und leitete er ab 1974 das Center for Moral Education and Development. Am 17. Januar 1987 nahm ihm schließlich eine unheilbare Krankheit das Leben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit stellt die Einbettung von Kohlbergs Theorie der Moralentwicklung in einen Pädagogik-Leistungskurs dar, mit dem Ziel, die moralische Urteilskraft der Schülerinnen und Schüler zu fördern.
2. Sachanalyse: Dieses Kapitel erläutert die Biografie Kohlbergs, definiert zentrale Begriffe wie Entwicklung und Moral, führt das Heinzdilemma ein und beschreibt detailliert die sechs Stufen der moralischen Entwicklung sowie deren Kritik.
3. Unterrichtsreihe: Hier erfolgt eine Bedingungsanalyse der Lernsituation, eine didaktische Begründung der Themenwahl für den Lehrplan der Oberstufe sowie die Formulierung der Lernziele für die geplante Reihe.
4. Detaillierte Darstellung einer Unterrichtsstunde: Dieses Kapitel liefert eine fachwissenschaftliche, methodische und fachdidaktische Begründung für eine exemplarische Unterrichtsstunde zur Stufentheorie, inklusive einer tabellarischen Übersicht des Unterrichtsverlaufs.
5. Schluss: Der Schlussteil fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen, reflektiert die methodischen Entscheidungen für den Unterricht und gibt einen Ausblick auf mögliche Ergänzungen, wie den Ansatz der "Just Community".
Schlüsselwörter
Lawrence Kohlberg, Moralentwicklung, Stufentheorie, Pädagogik, Leistungskurs, Heinzdilemma, Moralische Urteilskraft, Unterrichtsreihe, Didaktik, Sozialisation, Psychologie, Gruppendiskussion, Erziehungswissenschaften, Werte, Normen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Konzeption einer Unterrichtsreihe zum Thema "Lawrence Kohlberg und seine Theorie der Moralentwicklung" für einen Pädagogik-Leistungskurs.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Biografie Kohlbergs, die Darstellung und Differenzierung der sechs moralischen Stufen sowie die praktische Umsetzung dieser Theorie in den schulischen Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie Schülerinnen und Schüler der Oberstufe durch den Einsatz der Kohlbergschen Theorie ihre moralische Urteilskraft reflektiert schulen und weiterentwickeln können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine fachdidaktische Analyse und Unterrichtsplanung auf Basis einer Bedingungsanalyse der spezifischen Lerngruppe.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Sachanalyse, eine methodische Bedingungs- und Didaktikanalyse sowie die konkrete Planung und Begründung einer Unterrichtsstunde zur Stufentheorie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Moralentwicklung, Kohlberg, Unterrichtsplanung, Pädagogik, Stufentheorie und moralische Urteilsfähigkeit.
Warum spielt das Heinzdilemma eine so große Rolle?
Das Heinzdilemma dient als zentrales Instrument, um moralische Konflikte greifbar zu machen und den Schülern zu ermöglichen, die verschiedenen Stufen moralischen Argumentierens an einem konkreten Beispiel zu erproben.
Wie werden die Kleingruppen im Unterricht zusammengesetzt?
Die Gruppen werden nach dem Zufallsprinzip gebildet, wobei die Lehrperson darauf achtet, dass in jeder Gruppe mindestens ein männlicher Schüler vertreten ist, um die soziale Heterogenität zu erhöhen.
Was wird an Kohlbergs Theorie kritisiert?
Kritikpunkte sind insbesondere die Zweifel an der Universalität der Stufen in allen Kulturen sowie Carol Gilligans Einwand, dass das Modell eine männliche Sichtweise bevorzugt und andere moralische Orientierungen wie die Fürsorgeethik vernachlässigt.
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- Daniela Witt (Author), 2006, Lawrence Kohlberg und seine Theorie der Moralentwicklung als Unterrichtsreihe im Unterrichtsfach Pädagogik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93810