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Erziehungsbedürftig? - Der Säugling in antipädagogischer Ideologie und entwicklungspsychologischer Forschung

Title: Erziehungsbedürftig? - Der Säugling in antipädagogischer Ideologie und entwicklungspsychologischer Forschung

Presentation (Elaboration) , 2008 , 21 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christian Pönsch (Author)

Pedagogy - General
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Vor gut 30 Jahren hatten Neugeborene „keine Großhirnrinde, verfügten nur über die simpelsten automatischen Reaktionen“ und waren „praktisch nicht mehr als ansatzweise lebendiges Gemüse – Karotten, die schreien können“ (Gopnik et al. 2000, S. 172). Die Rede ist natürlich vom anerkannten Säuglingsbild der damaligen Forschung. Zur gleichen Zeit schrieb EKKEHARD VON BRAUNMÜHL das Werk „Antipädagogik – Studien zur Abschaffung von Erziehung“, in welchem der Säugling eine anthropologisch hergeleitete Fähigkeit zur Eigenständigkeit zugeschrieben bekam, die jegliche pädagogisch gewollte Einflussnahme überflüssig, ja schädlich werden ließ. 1993 veröffentlichte MARTIN DORNES sein Buch „Der kompetente Säugling“, in dem dieser plötzlich aktiv mit erstaunlichen von Geburt an vorhandenen Wahrnehmungs- und Verarbeitungskompetenzen präsentiert wurde. In der vorliegenden Arbeit wird nun versucht, diese Erkenntnisse den Vorstellungen der Antipädagogen gegenüber zu stellen und darauf hin eine Antwort auf die Frage zu finden, ob Erziehung denn tatsächlich abschaffungswürdig ist – im Sinne der Überlegung, dass der Säugling am Besten für sich selbst verantwortlich zeichnet.

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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Antipädagogik – eine Erziehungskritik

2.1 Kurze Genese der Antipädagogik

2.2 Der kritisierte Erziehungsbegriff

2.3 Folgen von Erziehung

3 Der dominante Säugling – eine anthropologische Annahme

4 Der kompetente Säugling – eine entwicklungspsychologische Erkenntnis

5 Homo educandus? – eine Betrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die antipädagogische Erziehungskritik im Kontext aktueller entwicklungspsychologischer Erkenntnisse über das Säuglingsalter, um die Frage zu klären, ob Erziehung tatsächlich abschaffungswürdig ist.

  • Historische Entwicklung und Hauptvertreter der Antipädagogik
  • Kritik am Erziehungsbegriff und dem damit verbundenen Herrschaftsverhältnis
  • Anthropologische Grundannahmen über den Säugling
  • Entwicklungspsychologische Erkenntnisse zur Kompetenz des Säuglings
  • Synthese von Erziehungskritik und neurobiologischen Befunden zur sozialen Interaktion

Auszug aus dem Buch

3 Der kompetente Säugling – eine entwicklungspsychologische Erkenntnis

Die Geschichte des Säuglings, so ist der Forschung in den letzten 25 Jahren bewusst geworden, ist eine voller Missverständnisse in Form falscher Theoreme. Bis zum Ende der 70er Jahre wurde von ihm überwiegend das Bild eines „passiven, undifferenzierten und seinen Trieben ausgelieferten Wesens gezeichnet, das in einem langen und dramatischen Kampf die Schrecken dieser Zeit der Hilflosigkeit und Abhängigkeit bewältigen muß“ (Dornes 1993, S. 21). Vor Allem die Videotechnik diente jedoch der Verfeinerung PIAGETscher Pionierarbeit und erlaubte den Blick auch auf Verhaltensweisen, die sich im Millisekundenbereich bewegen (vgl. ebd., S. 38). Die Erkenntnisse der Neurowissenschaften zeigen ähnlich revolutionär erweiterte Vorstellungen vom ‚kleinen Menschen’.

Heute sind wir mit ihm als Kompetenzträger konfrontiert, der weit mehr vermag als „Triebdruck, Angst oder Affektregulierungsstörungen“ (ders. 2006, S. 121) ausgeliefert zu sein, und das von Geburt an. DORNES, der sich selbst als Psychoanalytiker versteht und dessen Arbeiten im Großen einen Abgleich zwischen psychoanalytischer Theorie und moderner Säuglingsforschung darstellen, beendet denn auch die Vorstellung einer anfänglichen Symbiose zwischen Mutter und Kind sowie „das Konzept einer normalen autistischen Phase“ (ders. 1993, S. 57). Vielmehr ist das Selbst „von Anfang an ein fühlendes und wahrnehmendes, das sich als solches empfindet“ (ebd., S. 101). Auch wenn es dem Neugeborenen anfänglich wie in einer „endlosen Zaubervorführung“ (Gopnik et al. 2000, S. 95) ergeht, so herrscht doch nie „blühende, summende Verwirrung“ (ebd., S. 176). „Von Geburt an läuft ein Programm auf uns“, beschreiben GOPNIK ET AL. die menschliche Konstitution, mit dem wir „die Welt … verstehen, das Wichtige auswählen und wissen, was wir zu erwarten haben“ (ebd.).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung skizziert den Paradigmenwechsel vom passiven „Gemüse“-Säugling hin zum hochkompetenten Neugeborenen und formuliert die Forschungsfrage zur Berechtigung der antipädagogischen Forderung nach einer Abschaffung der Erziehung.

2 Die Antipädagogik – eine Erziehungskritik: Dieses Kapitel erläutert die Ursprünge der Antipädagogik, kritisiert den intentionalen Erziehungsbegriff als Herrschaftsinstrument und analysiert die negativen psychischen Folgen von Erziehung.

3 Der dominante Säugling – eine anthropologische Annahme: Hier werden die antipädagogischen Menschenbilder beleuchtet, die dem Säugling eine angeborene Fähigkeit zur Eigenständigkeit und ein „Wissen“ um seine Bedürfnisse zuschreiben, wodurch Erziehung als überflüssig oder schädlich erscheint.

4 Der kompetente Säugling – eine entwicklungspsychologische Erkenntnis: Das Kapitel kontrastiert die antipädagogischen Annahmen mit modernen Forschungsergebnissen, die den Säugling als aktiven, wahrnehmungsfähigen und in sozialen Interaktionen kompetenten Akteur beschreiben.

5 Homo educandus? – eine Betrachtung: Das Fazit integriert die neurobiologischen Erkenntnisse der Moderne und kommt zu dem Schluss, dass Erziehung keine bloße Unterdrückung, sondern notwendige Voraussetzung für die kulturelle Entwicklung und ein friedliches menschliches Miteinander ist.

Schlüsselwörter

Antipädagogik, Erziehungskritik, Kompetenter Säugling, Erziehungsbegriff, Substantielle Erziehung, Entwicklungspsychologie, Sozialisation, Autonomie, Neurowissenschaften, Kindeswohl, Bindung, Interaktionskompetenz, Transgenerationale Prozesse, Fremdbestimmung, Erziehungsbedürftigkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der radikalen antipädagogischen Kritik, die Erziehung ablehnt, und den modernen Erkenntnissen der Säuglingsforschung, die dem Kind von Geburt an eigene Kompetenzen zuschreibt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen sind die Geschichte und Ideologie der Antipädagogik, der kritische Begriff der „substantiellen Erziehung“, das Bild des Säuglings als autonomes Wesen sowie die neurowissenschaftliche Perspektive auf frühkindliche Lernprozesse.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die ideologischen Schlussfolgerungen der Antipädagogik kritisch zu hinterfragen und eine Antwort darauf zu finden, ob Erziehung tatsächlich abschaffungswürdig ist oder eine unverzichtbare Funktion in der kulturellen Entwicklung hat.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem Vergleich theoretischer Positionen der Antipädagogik mit empirischen Ergebnissen der Entwicklungspsychologie und Erkenntnissen der Neurowissenschaften.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die antipädagogische Theorie (insbesondere von von Braunmühl), die anthropologische Annahme eines „dominanten Säuglings“ und stellt diese den entwicklungspsychologischen Erkenntnissen über den „kompetenten Säugling“ gegenüber.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Antipädagogik, Erziehungskritik, Kompetenter Säugling, Sozialisation, Autonomie, Neurowissenschaften und Erziehungsbedürftigkeit.

Wie bewertet der Autor die antipädagogische Forderung nach einer Abschaffung der Erziehung?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die radikale Forderung nach Abschaffung der Erziehung problematisch ist, da sie die Verantwortung des Erwachsenen für das Kind negiert und eine wichtige Voraussetzung für die Zivilisation und kulturelle Fortpflanzung preisgeben würde.

Welche Rolle spielt die Hirnforschung für das Argument des Autors?

Die Hirnforschung zeigt, dass Kinder in einer Interaktion mit Bezugspersonen lernen, was bedeutet, dass ein „Nicht-Erziehen“ faktisch unmöglich ist. Das Gehirn entwickelt sich als soziales Konstrukt, wodurch die pädagogische Verantwortung der Erwachsenen zur Gestaltung dieses Prozesses legitimiert wird.

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Details

Title
Erziehungsbedürftig? - Der Säugling in antipädagogischer Ideologie und entwicklungspsychologischer Forschung
College
Leuphana Universität Lüneburg  (Insitut für Pädagogik)
Course
Varianten von Erziehungskritik
Grade
1,0
Author
Christian Pönsch (Author)
Publication Year
2008
Pages
21
Catalog Number
V93813
ISBN (eBook)
9783640105656
ISBN (Book)
9783640119370
Language
German
Tags
Erziehungsbedürftig Säugling Ideologie Forschung Varianten Erziehungskritik Antipädagogik Entwicklungspsychologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Pönsch (Author), 2008, Erziehungsbedürftig? - Der Säugling in antipädagogischer Ideologie und entwicklungspsychologischer Forschung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93813
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