Das Thema dieser Arbeit lautet: „Die Beziehungen der Landesherren von Mecklenburg zu den Franziskanern/ Klarissen“. Bei dieser Untersuchung stehen die beiden Klostergründungen in Wismar und Ribnitz am Ende des 13. bzw. Anfang des 14. Jahrhunderts im Vordergrund. Anhand dieser beiden Beispiele sollen die Beziehungen zwischen Landesherren und Franziskanern bzw. Klarissen näher erläutert werden. Die Arbeit ordnet sich in die zweite Hälfte des Hauptseminars "Der Franziskanerorden im 13. Jahrhundert in Italien und Deutschland" ein und bezieht sich regional auf die Niederlassung und Festsetzung des Ordens im heutigen Norden von Deutschland. Anhand der Untersuchung der beiden Klostergründungen soll den Fragen nachgegangen werden, warum die Landesherren die Franziskaner als Ordensgemeinschaft wählten, wie sich die Beziehungen zwischen den Ordensbrüdern bzw.
-schwestern und den Landesherren gestalteten und ob die Gründungen konfliktlos vollzogen werden konnten oder aber Probleme auftraten. Um die Untersuchung dieser Fragen in einen Rahmen einzuordnen, wird vorerst das mittelalterliche Mecklenburg kurz umschrieben, um dann jeweils die Städte vorzustellen, ausführlicher auf die Gründungsphasen der Klöster einzugehen und die Motive bzw. eventuell auftretende Konflikte herauszustellen. Um die Gründungsphasen nicht isoliert zu betrachten, wird die weitere Entwicklung der Klöster bis zu ihrer Aufhebung überblicksartig betrachtet. Ziel ist es, am Ende eine Übersicht bzw. ein Verständnis über die und von der Art der geistlichen Beziehungen der mecklenburgischen Landesherren zu den Franziskanern/ Klarissen, über deren Motive und über die wechselseitigen Wirkungen zu erlangen.
Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITUNG
II. FORSCHUNG UND QUELLENLAGE
III. DAS MITTELALTERLICHE MECKLENBURG UND DIE LANDESHERREN
IV. DIE BEZIEHUNGEN DER MECKLENBURGISCHEN LANDESHERREN ZU DEN FRANZISKANERN IN RIBNITZ UND WISMAR
1. Die Beziehungen der Landesherren zu den Franziskanern in Wismar
a) Die Stadt Wismar
b) Das Heilig-Kreuz-Konvent der Franziskaner in Wismar
c) Zwischenergebnis
2. Die Beziehungen der Landesherren zu den Klarissen in Ribnitz
a) Die Stadt Ribnitz
b) Das St.-Klaren Kloster
c) Zwischenergebnis
V. ABLEITBARE ALLGEMEINE MOTIVE UND KONSEQUENZEN DER LANDESHERRLICHEN BEZIEHUNGEN ZU DEN FRANZISKANERN
VI. SCHLUSSTEIL
VII. LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS
1. Quellen
2. Literatur
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die geistlichen Beziehungen zwischen den Landesherren von Mecklenburg und den Bettelorden der Franziskaner und Klarissen am Beispiel der Klostergründungen in Wismar und Ribnitz im 13. und 14. Jahrhundert. Dabei wird analysiert, welche Motive die Landesherren bei der Ordenswahl leiteten und wie sich diese Verbindungen im Kontext von Herrschaftssicherung, Memoria und Konflikten gestalteten.
- Analyse der Klostergründungsphasen in Wismar und Ribnitz
- Untersuchung der Motive für die Patronage der Bettelorden
- Rolle der Memoria und dynastischen Repräsentation
- Konfliktpotenziale mit dem städtischen Bürgertum und der Ortsgeistlichkeit
- Einfluss persönlicher Kontakte und verwandtschaftlicher Bindungen auf die Ordensansiedlung
Auszug aus dem Buch
bb) Die Motive
Zum einen sind Stiftungen und Schenkungen im Mittelalter Zeichen für die Sorge um das eigene Seelenheil und zum anderen dienen diese der Memoria. Dieses Prinzip ist bis zu den Karolingern, also bis ins Frühmittelalter verfolgbar und entfaltet sich mit der Ausbreitung des Christentums als „Gedächtnis- oder Erinnerungsreligion“: Fromme christliche Gläubige erhöhten sich durch Stiftungen und Schenkungen. Die Erinnerung (Memoria) an sich und an die Familie ebnete den Weg für das Seelenheil durch Fürbitten der Mönche und verringerte die Angst vor dem Fegefeuer sowie vor den Höllenqualen. Die fürstliche Familie bekam also durch weltliche Unterstützungen geistliche Gegenleistungen. Die Inschriften der Gedenktafeln beinhalteten Namen, Taten und die Aufforderung zum Beten für die Verstorbenen.
So steht zum Beispiel als Beweis für das enge Verhältnis der fürstlichen Familie zu den Franziskanern auf der Inschrift in der späteren Franziskanerkirche in Wismar, die Mitte des 14. Jahrhunderts dort angebracht worden war, „Orate pro eo!“ in einem Abschnitt an Helmold oder „[...] cuius nobilis domine memoria sit in eterna benedictione et gloria.“ in einer Passage an Anastasia. Für Helmold von Plessen soll also gebetet werden und Anastasia sollte für ewig und immer gelobt werden. Die Inschriften dienen neben der Memoria und dem Hinweis auf die Förderer der Gemeinschaft auch der Erinnerung der Ordensmitglieder an wichtige frühere Ereignisse – so geben diese Auskunft über die Ankunft der Franziskaner in Wismar sowie über die verschiedenen Phasen des Baus des Klosters und der Kirche.
Zusammenfassung der Kapitel
I. EINLEITUNG: Die Einleitung definiert das Thema, den regionalen Fokus auf Mecklenburg und die Zielsetzung der Arbeit, die Beziehungen zwischen Landesherren und Bettelorden historisch einzuordnen.
II. FORSCHUNG UND QUELLENLAGE: Dieser Abschnitt gibt einen Überblick über die relevante Literatur und die primären Quellengattungen, insbesondere Chroniken und Urkunden, die zur Untersuchung der Konvente herangezogen wurden.
III. DAS MITTELALTERLICHE MECKLENBURG UND DIE LANDESHERREN: Es wird die gesellschaftliche und machtpolitische Struktur des mittelalterlichen Mecklenburgs dargelegt, in der die Landesherren die prägende politische Größe darstellten.
IV. DIE BEZIEHUNGEN DER MECKLENBURGISCHEN LANDESHERREN ZU DEN FRANZISKANERN IN RIBNITZ UND WISMAR: Der Hauptteil analysiert detailliert die Gründungsbedingungen, Motive und Konfliktverläufe der Klöster in Wismar und Ribnitz.
V. ABLEITBARE ALLGEMEINE MOTIVE UND KONSEQUENZEN DER LANDESHERRLICHEN BEZIEHUNGEN ZU DEN FRANZISKANERN: Hier werden die Ergebnisse der Einzelfallanalysen zusammengeführt, um allgemeine Strategien der Herrschaftssicherung durch Bettelordensstiftungen abzuleiten.
VI. SCHLUSSTEIL: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und betont die Rolle der Klöster als Orte der Memoria und Instrumente der landesherrlichen Legitimationspolitik.
VII. LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS: Ein vollständiges Verzeichnis aller verwendeten Primärquellen und der wissenschaftlichen Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Mecklenburg, Landesherren, Franziskaner, Klarissen, Klostergründung, Wismar, Ribnitz, Memoria, Seelenheil, Patronatsrecht, Stiftungen, Bettelorden, Mittelalter, Herrschaftssicherung, Konvent.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die historischen Beziehungen zwischen den mecklenburgischen Landesherren und den Bettelorden (Franziskaner und Klarissen) während des 13. und 14. Jahrhunderts.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Klostergründungen in Wismar und Ribnitz, die Motive für diese Stiftungen sowie die Rolle der Klöster für die landesherrliche Repräsentation und das dynastische Seelenheil.
Was ist das primäre Forschungsziel der Autorin?
Ziel ist es, ein Verständnis für die Art der geistlichen Beziehungen der Fürsten zu den Orden zu erlangen und die wechselseitigen Wirkungen sowie die Bedeutung für den Herrschaftsausbau herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Analyse historischer Dokumente wie Urkunden, Klosterchroniken, Inschriften und zeitgenössischer Sekundärliteratur.
Was wird im umfangreichen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Ansiedlung in Wismar (Franziskaner) und Ribnitz (Klarissen), wobei jeweils Stadtgeschichte, Gründungsphasen, Stifterfamilien und Konflikte mit dem Klerus oder Bürgertum betrachtet werden.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie Memoria, Herrschaftssicherung, Bettelorden, Stiftungen und mecklenburgische Landesgeschichte fassen den Inhalt prägnant zusammen.
Wie unterschieden sich die Konflikte in Wismar von denen in Ribnitz?
Während für Wismar kaum größere Widerstände überliefert sind, kam es in Ribnitz zu signifikanten Spannungen mit dem lokalen Stadtrat und dem Schweriner Bischof, insbesondere aufgrund des Inkorporationsrechts der Pfarrkirche.
Welche Rolle spielte die Einsetzung von Familienmitgliedern in den Klöstern?
Die Einsetzung von Töchtern der Fürstenfamilie als Äbtissinnen in Ribnitz festigte die Bindung zwischen dem Landesherren und dem Kloster über Jahrhunderte hinweg und sicherte so den familiären Einfluss.
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- Cora Wenzel (Author), 2007, Die Beziehungen der Landesherren von Mecklenburg zu den Franziskanern/ Klarissen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93829