Sunbelt und Suncity - Altenmigration in den USA


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

38 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Einleitung

2 Die demographische Lage in den USA
2.1 Ausgewählte Charakteristika der älteren Bevölkerung in den USA

3 Räumliches Verteilungsmuster
3.1 Staaten mit dem höchsten Anteil an Hochbetagten („Oldest Old“)
3.2 Ein kurzer Blick auf die Counties

4 Altersmigration in den USA
4.1 Allgemeines zur Altersmigration
4.2 Mobilität und Migrationsmuster älterer Menschen in den USA
4.2.1 Allgemeine Mobilität
4.2.2 Migrationsmuster
4.3 Rückkehr der Hochbetagten?!
4.4 Soziodemographisches Profil der Wanderungsakteure
4.5 Frostbelt-Sunbelt-Shift

5 Wohnformen der Älteren in den USA
5.1 Aging-in-Place
5.2 Relocating-Options (Independent Living)

6 Das Konzept der Sun Cities
6.1 Philosophie der Sun Cities
6.2 Ausgewählte Merkmale von Sun Citys
6.3 Stadtplanerische und architektonische Gestaltung
6.4 Charakteristika der Bewohner

7 Ausblick

8 Quellen

9 Anhang

1 Einleitung

Wer gilt eigentlich als „alt“ oder „älter“?

Vieles deutet darauf hin, dass die Tatsache ab einem bestimmten Lebensalter als alt wahrgenommen zu werden, Folge gesellschaftlicher Konventionen ist und damit auch von Kultur zu Kultur unterschiedlich sein kann. Deutsche und nordamerikanische Statistiken setzten die Altersgrenze zumeist bei 65 Jahren fest, also mit Eintritt in das Rentenalter. Die Aufgabe des Berufs, also des lebensstrukturierenden Merkmals in westlichen Industrienationen, wird hier als Schwelle zum „Altsein“ aufgefasst.[1]

Mit dem Wegfall der berufsbezogenen Aufgaben und Aktivitäten rückt die Grunddaseinsfunktion „Wohnen“ noch stärker als zuvor in den Blickpunkt. Der räumliche Aktionsradius verkleinert sich, gesundheitliche Einschränkungen führen zur stärkeren Konzentration auf den häuslichen Bereich und die nächste Umgebung. Dabei besitzen gerade die Austauschbezüge mit ihrer räumlichen und sozialen Umwelt besondere Bedeutung für ältere Menschen. Alltägliche Handlungen wie der tägliche Einkauf oder der Gang zur Post besitzen für ältere Menschen eine andere Bedeutung als für jüngere. Sie dienen vor allem der räumlichen Teilhabe und sind, bei erfolgreicher Auseinandersetzung damit, täglicher Beweis, dass eine eigenständige, selbst bestimmte Lebensführung noch möglich ist. Derart routinierte Handlungen sind dann „nicht nur rein praktischer, sondern auch koomunikativ-symbolischer Natur im Sinne bewusster sozialer Intergration und individueller Kompetenz.“[2]

Durchaus gutgemeinte Vorstellungen zur räumlichen Umwelt älterer Menschen gehen von der Gestaltung einer betreuten und „altersgerechten“ Umwelt aus. Die Alltagsbedingungen sollen optimiert werden, damit ein erfolgreiches Altern möglich ist. Solche Konzepte können jedoch auch zu räumlicher Segregation und sozialer Isolation älterer Menschen führen.

In der nun folgenden Hausarbeit zum Thema „Sunbelt und Suncity – Altenmigration in den USA“ möchte ich gerne auf das räumliche Verteilungsmuster der Senioren als Resultat bevölkerungsgeographischer Migrationsprozesse und auf das Konzept der Sun Cities als seniorenspezifisches Wohnmodell eingehen.

Dabei werde ich, um eine Basis zu schaffen, zuerst die aktuelle demographische Lage in den USA im Vergleich zu Deutschland aufzeigen und darauf aufbauend die ältere amerikanische Bevölkerung durch ausgewählte Charakteristika kurz vorstellen. Kapitel 3 befasst sich mit dem räumlichen Verteilungsmuster der Senioren mit besonderem Blick auf Staaten mit hohen Anteilen an Hochbetagten und zeigt landesweite signifikante Unterschiede auch auf County-Ebene auf.

In Kapitel 4 wendet sich die Hausarbeit dann der Altersmigration in den USA zu.

Nach einer Einführung sollen die allgemeine Mobilität und die dadurch entstehenden Migrationsmuster amerikanischer Senioren näher betrachtet werden. Weiterhin wird die Frage nach dem soziogeographischen Profil der Wanderungsakteure beantwortet werden. Ein kurzer Überblick zur „Frostbelt-Sunbelt-Shift“ beendet diese Kapitel.

Um das Konzept der Sun Cities (Kapitel 6) in die unterschiedlichen Wohnmodelle für ältere Menschen in den USA richtig einordnen zu können, beschäftigt sich Kapitel 5 mit den verschiedenen Wohnformen für Senioren. Dabei wird zwischen „Aging-in-Place“- Wohnmodellen und „Relocating-Options“ unterschieden werden. Die Anziehungskraft auf Senioren, die zur Entstehung dieser Retirement-Siedlungen im Sunbelt der USA als eine ausgewählte Folge und Ursache von Altersmigration geführt hat, wird durch die den Städten zugrundeliegende Philosophie und anhand ausgewählter Merkmale der Siedlungen im Folgenden dargestellt. Auch die stadtplanerische und architektonische Gestaltung, sowie Charakteristika der Bewohner werden in Kapitel 6.3 und Kapitel 6.4 näher erläutert werden.

Abschließend möchte ich im Ausblick die Ergebnisse der amerikanischen Altenmigration knapp mit denen der deutschen vergleichen und einen kurzen Ausblick auf künftige Entwicklungen geben.

2 Die demographische Lage in den USA

Die USA gelten gemeinhin als jugendliche Nation[3].

Beim Blick auf die anders als in Deutschland glockenförmige Alterspyramide aus dem Jahr 2000 in Abb.1 verwundert es nicht, dass die allgemeine Geburtenziffer in den USA mit 2,09 Geburten pro Frau, beinahe auf der Höhe des Ersatzniveaus von 2,1, also dem Geburtenniveau, auf dem eine Bevölkerungszahl auch ohne Einwanderung langfristig stabil bleibt, liegt.[4] Im Vergleich dazu liegt die allgemeine Geburtenzahl in Deutschland bei nur 1,3, ein signifikanter Unterschied, der sich auch im Medianalter beider Nationen niederschlägt:[5]

Das Medianalter in den USA mit 35,3 Jahren im Jahr 2000 liegt deutlich unter dem der meisten anderen westlichen Industrienationen (Bsp. Deutschland: Jahr 2000: 39 Jahre). Prognosen für das Jahr 2050[6] scheinen diese Entwicklung zu bestätigen, denn auch hier deutet nur wenig auf eine Weiterentwicklung zur schon heute in Deutschland existierenden „Urnenform“, die sich neben signifikant sinkenden Geburtenzahlen durch eine spät einsetzende, hohe Sterberate auszeichnet, hin. Anders als in der Bundesrepublik, deren Bevölkerung nach Schätzungen um 9,5 Mio. auf 73 Mio. sinken wird, wird für Nordamerika ein natürlicher Bevölkerungszuwachs um rund 40% auf 420 Mio. für das Jahr 2050 prognostiziert, der einem demographischen Wandel wie in Deutschland oder Japan (noch) entgegensteht.

Auffallend in der Entwicklung in den USA ist vor allem der extreme Anstieg in der Alterskohorte der über 85-Jährigen von heute 4,2 Mio. (1,5% der Gesamtbevölkerung) auf geschätzte 20,9 Mio. (6,9%) im Jahr 2050.

Zusammenfassend lässt sich an folgender Tabelle kurz die unterschiedliche Verteilung der einzelnen Altersgruppen in Nordamerika und Deutschland im Jahr 2000 darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zwar liegt der Anteil der Senioren in den USA mit 12,4% deutlich unter dem der Bundesrepublik (18,3%), doch wird ein Anstieg auf 86,7 Mio., die 20,6% der Gesamtbevölkerung repräsentieren, in den nächsten 50 Jahren erwartet. Es lassen sich also in beiden Nationen ähnliche Entwicklungstendenzen in dieser Altersgruppe, auch wenn die Überalterung der Gesellschaft in Deutschland ein extremeres Ausmaß annehmen wird (2050 rund 33% älter als 65 Jahre), erkennen.

2.1 Ausgewählte Charakteristika der älteren Bevölkerung in den USA

Nach einem Bericht des amerikanischen Gesundheitsministeriums[7]:

- Starkes Wachstum der Altersklasse 65+ von 3,1 Mio. im Jahr 1900 auf 35 Mio. im Jahr 2000. Mit Ausnahme der 1990er Jahre überstieg der Anstieg der Senioren dabei immer das Wachstum der anderen Altersgruppen.
- Zwischen 1900 und 2000 stieg der Anteil der Oldest Old um den Faktor 35, während der der Altersgruppe zwischen 65 und 84 Jahren um das Zehnfache wuchs.
- Verdopplung der Seniorenzahlen im Jahr 2030 (im Vergleich zum Jahr 2000), wenn die ersten „Baby-Boomer“ ab 2011 das Rentenalter erreichen.
- Durchschnittliche Lebenserwartung im Jahr 2000: 76,9 Jahre.
- Anstieg des Frauenanteils mit dem Alter (Geschlechterrelation 3:2).
- Im Jahr 2003 lebten 10% der Senioren unter der Armutsgrenze, dabei steigt die Wahrscheinlichkeit mit dem Alter. Ältere, schwarze Frauen sind fast doppelt so häufig betroffen.
- ¾ aller Senioren lebten im Jahr 2000 in Ballungsgebieten.
- Jeder Dritte führt einen Einpersonenhaushalt.

3 Räumliches Verteilungsmuster

Tabelle 1, erstellt mit den Daten des Zensus 2000, zeigt, dass die Regionen des Südens (vor allem die Südatlantik-Staaten) und des Westens (vor allem die Mountain-Staaten) während der 1990er Jahre den größten prozentualen Zuwachs an Senioren erfuhren. Dabei variieren die nationalen Verluste beziehungsweise Zuwächse von –10,2% (District of Columbia) bis +71,5% (Nevada).

Im Jahr 2000 gab es neun Staaten mit mehr als einer Million Rentner, wobei die Staaten mit dem größten absoluten Zuwachs im Allgemeinen nicht mit denen identisch waren, die den größten Anteil älterer Menschen in Bezug auf die Gesamtbevölkerung verzeichnen konnten.

Die Abbildungen 2 (absoluter Anteil) und 3 (relativer Anteil)geben dies anschaulich wieder.

So finden sich von den neun Staaten (Kalifornien, Florida, New York, Texas, Pennsylvania, Ohio, Illinios, Michigan und New Yersey), in denen 42% aller Senioren der USA leben, nur Florida und Pennsylvania, dann aber auch auf den Plätzen eins und zwei, auf der Rangliste der Staaten mit den höchsten relativen Altenanteilen wieder (Tabelle 3).  Deutlich wird dies auch am Beispiel Californiens, das mit rund 3,6 Mio. unangefochten die zahlenmäßig größte ältere Bevölkerung aufweist, aber nur Platz 46 unter den 50 Staaten bezüglich des prozentualen Bevölkerungsanteils der Alten einnimmt[8]. Hier dominieren, abgesehen  vom Sonderfall Florida, die Bundesstaaten des Nordosten und des Mittleren Westens.

Gründe für diesen demographischen Aussiebungsprozess könnten zum einen in der Abwanderung der jungen, arbeitssuchenden Bevölkerung, zumandern im natürlichen Altern der dort ansässigen Bevölkerung liegen.

3.1 Staaten mit dem höchsten Anteil an Hochbetagten („Oldest Old“)

Tabelle 1 zeigt, dass Staaten mit einem hohen Anteil an Menschen, die älter als 65 Jahre sind, auch über eine große Zahl an Hochbetagten verfügen. Die Staaten mit dem relativ höchsten Anteil an Hochbetagten unterschieden sich jedoch von denen mit dem höchsten Anteil an der Generation 65+. Florida ist der einzige Staat, der in beiden Aufstellungen seinen Platz (an der Spitze) beibehält. Pennsylvania und West Virginia, die beide Spitzenplätze bezüglich des Anteils älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung innehaben, finden sich gemessen am relativen Anteil Hochbetagter nur im Mittelfeld wieder. Hier führen Staaten des Mittleren Westens, wie  Iowa, North Dakota, South Dakota, Nebraska und Rhode Island im Nordosten mit einem durchschnittlichen Anteil an Oldest Old über 2%.

Während der 1990er Jahre wuchs die Zahl der Hochbetagten in allen Staaten schneller als die der gesamten Alten. In Nevada und Alaska verdoppelte sich die Zahl der Oldest Old sogar, während sie in neun weiteren Staaten um die Hälfte, in 17 weiteren noch um ein Drittel anstieg. Selbst der District of Columbia, der die größten Verluste an Alten in diesem Zeitraum hinnehmen musste, konnte eine Steigerung von 14,4% bei den über 85-Jährigen verzeichnen.[9]

Zusammenfassend lässt sich also festhalten:

- Staaten des Südens und des Westens erfahren den höchsten absoluten Zuwachs an Senioren.
- Die Bundesstaaten des Mittleren Westens und des Nordostens führen jedoch bezüglich des prozentualen Anteils an Alten in der Bevölkerung.
- Staaten mit dem höchsten Anteil an Hochbetagten sind nicht mit jenen, mit dem höchsten relativen Anteil an Rentnern identisch.
- Die Zahl der Hochbetagten wächst schneller als die der Alten im Allgemeinen.

Es gibt mehrere Gründe für das unterschiedliche Verteilungsmuster der älteren Bevölkerung:

„Aging-in-Place“ im Gegensatz zu „In-Migration“ oder „Out-Migration“ älterer Menschen (in Abhängigkeit von der Altersgruppe), „Rückkehrwanderungen“ der Oldest Old (Kapitel 4.3), Migrationsbewegungen der jungen Bevölkerung und die internationale Migration.

Mit den  Migrationsbewegungen älterer Menschen beschäftigt sich eingehender Kapitel 4.

3.2 Ein kurzer Blick auf die Counties

Generation 65+

In den USA existieren 3141 Counties. Elf von in ihnen konnten im Jahr 2000 laut Tabelle 4 über 250.000 ältere Bewohner verzeichnen: Maricopa (Arizona), Los Angeles, Orange, San Diego (Kalifornien), Broward, Miami-Dade, Palm Beach (Florida), Cook (Illinios), Queens, Kings (New York) und Harris (Texas). Es fällt auf, überrascht aber nach den bereits vorausgegangenen Ausführungen nicht, dass mit Ausnahme von Cook, Queens und Kings alle Counties im Westen und vor allem im Süden der USA zu finden sind. Interessant ist auch, dass die alle führenden Counties Großstädte wie Los Angeles, San Diego, New York, Miami, Ft. Lauderdale, Phoenix, Chicago und Houston mit einschließen (siehe „Ballungsbebiete“ in diesem Abschnitt)

Der größte Anteil an Alten findet sich mit über 34,7% in Charlotte, Florida. Die größte Anzahl an Einwohnern, die älter als 65 Jahre sind, knapp eine Million, kann Los Angeles für sich verzeichnen. Sie macht hier aber weniger als 10% der Gesamtbevölkerung aus.

Von den hundert Counties mit dem höchsten relativen Anteil an Bevölkerung im Alter von 65 und mehr Jahren lagen im Jahr 2000 62 Counties im Mittleren Westen und 31 im Süden. 31 Counties wiesen sowohl ein hohes Verhältnis (mehr als 20%) als auch hohe absolute Zahlen (mehr als 10.000) an Senioren auf. Überproportional ist hier Florida mit 19 Counites, darunter

Palm Beach, Pinellas, Lee und Sarasota vertreten.[10]

Hochbetagte

Die Zahl der Counties mit 25.000 und mehr Hochbetagten hat sich in den 1990er Jahren von 8 auf 18 mehr als verdoppelt. Spitzenreiter unter den Counties ist Los Angeles mit mehr als 109.000 Oldest Old. Es fällt auf, wie Tabelle 4 und 5 im Vergleich zeigen, dass keines der zehn ersten Counties bezüglich der absoluten Zahl an Hochbetagten unter der Top Ten der Counties mit dem höchsten relativen Anteil ist. Diese Rangliste wird von McIntosh (North Dakota, 6,64%), Hooker (Nebraska 6,26%) und Divide (North Dakota 5,69%) angeführt, während Los Angeles nur einen Anteil von 1,1% aufweist. Insgesamt dominieren hier Staaten des Mittleren Westens.

Ein Vergleich zwischen den ersten zehn Rangplätzen  für die absolute Zahl an Älteren mit denen für die absolute Zahl an Hochbetagten zeigt, dass beide Ranglisten von Los Angeles (CA) und Cook (IL) angeführt werden und die Plätze 8-10 unter den bereits genannten (siehe Abschnitt Generation 65+) neu verteilt werden. Völlig anders sieht es beim prozentualen Anteil aus: Nur zwei Counties (Mc Intosh und Divide, ND) finden sich sowohl unter den Top Ten der älteren Bevölkerung ab 65 Jahren als auch unter den der Hochbetagten.

Unter den 121 Counties, in denen die Anzahl der Hochbetagten zwischen 1990 und 2000 um 100% und mehr  zunahm, lagen 60 im Westen, 56 im Süden, fünf im Mittleren Westen und keines im Nordwesten.

Die Counties geben im Großen und Ganzen also den Eindruck der Verteilung wieder, der bereits durch die Betrachtung der einzelnen Staaten gewonnen wurde. Trotzdem kann gerade der Vergleich zwischen benachbarten Counties sehr interessant sein (Bsp.: Florida-Georgia).

Ballungsgebiete

Im Jahr 2000 lebten 26,9 Mio. und damit rund 76,8% aller Senioren innerhalb eines Ballungsgebietes, ein Anstieg um 3,3% zum Jahr 1990. Von den Hochbetagten lebten 3,2 Mio. innerhalb eines Ballungsgebiets und nur 1 Mio. außerhalb.[11]

4 Altersmigration in den USA

4.1 Allgemeines zur Altersmigration

Nach FRIEDRICH/ WARNES (2000) können zwei Typen von Altersmigration von einander abgegrenzt werden. Unterscheidungskriterium ist die unterschiedliche Motivation, die zur Migration führt:

1. Motivation durch den Wunsch nach einer angenehmeren, altersgerechten Umgebung und einem altersaktiven Lebensstil.
2. Motivation durch den Wunsch nach Zugang zu sozialer oder pflegerischer Unterstützung, entweder in Altersresidenzen, Pflegeheimen und ähnlichen Institutionen oder durch den Familienverband beziehungsweise enge Bekannte.

Die folgenden Ausführungen zeigen, dass jüngere Ältere und Gruppen mit überdurchschnittlichem Einkommen meistens dem ersten Migrationstyp, Hochbetagte, bei denen Unverheiratete und Verwitwete überdurchschnittlich stark vertreten sind, eher dem zweiten zuzurechnen sind. Dabei wird es auch von Interesse sein, in wieweit die Ziel- und Herkunftsregionen beider Gruppen Unterschiede aufweisen.

4.2 Mobilität und Migrationsmuster älterer Menschen in den USA

4.2.1 Allgemeine Mobilität

Das allgemeine Mobilitätsverhalten der Generation 65+ in den USA unterscheidet sich deutlich von dem deutscher Senioren. Wie Tabelle 6 deutlich macht, migrierten im Erhebungszeitraum 22,8% der Älteren, eine Quote, mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland. Dass amerikanische Rentner so mobil sind, verwundert nicht weiter, wenn man einen Blick auf den Anteil der „movers“ bei den < 65-jährigen wirft: rund 48% haben in den letzten fünf > < 65jährigen> [12] ihren Wohnort über Gemeindegrenzen hinweg gewechselt. Dies bestätigt das Bild von den USA als einer hochmobilen Nation, ein Charakteristikum, das sich auch in den höheren Altersklassen, wenn auch abgeschwächt, weiter verfolgen lässt.

Es mag auf den ersten Blick vielleicht erstaunlich anmuten, dass der Prozentsatz der Auswanderer, nachdem er in der Gruppe der 65 bis 74-Jährigen (21,2%) und der 75 bis 84 -Jährigen (21,9%) relativ konstant bei gut 1/5 der jeweiligen Altersgruppe lag, bei den Oldest Old plötzlich auf 32,3 % ansteigt. Dies erklärt sich dadurch, dass es sich bei diesen Migrationen um solche des Typs Zwei handelt. Die Generation 85+ ist verstärkt auf fremde Hilfe bei alltäglichen Tätigkeiten angewiesen und dadurch häufig zu einem Umzug in altenspezifische Wohneinrichtungen oder in nächste Nähe zur Familie gezwungen.

Daher weisen die migrierenden Oldest Old auch den geringsten Anteil (14,9%) bei Umzügen in einen anderen Staat auf und bewegen sich bevorzugt innerhalb des gleichen Countys (61,1%).

Auswanderer zwischen 65 und 74 Jahren wiederum wechseln zu 21,2% über Staatsgrenzen hinweg und liegen damit noch um 1,5% höher als der Anteil bei den 5 bis 64-Jährigen (19,6%). Sie lassen sich dem ersten Migrationstyp zurechnen (®Retirement Migration).

4.2.2 Migrationsmuster

Bei Betrachtung der Netto-Migrationsrate 65+ in Tabelle 7 fällt auf, dass der Nordosten und der Mittlere Westen der USA starke Abwanderungen in der Altersgruppe 65+ in Höhe von -23,5 bzw. -13,0 verzeichnen. Eine überaus positive Rate können die Südstaaten mit einer Rate von 19,2 für sich verbuchen. Die Nettomigration beträgt hier 232.779 Personen, wobei der Süden überproportional von der Migration nach Florida (Netto: 149.440 Personen) profitiert, so dass auch die hohe negative Rate des District of Columbia (-69,5) mehr als ausgeglichen werden kann. Auch der Westen kann mit 7,6 eine positive Netto-Migrationsrate aufweisen. Diese erscheint verhältnismäßig niedrig, da die Mountain Division mit einer Rate von 44,4 ausgesprochen gut dasteht. Sie profitiert vor allem von Zuzügen nach Arizona (78,4) und Nevada (114,1). Grund für die trotzdem eher mäßige Rate des Westens ist die Auswanderung von Senioren aus der Pazifik Division, insbesondere aus dem Bundesstaat Alaska, der eine Netto-Migrationsrate von –39,4 verzeichnet.

Nimmt man nur die Gruppe der aktiven 65 bis 74-Jährigen in den Blick, verstärken sich die Unterscheide zwischen den einzelnen Großregionen noch weiter:

Der Nordosten und der Mittlere Westen weisen nun eine Netto-Migrationsrate von –31,5 auf, der Süden kann sich auf 27,6 steigern. In dieser Altersgruppe wird die Spitzenposition des Staates Florida im Süden besonders deutlich: Die Nettomigration liegt bei 128.011 Personen (zum Vergleich: Gruppe 65+: 149.440 Personen), die Netto-Migrationsrate bei 97,8. Übertroffen werden diese Spitzenwerte nur wieder noch von den im Westen (7,6) liegenden Staaten Arizona (125,5) und Nevada (132,7).

Florida, Arizona und Nevada sind also besonders beliebte Auswanderungsziele für ältere Menschen im Allgemeinen und für die Younger Old im Besonderen. Sie werden daher gerne als Retirement-Staaten bezeichnet, da überproportional viele ältere Menschen mit Eintritt in das Rentenalter hierher umsiedeln.

[...]


[1] Vgl.: Friedrich, Klaus: Ältere Menschen – biographische Ein- und Ausgrenzung im Lebensverlauf (2005), S. 342

[2] ebd. S. 346

[3] Im Folgenden werden gemäß der amerikanischen Nomenklatur auch die Bezeichnungen „Young old“ (65-74 Jahre), „Old Age“ (75-84 Jahre) und „Oldest Old“ (ab 85 Jahre) gebraucht.

[4] Niedrigste Geburtenziffer 1975: 1,7 danach kontinuierlicher Anstieg auf Ersatzniveau.

[5] Daten, auch zur Erstellung der Tabelle, aus:

- Statistisches Bundesamt Deutschland: http://www.destatis.de/basis/d/bevoe/src/poppyrger_v1w1.svg ; 07.07.07

- U.S. Bureau of Census (Hrsg.): Profiles of General Demographic Characteristics. (2000), S. 2

[6] Zukunftsprognosen für die USA nach: http://www.census.gov/ipc/www/usinterimproj/natprojtab02a.pdf; 07.07.07

[7] Nach: Current Populations Report. Special Studies: 65+ in the United States: 2005, S. 1-4.

[8] Dies gilt mit Abstrichen in der Größenordnung auch für bspw. Texas, Virginia, Washington und Maryland, während z. Bsp. North, Dakota, Rhode Island, Maine und South Dakota vom umgekehrten Phänomen betroffen sind.

[9] Im Vgl. dazu stieg die Zahl der 65+ Generation in Nevada und Alaska nur um die Hälfte, in Arizona um ein Drittel und in 22 weiteren Staaten um weniger als 10%.

[10] Vgl.: Current Populations Report. Special Studies: 65+ in the United States: 2005, S. 135.

[11] Ebd. S. 138.

[12] Werte stammen aus dem Census 2000, betrachten wurden die Jahre 1995-2000

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Sunbelt und Suncity - Altenmigration in den USA
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Veranstaltung
Neue Völkerwanderungen? Migration in der Gegenwart
Note
1,5
Autor
Jahr
2007
Seiten
38
Katalognummer
V93830
ISBN (eBook)
9783640105762
Dateigröße
1490 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sunbelt, Suncity, Altenmigration, Neue, Völkerwanderungen, Migration, Gegenwart
Arbeit zitieren
Miriam Engelhard (Autor), 2007, Sunbelt und Suncity - Altenmigration in den USA, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93830

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