Siedeln am Rande der Welt

Marginale Siedlung in Norwegen zur Eisenzeit


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

16 Seiten


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Marginale Siedlung in Norwegen zur Eisenzeit

Entwicklung des norwegischen „gårds“ in der Eisenzeit

Beispiele von Siedlungen der Römer-, Völkerwanderungs- und Wikingerzeit

Borg auf den Lofoten

Einleitung

Lokale geographische Umgebung

Vegetation

Die Eisenzeit auf Vestvågøy

Borg I – Das Haupthaus

Raumaufteilung

Funde der Bewirtschaftung

Geophysische Prospektierungen und Bodenanalysen

Pflanzenreste

Borg als marginaler Häuptlingssitz – Ungunstraum?

Tabellen und Abbildungen

Anhang
Bildverzeichnis

Literatur

Marginale Siedlung in Norwegen zur Eisenzeit

Entwicklung des norwegischen „gårds“ in der Eisenzeit (200 v. Chr. - 1000)

Zu dem hier behandelten Thema der marginalen Siedlung in Norwegen betrachte ich hier nur die Eisenzeit und weise die generellen Tendenzen der Siedlungsweise und des Hausbaus auf. Das Land ist durch seine große Fläche und durch den ungünstigen Raum der Gebirgsregionen für Besiedelung und Wirtschaft zum größten Teil ungeeignet (90%). Deshalb weisen die Gehöftsiedlungen (bygder) andre Strukturen auf als heimische Dörfer bei uns in Deutschland zu dieser Zeit. Die Gehöfte bilden verstreut liegend das eigentliche Dorf, diese Gehöfte können deshalb schon mehrere Kilometer auseinander liegen wegen der weitflächigen Bodenverteilung und bilden mit zwei/drei Höfen meistens eine Gehöftsammlung (bygd).

Diese Gehöftsammlung bildet fast ein kleines Dorf für sich bzw. kann sich später zu einem größeren Dorf entwickeln (Leland/Leierfjord – Nordland Fylke).

In der frühen Eisenzeit wurden die Sommer kühler und feuchter. In den Jahrhunderten nach Christi Geburt ist anhand von Pollenanalysen ein trockeneres und wärmeres Klima, mit einer kurzen sehr warmen Periode von 300 bis 400 n. Chr., festzustellen.

Der Haustyp aus der vorrömischen Eisenzeit (200 v. Chr. – 0 Chr. Geb.) ist dem der Bronzezeit in Rogaland sehr ähnlich, obwohl dieser nun eine Tendenz kürzer zu werden in der Vorrömischen Eisenzeit aufweist

Es handelt sich dabei um dieselbe Wand– und Dachkonstruktion, dieselbe Art von Lehmverputzten Wänden und mit Reetdach oder auch mit torfbedecktem Dach. (Foldøy 1995). In der zweiten Hälfte der vorrömischen Eisenzeit kamen quadratische Pfosten zum Tragen des Daches, die die zuvor gebrauchten runden Pfosten ablösten. Um Christi Geburt wurde die herkömmliche Methode mit lehmverputzen Flechtwerkwänden verlassen und in der Römerzeit wurden zunehmend die Wände in den Häusern aus Holz gefertigt.

Die Häuser der römischen Eisenzeit (0 – 400 n Chr.) zeigen vielfache Neuerungen auf. Zum einen sind sie zwischen 20 und 30 m lang und 6-7 m breit, deutlich größer und besitzen eine durchschnittliche Fläche von 180 – 300 m². Die Häuser weisen größere Pfosten in nun größeren Intervallen angeordnet auf. Sie zeigen dass die horizontalen Holzplanken welche die Wand verkleiden in die Pfosten verzahnt waren. Interessant ist besonders ein Haus auf Forsandmoen, das Haus XII (Abb. 3) mit zwei gegenüberliegenden Eingängen, jedoch ohne Stallteil, aber mit einer Art Halle. Dies Haus wird als ein Haus zugehörig der Oberschicht gedeutet wegen dem Fehlen des Stallteils und den mittig gegenüberliegenden Eingängen.

In der Völkerwanderungszeit werden die Häuser tendenziell noch größer und werden vermehrt regelmäßiger gebaut, eine standardisierte Planlösung ist zu erkennen. Die Häuser erreichen nun bis 40 m Länge und 9 m Breite. Es existieren immer zwei gegenüberliegende Eingänge zwischen dem ersten und zweiten Pfostenpaar. Hier sind die Haupthäuser wie auch zunehmend in der Römerzeit als Wohn-Stallhäuser fassbar. Oft bilden die Hausgrundrisse hügelartige Kulturschichten so genannte Wüstungen (gårdshaug). Weiterhin sind die Häuser mit steinisolierten Wänden errichtet worden mit einer Unterteilung in drei Räume. Diese Steinisolierung hat ca. 1 m Dicke ausgemacht (Løken 1988).

Die Anzahl der nachgewiesenen Hausgrundrisse zugehörig der Merowingerzeit (550- 800), ist deutlich geringer als die in der Völkerwanderungszeit. Die Forschung geht von einem Siedlungsrückgang in Verbindung u. a. mit der Justinianischen Pest aus. Die Wände der Häuser sind immer noch leicht nach außen gewölbt. Das Gerüst wird gebildet aus Doppelpfostenreihen, verkleidet mit Steinpackungen und einer inneren Holzwand.

In der Wikingerzeit treffen wir in Verbindung mit einer Siedlungsexpansion auf die meisten Hausgrundrisse. Auch sind kleinere Bauten wie Grubenhäuser oder Bauten mit nur ein –bis zwei Räumen ohne Stall nachweisbar. Diesen kleineren Wohnbauten mögen Nebengebäude mit spezieller Funktion zugeordnet gewesen sein, solche sind jedoch selten ergraben worden. Aufschlussreich sind auch Vergleiche mit anderen skandinavischen Hauskonstruktionen wie mit Hausgrundrissen aus Vorbasse aus der frühen Eisenzeit, die einen ähnlichen Innenaufbau aufweisen, jedoch keine reine Holzkonstruktion sind. Die inneren Pfostenreihen des Hauses LXIV von Forsandmoen entsprechen der von einigen Häusern in Vorbasse dieser Periode. Jedoch sind die Häuser in Vorbasse meistens größer (5-10 m) in der Länge (Løken 1988).

Wirtschaftsfaktor Eisen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Gewinnung von Eisen in Trøndelag, Norwegen.

Für die Eisenzeit ist die Möglichkeit für eine Produktion oder Zugang durch Import ein wichtiger Faktor der damaligen Zivilisation und der Wirtschaft und des Handels, ein Faktor entscheidend sein kann für die Marginalität/Ungunst eines Gebietes. Deshalb hier kurz aufgeführt den Ablauf der Herstellung von Eisen, zum Verständnis des Arbeitsaufwandes und des Verbrauchs der Ressourcen.

Als auf Heglessvollen (Nord-Trøndelag, Norwegen), ein Blasgrubenofen (Abb. 1) der Schachtoffen Tradition gefunden wurde, war nur die Schlackengruben noch nachweisbar mit 66 Kilo Schlacke in der Grube (1). Um diesen Ofen zu „blasen“, also das Eisen zur Reduktion zu bringen, musste der Ofen von der Schlacke, Eisenresten, und Bestandteile des zusammengefallenen Schachtes gereinigt werden (2).

Die Öffnung vor der Grube wurde mit Erde gefüllt und die Gruben mit gespaltenem Holz kreuz und quer aufgefüllt, dass bis zu Holzkohle verbrennt (3). Anschließend wurde ein Schacht aus Lehm mit Luftzufuhrlöchern über die Grube aufgebaut (4). Dann wird das geröstet Eisenerz auf die glühende Holzkohle gepackt, und wechselweise wieder Holz und Eisenerz aufeinander. Hier begann nun der Reduktionsprozess bei ca. 1200 °C. Das Eisenerz wird zu Eisen (Metall) und Schlacke reduziert, die in die Grube hinunterläuft. Für die Entnahme des Metalls musste evtl. der Schacht wieder entfernt werden (Schlackengrubeofen/ Rennfeuerofen, Snorup DK, Joldelund), (Stenvik 2003).

Nach Lars Stenvik begann die Eisenproduktion in Nord-Trøndelag in der vorrömischen Eisenzeit (300-400 v. Chr.) und eine spezielle Produktionstechnologie wurde erfunden. Diese Technologie währte bis zur Völkerwanderungszeit (-600) und verschwand dann vollständig. Nach mehr als 300 Funden von Öfen mit großen Schlackenbergen in diesem Gebiet, vorwiegend aus der Römerzeit (um 200-400) muss die Produktion ziemlich groß gewesen sein. Mehrere Öfen waren gleichzeitig in Betrieb bei jeder Produktionsstätte und das Ergebnis mag 100 Tonen an einer Lokalität betragen haben. Die Produktion überstieg den lokalen Bedarf und Mittel-Norwegen muss andere Regionen mit Eisen für eine lange Periode versorgt haben. Der Höhepunkt dieser Produktion ist um 200 (Stenvik 2003).

Beispiele von Siedlungen der Römer-, Völkerwanderungs- und Wikingerzeit

Die meisten Siedlungsfunde sind im Südwesten Norwegens gemacht worden, hier besonders zu erwähnen sind Ullandshaug und Forsandmoen. Diese Siedlungen sind durch ihre Randlage zwischen Bergen und Fjorden nur mit dem Boot zugänglich, bieten jedoch auf der Siedlungsebene auch Boden zum Ackerbau und zur Viehhaltung. Doch eben durch ihre Unzugänglichkeit vom Rest des Festlandes sind diese Siedlungen als marginal Einzustufen, da der Bewirtschaftung durch wenig Fläche und steilen Hängen Grenzen gesetzt sind.

[...]

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Details

Titel
Siedeln am Rande der Welt
Untertitel
Marginale Siedlung in Norwegen zur Eisenzeit
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (CAU Institut für Ur- und Frühgeschichte)
Veranstaltung
Zwischen Grönland und Julierpass – Siedlungen im Grenzbereich menschlicher Aktivitäten.
Autor
Jahr
2005
Seiten
16
Katalognummer
V93887
ISBN (eBook)
9783640102532
ISBN (Buch)
9783640119073
Dateigröße
3890 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Siedeln, Rande, Welt, Marginale, Siedlung, Norwegen, Eisenzeit
Arbeit zitieren
Hilthart Pedersen (Autor), 2005, Siedeln am Rande der Welt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93887

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