Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Modern German Literature

Zum Motiv der Geheimen Gesellschaft in Goethes Wilhelm-Meister-Romanen

Title: Zum Motiv der Geheimen Gesellschaft in Goethes Wilhelm-Meister-Romanen

Thesis (M.A.) , 2002 , 117 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Aneka Schult (Author)

German Studies - Modern German Literature
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

„Des Maurers Wandeln,
Es gleicht dem Leben,
Und sein Bestreben,
Es gleicht dem Handeln
Der Menschen auf Erden.“

Diese erste Strophe des von Goethe mit großer Wahrscheinlichkeit im Anschluß an eine Meisterloge ersonnenen Gedichtes mit dem Titel „Symbolum“ ist tatsächlich ein verbor-gener Hinweis auf jenen geheimnisvollen Zusammenhang zwischen dem menschlichen Leben, dem sittlichen Streben und der durchgeistigten Tätigkeit in den Bruderschaften der Freimaurer, den der Dichter mit zunehmender Lebenserfahrung empfunden haben mochte. In der Vorstellung von der Lebensmeisterung des Einzelnen innerhalb einer auf das Subjekt bezogenen und von diesem wiederum mitgestalteten Welt, formuliert das Gedicht zugleich den ideellen Kern von Goethes „Wilhelm-Meister“-Romanen .
Bereits zu einem früheren Zeitpunkt, im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit zu dem Thema: Interpretation des Gedichtes „Selige Sehnsucht“ aus Goethes großartiger alters-lyrischen Sammlung „West-Östlicher Divan“ aus dem Jahre 1819, war ich auf dichteri-sche Elemente gestoßen, die bei intensiverer Beschäftigung mit dem Wesen der Freimau-rerei zunehmend an freimaurerischer Substanz gewonnen haben. In ähnlicher Weise wie Goethe in Vers 18 seines Gedichtes, seiner Aufforderung zu „Stirb und Werde!“, unsere gewöhnlichen Vorstellungen von Leben und Tod umkehrt und das Sterben zur Bedin-gung des menschlichen Lebens macht, bereitet der Dichter auch den Wilhelm der „Wan-derjahre“ durch die Gebote der Entsagung auf das wahre, erfüllte Leben vor. Allein die Gelassenheit des Weisen vermag in dieser Selbstüberwindung das zu erkennen, was man gewinnt, wenn man scheinbar Bedeutendes verliert. Inwieweit die Freimaurerei den Ge-danken der maßvollen Lebensgestaltung als Grundlage sittlicher Vervollkommnung ihr eigen nennen darf, aufgrund welcher gesellschaftlichen Voraussetzungen die moralischen Ideale zu freimaurerischen erhoben wurden und von welchem Einfluß auf das dichteri-sche Schaffen Goethes die Symbolik dieser vom Geist der Aufklärung geprägten, im Handwerk begründeten Bruderschaften gewesen war, soll in der folgenden Arbeit unter-sucht werden. Die Berücksichtigung von Goethes Tätigkeit innerhalb des Bundes der Freimaurerei ist dabei ebenso erforderlich wie die Abgrenzung des ursprünglichen Mau-rerwesens von anderen, mysteriösen Geheimbünden dieser Zeit. Erst im rein sittlichen Gedanken, liegt die geistige Verbundenheit Goethes mit diesen gesellschaftlichen Krei-sen begründet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geheimgesellschaften im Deutschland des 18. Jahrhunderts

2.1. Gesellschaft im Umbruch

2.2. Schwärmerei und politisches Kalkül: Zwischen Rosenkreuzern und dem Illuminatenorden

2.3. Aufklärung und Freimaurerei

3. Der Bund der „wahren“ Maurer

3.1. Vom Steinmetzen zum Freimaurer

3.2. Konstitution und „Alte Pflichten“

3.3. Logenarbeit

3.3.1. Freimaurerische Symbole

3.3.2. Ritual und Geheimnis

4. Goethe und die geheimen Gesellschaften

4.1. Goethes Aufnahme in die Loge „Amalia“

4.2. Goethes Einblicke in den Geheimbund der Illuminaten

4.3. Freimaurerei und der Dichter Goethe

4.3.1. Reden, Gedichte und Logenlieder an die Brüder

4.3.2. Freimaurerisches Gedankengut in Goethes nicht-freimaurerischen Werken

4.4. Forschung im Zwiespalt: Freimaurer oder Überwacher Goethe

5. Das Motiv der Geheimen Gesellschaft in Goethes „Wilhelm-Meister“-Romanen

5.1. Die Turmgesellschaft in den „Lehrjahren“

5.2. Erdichtete oder erlebte Rituale und Symbole in den „Lehrjahren“

5.3. Erziehung und Entwicklung: freimaurerische Vorstellungen in den Romanen

5.4. Geselligkeit, Freundschaft und Gemeinschaft im Logenleben und in der Romanwelt

5.5. Handwerk und Kunst in der Freimaurerei und den Romanen

5.6. Das sittliche Ideal: Zur Idee der Humanität in den Romanen und im Verständnis der Freimaurerei

6. Schlußbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung des Motivs der „Geheimen Gesellschaft“ innerhalb von Goethes Wilhelm-Meister-Romanen sowie seine persönliche Auseinandersetzung mit freimaurerischen und illuminatischen Verbindungen. Zentral ist dabei die Frage, wie Goethes Tätigkeit als Freimaurer, die Symbolik der Logen und die aufklärerische Ideologie sein literarisches Schaffen prägten und inwiefern diese als Instrumente der Lebensmeisterung und gesellschaftspolitischen Reflexion fungierten.

  • Die historische Rolle von Geheimgesellschaften im 18. Jahrhundert.
  • Goethes Beitritt und Engagement in der Loge „Amalia“ sowie in Illuminatenkreisen.
  • Die symbolische und pädagogische Funktion der Geheimgesellschaft in den „Lehr-“ und „Wanderjahren“.
  • Die Verschränkung von freimaurerischem Gedankengut mit dem Humanitätsideal.
  • Die kritische Forschungshistorie zur politischen Motivation Goethes in Geheimbünden.

Auszug aus dem Buch

3.3.1. Freimaurerische Symbole

Abgesehen von den eben betrachteten „Alten Pflichten“ gibt es für die Freimaurer keine weiteren Gesetze, die zu befolgen eng an die Logenmitgliedschaft geknüpft wäre. Selbst die „Alten Pflichten“ sind, wie wir gesehen haben, eher aus der Handwerkstradition abgeleitete arbeitskoordinierende Rahmenrichtlinien und so etwas wie ein Tugendkatalog, als festgeschriebene Dogmen. Darin besteht ja gerade die Eigenart und Besonderheit der freimaurerischen Tätigkeit. Sie offenbart ihr Wesen nicht durch fortwährendes Zitieren und Kontrollieren bestimmter Glaubensbekenntnisse, sondern sie macht solche durch Symbole anschaulich und damit nachvollziehbar. Diese Symbole beziehen sich „in erster Linie auf ethische Verhaltensweisen“ und müssen, da sie nirgends schriftlich manifestiert sind, vom Maurer selbständig, „durch eigene geistige Tätigkeit gedeutet werden“. Das Irren auf diesem individuellen Pfad der Wahrheit, der Wahrheitssuche, kann dabei „im Austausch mit der Vernunft anderer“ korrigiert werden und verhindert vor allem ein Ausarten in geistiger Willkür. Um sich in Ansätzen ein Bild zu machen von der Arbeitsweise und der Ideenwelt der Freimaurerei, erscheint es sinnvoll, an dieser Stelle verschiedene Beispiele maurischer Symbolik herauszugreifen und einen Bezug herzustellen zwischen dieser gehaltvollen Bildlichkeit, dem mit ihr verbundenen Ritual und dem aufs strengste gewahrten Logengeheimnis.

Da es in der Freimaurerei keine Dogmen gibt, braucht es auch keinen fest im Geiste des Maurers etablierten und namentlich benannten Gott, dem zu dienen die Anerkennung anderer, in fremden Kulturen verehrten, allmächtigen Schöpfer, ausschließt. Vielmehr sucht der Bruder sich in seinem unaufhörlichen Streben nach Wahrheit dem „‚Große[n] Baumeister‘ aller Welten“ zu nähern. Deshalb wird auch die eigentliche freimaurerische Zusammenkunft in der Loge als Arbeit bezeichnet und ist vor dem Hintergrund der tatsächlichen, einst ausgeübten handwerklichen Tätigkeit, von der noch die „Alten Pflichten“ sprechen, symbolisch aufzufassen. Arbeit und Lohn bilden das kontemplative Pendant zu den Ursprüngen der Maurerei.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung verknüpft Goethes Gedicht „Symbolum“ mit dem ideellen Kern seiner „Wilhelm-Meister“-Romane und legt den Grundstein für die Untersuchung der freimaurerischen Einflüsse auf Goethes Lebensgestaltung und Dichtkunst.

2. Geheimgesellschaften im Deutschland des 18. Jahrhunderts: Dieses Kapitel skizziert den gesellschaftlichen Umbruch der Aufklärung, in dem sich Geheimgesellschaften als Foren für Moral und Vernunft etablierten, während gleichzeitig mystizistische Strömungen wie die Rosenkreuzer und der Illuminatenorden politische Spannungsfelder schufen.

3. Der Bund der „wahren“ Maurer: Hier werden die handwerklichen Ursprünge der Freimaurerei, ihre Konstitutionen, das System der „Alten Pflichten“ sowie die Bedeutung ritueller Symbolik und Geheimhaltung als Mittel zur Persönlichkeitsbildung analysiert.

4. Goethe und die geheimen Gesellschaften: Dieses Kapitel widmet sich detailliert Goethes Aufnahme in die Loge „Amalia“, seinem Beitritt zu den Illuminaten und der literarischen sowie persönlichen Auseinandersetzung des Dichters mit der Freimaurerei, wobei auch die Debatte um eine mögliche politische Überwachung durch Goethe beleuchtet wird.

5. Das Motiv der Geheimen Gesellschaft in Goethes „Wilhelm-Meister“-Romanen: Der Hauptteil analysiert die Turmgesellschaft als Bildungsinstanz in den Romanen, die Bedeutung ritueller Handlungen für die Entwicklung Wilhelms und das Humanitätsideal, das die Verbindung von Handwerk, Kunst und Lebensgestaltung im Sinne der Freimaurerei unterstreicht.

6. Schlußbemerkung: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass das Geheimnis und die Symbolik für Goethe stets Mittel zur Erkenntnis und zum „Gedenke zu leben“ waren, wobei sich sein Wirken im Humanitätsideal als ein unaufhörlicher Weg zur Vollkommenheit manifestiert.

Schlüsselwörter

Goethe, Freimaurerei, Wilhelm Meister, Aufklärung, Humanität, Illuminaten, Geheimgesellschaften, Symbolik, Bildung, Erziehung, Loge Amalia, Rosenkreuzer, Sittlichkeit, Wilhelm Meisters Lehrjahre, Wilhelm Meisters Wanderjahre

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Magisterarbeit untersucht die Rolle und das Motiv der Geheimen Gesellschaft in Johann Wolfgang von Goethes „Wilhelm-Meister“-Romanen und setzt dies in Beziehung zu Goethes eigener Mitgliedschaft in freimaurerischen und illuminatischen Logen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die Geschichte der Geheimgesellschaften des 18. Jahrhunderts, die freimaurerische Praxis und Lehre, Goethes persönliche Biographie im Kontext der Loge „Amalia“ sowie die literarische Umsetzung dieser Erfahrungen in den Romanen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie freimaurerische Ideale wie Humanität, sittliche Vervollkommnung und das „Maßhalten“ sowohl Goethes dichterisches Schaffen als auch die Erziehungskonzepte seiner Romanhelden maßgeblich beeinflusst haben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin kombiniert eine historisch-kontextuelle Analyse der Geheimgesellschaften mit einer werkimmanenten literaturwissenschaftlichen Untersuchung von Goethes Romanen, ergänzt durch die Auswertung von Briefen, Protokollen und zeitgenössischer Sekundärliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Turmgesellschaft als erzieherischer Instanz in den „Lehrjahren“, den rituellen Handlungen, die Goethes Verständnis von Bildung prägten, sowie der kritischen Auseinandersetzung mit Überwachungstheorien bezüglich Goethes Wirken als Staatsmann.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Freimaurerei, Humanitätsideal, Wilhelm-Meister-Romane, Aufklärung, Loge „Amalia“ und das Konzept der „sittlichen Selbstbeschränkung“ charakterisiert.

Wie bewertet die Autorin die „Überwachungstheorie“ von W. Daniel Wilson?

Die Autorin begegnet der These, Goethe habe Logen primär zur politischen Überwachung unterwandert, mit Skepsis. Sie argumentiert, dass sein Interesse vielmehr in der Suche nach einem Lebenssinn und der Veredelung des Menschen sowie in einem ehrlichen, philosophisch motivierten Austausch mit Gleichgesinnten lag.

Welche Rolle spielt das „Handwerk“ in Goethes Denken?

Das Handwerk dient als Metapher für die „Arbeit am Menschen“. Im Sinne der „Königlichen Kunst“ ist es die Grundlage für eine disziplinierte, zielgerichtete und sittlich fundierte Lebensgestaltung, die schließlich zur Meisterschaft und zur Humanität führt.

Excerpt out of 117 pages  - scroll top

Details

Title
Zum Motiv der Geheimen Gesellschaft in Goethes Wilhelm-Meister-Romanen
College
Technical University of Braunschweig  (Fachbereich für Geistes- und Erziehungswissenschaften)
Grade
2,0
Author
Aneka Schult (Author)
Publication Year
2002
Pages
117
Catalog Number
V93890
ISBN (eBook)
9783640100729
Language
German
Tags
Motiv Geheimen Gesellschaft Goethes Wilhelm-Meister-Romanen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Aneka Schult (Author), 2002, Zum Motiv der Geheimen Gesellschaft in Goethes Wilhelm-Meister-Romanen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93890
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  117  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint