Das serapiontische Prinzip in E.Th.A. Hoffmanns - Die Serapionsbrüder

Formulierung und Wirkung des Phänomens im Text


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

20 Seiten, Note: 1,8


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Entstehung „Die Brautwahl“

3. Aufbau des Textes

4. Das serapiontische Prinzip
4.1 Beschreibung des Prinzips
4.2 Funktionen nach U. Japp

5. Bisherige Ergebnisse

6. Das serapiontische Prinzip in „Die Brautwahl“

7. Das serapiontische Prinzip in der Rahmenhandlung

8. Fazit

9. Bibliographie

1. Einleitung

Diese Arbeit begründet sich in der Teilnahme an dem Hauptseminar

„E.Th.A. Hoffmann, Die Serapionsbrüder“, im Wintersemester 2007/08 an der Christian-Albrechts Universität zu Kiel. Ziel dieser wissenschaftlichen Arbeit soll es sein, das in dem Sammelband „Die Serapionsbrüder“ eingeführte serapiontische Prinzip zu beschreiben und zu analysieren, sowie seinen Bezug und seine Wirkung im Hoffmannschen Text „Die Brautwahl“ offen zu legen. Auch soll die Möglichkeit eruiert werden, ob eine Definition des serapiontischen Prinzips formuliert werden kann. Durch die Einbettung des Textes in eine Rahmenhandlung erfolgt u. a. eine textinterne Auseinandersetzung mit dem Prinzip, sodass auch dieser Punkt zu thematisieren sein wird.

Begonnen wird mit der Entstehung des Primärtextes, „Die Brautwahl“, sowie einer kurzen Analyse des Aufbaus. Im Folgenden sollen die Bedingungen des serapiontischen Prinzips der Rahmenhandlung entnommen werden, um mögliche Elemente einer Bewertung des Textes, un-/serapiontisch, zu Tage zu fördern. Auch soll versucht werden, eine mögliche Grundfunktion des Prinzips zu erfassen. Nach einem kurzen Zwischenbericht, werden diese Implikationen auf den Primärtext angewandt, um in Erfahrung zu bringen, ob/in wie weit das Serapiontische dort in Erscheinung tritt. Die gewonnenen Erkenntnisse werden im Anschluss mit den Wertungen der Rahmenhandlung in Verbindung gesetzt, um Übereinstimmungen bzw. Differenzen darzulegen. Abschließend erfolgt ein Resümee, in dem das Erfahrene reflektiert werden wird.

Was den Forschungsstand betrifft, so muss differenziert werden zwischen (a), dem des serapiontischen Prinzips und (b), dem des Hoffmannschen Textes „Die Brautwahl“. Der Forschungsstand bezüglich (a) ist ergiebig. Es finden sich einige Werke, die dem serapiontischen Prinzip ganze Kapitel widmen. Auch in Büchern, die sich mit den Aspekten des Hoffmannschen Schaffens an sich befassen, finden sich Abschnitte und kleinere Aufsätze, die sich mit der Besonderheit des serapiontischen Prinzips auseinandersetzen, oder es zumindest kommentieren. In der Regel werden jedoch die einzelnen Geschichten außerhalb des Kontextes der Serapionsbrüder, und dem des serapiontischen Prinzips, thematisiert. Der Grund dafür ist mit großer Wahrscheinlichkeit die Tatsache, dass die Mehrzahl der Texte vor der Zusammenstellung des Sammelbandes publiziert worden sind.

In Bezug auf (b) verhält es sich schwieriger. Natürlich lassen sich auch hierzu Kommentare und Abschnitte bezüglich des Textes finden, jedoch sind es in der Regel nur wenige Seiten in Zeitschriften oder am Ende einer Neuauflage des Sammelbandes. Diese Erschwernis gründet sich m. e. in der Tatsache, dass „Die Brautwahl“ einer der weniger beachteten Texte Hoffmanns ist, und neben den wirkungsmächtigeren Werken (wie z.B. „Der goldene Topf“, „Der Sandmann“ u.a.) weit unbedeutender erscheint. Trotz dessen oder viel mehr gerade aus diesem Grund beschäftigt sich diese Arbeit mit dem gewählten Text.

2. Entstehung „Die Brautwahl“

Der Erstdruck des Hoffmannschen Textes erfolgte in dem „Berlinischer Taschen-Kalender“, Ausgabe 1820. Das bedeutet, dass der Text bereits im Jahr 1819 verfasst und versendet wurde. Zu diesem Zeitpunkt lautete der volle Titel „Die Brautwahl, eine berlinische Geschichte, in der mehrere ganz unwahrscheinliche Abentheuer vorkommen“.1) Diese Auftragsarbeit war nicht nur, für den sich scheinbar häufiger in Geldnot befindenden Hoffmann, finanziell lukrativ, sondern sie bescheinigte ihm auch einen gewissen Bekanntheitsgrad im Berlin der damaligen Zeit, was seinerseits zu höheren Honoraren/ weiteren Aufträgen geführt haben mochte. Bereits ein Jahr nach dem Verfassen des Textes für den Taschen-Kalender sandte Hoffmann ihn dem Verleger der Serapions-Brüder, Georg Reimer, zu.2) Gegenüber dem Erstdruck weist der Text des Sammelbandes eine komplette Überarbeitung auf. So stößt man bei der Gegenüberstellung beider Varianten auf Auslassungen, Neuerungen, sowie die Entnahme von Konkretisierungen in Bezug auf Handlungsort und Personen:[3)]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Als Quelle für seine Erzählung vereinnahmte Hoffmann, wie er es auch in der

Rahmenhandlung durch Lothar berichten lässt, die handschriftliche Chronik des Peter Hafftiz, das „Microchronicon.“4) Ihr entnahm er zum Teil Informationen über den Münzjuden Lippold und den Alchimisten Leonhard Thurnhäuser.5)

In seinem Werk, „E. T. A. Hoffmann als Erzähler“, weist Lothar Pikulik auf die Struktur des „motivischen Gerüsts der traditionellen Komödie“6) hin, welches Hoffmann seiner Ansicht nach genutzt haben soll. Darauf verweisen auch Kommentare der Rahmenhandlung, und Pikluik sieht sich in diesem Punkt dadurch bestätigt, dass Hoffmann den Schluss in Anlehnung am W. Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“ schrieb.

Zur Untermauerung seiner These stellt er auf den Seiten 155-158 seine Einteilung der Erzählung in 5 Akte vor, worauf im folgenden Abschnitt aber noch eingegangen wird. Da sich die gesamte Handlung in Berlin zuträgt, diente freilich diese Stadt, in der Hoffmann zu jener Zeit auch lebte, als Ideenspender für das Kolorit. Diese Tatsache ist im Erstdruck noch weit deutlicher erkennbar, da dort, wie bereits erwähnt, noch konkretere und detailliertere Ortsangaben zu Berlin gemacht werden.

3. Aufbau des Textes

„Die Brautwahl“ ist im Sammelband zwischen den kurzen Erzählungen „Das fremde Kind“ und „Der unheimliche Gast“ angesiedelt, und vom Autor in fünf Kapitel unterteilt. Hoffmann lässt die Geschichte nur beinahe in chronologischer Reihenfolge ablaufen. Er stellt stattdessen das eigentlich 2. dem 1. Kapitel voran, und lässt den Leser somit unmittelbar die mysteriösen Widerfahrnissen Tusmanns miterleben. Durch diese nur geringe Umstrukturierung der chronologischen Abfolge, erzielt der Autor einen spontanen Einstieg in die Geschichte und lässt dadurch auch die Spannung innerhalb des Kapitels effektiv ansteigen. Freilich wird diese Umstrukturierung der Kapitelabfolge erst im weiteren Verlauf der Geschichte deutlich. Die immense Wirkung der Umstellung der Kapitel auf das

Empfinden des Lesers wird einem besonders effektiv vor Augen geführt, wenn bei einer zweiten Lektüre des Textes, die Umstellung aufgehoben, also die lineare

Abfolge der Kapitel eingehalten wird.

Wie bereits erwähnt hat Lothar Pikulik, auf den Seiten 155 bis 158 seines Buches eine Einteilung der Geschichte in das traditionelle 5 Akt Modell der Komödie vorgenommen, um seine These, Hoffmann habe sich vom Theater generell, und von einzelnen Theaterstücken seiner Zeit im speziellen, zu dieser Struktur inspirieren lassen. Es erfolgt nicht nur besagte Einteilung in das 5 Akt-Modell, sondern Pikulik verdeutlicht durch, die Feingliederung der Akte in Auftritte, das theaterhafte Vorbild von Hoffmanns Brautwahl. Als weitere Indizien nennt er auf S.154 die begrenzte Auswahl an Schauplätzen an denen die Akteure auf- und wieder abtreten. Auch die archetypischen Charaktere sind für Pikulik Verweise auf den Theatercharakter des Textes (S.152). Er nennt hierzu den Typus des geizigen Vaters, den des Pedanten (Tusmann), die Standardrollen der Liebenden (Edmund & Albertine), sowie einige andere.

Die Zugehörigkeit des Textes zu einer Gattung wird vom Forschungsstand differenziert betrachtet. Auf Seite 153 der Pikulik-Quelle wird der Text, aufgrund der Aktion von überirdischen Mächten, dem Barocktheater zugeordnet. Ruft man sich allerdings die Umstrukturierung der ersten beiden Kapitel und den damit verbundenen unmittelbaren Einstieg in das Geschehen ins Gedächtnis, und betrachtet im Anschluss das offene Ende der Geschichte, so wird man an die Literaturgattung der Novelle erinnert. Ihre Kennzeichen sind: eine straffe, überwiegend geradlinige Handlungsführung, die eine Nähe zum Drama aufweist, sowie das Auftauchen von Brüchen. Ebenso ein gezielter Einsatz szenischer Partien an den Höhepunkten, eine konzentriert herausgebildete Peripetie, sowie das Ausklingen der Handlung gehören dazu; hierbei ist die Zukunft der Figuren nur angedeutet.

Aber auch Bestandteile des Märchens sind im Text enthalten. Hierzu sei neben der „Dreizahl der Bewerber um die Braut“7), die mystische Figur Leonhards und des alten Manasses, aber auch die scheinbar moralische Konnotation am Ende des Textes genannt. Die scheinbare Langlebigkeit der beiden Zauberkundigen, ihre Verbindung zu Überirdischem, sowie ihre mystischen Fähigkeiten sind

elementare Bestandteile der Gesamtgeschichte, im Besonderen jedoch relevant für die Einordnung des Textes. Durch die kunstfertige Komposition der Elemente der beiden genannten Literaturgattungen, nimmt der Text eine Zwischenstellung zwischen Märchen und Novelle ein. So erreicht Hoffmann eine Form, die als Märchennovelle bezeichnet werden kann. Diese Mischform kann auch als Ausdruck der Duplizität angesehen werden, welche sich immer wieder in Hoffmanns Werken wieder findet und eines der zentralen Themen der Interpretation seiner Werke ist. (Dieser Punkt soll in dieser Arbeit jedoch nicht weiter verfolgt werden.)

Das Erzählen ist ein einfaches Mitteilen von Informationen. Das Hoffmannsche Erzählen dagegen ist, wie es bei Hartmut Steinecke heißt, häufig ein vorenthalten von Informationen.

[...]


[1)] E.T.A. Hoffmann – Die Serapionsbrüder, S. 1466, Hrg. Wulf Segebrecht, Dt. Klassik Verlag, Frankfurt a. Main, 2001;

[2)] E.T.A. Hoffmann – Die Serapionsbrüder, S. 1467, Hrg. Wulf Segebrecht, Dt. Klassik Verlag, Frankfurt a. Main, 2001;

[3)] E.T.A. Hoffmann – Die Serapionsbrüder, S. 1477, Hrg. Wulf Segebrecht, Dt. Klassik Verlag, Frankfurt a. Main, 2001;

[4)] E.T.A. Hoffmann – Die Serapionsbrüder, S. 639, Hrg. Wulf Segebrecht, Dt. Klassik Verlag, Frankfurt a. Main, 2001;

[5)] E.T.A. Hoffmann – Die Serapionsbrüder, S. 1468, Hrg. Wulf Segebrecht, Dt. Klassik Verlag, Frankfurt a. Main, 2001;

[6)] E.T.A. Hoffmann als Erzähler, S. 152, Hrg. Lothar Pikulik, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 1987;

[7)] E.T.A. Hoffmann – Die Serapionsbrüder, S. 1476, Hrg. Wulf Segebrecht, Dt. Klassik Verlag, Frankfurt a. Main, 2001;

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Das serapiontische Prinzip in E.Th.A. Hoffmanns - Die Serapionsbrüder
Untertitel
Formulierung und Wirkung des Phänomens im Text
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Institut für Neuere Deutsche Literatur)
Veranstaltung
E.Th.A. Hoffmann-Die Serapionsbrüder
Note
1,8
Autor
Jahr
2008
Seiten
20
Katalognummer
V93894
ISBN (eBook)
9783640102587
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Prinzip, Hoffmanns, Serapionsbrüder, Hoffmann-Die
Arbeit zitieren
Rene Ben Amor (Autor), 2008, Das serapiontische Prinzip in E.Th.A. Hoffmanns - Die Serapionsbrüder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93894

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