Im Zuge des Seminars „das Gedicht gibt es nicht.“ – Lyrik des 21. Jahrhun-derts“ wurde Gegenwartslyrik thematisiert und analysiert. Einer der Autoren dieser Thematik war der Lyriker Ulf Stolterfoht. Diese Arbeit wird versuchen sich wissenschaftlich mit der Arbeitsweise des Autoren1 und ihren möglichen Ursprüngen auseinanderzusetzen und verdeutlichen in welchen Feldern der Lyrik sich Stolterfohts Gedichte bewegen. Der Forschungsstand hierzu ist schlecht. Es finden sich keine wissenschaftlichen Arbeiten die verwendet werden könnten, einzig das „world wide web“ bietet eine Auswahl von Zeitungsartikeln und abgetippten Gesprächen mit Stolterfoht. In anbetracht des Mediums, sind diese Artikel mit Vorbehalten zu verwenden, auch wenn die ihnen zugrunde liegende Internetseite die Publikation eines Verlagshauses ist. Ulf Stolterfoht ist ein Lyriker über den, bis auf ein paar Eckdaten, nicht viel Persönliches zu erfahren ist. Er zählt zu den Autoren der Gegenwartslyrik, die einem das Lesen und verstehen ihrer Werke nicht gerade dadurch erleichtern, dass sie Worte im traditionellen Sinne nutzen, was allerdings die einhergehende Meinung, das Lyrik eine anspruchsvolle Gattung ist nur unterstreicht. Interessant ist, dass der Lyriker Stolterfoht seine Gedichtbände Fachsprachen genannt hat. Dies zeugt von dem Witz und der Ironie des Autoren, da er in seinen Gedichten Worte frei von Sinn verwendet und sie in der reduzierten Struktur des Satzes aufgehen lässt. Man bedenke dabei, dass Begriffe innerhalb einer Fachsprache mit Bedeutung geradezu beladen sind. Ein Wort kann teilweise gleich in mehreren Fachsprachen vorkommen und dabei verschiedene Bedeutungen. Um so makaberer ist es da, dass die Titel der Bände den Begriff Fachsprachen trägt. Eine ähnliche Abweichung von Lyrik im traditionellen Sinne findet sich in den lesefeindlichen Texten Michaels Lenz´ die sich dem Leser entziehen und vielmehr ein akustisches Erlebnis in sich bergen, bzw. in den Werken von Thomas Kling.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gedichtanalyse
3. Definition Fachsprache
4. Stolterfohts Arbeitsweise
4.1. Dekonstruktivismus
4.2. Reflexionslyrik
5. Reduktion der sprachlichen Mittel
6. Abwendung von der Bedeutung der Worte
7. Verbindungen zu Pastior
8. Resümee
9. Quellen
10. Skandierung: (8)
11. Skandierung: pantum kadewe pulmon
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit setzt sich wissenschaftlich mit der Arbeitsweise des Lyrikers Ulf Stolterfoht auseinander, wobei insbesondere die ästhetischen Merkmale seiner Gedichtbände "Fachsprachen" und die Einflüsse durch andere Autoren analysiert werden, um ein tieferes Verständnis für seine spezifische lyrische Praxis zu gewinnen.
- Analyse der sprachreflexiven Arbeitsweise und Dekonstruktion von Wortbedeutungen.
- Untersuchung der formalen Gestaltung, insbesondere des Versbaus und der Rhythmik.
- Erörterung des Begriffs der "Fachsprache" in einem lyrischen Kontext.
- Vergleich und Einordnung der Arbeitsweise in Bezug auf literarische Vorbilder wie Oskar Pastior.
- Betrachtung der Reduktion sprachlicher Mittel als zentrales Gestaltungselement.
Auszug aus dem Buch
4. Stolterfohts Arbeitsweise
Die Entwicklung in Stolterfohts Arbeit ist seinen Fachsprachenbänden anzusehen. So hat er ganz am Anfang keine Satzzeichen verwendet. Betrachtet man den hier zugrunde liegenden dritten Band, fällt auf, dass sich dies geändert hat. Nach eigener Angabe des Autors, sieht er die Anwendung seiner Texte eher in der Praxis begründet, im Lesen und Hören also, wo es auf den Rhythmus ankommt. Darin begründet er das Weglassen von Kommata als ordnendes Element.
Als Dichter, der mit Gedichten die etwas bedeuten wollen selbst seine Schwierigkeiten hat, sieht Stolterfoht seine Arbeit in einem „antisemantischen Impuls“ fußend. Anders als andere Dichter, so Stolterfoht, will er auf nichts hinaus. Vielmehr ist es seine Intention, seine Arbeit soweit zu bringen, dass „die Sachen von alleine Laufen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Gegenwartslyrik ein und legt den Fokus auf Ulf Stolterfoht, dessen Arbeitsweise aufgrund fehlender wissenschaftlicher Literatur schwer einzuordnen ist.
2. Gedichtanalyse: Hier wird das ausgewählte Gedicht (8) hinsichtlich Paratext, Strophenbau und Versbau formal untersucht, wobei besonders auf die fehlende Regelmäßigkeit und die spezifische Rhythmik eingegangen wird.
3. Definition Fachsprache: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Fachsprache aus soziolinguistischer Sicht und stellt den Unterschied zur Standardsprache sowie deren Bedeutung für Fachgruppen heraus.
4. Stolterfohts Arbeitsweise: Das Kapitel beleuchtet Stolterfohts Intention, Worte von ihrem Sinn zu befreien, und untersucht Einflüsse durch den Dekonstruktivismus sowie die Rolle der Sprachreflexion.
5. Reduktion der sprachlichen Mittel: Es wird analysiert, wie Stolterfoht durch den Entzug von Semantik und die Reduzierung grammatikalischer Strukturen die Komplexität seiner Gedichte bewusst erhöht.
6. Abwendung von der Bedeutung der Worte: Hier steht die Zuwendung zum Wort als reinem Klangkörper im Vordergrund, wobei die Lyrik als eine "Sprache zweiter Ordnung" beschrieben wird.
7. Verbindungen zu Pastior: Dieses Kapitel zeigt die literarische Verbindung und Parallelen zwischen Stolterfoht und dem experimentellen Lyriker Oskar Pastior auf.
8. Resümee: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Schwierigkeiten der Quellenlage und hält fest, dass Stolterfohts Lyrik als unorthodoxe, aber prägende Strömung der Gegenwartsliteratur anzusehen ist.
Schlüsselwörter
Ulf Stolterfoht, Gegenwartslyrik, Fachsprachen, Dekonstruktivismus, Sprachreflexion, Versbau, Reduktion, Semantik, Oskar Pastior, Lyrikanalyse, Klangkörper, Lautgedicht, experimentelle Lyrik, Satzrhythmus, Intertextualität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Arbeitsweise des Gegenwartslyrikers Ulf Stolterfoht, insbesondere mit der Struktur und Intention seiner Gedichtbände unter dem Titel "Fachsprachen".
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Dekonstruktion von Sprache, das Verhältnis von Bedeutung und Klang, formale Aspekte wie Rhythmus und Versbau sowie der Einfluss literarischer Vorbilder.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Stolterfohts poetischer Methode, um verdeutlichen, in welchen Feldern der Lyrik sich sein Schaffen bewegt und wie er mit Sprache als Material verfährt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die formale Kriterien der Lyrikanalyse mit soziolinguistischen Definitionen von Fachsprache und literaturtheoretischen Ansätzen (Dekonstruktion) kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Gedichtanalyse, die theoretische Einbettung in Fachsprache und Dekonstruktivismus, die Untersuchung der Reduktion sprachlicher Mittel und einen Vergleich mit Oskar Pastior.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Sprachreflexion, Antisematik, Rhythmik, Fachsprachen, Dekonstruktivismus und experimentelle Lyrik.
Welchen Stellenwert hat die Internet-Recherche für diese Arbeit?
Da der Forschungsstand zu Ulf Stolterfoht zum Zeitpunkt der Arbeit sehr gering war, bilden Zeitungsartikel und Gespräche aus dem Internet neben Sekundärliteratur zur Lyrikanalyse das Fundament der Recherche.
Warum wird eine Verbindung zu Oskar Pastior hergestellt?
Pastior dient als ein zentraler Referenzpunkt, da Stolterfoht ihn als Einfluss nennt und in seinen Werken Parallelen in der optischen Struktur und der Verwendung von Silbenrhythmen erkennbar sind.
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- Rene Ben Amor (Author), 2006, Gegenwartslyriker Ulf Stolterfoht-Fachsprachen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93896