Zielsetzung der Arbeit ist es, einen kritischen Vergleich der Bilanzierung latenter Steuern nach IFRS (International Financial Reporting Standards) und HGB (Handelsgesetzbuch) vorzunehmen. Auf Grund des hohen Umfangs beschränkt sich diese Arbeit auf die Einzelabschlussebene.
Zu Beginn des Kapitels 2 wird zunächst die Entstehung von aktiven und passiven latenten Steuern dargestellt, die verschiedenen Arten von Erfolgsdifferenzen erläutert und anschließend auf die Konzepte der Abgrenzung sowie die Methoden der Bewertung latenter Steuern eingegangen. Auf diese Weise werden die Grundlagen für das Verständnis der folgenden Vergleichsanalyse gelegt. In der Folge wird in Kapitel 3 auf die Bilanzierung latenter Steuern nach HGB eingegangen. Eingeleitet durch einen Überblick über den Anwendungsbereich werden die Punkte Ansatz, Bewertung und Ausweis aufgezeigt. Es folgt eine kurze Erklärung zu latenten Steuern auf Verlustvorträgen. Nach der gleichen Vorgehensweise wird in Kapitel 4 die Bilanzierung latenter Steuern nach den IFRS dargestellt mit den Abschnitten Anwendungsbereich, Ansatz, Bewertung, Ausweis und latente Steuern auf Verlustvorträge. Im Anschluss folgt in Kapitel 5 ein kritischer Vergleich zwischen der Bilanzierung latenter Steuern nach HGB und IFRS anhand der, in den vorangegangenen Kapiteln 3 und 4 verwendeten Abschnitte, Anwendungsbereich, Ansatz, Bewertung, Ausweis und latente Steuern auf Verlustvorträge. Der Vergleich wird daraufhin durch eine Synopse veranschaulicht und die Wirkungsweise latenter Steuern mittels eines Beispiels aufgezeigt. Der Abschluss der Arbeit folgt in Kapitel 6 mit einer Zusammenfassung der in der Vergleichsanalyse erarbeiteten Erkenntnisse.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
1.2 Gang der Untersuchung
2 Grundlagen der Bilanzierung latenter Steuern
2.1 Entstehung latenter Steuern
2.1.1 Grundlagen
2.1.2 Entstehung aktiver latenter Steuern
2.1.3 Entstehung passiver latenter Steuern
2.2 Arten von Erfolgsdifferenzen
2.2.1 Temporäre Differenzen
2.2.2 Permanente Differenzen
2.2.3 Quasi-permanente Differenzen
2.3 Konzepte der Abgrenzung latenter Steuern
2.3.1 Überblick
2.3.2 Timing Konzept
2.3.3 Temporary-Konzept
2.4 Methoden der Bewertung latenter Steuern
2.4.1 Überblick
2.4.2 Liability-Methode
2.4.3 Deferred-Methode
3 Bilanzierung latenter Steuern nach HGB
3.1 Anwendungsbereich
3.2 Ansatz latenter Steuern
3.2.1 Grundlagen
3.2.2 Aktive latente Steuern
3.2.3 Passive latente Steuern
3.3 Bewertung latenter Steuern
3.3.1 Zugangsbewertung
3.3.2 Folgebewertung
3.4 Ausweis latenter Steuern
3.5 Latente Steuern auf Verlustvorträge
4 Bilanzierung latenter Steuern nach IFRS
4.1 Anwendungsbereich
4.2 Ansatz latenter Steuern
4.2.1 Grundlagen
4.2.2 Aktive latente Steuern
4.2.3 Passive latente Steuern
4.3 Bewertung latenter Steuern
4.3.1 Zugangsbewertung
4.3.2 Folgebewertung
4.4 Ausweis latenter Steuern
4.5 Latente Steuern auf Verlustvorträge
5 Kritischer Vergleich der Bilanzierung latenter Steuern nach HGB und IFRS
5.1 Anwendungsbereich
5.2 Ansatz latenter Steuern
5.3 Bewertung latenter Steuern
5.4 Ausweis latenter Steuern
5.5 Latente Steuern auf Verlustvorträge
5.6 Synopse
5.7 Fallbeispiel passive latente Steuer
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, einen kritischen Vergleich zwischen den Regelungen zur Bilanzierung latenter Steuern nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) und den International Financial Reporting Standards (IFRS) durchzuführen. Hierbei steht die Einzelabschlussebene im Fokus, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei Ansatz, Bewertung und Ausweis dieser Steuerlatenzen herauszuarbeiten.
- Entstehung von aktiven und passiven latenten Steuern sowie grundlegende Konzepte (Timing- vs. Temporary-Konzept).
- Detaillierte Analyse der Ansatz- und Bewertungsmethoden im HGB und in den IFRS.
- Untersuchung der Ausweisvorschriften und der Behandlung von Verlustvorträgen in beiden Rechnungslegungssystemen.
- Gegenüberstellung und kritische Würdigung der nationalen und internationalen Anforderungen mittels einer Synopse.
- Veranschaulichung der Wirkungsweise latenter Steuern an einem praktischen Fallbeispiel.
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Entstehung aktiver latenter Steuern
Aktive latente Steuern entstehen, wenn vorübergehend die handelsrechtlichen Buchwerte der Aktivseite geringer sind als die der StB oder die handelsrechtlichen Buchwerte der Passivseite höher sind als die der StB. Dies ist der Fall, sollten Vermögensgegenstände (Aktiva) in der HB niedriger bewertet werden als in der StB oder aber in der HB nicht angesetzt werden. Darüber hinaus ist dies der Fall, wenn Schulden (Passiva) in der HB höher bewertet werden oder ausschließlich in der HB angesetzt werden. Die Folge daraus ist ein, im Vergleich zur HB, höherer steuerrechtlicher Gewinn. Daher übersteigt der effektive Steueraufwand den fiktiven Steueraufwand. Dieser, höhere, fiktive Steueraufwand gleicht sich aus, wenn die Bemessungsgrundlage der Ertragsteuer, in zukünftigen Perioden, durch die Betriebsausgabe gemindert wird.
Beispiele für die Entstehung aktiver latenter Steuern sind:
Höhere planmäßige Abschreibung des Geschäfts- oder Firmenwerts in der HB als in der StB zulässig.
Höhere Bewertung einer Pensionsrückstellung in der HB als in der StB zulässig ist.
Ein weiteres Beispiel ist der Verzicht auf die Ausübung des Aktivierungswahlrechts in der HB, im Falle eines Disagios bei einer Kreditaufnahme. In der StB ist die Aktivierung verpflichtend, somit entsteht eine Differenz zwischen HB und StB.
Der Verzicht des Aktivierungswahlrechts führt dazu, dass das Disagio den handelsrechtlichen Gewinn (vor Steuern), durch seine Behandlung als Sofortaufwand, um seine gesamte Höhe reduziert. In der StB wird das Disagio über die Laufzeit des Kredits abgeschrieben und reduziert die Steuerbemessungsgrundlage somit kontinuierlich um den Abschreibungsbetrag. Der Steuerrechtliche Gewinn ist zuerst höher und in der Folge niedriger im Vergleich zum handelsrechtlichen Gewinn vor Steuern. Somit muss in der Periode der Entstehung ein Posten für aktive latente Steuern gebildet werden, dieser löst sich über die Laufzeit der Abschreibung des Disagios wieder auf.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Problemstellung der Arbeit, die Notwendigkeit latenter Steuern zur periodengerechten Erfolgsermittlung und den Gang der Untersuchung.
2 Grundlagen der Bilanzierung latenter Steuern: Erläutert die Entstehung aktiver und passiver latenter Steuern, Arten von Erfolgsdifferenzen sowie zentrale Konzepte und Bewertungsmethoden.
3 Bilanzierung latenter Steuern nach HGB: Analysiert den Anwendungsbereich, Ansatz, Bewertung, Ausweis und die Behandlung von Verlustvorträgen unter dem deutschen Handelsrecht.
4 Bilanzierung latenter Steuern nach IFRS: Untersucht die entsprechenden Regelungen nach IAS 12 sowie die spezifischen Anforderungen an Ansatz und Bewertung in internationalen Abschlüssen.
5 Kritischer Vergleich der Bilanzierung latenter Steuern nach HGB und IFRS: Führt einen direkten Vergleich der beiden Regelwerke durch, visualisiert diesen durch eine Synopse und illustriert die Wirkungsweise an einem Fallbeispiel.
6 Fazit: Fasst die zentralen Erkenntnisse des Vergleichs zusammen und gibt einen Ausblick auf die Bedeutung latenter Steuern in der Zukunft.
Schlüsselwörter
Latente Steuern, HGB, IFRS, Bilanzierung, Temporary-Konzept, Liability-Methode, Aktive latente Steuern, Passive latente Steuern, Steueraufwand, Handelsbilanz, Steuerbilanz, Verlustvorträge, Erfolgsdifferenzen, BilMoG, IAS 12.
Hufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Bilanzierung latenter Steuern und führt einen kritischen Vergleich zwischen den Vorschriften des deutschen Handelsgesetzbuchs (HGB) und den International Financial Reporting Standards (IFRS) durch.
Welche Themenfelder stehen dabei im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die Entstehung von Steuerlatenzen, die angewandten Bewertungskonzepte (Timing- vs. Temporary-Konzept), die Bewertungsmethoden (insb. Liability-Methode) sowie die spezifischen Regelungen zum Ansatz und Ausweis in beiden Rechnungslegungssystemen.
Was ist die primäre Zielsetzung der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei der Behandlung latenter Steuern nach HGB und IFRS auf der Ebene der Einzelabschlüsse zu identifizieren und deren Auswirkungen auf die Rechnungslegung kritisch zu würdigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse, die die theoretischen Grundlagen erläutert und anschließend die verschiedenen Bilanzierungsaspekte (Ansatz, Bewertung, Ausweis) systematisch gegenüberstellt und anhand eines praktischen Fallbeispiels verdeutlicht.
Welche Kernpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt zunächst die theoretischen Grundlagen, gefolgt von einer detaillierten Betrachtung der HGB-Vorschriften und der IAS 12-Regelungen. Den Abschluss bildet der direkte kritische Vergleich sowie ein Fallbeispiel zur passiven latenten Steuer.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Latente Steuern, Temporary-Konzept, Liability-Methode, HGB, IFRS, Steuerabgrenzung, Aktive/Passive Steuerlatenzen und Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) charakterisiert.
Warum gibt es Unterschiede zwischen HGB und IFRS bei der Behandlung von Verlustvorträgen?
Während das HGB eine Prognose innerhalb der kommenden fünf Jahre verlangt, verzichten die IFRS auf einen festen Zeitraum und stellen primär auf die Wahrscheinlichkeit einer zukünftigen Verlustnutzung ab.
Wie unterscheidet sich die Bewertung bei Steuersatzänderungen?
Beide Systeme nutzen die Liability-Methode, die eine Anpassung an zukünftig zu erwartende Steuersätze erfordert. Die IFRS sind hierbei jedoch detaillierter reguliert, insbesondere hinsichtlich der Frage, wann eine Steuersatzänderung als "substantively enacted" gilt.
Welchen Einfluss hatte das BilMoG auf die Bilanzierung latenter Steuern in Deutschland?
Das BilMoG führte zur Ablösung des Timing-Konzepts durch das bilanzorientierte Temporary-Konzept und zur Abschaffung der umgekehrten Maßgeblichkeit, wodurch sich das HGB deutlich stärker an internationale Standards annäherte.
Warum ist das Abzinsungsverbot für latente Steuern in beiden Regelwerken verankert?
Obwohl das Verbot in beiden Systemen besteht, unterscheidet sich die Begründung: Während das HGB auf den Charakter als Sonderposten verweist, begründen die IFRS dies mit der hohen Komplexität der Bestimmung des Abbauzeitpunkts.
- Quote paper
- Ole-Kristoph Dethlefs (Author), 2019, Bilanzierung latenter Steuern nach dem Handelsgesetzbuch und des International Financial Reporting Standards, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/939026