Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Modern German Literature

Gesellschafts- und Romantikkritik. Automatenmenschen in "Der Sandmann" von E.T.A. Hoffmann

Title: Gesellschafts- und Romantikkritik. Automatenmenschen in "Der Sandmann" von E.T.A. Hoffmann

Seminar Paper , 2002 , 18 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Dennis Horn (Author)

German Studies - Modern German Literature
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Das Automatenmotiv bietet bis heute Stoff für zahlreiche Geschichten in Literatur und Film. Modernen Vertretern der Gesellschaftskritik wie Ridley Scott oder George Orwell, die den Menschen im Zuge der andauernd fortschreitenden Technisierung immer weiter zum Automaten verkommen sehen, steht bereits in der Romantik E.T.A. Hoffmanns ,,Der Sandmann" gegenüber, das noch immer für eine große Zahl an Diskussionen in der Literaturwissenschaft sorgt.
Die anhaltenden Kontroversen sind vor allem darauf zurückzuführen, dass Hoffmann keine eindeutige Interpretation zulässt: Er erzählt multiperspektivisch und lässt seinen Leser im Unklaren darüber, wo sich in seinem Werk die Grenzen zwischen Traum und Realität befinden und welche Perspektiven als objektiv betrachtet werden dürfen. Schon mit den drei Briefen, die als Einleitung in die Geschichte dienen, werden dem Leser die subjektiven Ansichten der Protagonisten Clara und Nathanael förmlich aufgedrängt, und auch durch den Erzähler bietet sich im weiteren Verlauf der Erzählung kein klareres Bild.
Eine Vielzahl der Debatten zum ,,Sandmann" beschäftigt sich mit dem Automatenmotiv, das durch die Figur der Olimpia vertreten wird.
Mit den Automaten übt Hoffmann nicht allein eine Kritik an der philiströsen Gesellschaft aus. Vielmehr ist diese Kritik in einen größeren Rahmen einzuordnen, in dem Olimpia als Extrem kleinbürgerlicher Alltäglichkeit Nathanael als Extrem frühromantischer Ideale gegenübersteht. Beide führen zu einem nicht lösbaren Perspektivenkonflikt, den ich in dieser Hausarbeit neben der Frage, worin die Faszination von Automaten allgemein und speziell in der Epoche der Romantik liegt, näher darstellen und teilweise auflösen möchte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Der Automat als Objekt literaturwissenschaftlicher Kontroversen

2. Die Faszination von Automaten in Literatur und Realität

2.1. Die Geschichte der Automaten-Faszination

2.2. Die Automaten-Faszination in der Romantik

3. Automatenmenschen in „Der Sandmann“

3.1. Olimpia: Kritik an Wissenschaft und Gesellschaft

3.2. Nathanael: Kritik an Romantik und Subjektivismus

3.3. „Du lebloses, verdammtes Automat“: Clara als Ideal

4. Schlussbemerkung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung des Automatenmotivs in E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“ und analysiert, wie Hoffmann durch die Figur der Olimpia sowie die Perspektiven der Protagonisten Nathanael und Clara Gesellschafts- und Romantikkritik übt.

  • Die historische Entwicklung der Faszination für Automaten in Realität und Literatur.
  • Die kritische Auseinandersetzung mit Rationalismus und Technisierung im 18. und 19. Jahrhundert.
  • Die Analyse der Künstlerproblematik und des Scheiterns Nathanaels durch übersteigerten Subjektivismus.
  • Die Untersuchung der Rollen von Olimpia und Clara als Projektionsflächen innerhalb der Erzählung.
  • Das Spannungsfeld zwischen Phantasie und Realität im Kontext von Hoffmanns „Prinzip der Duplizität“.

Auszug aus dem Buch

3.2. Nathanael: Kritik an Romantik und Subjektivismus

Frühe Interpreten wie Lienhard Wawrzyn sehen im „Sandmann“ ausschließlich eine Kritik an der zunehmenden Automatisierung der Gesellschaftsstrukturen und ihrer sozialen Normen. Dies zu behaupten bedeutet jedoch auch, Hoffmanns Prinzip der Duplizität zu ignorieren: die Bedingung, nur als Künstler tätig sein zu können, wenn man ausgewogen mit Phantasie und Realität umgehen kann. Die Kritik richtet sich deshalb nicht nur gegen den Rationalismus, sondern auch gegen einen übersteigerten Subjektivismus.

Schon weil der Künstler Nathanael im „Sandmann“ scheitert, kann es sich bei der Erzählung nicht um eine ausschließliche Kritik am Rationalismus handeln. Nathanael stellt als das eigentliche romantische Ideal den Gegensatz zu Olimpia dar, er „erweist sich also als ein Dichter, der, gefangen im Kreis seiner inneren Bilder, die Rückbindung an die Realität preisgibt“. Hoffmann führt mit Nathanaels Beziehung zu Olimpia vor, wie ein romantisch-subjektiver Künstler immer weiter die Realität aus den Augen verliert, anstatt sich mit seiner Außenwelt und den Dingen, von denen er dichten soll, auseinander zu setzen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Der Automat als Objekt literaturwissenschaftlicher Kontroversen: Einleitung in das Automatenmotiv und die Problematik der multiperspektivischen Erzählweise Hoffmanns, die keine eindeutige Interpretation zulässt.

2. Die Faszination von Automaten in Literatur und Realität: Historischer Überblick über die menschliche Faszination für mechanische Nachbildungen von der Antike bis zum 19. Jahrhundert.

3. Automatenmenschen in „Der Sandmann“: Hauptteil der Untersuchung, der die Weltbilder von Olimpia, Nathanael und Clara im Kontext der Zeit analysiert.

4. Schlussbemerkung: Resümee über die Unentschlüsselbarkeit des Motivkomplexes und die bleibende Relevanz der Künstlerproblematik bei Hoffmann.

Schlüsselwörter

E.T.A. Hoffmann, Der Sandmann, Automatenmotiv, Romantik, Gesellschaftskritik, Rationalismus, Subjektivismus, Olimpia, Nathanael, Clara, Literaturwissenschaft, Künstlerproblematik, Prinzip der Duplizität, Technisierung, Philistertum.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Funktion des Automatenmotivs in E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“ als Mittel zur Kritik an gesellschaftlichen und künstlerischen Strömungen der Romantik.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören die Kritik am Rationalismus, die Gefahren des übersteigerten Subjektivismus sowie das Spannungsfeld zwischen technischer Perfektion und menschlicher Seele.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Hoffmann durch die Multiperspektivität der Erzählung eine einseitige Parteinahme vermeidet und stattdessen die Künstlerproblematik in den Vordergrund stellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die auf den Erzähltext selbst sowie auf eine Auswahl an forschungsgeschichtlicher Sekundärliteratur zurückgreift.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die drei Figuren Olimpia, Nathanael und Clara als Repräsentanten spezifischer Weltbilder analysiert, um Hoffmanns Kritik an Rationalismus und romantischem Subjektivismus offenzulegen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Hoffmann, Automatenmotiv, Romantik, Rationalismus, Subjektivismus, Künstlerproblematik und die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Normen.

Wie bewertet der Autor Olimpias Bedeutung?

Der Autor sieht in Olimpia nicht nur eine Kritik an der Technisierung, sondern vor allem ein Spiegelbild für den Rationalismus und das Philistertum, das durch die projektive Wahrnehmung Nathanaels erst "zum Leben" erweckt wird.

Warum scheitert Nathanael in der Erzählung?

Nathanael scheitert, da er die notwendige Balance zwischen Phantasie und Realität – Hoffmanns „Prinzip der Duplizität“ – verliert und sich in einen narzisstischen Subjektivismus flüchtet, der ihn von der Außenwelt isoliert.

Excerpt out of 18 pages  - scroll top

Details

Title
Gesellschafts- und Romantikkritik. Automatenmenschen in "Der Sandmann" von E.T.A. Hoffmann
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"  (Germanistisches Seminar (Germanistik II))
Course
Grundseminar Epoche: Romantik
Grade
1,0
Author
Dennis Horn (Author)
Publication Year
2002
Pages
18
Catalog Number
V9390
ISBN (eBook)
9783638161060
ISBN (Book)
9783638746489
Language
German
Tags
Gesellschafts- Romantikkritik Automatenmenschen Sandmann Hoffmann Grundseminar Epoche Romantik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dennis Horn (Author), 2002, Gesellschafts- und Romantikkritik. Automatenmenschen in "Der Sandmann" von E.T.A. Hoffmann, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9390
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  18  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint