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Komik und Subversion im jüdischen Erzählwitz. Eine gattungstheoretische Reflexion

Title: Komik und Subversion im jüdischen Erzählwitz. Eine gattungstheoretische Reflexion

Term Paper , 2020 , 21 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Jana Foerst (Author)

German Studies - Genres
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Im Folgenden soll die jüdische Witzkultur in den Fokus gerückt werden und anhand von Beispielen jüdischer Erzählwitze das Gattungsmerkmal der Komik, die ihrerseits durch ein subversives Potential gekennzeichnet ist, herausgearbeitet werden. Es wird der Fragestellung nachgegangen, inwiefern sich die Merkmale der Komik in der Textsorte des Witzes widerspiegeln. Nachdem zunächst ein Überblick über die Merkmale der Komik erfolgt, wird die Textsorte des Witzes in Bezug zu ihrem Entstehungskontext als kleine Form gesetzt und näher definiert. Anschließend wird analysiert, wie sich die gattungsspezifischen Ausprägungen im jüdischen Witz präsentieren, indem die Situation der jüdischen Gemeinschaft in der Moderne charakterisiert wird, um im Anschluss einige Beispiele jüdischer Erzählwitze zu erörtern.
Witze sind heutzutage allgegenwärtig und helfen den Menschen sich von ihren alltäglichen Anspannungen zu befreien. Sie werden im gesellschaftlichen Kontext zur Hebung der Laune erzählt oder kursieren als Textsorte in Witzesammlungen. Doch nicht jeder Witz wird auch als witzig empfunden, denn er ist nicht nur abhängig von seinem Inhalt, der Art und Weise, wie und besonders von wem er erzählt wird, sondern auch von seiner historischen und sozialen Situierung. Die Frage was Komik darf, ist heutzutage besonders präsent und nicht selten kommt es aufgrund von Grenzüberschreitungen zu Empörungen. „Pointen, [die] auf der Ba-sis von Antisemitismus, Rassismus sowie allgemeiner Menschenfeindlichkeit“ aufgebaut werden, antisemitische Klischees bestätigen und die den „Unterschied zwischen jüdischen Witz und Judenwitz nicht zu kennen“ scheinen, stoßen auf heftige Kritik. Witze sind deshalb nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Nachdenken und der Hinterfragung geltender Gesellschafts- und Ordnungssysteme ein geeignetes Mittel.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Komische als Gattungsmerkmal

2.1 Merkmale des Komischen

2.2 Das Komische in kleinen Formen

2.3 Der Witz

3. Der jüdische Witz

3.1 Das Judentum in der Moderne

3.2 Analyse jüdischer Erzählwitze

4. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht das subversive Potenzial des jüdischen Erzählwitzes vor dem Hintergrund gattungstheoretischer Aspekte und soziokultureller Bedingungen der Moderne. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, inwiefern sich die Merkmale der Komik in dieser Textsorte widerspiegeln und als Mittel der Selbstermächtigung fungieren.

  • Gattungstheoretische Einordnung des Komischen und der kleinen Formen.
  • Charakterisierung des jüdischen Witzes als kulturelles und soziales Phänomen.
  • Analyse der Wirkung von Identitätskonflikten und Assimilation auf den Humor.
  • Untersuchung des subversiven Potenzials und der politischen Dimension des Lachens.

Auszug aus dem Buch

3.2 Analyse jüdischer Erzählwitze

Der Arzt, der gebeten worden ist, der Frau Baronin bei ihrer Entbindung beizustehen, erklärt den Moment für noch nicht gekommen und schlägt dem Baron unterdes eine Kartenpartie im Nebenzimmer vor. Nach einer Weile dringt der Wehruf der Frau Baronin an das Ohr der beiden Männer. »Ah mon Dieu, que je souffre! « Der Gemahl springt auf, aber der Arzt wehrt ab: » Es ist nichts, spielen wir weiter. « Eine Weile später hört man die Kreißende wieder: » Mein Gott, mein Gott, was für Schmerzen!« - »Wollen Sie nicht hineingehen, Herr Professor?« fragt der Baron. - »Nein, nein, es ist noch nicht Zeit.« - Endlich hört man aus dem Nebenzimmer ein unverkennbares: »Ai, waih, waih« geschrien; da wirft der Arzt die Karten weg und sagt: » Es ist Zeit.«

Sander Gilman beschreibt diesen Witz, der von Freud in seiner Sammlung aufgenommen wurde, als „Judenwitz“, einen (antisemitischen) „Witz von Nicht-Juden über Juden“, der Ähnlichkeiten zum jüdischen Humor aufweist, aber eigentlich „ein abgedroschener Scherz über die Anmaßung gesellschaftlich aufsteigender Wiener Juden“ ist. Der Witz verweist nach Freud mithilfe der technischen Mittel des Witzes, der „indirekten Darstellung“ und der „Anspielung“, auf die „Stufenleiter der Kultur“. Der jiddische Ausdruck Ai, waih, waih zeigt die ursprüngliche Natur der assimilierten jüdischen Baronin, die ungeachtet ihres kulturellen Aufstiegs, welcher verbunden ist mit dem Gebrauch der deutschen und französischen Sprache, ihre ursprüngliche Sprache und somit auch ihre jüdische Herkunft nicht verstecken kann. Im Kontext von Freuds Theorie zum Unbewussten zeigt sich hier, dass das Unbewusste und Verdrängte durch natürliche Empfindungen wie den Schmerz sichtbar wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik ein und definiert die Zielsetzung der Arbeit, die jüdische Witzkultur anhand gattungsspezifischer Merkmale zu analysieren.

2. Das Komische als Gattungsmerkmal: Hier werden theoretische Grundlagen des Komischen, der kleinen Formen und des Witzes als Genre dargelegt.

3. Der jüdische Witz: Dieses Kapitel beleuchtet die Definition, Entstehung und soziokulturelle Einbettung jüdischer Erzählwitze sowie deren Funktion in der Moderne.

4. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, wobei die Rolle des Witzes als Ventil und Mittel der Identitätsbehauptung betont wird.

Schlüsselwörter

Jüdischer Witz, Erzählwitz, Gattungstheorie, Komik, Subversion, Selbstermächtigung, Assimilation, Kleine Formen, Identität, Soziokulturelle Kontexte, Moderne, Antisemitismus, Humor, Pointe, Kulturindikator.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der gattungstheoretischen Reflexion von Komik und Subversion innerhalb der Textsorte des jüdischen Erzählwitzes.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Merkmale des Komischen, die Definition der kleinen Form sowie der Einfluss soziokultureller Bedingungen der Moderne auf die jüdische Witztradition.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, inwiefern das subversive Potenzial des Witzes als Methode der politischen und gesellschaftlichen Selbstermächtigung innerhalb der jüdischen Gemeinschaft genutzt wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die auf der Gattungstheorie sowie auf den Arbeiten von Theoretikern wie Freud und Bachtin basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Komik, eine spezifische Betrachtung des Judentums in der Moderne und die Anwendung dieser Erkenntnisse auf konkrete Beispiele jüdischer Witze.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Schlagworte umfassen neben dem jüdischen Witz und der Gattungstheorie vor allem Begriffe wie Subversion, Selbstermächtigung, Assimilation und Identität.

Wie unterscheidet die Autorin zwischen "Judenwitz" und "jüdischem Witz"?

Der "Judenwitz" wird als ein oft antisemitisches Konstrukt definiert, während der "jüdische Witz" durch ein hohes Maß an Selbstbeobachtung gekennzeichnet ist und aus der Binnenperspektive der jüdischen Kultur erzählt wird.

Welche Rolle spielt die Assimilation in der Analyse?

Die Assimilation wird als zentraler soziokultureller Prozess in der Moderne verstanden, der Identitätskonflikte erzeugt, welche sich wiederum in der selbstkritischen oder subversiven Pointe der Witze widerspiegeln.

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Details

Title
Komik und Subversion im jüdischen Erzählwitz. Eine gattungstheoretische Reflexion
College
RWTH Aachen University  (Institut für Germanistische und Allgemeine Literaturwissenschaft)
Course
NDL Seminar: 'Methoden und Modelle' (Gattungstheorie kleiner Formen)
Grade
1,0
Author
Jana Foerst (Author)
Publication Year
2020
Pages
21
Catalog Number
V939324
ISBN (eBook)
9783346273383
ISBN (Book)
9783346273390
Language
German
Tags
Witz Komik Subversion Judentum kleine Formen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jana Foerst (Author), 2020, Komik und Subversion im jüdischen Erzählwitz. Eine gattungstheoretische Reflexion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/939324
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