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Zerfall von Staatlichkeit in 3. Weltländern unter dem Einfluss von Bürgerkriegen

Title: Zerfall von Staatlichkeit in 3. Weltländern unter dem Einfluss von Bürgerkriegen

Seminar Paper , 2002 , 28 Pages , Grade: 2,2

Autor:in: Christoph Pütz (Author)

Economics - Case Scenarios
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Die Hoffnung, dass nach Ende des Kalten Krieges auch die bewaffneten Auseinandersetzungen in Entwicklungsländern beigelegt werden würden, die durch den Ost-West-Antagonismus geschürt und alimentiert worden waren, bestätigte sich nicht. Vielmehr war ein Anstieg der Konflikte in den Ländern der Dritten Welt zu verzeichnen, wobei vor allem die ärmsten Staaten durch diese Entwicklung betroffen waren. Diese Kriege unterschieden sich aber grundsätzlich von denen der vorhergehenden Jahre, vor allem in ihrer Gewalttätigkeit und Härte, sowie in der Motivation der Akteure. Somit war die eher oberflächliche Vermutung von ausschließlich externen Ursachen der Konflikte vorerst widerlegt. Es konnte also nicht mehr davon ausgegangen werden, dass Bürgerkriege Resultate fremdbestimmter äußerer Faktoren sind, sondern dass vielmehr lokale Determinanten ausschlaggebend für die jeweiligen Entwicklungen waren.
Kriege, speziell auch innerstaatliche Konflikte, sind direkt und auch indirekt eine der Hauptursachen menschlichen Leids. Überraschender Weise sind wissenschaftliche, speziell auch ökonomische Abhandlungen zu diesem Themengebiet eher rar. Es bedarf aber einer umfassenden Analyse, um die Wirkungszusammenhänge dieser bewaffneten Konflikte zu erfassen und zu begreifen. Aus den gewonnenen Erkenntnissen können so Maßnahmen zur zukünftigen Verhinderung oder Beilegung solcher Gewaltherde abgeleitet werden.
Die Zusammenhänge, die typisch für den Zerfall eines Staates sind, vor allem aber die Rolle der Rebellen in diesem Kontext darzulegen, soll Ziel dieser Arbeit sein. In Afrika sind die zu beschreibenden Prozesse besonders offensichtlich ausgeprägt. Deshalb bietet es sich an, den Schwerpunkt der Arbeit auf diesen Kontinent zu konzentrieren. Gegebenenfalls können hier auch geeignete Beispiele abgeleitet werden. Die Darstellung der vorherrschenden Staatsgebilde, die verheerende Wirkung der Korruption, sowie die Notwendigkeit von Sicherheit bei wirtschaftlichen Transaktionen müssen zum Verständnis der Vorgänge in zerfallenden Staaten erläutert werden. Dabei ist es sinnvoll, sich auch empirischer Daten von beobachteten Bürgerkriegen zu bedienen, um aus den gewonnenen Erkenntnissen, Interpretationen des Verhaltens der Akteure in zerfallenden Staaten (vor allem der Rebellen) aufbauen zu können. Die besonders gravierenden Faktoren, die bei innerstaatlichen Konflikten typischerweise auftreten, werden dann in eigenen Abschnitten erläutert werden. [..]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kriegsentwicklungen in 3.Weltländern

3. Afrika und die Schwierigkeit der Selbstverantwortung

3.1 Die Aushöhlung des Staatsapparats durch endogene Faktoren

3.2 Die krisenverschärfende Spirale der Korruption

3.4 Gewaltoffene Märkte und Sicherheit

4. Rebellen – Kämpfer für Freiheit und Gerechtigkeit?

4.1 Ergebnisse der empirischen Konfliktforschung

4.2 Darstellung der erkannten Risikofaktoren

4.2.1 Primäre Warenexporte als Risikofaktor

4.2.2 Bürgerkriege im Zusammenhang mit ethnischen Motiven

4.3 Rebellen als Helden des innergesellschaftlichen Protests?

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen des Zerfalls staatlicher Strukturen in Entwicklungsländern, insbesondere in Afrika, unter dem Einfluss von Bürgerkriegen. Das primäre Ziel ist es, die Wirkungszusammenhänge von Gewalt, Korruption und wirtschaftlicher Kriegsökonomie zu analysieren und kritisch zu hinterfragen, ob Rebellionen tatsächlich Ausdruck legitimer gesellschaftlicher Protestbewegungen sind oder primär ökonomischen Motiven folgen.

  • Die Dynamik des Staatszerfalls und die Rolle von "Quasi-Staaten".
  • Die Auswirkungen von Korruption und klientelistischen Strukturen auf die politische Stabilität.
  • Empirische Erkenntnisse zu Risikofaktoren für bewaffnete Konflikte (z.B. Ressourcenabhängigkeit).
  • Die ökonomische Theorie der Rebellion ("predation theory") vs. das Image des Freiheitskämpfers.
  • Die kritische Rolle multinationaler Unternehmen und externer Einflussfaktoren in Kriegsökonomien.

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Aushöhlung des Staatsapparats durch endogene Faktoren

So konnte entweder nie ein bedeutsames Gewaltmonopol geschaffen werden, oder es wurde durch endogene Prozesse zusehends in den Hintergrund gedrängt. Die hemmungslose Ausbeutung der Ressourcen eines Landes durch ganze Klassen von Staatsbediensteten, die meist durch ein klientelistisches System rekrutiert worden waren, stürzte unter bestimmten Vorraussetzungen Länder in eskalierende Ausnahmezustände. Einzelne Akteure übernahmen die Rollen der ehemaligen Kolonialherren und bereicherten sich an den in Afrika meist reichlich vorhandenen Bodenschätzen. Auf diese Weise war es also einem äußerst geringen Teil der Gesellschaft an der Spitze möglich, sich auf Kosten breiter Schichten schamlos zu bereichern.

„Untersuchungen zu Bürgerkriegen in Afrika haben gezeigt, dass am Anfang der bewaffneten Konflikte ausnahmslos eine Verletzung des legitimen Gewaltmonopols durch Staatsdiener stand.“

Widerstände wurden durch Gewalt und regelrechte ethnische Pogrome niedergeschlagen. Selbst zwischen Staaten sind solche Prozesse zu beobachten. Hier eignet sich erneut als Beispiel der zerfallende Staat Kongo. Inzwischen sind es anstelle der Europäer hauptsächlich die Nachbarstaaten Ruanda, Uganda, Simbabwe und Angola, die sich illegal an den Rohstoffen des Landes bedienen. Im Laufe des durch die Ressourcenkonkurrenz entbrannten zwischenstaatlichen Konflikts, sind bislang 2 Millionen Kongolesen ermordet worden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des zunehmenden Zerfalls staatlicher Strukturen in Entwicklungsländern nach dem Kalten Krieg ein und definiert die Forschungsziele der Arbeit.

2. Kriegsentwicklungen in 3.Weltländern: Dieses Kapitel liefert eine Bestandsaufnahme der kriegsbedingten Todesfälle und verdeutlicht die Tendenz, dass sich gewaltsame Auseinandersetzungen verstärkt in die ärmsten Länder verlagern.

3. Afrika und die Schwierigkeit der Selbstverantwortung: Hier werden die historischen und strukturellen Gründe für die mangelnde Ausprägung staatlicher Souveränität in vielen afrikanischen Staaten erörtert.

3.1 Die Aushöhlung des Staatsapparats durch endogene Faktoren: Dieses Kapitel analysiert, wie klientelistische Systeme und die Ausbeutung von Ressourcen das Gewaltmonopol untergraben und zu politischer Instabilität führen.

3.2 Die krisenverschärfende Spirale der Korruption: Der Inhalt fokussiert sich auf den Zusammenhang zwischen Korruption, dem Entstehen gewaltoffener Räume und dem Zerfall der staatlichen Handlungsfähigkeit.

3.4 Gewaltoffene Märkte und Sicherheit: Dieses Kapitel beleuchtet, wie alternative Sicherheitsdienstleistungen (Schutzgelderpressung, Sicherheitsunternehmen) in Staaten ohne Gewaltmonopol den Bürgerkrieg und die Kriegsökonomie befeuern.

4. Rebellen – Kämpfer für Freiheit und Gerechtigkeit?: Eine grundlegende Analyse der Motive und Organisationsformen von Guerilla-Gruppen, die das herkömmliche Bild des "Freiheitskämpfers" kritisch hinterfragt.

4.1 Ergebnisse der empirischen Konfliktforschung: Dieses Kapitel wertet wissenschaftliche Daten aus, um Faktoren zu identifizieren, die den Ausbruch von Bürgerkriegen begünstigen oder verhindern.

4.2 Darstellung der erkannten Risikofaktoren: Hier werden spezifische Variablen wie Warenexportabhängigkeit und demografische Einflüsse auf ihr Konfliktpotential hin untersucht.

4.2.1 Primäre Warenexporte als Risikofaktor: Die Analyse zeigt auf, warum eine starke Abhängigkeit vom Export primärer Güter das Konfliktrisiko erhöht und zu Ressourcenkonkurrenz führt.

4.2.2 Bürgerkriege im Zusammenhang mit ethnischen Motiven: Dieses Kapitel widerlegt die Annahme, dass ethnische Differenzen primär die Ursache für Bürgerkriege sind, und erklärt, wie ethnische Identitäten instrumentalisiert werden.

4.3 Rebellen als Helden des innergesellschaftlichen Protests?: Eine kritische ökonomische Bewertung, ob Rebellionen als Ausfluss legitimer Protestbewegungen gegen Unterdrückung zu verstehen sind.

5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert eine kritische Auseinandersetzung mit entwicklungspolitischen Ansätzen sowie der Annahme rein ökonomischer Motive bei Rebellenbewegungen.

Schlüsselwörter

Staatszerfall, Bürgerkrieg, Kriegsökonomie, Korruption, Rebellen, Warlords, Gewaltmonopol, Ressourcenkonkurrenz, Afrika, Kleptokratie, Entwicklungsländer, ethnische Konflikte, Transaktionskosten, Predation Theory, Konfliktforschung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Ursachen und die Dynamik des Zerfalls staatlicher Strukturen in Entwicklungsländern, mit einem besonderen Fokus auf die Rolle von Bürgerkriegen und Rebellenbewegungen in Afrika.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf dem Verlust des staatlichen Gewaltmonopols, dem Einfluss von Korruption und Ressourcenreichtum auf politische Stabilität sowie der kritischen Hinterfragung der Motive bewaffneter Gruppen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, die Wirkungszusammenhänge in zerfallenden Staaten zu verstehen und zu analysieren, ob Rebellenbewegungen tatsächlich politischen Idealen folgen oder vorwiegend durch ökonomische Interessen (Plünderung/Kriegsökonomie) geleitet werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse unter Einbeziehung ökonomischer Theorien (insbesondere der "predation theory") sowie auf die Auswertung empirischer Konfliktforschungsdaten, etwa der Weltbank.

Welche Inhalte umfasst der Hauptteil?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der historischen Staatsbildung in Afrika, eine Analyse der Mechanismen von Korruption und gewaltoffenen Märkten sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der Motivation von Rebellengruppen anhand empirischer Daten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Staatszerfall, Kriegsökonomie, Gewaltmonopol, Korruption, Warlords, Ressourcenabhängigkeit und die kritische Analyse von Rebellenmotiven.

Warum wird im Buch von "Quasi-Staaten" gesprochen?

Der Begriff beschreibt Staaten, deren Strukturen nach dem Abzug kolonialer Besatzungsmächte oft nur in städtischen Zentren vorhanden waren und die staatlichen Aufgaben (politischer Inhalt) nie vollständig ausfüllen konnten.

Welche Rolle spielt die ethnische Vielfalt laut der empirischen Analyse?

Überraschenderweise zeigen die Daten, dass ethnisch diverse Gesellschaften oft sicherer sind als homogene; ethnische Motive werden laut Autor häufig von Rebellenführern instrumentalisiert, um den Zusammenhalt der eigenen Truppen zu stärken, anstatt die eigentliche Ursache des Konflikts zu sein.

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Details

Title
Zerfall von Staatlichkeit in 3. Weltländern unter dem Einfluss von Bürgerkriegen
College
RWTH Aachen University  (Institut für Wirtschaftswissenschaften)
Grade
2,2
Author
Christoph Pütz (Author)
Publication Year
2002
Pages
28
Catalog Number
V9394
ISBN (eBook)
9783638161107
Language
German
Tags
Staatszerfall Bürgerkriege 3.Weltländer Korruption Rebellion Konfliktforschung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christoph Pütz (Author), 2002, Zerfall von Staatlichkeit in 3. Weltländern unter dem Einfluss von Bürgerkriegen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9394
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