Die Bewertung von „intangible assets“ (sogenanntes immaterielles Vermögen) ist ein Thema, über das sich die Fachleute in der Presse seit Jahren Gedanken machen.
Gerade im Zusammenhang mit dem 2002 von der Börse genommenen US-Konzern ENRON der mit Hilfe des Wirtschaftsprüferkonzerns Arthur Anderson jahrelang Bilanzbetrug begehen konnte, soll der „true and fair value“ Gedanke des US-GAAP, der auch die neuen IFRS-Standards prägt, stärker verwirklicht werden.
Seit damals haften auch die Konzernchefs und Finanzvorstände persönlich für die Richtigkeit der Jahresabschlüsse.
Besonders schwierig ist es bei der Bewertung von Firmenwerten bei Unternehmensübernahmen, angemessen vorzugehen.
Seit 2001 nach dem ENRON-Skandal wurde im US-GAAP die bis dato geltende „Pooling of Interest Methode“ durch die sogenannte Purchase Price Allocation und den sogenannten jährlichen Impairmenttest (Werthaltigkeitstest) abgelöst. Die Pooling of Interest Methode entsprach weitestgehend der Vorgehensweise der immer noch gültigen Bewertung nach HGB, für Unternehmen die nach IFRS bilanzieren ist der Impairment-Test mittlerweile ebenfalls vorgeschrieben.
Die in GoB und HGB zum Ausdruck kommenden Bilanzkonzeptionen sind trotzdem grundlegend, und unabdingbar für einen ausführlichen Vergleich der Goodwillbilanzierung nach (Konzern-)Rechnungslegung nach HGB und IFRS, wie er in vorliegender Arbeit vorgenommen wird.
Inhaltsverzeichnis
A. Einführung
B. Betriebswirtschaftliche Begriffsdefinitionen
I. Goodwill
1. Originärer Goodwill
2. Derivativer Goodwill
2.1 Negativer Goodwill
C.Bilanzierung des Firmenwertes nach HGB
I. Ansatz im Einzelabschluss
1.Wesen des Einzelabschluss
2.Pflicht des HGB-Einzelabschluss
3.Geschäft-oder Firmenwert als immaterielles Vermögen
4.Der Firmenwert beim Asset Deal
5.Rechenbeispiel
6.Aktivierungswahlrecht des derivativen GFW
7.Bilanzierungsspielraum
8.Ansatzverbot des originären GFW
9.Abschreibung des derivativen GFW
9.1Pauschalabschreibung
9.2Planmäßige Abschreibung
II.Goodwill- Bilanzierung in der Konzernbilanz
1.Konzerneigenschaft
2.Aufgabe des Konzernabschluss
3.Kapitalkonsoliderung
3.1Konsolidierungsart
3.2Erwerbsmethode bei allen Formen des Anteilserwerbs
3.3Konsolidierungsvorgehen(Erstkonsolidierung)
4.Auftreten eines Unterschiedsbetrags
4.1Aktivischer Unterschiedsbetrag (positiver Firmenwert + stille Reserven)
4.2Passivischer Unterschiedsbetrag (Badwill)
4.3Bewertungsspielräume
5. Folgekonsolidierung des Goodwill
5.1Pauschalabschreibung
5.2Planmäßige Abschreibung
5.3Verrechnung mit den offenen Rücklagen
6.Folgekonsolidierung des Badwill
6.1Eintritt der erwarteten ungünstigen Entwicklung und andere Aufwendungen
6.2 Realisierter Gewinn am Abschlussstichtag
C. Bilanzierung des Goodwills nach IFRS /IAS
I. Der Goodwill im Einzelabschluss
1. Erstbewertung bei Erwerb
II. Der Goodwill im Konzernabschluss
1. Erstkonsolidierung bei Anteilserwerb
III. Folgebewertung/Folgekonsolidierung des Goodwills im Einzel- und Konzernabschluss
1. Bildung von Cash-Generating Units
2. Impairmenttest für den Goodwill
IV. Der Goodwill aus IFRS/IAS aus Sicht der Unternehmenssteuerung
D. Unterschiede zwischen Goodwillbilanzierung nach HGB und IFRS
1.Außerplanmäßige Abschreibung des Goodwill
2.Legaldefinition Firmenwert/bzw. Interpretation aus anderen Normen
3.Ansatz des Derivativen Firmenwertes
4.Planmäßige Abschreibung des Konzerngoodwill
5.Zuschreibungen zum Goodwill
7.Ansatz eines originären Geschäfts-oder Firmenwertes
8.Verteilung des Goodwills bei Minderheitenanteil
9.Ansatz des Badwill
E. Zusammenfassung und Überblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bilanzierung des Goodwills bei Unternehmenszusammenschlüssen unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Anforderungen von HGB und IAS/IFRS. Dabei wird analysiert, wie sich der Geschäfts- oder Firmenwert im Einzel- und Konzernabschluss nach den jeweiligen Rechnungslegungsvorschriften auswirkt und welche Bewertungsunterschiede dabei auftreten.
- Grundlagen und Definitionen des Goodwills (originär vs. derivativ)
- Bilanzierung des Firmenwerts nach HGB im Einzel- und Konzernabschluss
- Bilanzierung des Goodwills nach IFRS/IAS inklusive Erst- und Folgebewertung
- Verfahren der Kapitalkonsolidierung (Buchwertmethode vs. Neubewertungsmethode)
- Kritische Gegenüberstellung der HGB- und IFRS-Vorgaben
- Einfluss von Bilanzierungsentscheidungen auf die Unternehmenssteuerung
Auszug aus dem Buch
1. Originärer Goodwill
Der originäre Goodwill, welcher auch als selbst geschaffener Geschäfts- und Firmenwert (internally generated goodwill) bezeichnet wird, entsteht durch die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens.3 Bestandteile eines originären Goodwills können beispielsweise ein über viele Jahre aufgebauter Markenwert oder Kundenstamm einer Firma sein, aber auch das Ansehen der Mitarbeiter oder des Vorstands eines Unternehmens können darin enthalten sein.4 Diese Größen besitzen einen rein subjektiven Charakter, woraus resultiert, dass der originäre Goodwill schwer messbar ist, da eine trennscharfe Abgrenzung meistens nicht realisierbar bzw. in ihm eine Trennung von getätigten Investitionen in der Regel nicht möglich ist.5 Deshalb kann nur indirekt ein Wert mittels der Kombination zweier Bewertungsmethoden, der Gesamtbewertung und der Einzelbewertung, ermittelt werden.6
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die historische Relevanz von immateriellen Vermögenswerten im Kontext großer Bilanzskandale und die daraus resultierende Notwendigkeit für eine präzise Bewertung.
B. Betriebswirtschaftliche Begriffsdefinitionen: In diesem Kapitel werden grundlegende betriebswirtschaftliche Begriffe wie der originäre und derivative Goodwill abgegrenzt und deren Bedeutung für die Unternehmensbilanzierung erläutert.
C.Bilanzierung des Firmenwertes nach HGB: Dieser Abschnitt analysiert detailliert die handelsrechtlichen Regelungen für den Ansatz und die Abschreibung von Firmenwerten im Einzel- und Konzernabschluss.
C. Bilanzierung des Goodwills nach IFRS /IAS: Hier werden die internationalen Standards zur Goodwill-Bilanzierung erläutert, insbesondere die Behandlung bei Unternehmenszusammenschlüssen und die Erstbewertung.
III. Folgebewertung/Folgekonsolidierung des Goodwills im Einzel- und Konzernabschluss: Das Kapitel behandelt die Methoden der Folgebewertung, insbesondere den Impairmenttest und die Verteilung auf zahlungsmittelgenerierende Einheiten (Cash-Generating Units).
IV. Der Goodwill aus IFRS/IAS aus Sicht der Unternehmenssteuerung: Dieser Teil kritisiert Manipulationsmöglichkeiten bei der Goodwill-Bilanzierung, die durch den Management Approach und die Wahl der CGU-Ebenen entstehen können.
D. Unterschiede zwischen Goodwillbilanzierung nach HGB und IFRS: Ein strukturierter Vergleich verdeutlicht die wesentlichen Abweichungen zwischen nationalem Handelsrecht und internationalen Rechnungslegungsstandards.
E. Zusammenfassung und Überblick: Das abschließende Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung, insbesondere in Richtung der Full Goodwill Methode.
Schlüsselwörter
Goodwill, Firmenwert, HGB, IFRS, Konzernabschluss, Asset Deal, Kapitalkonsolidierung, Impairmenttest, Cash-Generating Unit, Bewertung, Bilanzierung, Derivative, Originär, Geschäfts- oder Firmenwert, Rechnungslegung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der bilanziellen Behandlung des Goodwills (Geschäfts- oder Firmenwerts) bei Unternehmenszusammenschlüssen im Spannungsfeld zwischen den deutschen HGB-Vorschriften und den internationalen Standards (IAS/IFRS).
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Definition von Firmenwerten, deren Erst- und Folgebewertung, Methoden der Kapitalkonsolidierung sowie der kritische Vergleich zwischen nationalen und internationalen Rechnungslegungssystemen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Unterschiede in der Goodwill-Bilanzierung aufzuzeigen und zu analysieren, welche Auswirkungen diese auf den Konzernabschluss und die Unternehmenssteuerung haben.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine systematische Analyse von Gesetzestexten, Standards (IFRS 3, IAS 36) sowie Fachliteratur und veranschaulicht die komplexen Prozesse durch praxisnahe Rechenbeispiele.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der Bilanzierung nach HGB und IFRS, die Erläuterung von Konsolidierungsmethoden sowie eine kritische Betrachtung von Spielräumen bei der Goodwill-Bewertung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Goodwill, Konzernabschluss, Impairmenttest, Cash-Generating Units, Kapitalkonsolidierung und der Vergleich von HGB und IFRS.
Wie unterscheidet sich der Ansatz des originären Goodwills zwischen HGB und IFRS?
Sowohl nach HGB (§ 248 Abs. 2) als auch nach IFRS (IAS 38.48) besteht ein striktes Aktivierungsverbot für selbst geschaffene (originäre) Firmenwerte, da es an einer verlässlichen Wertermittlung und eindeutigen Zurechenbarkeit mangelt.
Was ist eine Cash-Generating Unit (CGU) im Kontext der IFRS-Bilanzierung?
Eine CGU ist die kleinste identifizierbare Gruppe von Vermögenswerten, die weitestgehend unabhängige Mittelzuflüsse generiert, denen der Goodwill für den jährlichen Impairmenttest zugeordnet wird.
Was versteht man unter dem passivischen Unterschiedsbetrag (Badwill)?
Ein Badwill entsteht, wenn der Kaufpreis bei einer Unternehmensakquisition unter dem beizulegenden Zeitwert des anteiligen Nettovermögens liegt; er erfordert nach HGB eine Passivierung und wird nach IFRS sofort erfolgswirksam als Ertrag erfasst.
- Quote paper
- Martin Thurner (Author), 2007, Die Bilanzierung des Goodwills nach IAS/IFRS sowie HGB, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93977