Mythologische Elemente in Hermann Brochs Roman "Die Verzauberung"


Hausarbeit, 2004

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Göttergestalten der antiken Mythologie
2.1 Demeter
2.2 Persephone
2.3 Hades

3. Ausgewählte mythologische Elemente der Antike und in der „Verzauberung“
3.1 Die Erde
3.2 Der Apfel
3.3 Das Gold

4. Die Romanfiguren
4.1 Mutter Gisson
4.2 Irmgard
4.3 Marius

5. Resümee

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In Hermann Brochs Roman „Die Verzauberung“ ist eine Vielzahl von Symbolen, Elementen und Allegorien zu finden, welche größtenteils der antiken Mythologie und ihren Göttern und Geschichten zuzuordnen sind. Der Autor Hermann Broch verwendet neben diesen Elementen aus der antiken griechischen Mythologie auch noch christliche und heidnische Symbole.

Mit dieser Arbeit soll der Nachweis von antiken Göttergestalten und mythologischen Elementen respektive Symbolen in der „Verzauberung“ erbracht werden.

Welche mythologischen Elemente verwendet Broch in der “Verzauberung“?

Bei der Untersuchung dieser Fragestellung soll ein Bezug zwischen den Hauptromanfiguren und den Göttern der Mythologie hergestellt werden. Weiter soll geklärt werden, ob und inwiefern die Romanfiguren der antiken Göttervorlage entsprechen oder ob sich Abweichungen in der Gestaltung der Charaktere herausstellen. Der Schwerpunkt liegt besonders bei den Gemeinsamkeiten und ihrer Umsetzung.

Als Primärquelle dieser Arbeit dient der Roman „Die Verzauberung“ von Hermann Broch. Bei der Untersuchung wurden besonders Texte und Bücher der antiken römischen und griechischen Mythologie, sowie Sekundärliteratur über biblische Symbole und allgemeine Symbolik, die auch antike und heidnische Aspekte beinhalten, herangezogen.

Eine Grundlage bietet zunächst die Darstellung der antiken Göttergestalten, die später in ihrem Bezug und in ihrer Umsetzung im Roman analysiert werden. Anschließend werden passende Symbole aufgegriffen, die zum einen Attribute der Göttergestalt und zum anderen das der entsprechenden Romanfigur sind. Diese dienen als Verbindungselemente zwischen der antiken Mythologie und Brochs Romanumsetzung. Ein primäres Symbol wird näher beleuchtet, andere fließen in der Figurenanalyse mit ein. Zum Schluss werden die Romanfiguren in ihrer Entsprechung zur antiken mythologischen Vorlage und unter Berücksichtigung der Bedeutung und Auslegung des jeweiligen Symbols verglichen und analysiert.

Da der Roman eine Fülle von mythologischen Bezügen aufweist, werden hier nur ausgewählte Elemente, exemplarisch für die vielen Parallelen, erläutert.

2. Die Göttergestalten der antiken Mythologie

2.1 Demeter

Demeter, Schwester des Zeus und Mutter der Persephone, ist eine griechische Erd- und Fruchtbarkeitsgöttin und die Göttin des Wachstums, speziell bezogen auf den Ackerbau und das Getreide. Sie gehört den olympischen Gottheiten an und wird von den Römern mit Ceres[1] gleichgesetzt. Mit der Erdgöttin Gaia[2] verbindet sie der Schutzaspekt gegenüber dem Ackerbau und dem Getreide, demnach wird sie auch als Schutz- oder Heilsgöttin bezeichnet.

Der Name Demeter, abgeleitet von ge-meter bedeutet „Mutter Erde“, bzw. „Erdmutter“. Bei den sogenannten Thesmophorien, einem großen Fest nur unter Frauen, spielte der Fruchtbarkeitscharakter eine zentrale und primäre Rolle. Ferkel, Schlangen und Pinienzapfen - wobei die Schlangen und Pinienzapfen eine phallische Konnotation haben - wurden geopfert und als Gaben in ihre Höhle gebracht. Die Absicht und der Glaube dahinter waren, die Wachstumskräfte der Erde zu erwecken.[3]

So wurden ihr zu Ehren die Eleusischen Mysterien begangen, bei welchen den Eingeweihten die Angst vor dem Sterben durch die Zuversicht auf ein ewiges und glückliches Leben nach dem Tode genommen werden sollte.[4]

Aufgrund ihrer Mütterlichkeit und besonders als Göttin der Frauen wurden ihr großes Ansehen und Verehrung entgegengebracht[5].

2.2 Persephone

Die Tochter von Demeter ist Persephone[6]. Sie ist die Göttin der Unterwelt und gilt in Verbindung mit Demeter ebenfalls als Vegetationsgöttin.

In der griechischen Mythologie ist sie die Tochter des Zeus und somit aus einem inzestuösen Verhältnis zwischen diesem und seiner Schwester Demeter entstanden.

Persephone wird als die Gemahlin von Hades, dem Gott der Unterwelt, bezeichnet. Dieser entführte sie mit der Zustimmung ihres Vaters Zeus, als „kore“[7], in sein unterirdisches Reich, wo sie mit ihm zusammen über die Toten herrschen sollte. Demeter suchte ihre Tochter vergebens und ließ dadurch die Ernte und Saat verkommen. Durch die drohende Vernichtung der Menschheit sandte Zeus Hermes, den Götterboten, in die Unterwelt, um seine Tochter wieder auf die Erde und zu Demeter zurückzubringen. Hades folgte zwar dem Gebot des Zeus, steckte Persephone vorher aber noch einen Granatapfelkern in den Mund. Daher kam diese nicht nüchtern aus dem Totenreich auf die Erde zurück und war, da sie dort etwas zu sich genommen hatte, diesem Reich für immer verbunden[8]. Seitdem muss sie ein Drittel des Jahres in der Unterwelt verbringen, während auf der Erde die Pflanzen verdorren[9]. Die andere Zeit darf sie zusammen mit ihrer Mutter Demeter auf der Erde weilen, „was zum Wechsel der Jahreszeiten führte“.[10]

Ein Kennzeichen ist der mit einem Ährenkranz geschmückte Kopf, der auf Kore hinweißt, welche den „lebenspendenden Aspekt der Quellgöttin Arethusa“ an sich gezogen hat.[11]

Ihr werden die Ähre, Granatapfel und die schwarze Pappel als Unterweltssymbol zugeordnet.[12]

2.3 Hades

Er ist Sohn des Kronos und der Rheia und der Gemahl der Persephone. Als die Welt in ihre Herrschaftsbereiche aufgeteilt wurde, fiel ihm die Unterwelt zu, die er als Unterweltsgott beherrscht.[13]

Die Seelen der Verstorbenen unterliegen seiner Macht und aus seinem Reich gibt es kein Entkommen.[14] Als „Torschließer“ („Pylartes“) wacht er vor dem Eingang seines Reiches, um den eingegangenen Seelen die Rückkehr zu verwehren.

Sein erster Name „Hades“ wurde von den Griechen oft mit „der Unsichtbare“ übersetzt, später bezeichnete der Name Hades zugleich die Unterwelt selbst.[15]

Aus Furcht, seine Aufmerksamkeit zu erregen, sprachen die Griechen seinen Namen nie aus und verwendeten seinen zweiten Namen »Pluton« („der Reiche“), der auf seine Geburt aus der Erde , welche die Menschen mit Fruchtbarkeit und Reichtum versorgt, verweist.

Es gibt nur einen einzigen Mythos, und zwar den der Entführung Persephones, in dem Hades aktiv agiert, d.h. als Handelnder auftritt.[16] An seiner Stelle geleitet Hermes der Götterbote die Seelen der Verstorbenen in die Unterwelt.[17]

Hades galt als hartherzige, aber keineswegs ungerechte oder bösartige Gottheit. Allen Verstorbenen war dasselbe Schicksal beschieden.[18]

3. Ausgewählte mythologische Symbole der Antike und in der „Verzauberung“

3.1 Die Erde

Die Erde steht dem Himmel und Göttlichen als Pendant gegenüber und erscheint in der Mythologie als weibliche Gottheit. In verschiedenen Weltenentstehungsmythen wird der Anfang der Welt als ein Zeugungsakt gesehen, bei dem die Erde vom Himmel befruchtet wird. Daher wird sie auch mit der „Gebärmutter“ gleichgesetzt. Folglich ist die Erde nicht nur der Leben gebärende Schoß, sondern auch „das Grab“, in welches das Leben zurückkehren muss. Diese gegensätzliche Auslegung vereint der ambivalente Charakter der „Großen Mutter“.[19]

Im christlichen Glauben verkörpert die Erde die „irdisch-fleischliche Gesinnung, Vergänglichkeit, Wertlosigkeit“ und steht damit im Gegensatz zu Gott und der geistlichen Gesinnung.[20]

[...]


[1] Anm.: Im Vergleich zu Demeter stand ursprünglich nur der Getreideanbau unter Ceres Obhut; aus: Moormann, Eric M. u. Uitterhoeve, Wilfried: Lexikon der antiken Gestalten. Mit ihrem Fortleben in Kunst, Dichtung und Musik. Stuttgart: Kröner 1995. S. 221.

[2] Anm.: Gaia gilt als die Göttin der Erde im allgemeinen Sinn; Moormann S. 221.

[3] Vgl. Lurker, Manfred: Lexikon der Götter und Dämonen. Namen, Funktionen, Symbole, Attribute. 2. erw. Auflage. Stuttgart: Kröner 1989. S. 105.

[4] Vgl. Moormann 1995: 222.

[5] Coenen, Dorothea: Griechische und römische Mythologie. Freiburg: Herder 1981. S 56.

[6] Anm.: Auch lateinisch „Proserpina“ genannt.

[7] Anm.: gr. „kore“ bedeutet „junges Mädchen“. In der antiken Mythologie ist es eine Person, in Brochs Romanumsetzung wird der Kore eine eigene Figur, Agathe, zugeordnet und nicht Irmgard.

[8] Vgl. Moormann 1995: 543

[9] Fink, Gerhard. Who`s who in der antiken Mythologie. 11. Auflage. München: dtv 2003. S. 250.

[10] Moormann 1995: 543.

[11] Vgl. Lurker 1989: 224.

[12] Vgl. Ebd.: 326.

[13] Ebd.: 158.

[14] Vgl. Coenen 1981: 83.

[15] Vgl.: Lurker 1989: 158.

[16] Moormann 1995: 294 u. 295.

[17] Vgl. Ebd.: 295.

[18] Ebd.: 295.

[19] Becker, Udo: Lexikon der Symbole. Frechen: Komet 1992. S. 73 u. 74.

[20] Heller 1981: 64.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Mythologische Elemente in Hermann Brochs Roman "Die Verzauberung"
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Veranstaltung
Grundseminar Gesamtwerke eines Autors (H. Broch)
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V94000
ISBN (eBook)
9783640097197
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine ausgezeichnete und intelligente Arbeit, die gleicherweise durch problemorientierte Darstellung wie eigenständige Interpretationen beeindruckt. (Kommentar Dozentin)
Schlagworte
Mythologische, Elemente, Hermann, Brochs, Roman, Verzauberung, Grundseminar, Gesamtwerke, Autors, Broch)
Arbeit zitieren
Linda Fischer (Autor), 2004, Mythologische Elemente in Hermann Brochs Roman "Die Verzauberung", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94000

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