Am Beispiel der PRIMUS-Schule Berg Fidel in Münster soll hier der Frage nachgegangen werden, in welcher Weise dieses
Schulmodell konzeptionell für mehr Bildungsgerechtigkeit steht.
Einleitend wird zunächst der Blick auf die im hierarchischen Schulsystem verankerte Bildungsungerechtigkeit in Deutschland gerichtet. Im Anschluss wird die Entstehung des Modellversuches „PRIMUS“ allgemein skizziert und der Weg hin zur PRIMUS-Schule Berg Fidel im Besonderen nachgezeichnet. Im Hauptteil folgt die Darstellung der Konzeptbausteine der PRIMUS-Schule Münster, die für mehr Chancengleichheit stehen – wohl wissend, dass mit dieser Fokussierung nicht die gesamte Leistung dieser Schule gewürdigt wird. Etwas ausführlicher beleuchtet wird dabei die Umsetzung von Inklusion im Schulalltag, weil gerade sie ein Kernelement für chancengerechtes Lernen darstellt.
Im abschließenden Fazit und Ausblick werden noch zu prüfende Fragestellungen in Hinsicht auf den möglichen Erfolg des Schulversuches angerissen und grundsätzliche Überlegungen angestellt, inwieweit es sich bei PRIMUS um ein wegweisendes Modell für die gesamte Schullandschaft handeln könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorbemerkung
2. Bildungsgerechtigkeit in Deutschland – Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen
3. Die PRIMUS-Schule Berg Fidel in Münster
3.1 Der Modellversuch „PRIMUS“
3.2 Der Weg zur PRIMUS-Schule Berg Fidel
3.3 Konzeptionelle Bausteine für chancengerechtes Lernen
3.3.1 Langform
3.3.2 Inklusion und ihre Umsetzung
3.3.2.1 Altersmischung
3.3.2.2 Innovative Unterrichtsformen
3.3.2.3 Multiprofessionelle Klassenteams
3.3.3 Lernentwicklungsberichte statt Noten
3.3.4 Gebundener Ganztag
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht am Beispiel der PRIMUS-Schule Berg Fidel in Münster, inwieweit das Modell einer Schule des längeren gemeinsamen Lernens dazu beitragen kann, Bildungsgerechtigkeit zu fördern und soziale Disparitäten abzumildern.
- Analyse des Zusammenhangs zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg in Deutschland.
- Darstellung des Modellversuchs "PRIMUS" und dessen schultheoretischer Einordnung.
- Untersuchung konzeptioneller Bausteine wie Inklusion, Altersmischung und innovative Unterrichtsformen.
- Diskussion der Herausforderungen und Perspektiven für ein inklusives Schulmodell.
Auszug aus dem Buch
3.3.2 Inklusion und ihre Umsetzung
Die PRIMUS-Schule Berg Fidel ist eine inklusive Schule und heißt alle Schüler/innen ob mit oder ohne Behinderung, mit oder ohne Migrationshintergrund und egal mit welchem sozialen Hintergrund willkommen. Unter dem Motto „Du gehörst zu uns“ gewährleistet sie „unabhängig davon, wie schnell die Anpassungsprozesse gelingen, [für jedes Kind] den Verbleib in der Schule“.
Die Modellschule orientiert sich nicht an Defiziten, sondern sucht, beobachtet und stützt die besonderen Qualifikationen und Interessen der Schüler/innen, sodass jedes Kind Anerkennung erfährt. Statt Selektion ist hier „Sozialisation und Qualifikation für Alle die Grundlage jeglichen pädagogischen Handelns“.
Dazu Dr. Irmgard Schnell, die bereits die Grundschule Berg Fidel wissenschaftlich begleitet hat und jetzt die Entwicklung von PRIMUS Berg Fidel ins Auge nimmt:
„Jedes, wirklich jedes Kind soll seine Potentiale hier entfalten können. Dieses Denken ist der Vorstellung verpflichtet, dass Schulen in einer demokratisch verfassten Gesellschaft allen Kindern gerecht werden müssen, nicht nur den Kindern bestimmter gesellschaftlicher Gruppen.“
Für die Verwirklichung von Inklusion setzt die PRIMUS-Schule auf verschiedene Prinzipien und Strukturen, die sich bereits an der früheren Grundschule Berg Fidel bewährt haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorbemerkung: Einführung in die Problematik der Bildungsgerechtigkeit und Vorstellung der Zielsetzung der Arbeit sowie des Untersuchungsgegenstands.
2. Bildungsgerechtigkeit in Deutschland – Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen: Theoretische Herleitung der bestehenden Bildungsbenachteiligung und deren Verfestigung durch das gegliederte Schulsystem.
3. Die PRIMUS-Schule Berg Fidel in Münster: Detaillierte Betrachtung des Modellversuchs, dessen historischer Genese sowie der spezifischen pädagogischen Konzepte.
4. Schlussbetrachtung: Reflexion über den Erfolg des Modells und kritische Auseinandersetzung mit der Zukunftsperspektive inklusiver Schulformen in NRW.
Schlüsselwörter
Bildungsgerechtigkeit, PRIMUS-Schule, Inklusion, längeres gemeinsames Lernen, soziale Herkunft, Schulmodell, Modellversuch, Altersmischung, Schulentwicklung, Chancengleichheit, multiprofessionelle Teams, Lernentwicklungsberichte, Ganztagsschule, Berg Fidel, Bildungschancen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob und wie das schulische Modell der PRIMUS-Schule in Münster einen Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit leisten kann.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die soziale Ungleichheit im deutschen Bildungssystem, die Umsetzung von Inklusion sowie innovative didaktische Konzepte wie jahrgangsübergreifendes Lernen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch die Analyse der Konzeption von PRIMUS Berg Fidel zu zeigen, wie durch pädagogische Strukturen individuelle Potenziale unabhängig von der sozialen Herkunft gefördert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Dokumentenanalyse, die den Modellversuch PRIMUS auf Basis bestehender wissenschaftlicher Evaluationen und theoretischer Schriften darstellt.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Modellversuchs, den Weg zur Entstehung der Schule sowie eine detaillierte Erläuterung der konzeptionellen Bausteine wie Altersmischung und Inklusion.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Bildungsgerechtigkeit, Inklusion, Modellversuch PRIMUS, Altersmischung und chancengerechtes Lernen.
Wie unterscheidet sich die PRIMUS-Schule von einer Regelschule?
Sie zeichnet sich vor allem durch die Langform (Klasse 1-10), den Verzicht auf Ziffernnoten, jahrgangsübergreifendes Lernen und ein multiprofessionelles Team aus.
Welche Rolle spielt die Altersmischung im Konzept?
Die Altersmischung soll die Begabungsstreuung individuell abdecken und kooperatives Lernen zwischen jüngeren und älteren Schülern fördern.
Warum verzichtet die Schule auf Noten?
Noten werden als ausleseorientiert bewertet; stattdessen dienen Lernentwicklungsberichte der prozessorientierten Unterstützung des individuellen Lernweges.
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- Marion Schulte (Author), 2016, Die PRIMUS-Schule Berg Fidel. Ein Modell für mehr Bildungsgerechtigkeit?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/940726