Wie misst man Aufmerksamkeit? Erhebungsinstrumente in der psychologischen Diagnostik


Hausarbeit, 2020

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Konzeptionen und Taxonomie der Aufmerksamkeit

3 Relevanz der Aufmerksamkeitsleistung im beruflichen Kontext

4 Ausgewählte Testverfahren zur Diagnostik der Aufmerksamkeit
4.1 Aufmerksamkeits-Belastungs-Test d2-R
4.2 Geteilte Aufmerksamkeit in der Testbatterie zur Aufmerksamkeitsprüfung (TAP)
4.3 Test zur Erfassung von Vigilanz (VIGIL)
4.4 Gegenüberstellung und Handlungsempfehlungen

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Auch wenn die theoretische Modellierung und diagnostische Konzeption von Erhebungsinstrumenten zur Erfassung der Aufmerksamkeitsleistung lange vernachlässigt wurde, so finden sich in der heutigen Zeit zahlreiche Tests, die gleichermaßen ein breites Spektrum von Aufmerksamkeitsdimensionen erfassen. Dabei ist nicht nur die Anwendung solcher Tests im klinischen Bereich zur Diagnostik von neuropsychologischen Störungen wichtig, sondern auch in der Eignungsdiagnostik. Dies hängt damit zusammen, dass die einzelnen Komponenten der Aufmerksamkeitsleistung mit zahlreichen anderen individuellen Fähigkeiten wie etwa der intellektuellen Leistungsfähigkeit zusammenhängen (Schweizer, 2006). Daher findet die Beurteilung der Aufmerksamkeitsleistung oftmals in der diagnostischen Urteilsbildung in der Personalauswahl Anwendung, sodass Bewerber im Einklang mit dem Anforderungsprofil einer beruflichen Position selektiert werden können (Diagnostik- und Testkuratorium, 2018).

Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, die theoretische Konzeption der Aufmerksamkeit darzustellen und darüber hinaus deren Relevanz für den beruflichen Kontext deutlich zu machen. Zusätzlich sollen ausgewählte diagnostische Erhebungsinstrumente der Aufmerksamkeitsleistung vorgestellt werden, die sich hinsichtlich ihres Einsatzgebiets und den erfassten Aufmerksamkeitsdimensionen unterscheiden.

2 Theoretische Konzeptionen und Taxonomie der Aufmerksamkeit

Einen der ersten Beiträge zur Aufmerksamkeitsforschung fand sich bei Hermann von Helmholtz, der erstmals auf eine verdeckte Verlagerung in der visuellen Aufmerksamkeit des Menschen hinwies und damit die Existenz einer räumlich-visuellen Selektion indizierte. Gerade diese Selektivität ist es, die Zugleich eine Definition der Aufmerksamkeit erst möglich macht und sich darin ausdrückt, dass die Sinnesorgane in ihrer Empfindlichkeit für Umweltreize nicht konstant, sondern flexibel sind und gleichzeitig über die Zeit schwanken. Die Reize, die wahlweise bewusst oder unbewusst wahrgenommen werden, sind Teil der Aufmerksamkeit, was bereits auf willkürliche und unwillkürliche Elemente der Aufmerksamkeitsleistung hindeutet (Ansorge & Leder, 2017).

Die Aufmerksamkeitsleistung selbst ist multimodal verankert und umfasst Prozesse aus der Wahrnehmung, dem Gedächtnis und der Orientierung im Raum. Diese Prozesse können sich sowohl auf externe Beobachtungen in der Umwelt als auch auf interne Prozesse etwa bei der Lösung eines mentalen Problems oder der Handlungsplanung beziehen. Diese weite Definition weist auch darauf hin, dass Aufmerksamkeit durch verschiedene Dimensionen eingegrenzt ist. Unterschieden werden hierbei die Aufmerksamkeitsintensität (z. B. Daueraufmerksamkeit, Vigilanz etc.), die räumliche Aufmerksamkeit in der visuellen Orientierung und Wahrnehmung sowie die Selektivität, die etwa bei der geteilten Aufmerksamkeit bei Aufgaben mit Störreizen bzw. Ablenkungen zutage kommt. Aufmerksamkeitsfunktionen sind somit in beinahe allen Handlungen, praktischen Tätigkeiten oder auch intellektuellen Leistungen eines Menschen involviert und nehmen eine zentrale Rolle in der Leistungsfähigkeit ein. Aufgrund der Komplexität besteht hinsichtlich der diagnostischen Erfassung von Aufmerksamkeit die Schwierigkeit, dass diese nur schwer von anderen kognitiven Fähigkeiten oder Wahrnehmungskonstrukten abgegrenzt werden kann (Häusler & Sturm, 2009).

3 Relevanz der Aufmerksamkeitsleistung im beruflichen Kontext

Besonders wenn es um Berufe geht, in denen bestimmte Verhaltensweisen und Merkmale des Mitarbeiters nicht nur erfolgskritisch, sondern auch sicherheitsrelevant sind, eignet sich eine differentielle Diagnostik der kognitiven Fähigkeiten. Die Aufmerksamkeitsleistung ist vor allem daher häufig Ziel der Evaluation individueller Eignung, da Einschränkungen mit negativen Konsequenzen in nahezu allen Lebensbereichen eines Menschen einhergehen (Leclercq & Zimmermann, 2004). Obwohl die diagnostische Zielsetzung oftmals ihren Ursprung in klinisch-neuropsychologischen Fragestellungen hat, so ist sie dagegen auch in der berufsbezogenen Eignungsbeurteilung relevant. Neben anderen kognitiven Fähigkeiten zählt die Konzentrationskraft zu den persönlichen Attributen, die beispielsweise bei Arbeitstätigkeiten mit Such- und Identifikationsaufgaben für eine erfolgreiche Tätigkeitsausführung wichtig sind. Die selektive Aufmerksamkeit spielt vor allem dann eine Rolle, wenn aus vielen verschiedenen Informationen spezifische Merkmale, Anomalien oder Inkongruenzen herausgefiltert werden sollen, um davon ausgehend eine weitere Arbeitshandlung anzustoßen. Zugleich erfordern allerdings auch weniger komplexe Arbeitstätigkeiten wie das Telefonieren oder das Autofahren im Rahmen einer Fernfahrertätigkeit umfangreiche Aufmerksamkeitsressourcen (Nerdinger, Blickle, & Schaper, 2014).

Ein berufliches Feld, bei dem ein vorheriges Screening der Aufmerksamkeitsleistung und der kognitiven Fähigkeiten besonders wichtig ist, ist das der Luftfahrt. Insbesondere Fluglotsen sind gefordert, ihre Aufmerksamkeit über längere Zeiträume zu fokussieren und dabei komplexe Aufgaben teilweise parallel zu bearbeiten. Bereits kleinere Fehler können in diesem beruflichen Setting kritische Folgen haben. Mit steigender Berufserfahrung wird die Aufmerksamkeitsleistung zusätzlich trainiert, sodass sie einerseits eine wichtige Voraussetzung im Berufseintritt ist und sich zugleich mit zunehmender Berufserfahrung verbessert (Ribas et al., 2010).

4 Ausgewählte Testverfahren zur Diagnostik der Aufmerksamkeit

4.1 Aufmerksamkeits-Belastungs-Test d2-R

Bei dem Aufmerksamkeits- und Konzentrationstest d2-R handelt es um eine revidierte Fassung eines Tests, der zu den ältesten und bekanntesten diagnostischen Verfahren im Kontext dieses Konstrukts zählt (Schmidt-Atzert & Amelang, 2012). Dieser nicht nur für den klinischen Kontext, sondern auch für den Bereich der Eignungsbeurteilung entwickelte Test dient der Erfassung der konzentrierten Aufmerksamkeit und kann bei Personen in der Altersspanne zwischen 9 und 60 Jahren durchgeführt werden (Daseking & Putz, 2015). In der Durchführung erhalten die Teilnehmer die Instruktion, auf einem Blatt Papier in einer bestimmten Zeitspanne visuell ähnliche Zeichen durchzustreichen (d mit zwei Strichen) und dabei inkongruente Zeichen (d mit mehr als zwei Strichen) auszulassen. Beurteilt wird die Testleistung anhand der Dimensionen der Genauigkeit (Anzahl der Fehler bzw. durchgestrichenen inkongruenten Zeichen) und der Geschwindigkeit (Schweizer, 2006). Die Durchführung selbst dauert etwa 15 Minuten.

Hinsichtlich der psychometrischen Gütekriterien liegen zum d2-R umfangreiche Informationen vor. Um die Objektivität bestmöglich sicherzustellen, wurde in der revidierten Fassung eine schriftliche Instruktion eingefügt und Hinweise zur Ergebnisinterpretation beigelegt. Für die Normierung wurde eine Eichstichprobe von 4024 Personen zugrunde gelegt, wobei sieben Altersgruppen differenziert wurden, die jedoch nicht exakt erläutert werden. Hier besteht zusätzlich das Problem, dass die Normierung nicht in Abhängigkeit bestimmter Merkmale erfolgte und somit die Repräsentativität bei bestimmten demographischen Gruppen nicht gut eingeschätzt werden kann. Ebenfalls leicht problematisch ist die Zuverlässigkeit des Instruments: Zwar liegt die Retest-Reliabilität bei kurzen Zeitabständen zwischen r = .77 und r = .85 recht hoch, jedoch liegen diese bei Retest-Intervallen über 10 Tagen deutlich niedriger. Die Validität wurde durch die Autoren des Tests ausführlich im Rahmen der Konstrukt- und Kriteriumsvalidität bestätigt, wobei sich diese allerdings auf die ursprüngliche Variante und nicht auf die revidierte Version des d2 beziehen. Ebenfalls ist hier die konvergente Validität bestätigt, insofern die einzelnen Leistungskomponenten im d2 mit verschiedenen Intelligenztests korrelieren. Eine abschließende Bewertung der Validität ist allerdings schwierig, da sich kaum aktuelle Ergebnisse zur revidierten Fassung finden (Daseking & Putz, 2015).

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Wie misst man Aufmerksamkeit? Erhebungsinstrumente in der psychologischen Diagnostik
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Nürnberg früher Fachhochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
13
Katalognummer
V940748
ISBN (eBook)
9783346272157
ISBN (Buch)
9783346272164
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aufmerksamkeit, erhebungsinstrumente, diagnostik
Arbeit zitieren
Kathrin Stein (Autor), 2020, Wie misst man Aufmerksamkeit? Erhebungsinstrumente in der psychologischen Diagnostik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/940748

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