Gewalt in den Medien. Wie kann Sie Rezipienten beeinflussen?


Hausarbeit, 2007

24 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Begriffsklärung: Gewalt und Aggression
1.1 Zum Begriff Gewalt
1.1.1 Personale Gewalt
1.1.1.1 Die physische Gewalt
1.1.1.2 Die psychische Gewalt
1.1.2 Strukturelle Gewalt
1.2 Abgrenzung von Gewalt und Aggression

2 Gewaltdarstellungen in den Medien
2.1 Medienwirkung
2.2 Thesen zur Wirkung von Gewaltdarstellungen
2.2.1 Katharsisthese
2.2.2 Inhibitionsthese
2.2.3 Habitualisierungsthese
2.2.4 Suggestionsthese
2.2.5 Erregungstransfer- These
2.2.6 Stimulationsthese
2.2.7 Lerntheorie

3 Suizidnachahmung aufgrund der Suiziddarstellung in den Massenmedien
3.1 „The found experiment“
3.2 Die Folgen der Fernsehserie "Tod eines Schülers"
3.3 Die U- Bahn- Suizide in Wien
3.4 Der Selbstmord des Hotel- Sacher- Chefs; eine Studie von Hadinger (1991)

Fazit

Literatur

Einleitung

Das Thema ,Medien und Gewalt’ erlebt seit Jahren eine enorme Konjunktur. Die Frage, ob Medien ,,gefährlich“ sein können, ist spätestes seit dem Erfurter Amoklauf von 2001, dem 16 Menschenleben zum Opfer fielen, ein Dauerbrenner in Fernsehen und Zeitungen. Tatsächlich markieren die angeblich durch Medien Konsum ausgelösten Morde, Attentate und Amokläufe die Spitze des Eisbergs, die in der Öffentlichkeit zum Aspekt, Medienwirkung’ zuallererst wahrgenommen wird. [...]. Bei dem Stichwort, Medienwirkung’ wird spontan das Thema ,Medien und Gewalt’ abgerufen.1

Gemeint sind hier vor allem die Medien Fernsehen, Radio, Video, Internet, Zeitungen etc. und ihre Wirkung besonders auf Kinder und Jugendliche.

In diesem Zusammenhang sollen in der vorliegenden Arbeit zwei wichtige Fragen beantwortet werden: Was bedeutet Gewalt? Und welche Folgen haben Gewaltdarstellungen in den Medien?

So gliedert sich der vorliegende Aufsatz in drei Hauptteile. Im ersten Teil wird auf den Begriff Gewalt und seine Dimensionen im Allgemeinen eingegangen. Zunächst wird zwischen personaler und struktureller Gewalt unterschieden, danach werden die Begriffe Gewalt und Aggression voneinander abgegrenzt.

Der zweite Teil beschäftigt sich mit den Gewaltdarstellungen in den Massenmedien, dabei soll der Begriff “Medienwirkung“ behandelt werden, dann werden einige zentrale Theorien zur Wirkung von Gewaltdarstellungen in den Medien im Einzelnen kurz präsentiert.

Anhand vier Studien, die hier chronologisch geordnet und kurz dargestellt werden sollen, erläutert der dritte Teil authentische Beispiele von Suizidnachahmung aufgrund der Suiziddarstellung in den Medien. In diesem Punkt wird gezeigt, inwieweit Medien gefährlich sein können.

Anschließend soll ein Ausblick über das behandelte Thema gegeben und bestimmte Schwerpunkte genannt werden, die man hier behandeln können hätte, dann werden mögliche Lösungen vorgeschlagen, um Medien richtig zu nutzen und die von ihnen ausgehende Gefahr zu verringern.

1 Begriffsklärung: Gewalt und Aggression

1.1 Zum Begriff Gewalt

Was ist genau mit dem Ausdruck Gewalt gemeint ist, lässt sich schwer zu beantworten, jedoch gibt es viele Ansätze zur Begriffsbezeichnung.

In seinem semantischen Bedeutungsgehalt ist mit dem Wort Gewalt folgendes gemeint2 ;

- Gewalt im Sinne von Macht und Herrschaft.
- Gewalt als Energie, Stärke und Kraft.
- Gewalt als unrechtmäßiges und gewalttätiges Verhalten gegenüber Personen und Gegenstände.

Die letzte Bedeutung ist relevant für die vorhandene Arbeit.

Schorb und Theunert geben eine allgemeine Definition von Gewalt: ““Gewalt ist die Manifestation von Macht und/oder Herrschaft, mit der Folge und/oder dem Ziel der Schädigung von einzelnen oder Gruppen von Menschen.““ (Wierth-Heining, 15).

Gewalt hat eine positive Bedeutung, wenn sie als legitimes Zwangsmittel zur Sicherung von Recht und Ordnung in der Gesellschaft angewendet wird und eine negative Bedeutung, mit der das Wort Gewalt meist im Sprachgebrauch verbunden ist, wenn der Zwang gegen Willen des Opfers unrecht ausgeübt wird.

Dabei werden zwei Dimensionen von Gewalt unterschieden: Die personale und die strukturelle Gewalt.

1.1.1 Personale Gewalt

Bei der personalen Gewalt gibt es eine klare Täter-Opfer-, bzw. eine klare Subjekt-Objekt- Beziehung, d.h., es gibt eine Person, die die Gewalt ausübt, und eine andere, der Gewalt angetan wird. Die Gewaltübung, deren Mittel physischer oder psychischer Art sind, verursacht direkt oder vermittelt dem Betroffenen eine Schädigung, die ebenfalls physisch oder psychisch sein kann.3

In diesem Zusammenhang wird die Dimension der personalen Gewalt in physische und psychische Gewalt unterteilt und erklärt;

1.1.1.1 Die physische Gewalt

Unter physischer Gewalt sind alle Formen, die körperliche Schädigung, Verletzung oder Einschränkung zur Folge haben, zu verstehen. Hierbei geht es in erster Linie um körperliche Schädigungen, die Menschen anderen zufügen. Daneben gibt es auch Gewalt gegen Gegenstände, die ebenso schädigende Folgen für Menschen haben kann.

Die physische Gewalt kann also gegen das Opfer selbst oder gegen andere Personen, Sachen oder Tieren im Umfeld des Opfers richten, darunter fallen alle Formen von physischer Misshandlungen wie schlagen, stoßen, schütteln usw. bis zum Mordversuch und Mord.

Oft sieht man sich mit einer Flut von Bildern solcher Gewalt vor allem im Fernsehen, Spielfilme, Internet und Computerspiele konfrontiert. So werden reale und fiktive Gewalt in unterschiedlichen Formen auftreten und so verstehen Kinder, Jugendliche und Erwachsene auch unterschiedliche Dinge darunter. Die Gefahr betrifft vor allem Kinder, die kaum Unterschied zwischen Fiktion und Realität machen, und die oft zur Nachahmung neigen. Hier einige Beispiele von Gewaltformen, die in den Medien häufig dargestellt werden;

- Bilder von Krieg (Tote, Verletzte, Blut, Schusswaffen)
- Gewalt innerhalb der Familie (zwischen den Eltern, gegen Kinder, unter den Geschwistern)
- Schlägerei auf der Straße, im Restaurant, im Bahnhof usw.
- Mobbing bzw. Bullying in der Schule.
- Vergewaltigung von Kinder und Frauen.
- Töten mit verschiedenen Waffen (vor allem mit Haushaltswaffen) und auf verschiedene Weisen
- Usw.

1.1.1.2 Die psychische Gewalt

Psychische Gewalt umfasst alle nicht-körperlichen Gewaltformen, die psychische Verletzungen zur Folge haben, die also die seelische und geistige Verfassung des Betroffenen schädigen (Grimm u.a, 53). Die Mittel der psychischen Gewalt können nach Theunert unterschiedlich und vielfältig sein (vgl. Wierth- Hennig, 16f.):

- Gewalt gegen Gegenstände, die Menschen verletzt, bedroht, verunsichert usw.
- Verbale Gewalt, die durch das Wort verletzt und beschränkt wie Beleidigung, Beschimpfung, Erpressung, Diskriminierung, Lüge,Verleumdung, Manipulation, Indoktrination usw.
- Gewalt, die durch Verhaltensweisen und Handlungen beschränkt und verletzt. Dazu gehören zum Beispiel Unterdrückung, Abhängigmachen oder - halten, Vorenthalten vor Information, sozialen Kontakten, Kommunikation, Kreativität, Funktionalisierung, Missachtung, Überheblichkeit und ähnliches.

Es gibt zahlreiche Beispiele, die zeigen, wie die Medien auch psychische Gewalt gegen die Personen üben können; Nach dem Lesen eines Zeitungsartikels (vor allem mit Bildern) oder nach dem Schauen eines Filmes, hört man nicht selten solche Ausdrücke; „ich konnte überhaupt nicht schlafen“, „es ist mir übel geworden“, „ich habe Angst“, ‚“ich habe Albtraum gehabt“, „ich habe geweint“, „ich zittere“ usw.

Man kann sich auch durch die Medien diskriminiert, bedroht und beleidigt fühlen, wenn es oft negativ über eine bestimmte Gruppe berichtet wird, wie beispielsweise die Darstellung des Islams bzw. der Muslimen in den Medien vor allem nach dem 11 September 2001; Islam, Terrorismus und Islamismus werden gleichgesetzt, was aber die Muslimen sehr verletzt, den Hass gegen sie ansteigt und für sie eine Diskriminierung, Beschränkung und Ausschließung bedeutet.

Ein anderes interessantes Beispiel ist das Frauenbild in den Medien: Die Frau ist häufig in den Medien nur als Körper bzw. als Objekt präsentiert. Ihre Schönheit und ihre Figur werden heutzutage meist und fast jeden Tag betont, nicht aber ihre Leistungen und Eigenschaften.

Wer dieser Meinung ist, kann er nur von Ausnutzung, Unterdrückung, Diskriminierung und Erniedrigung sprechen. Ein Überschuss von „Sexy- Frauenbilder“ betrifft einen immer und überall. Das könnte ebenfalls bei den Frauen, die sich nicht schön fühlen und die solche Bilder als Muster nehmen, zu negativen psychischen Effekte und unerwarteten Reaktionen führen, sodass die Frau sogar ihre Identität durch Nachahmung und ihr Selbstvertrauen verlieren kann.

1.1.2 Strukturelle Gewalt

Nach Schorb und Theunert umfasst die strukturelle Gewalt alle Formen, ““die in Strukturen eines gesellschaftlichen Systems selbst liegen und aus ungleichen Herrschafts- und Machtverhältnissen resultieren. Strukturelle Gewalt kennzeichnet weniger situative Gewalthandlungen oder abgrenzbare Gewaltakte zwischen Personen, sondern vielmehr gesellschaftliche Zustände, die qua ihrer Existenz und Internalisierung oder qua ihrer repressiven Aufrechterhaltung bei einzelnen oder bei Gruppen von Menschen Schädigungen und ’Leiden’ erzeugen.““ (Theunert, 77)

Diese abstrakte Definition wird in den drei folgenden Punkten durch einige Aspekte bzw. Merkmale bestimmt und verdeutlicht4:

- Strukturelle Gewalt wird in entpersonifizierter Form wirksam

Der ausübende Part bleibt hier anonym und zeigt sich für die Betroffenen weder in konkreten Personen noch in konkreten Handlungen: Menschen in der dritten Welt beispielsweise verhungern, ohne dass jemand da ist, der ihnen konkret die Nahrung wegnimmt oder vorenthält. Die Ursachen des Hungers liegen hierbei in den mangelhaften ökonomischen Strukturen, die zwar von Menschen verantwortet (Ausbeutung von Land und Boden durch Industriekonzerne der "Ersten Welt"), jedoch von keiner einzelnen Person abhängig sind.

Neben dieser völlig entpersonifizierten Form struktureller Gewalt gibt es auch Formen, in denen Personen die Rolle des ausführenden Parts übernehmen. In diesem Fall handeln sie aber nicht als einzelne Personen, sondern sozusagen als Stellvertreter der gesellschaftlichen Machtgruppen, Institutionen und Organisationen, wie beispielsweise Polizisten, die die Staatsgewalt verkörpern. Ihre Persönlichkeit spielt in diesem Sinne keine besondere Rolle, da die Personen als „Ausführende“ beliebig austauschbar sind.

-Strukturelle Gewalt zeigt sich in dauerhaften gesellschaftlichen Zuständen

Im Gegensatz zu der personalen Gewalt, die als Handlung oder Verhalten manifestiert, ist die strukturelle Gewalt als dauerhafter Zustand zu kennzeichnen. Diese dauerhaften gesellschaftlichen Zustände weisen eine relativ hohe Statik und Stabilität auf und können über Handlungen vermittelt sein, „z.B. über die Notengebung in der Schule, die hierbei für „das gesellschaftliche Primat des Leistungsdenkens steht.““(vgl. Wierth- Hennig,18)

„Strukturelle Gewalt manifestiert sich also in gesellschaftlichen Zuständen, die über das Ineinandergreifen unterschiedlicher Faktoren generiert werden, von den Betroffenen internalisiert sind und sich in ihrer Wirksamkeit wechselseitig unterstützen und verstärken.“ ( Theunert, 83)

- Strukturelle Gewalt ist indirekt und nur in ihren Folgen sichtbar

Weder konkrete Ausübende noch direkte Handlungen müssen hier auftreten. Lediglich sind nur die schädigenden Effekte struktureller Gewaltverhältnisse sichtbar, die indirekt, vermittelt und langfristig zutage treten können, „beispielsweise zeigte erst nach vielen Jahren das unbedachte Abholzen der Urwälder Südamerikas seine schädigenden Wirkungen: Aussterben von Indio- Stämmen, Störung der Pflanzen- und Tierwelt, Bodenerosionen etc.“(vgl. Wierth-Hennig, 18)

Beobachtbare Schädigungen und auslösende Bedingungen sind bei der strukturellen Gewalt in der Regel nicht unmittelbar miteinander verbunden. Die Verknüpfungen müssen analytisch hergestellt und zum Teil auch historisch rekonstruiert werden.

- Strukturelle Gewalt ist vorwiegend nicht spezifisch gerichtet

Strukturelle Gewalt als soziale Tatsache schädigt zwar konkrete Individuen, aber sie ist nicht gegen diese gerichtet, sondern trifft Menschen als Kollektiv, als spezifisch gesellschaftliche Gruppe, oder als diffuse Masse.

„ Die vorwiegend herrschaftskonforme Informationsverbreitung in unserer Gesellschaft trifft im Grunde alle Gesellschaftsmitglieder, denen Informationen vorenthalten bzw. verkürzt dargeboten wird. Die hierüber bewirkten Schädigungen können bei jedem einzelnen und bei verschiedenen Gruppen sehr unterschiedlicher Art sein: Desinformation, politische Entscheidungsfähigkeit, Verlust ganzheitlicher Denkfähigkeit, Vorurteilsstrukturen usw.“ (Theunert, 83)

Gewalt in den Medien könnte in diesem Sinne als strukturelle Gewalt bezeichnet werden, denn diese Gewalt zeigt sich weder in konkreten Personen noch in konkreten Handlungen und sie ist nicht gegen bestimmte Leute gerichtet, sondern sie trifft Menschen als gesellschaftliche Gruppen und ist nur in ihren Folgen und Auswirkungen sichtbar. Dazu zählen zum Beispiel sexueller Missbrauch und Sexmord von Kindern und Frauen aufgrund der Sexdarstellung und Kinderpornographie in den Medien; es wird häufig im Fernsehen sowie auf den Zeitungen als Schlagzeilen über Vergewaltigung und Mord von Kindern berichtet. Das Schlimmste in diesem Fall, wenn man für den Verbrecher Entschuldigungen findet, ihn psychisch betreut und ihm die milde Strafe gibt. Das ermutigt vor allem Verbrecher, die selber solche Neigungen haben, weitere Taten zu begehen.

Alleine im Jahre 2007 wurde fast jeden Monat über das Thema „Kindermord, den von der eigenen Mutter begangen wurde“; hier einige Beispiele aus der Welt- Zeitung5:

- „Gleich drei Babyleichen wurden auf einem Grundstück im thüringischen Thörey von ihrer Mutter begraben“ 21.02.07
- „Mutter gesteht: Baby erstickt und in einen Badesee geworfen“ 15.03.07
- „ Babyleichen in Eimern und Blumentöpfen: Eine Mutter soll neun ihrer neugeborenen Kinder binnen 16 Jahren getötet und auf einem Grundstück in Brieskow-Finkenheerd (Oder-Spree) versteckt haben.“ 01.08.07
- „Mutter wirft Baby in Mülltonne – kein Haftbefehl“ 28.10.07
- „Eine 22 Jahre alte Frau aus Wuppertal hat gestanden, ihr neugeborenes Kind getötet und im Keller ihres Hauses über Monate hinweg versteckt zu haben.“ 07.11.07
- „Mord an Kindern: Nach dem Fund der fünf Babyleichen in Darry in Schleswig-Holstein und der drei toten Babys in Sachsen stellt sich nun die Frage, warum eine Mutter so etwas tut. Kriminalpsychologen sprechen von einer Krankheit als Grund der Morde“ 06.12.07
- „Mutter tötet ihre zwei Kinder – Motiv unklar“ 26.12.07

1.2 Abgrenzung von Gewalt und Aggression

Kunczik (1996) identifiziert personale Gewalt mit Aggression und für Groebel/Gleich (1993) ist Gewalt eine schwere Aggression.6 Nach Rauchfleisch (1992) ist Gewalt eine spezifische Form der Aggression, die die Schädigung eines Objektes zum Ziel hat.

Aggression ist eine der ältesten Erscheinungen der Menschheitsgeschichte, Sigmund Freud bezeichnet sie „ als die nach außen gewendete Tendenz zur Selbststörung beim Menschen ganz fundamental dem Lebenstrieb, Thanatos dem Eros, entgegenstellte.“( Zeitter u.a, IX)

Williams/ Zabrach/ Joy (1982; 366) definieren Aggression „als eine Verhaltensform, die physische und psychische Leiden zur Folge hat, wogegen Gewalt lediglich physische Aggression ist, die zur Verletzung und Tod führt.“(ebd., 43)

Laut Kleiter ist Aggression ein Begriff aus der Psychologie, der ein Verhalten beschreibt, das ““bewusst- reflektiert oder nicht- reflektiert, aber absichtlich und selbstverantwortlich, auf sich selbst (Autoaggression), auf eine Schädigung/ Verletzung einer anderen Person oder einer Sache/eines Gegenstandes (Vandalismus) zielt bzw. dieser dient (Aggression als Selbstzweck) oder bei der Erreichung oder Durchsetzung der eigenen Ziele in Kauf genommen wird (instrumentelle Aggression).““(ebd. , 44)

Auch Bandura beschreibt Aggression als ““ eine Verhaltensweise[...], die zur persönlichen Schädigung und zur Zerstörung von Eigentum führt. Die Schädigung kann sowohl psychisch (in Form von Abwertung oder Erniedrigung) als auch physisch sein.““(ebd. , 44)

“Für Berkowitz (1993:11) bezieht sich “ Aggression [...] immer auf eine Art Verhalten, physisch oder symbolisch, das mit der Intention durchgeführt wird, jemanden zu schädigen.““(ebd., 44)

Aber nicht jedes aggressive Verhalten darf als Gewalt interpretiert werden, sobald keine Schädigung folgt. Umgekehrt kann nicht jeder Akt der Gewalt auf Aggression zurückgeführt werden.

In der Forschungsliteratur werden also die Begriffe Gewalt und Aggression kaum unterschieden und meinen in vielen Fällen dasselbe. Meistens wird Gewalt mit Aggression gleichgesetzt bzw. Aggression zur Erklärung der Gewalt herangezogen. In diesem Zusammenhang schreibt van der Voort (1986)””we use the terms aggression and violence interchangeably, so that violence on television becomes equivalent to aggression on television.”” (Grimm u.a , 43)

Auch in der vorliegenden Arbeit werden Gewalt und Aggression miteinander gleichgesetzt und der Unterschied zwischen den beiden Begriffen bleibt irrelevant, dabei soll gezeigt werden, welche Folgen und Wirkungen Gewaltdarstellung in den Medien hat?

So werden die schädigenden Auswirkungen und Folgen solcher Gewaltdarstellung als Gewalt gegen die betroffenen Personen bzw. Gruppen bezeichnet, wenn diese Gewalt in der Realität transportiert, verwirklicht, nachgeahmt und sie auf das Opfer geübt wird.

2 Gewaltdarstellungen in den Medien

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagt Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, es gebe einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem häufigen Fernsehkonsum und dem späteren gewalttätigen Verhalten7.

Gewalt ist eine Bedrohung für die Gesellschaft, besonderes wenn sie von Kindern und Jugendlichen ausgeübt wird. Hier wird mit Recht nach der Wirkung der Massenmedien, vor allem des Fernsehens gefragt. Jedoch ist ein Einfluss nach Meinung vieler Experten nur schwierig von anderen Wirkungsgrößen abzugrenzen (dem Familienklima, dem Umfeld der Gleichaltrigen, der Arbeit, der Schule und dem Angebot an Lebensperspektiven) (vgl. Zeitter, IX).

2.1 Medienwirkung

„Wirkung wird im alltäglichen Gebrauch mit Veränderung gleichgesetzt. Veränderung bedeutet, dass sich auf der Einstellungs- und Verhaltensebene Beobachtungen machen lassen, die auf das Vorliegen eines bestimmten Stimulus zurückgeführt werden können.“(Strüber, 43)

In seiner Studie über die Wirkung von Computerspielen unternimmt Strüber (2006, 50ff.) die Einteilung in kurzfristige und langfristige Wirkung. Gleich nach bzw. während dem Spielen lassen sich kurzfristige Auswirkungen beobachten wie Kopfschmerzen, Übermüdung, Nackenverspannung, kalte Hände, starkes Schwitzen und Zittern. Diese physiologischen Effekte, die als kurzfristige Auswirkungen scheinen, könnten zur langfristigen Schädigungen führen. Hierzu zählen Isolation, Abstumpfung, geringe körperliche Bewegung, Aggressionsförderung, Zeitfresser, Realitätsverlust und Suchtgefahr. Jedoch nennt der Autor hingegen auch positive Wirkungen wie soziale Interaktion, Reaktionsschnelligkeit, motorische Geschicklichkeit, sinnvolle Hinführung zum Umgang mit Computern, außerdem könnten Computerspiele als Chance für einen positiven Kompetenzerwerb (Denken, Kreativität, Flexibilität) dienen.

Der Soziologe Halloran, der 1963 das“ Television Research Comittee“ leitete, erforschte die Wirkungen des Fernsehens insbesondere auf Jugendliche und wies hin:

„„ die Wirkungen der Kommunikation können zahlreich und vielfältig sein, sie können auf verschiedene Ebenen und in verschieden Stärken auftreten, sie können sich in verschiedener Weise manifestieren oder latent bleiben, und sie können von verschiedenen Aspekten der Aussage und verschiedenen Teile des Kommunikationsprozesses herrühren““(Rösler, 13).

Generell ist die Frage “was ist Wirkung?“ in konkreten Lebenssituationen schwer zu beantworten. Aber in sehr abstrakter Weise bedeutet Wirkung immer „Veränderung“, „Innovation“ (Ernst, 64).

Auch Maletzke (1972,147ff.) definiert „Wirkungen als Veränderungen des Wissens, der Einstellungen und des Verhaltens als Folge von Massenkommunikation.“ (Merten, 36)

In Verbindung mit Massenkommunikation werden Veränderungen auf der Rezipientenseite analysiert. Von diesen Veränderungen sind vor allem Verhalten, Wissen, Einstellungen, Meinungen, Emotionen, Tiefensphären des Psychischen betroffen (vgl. Rösler, 13f).

Aber ob die beobachtete Veränderung mit einem spezifischen Ereignis zusammenhängt, lässt sich im Bereich der Medienforschung basierend auf verschiedenen Ansätzen untersuchen (vgl. Ernst,64).

„Bis heute existiert weder eine allgemein gültige Theorie der Medienwirkung, noch besteht Konsens darüber, ob eine solche Metatheorie überhaupt erforderlich oder beim gegenwärtigen Forschungsstand leistbar ist […]. Die wenigen Versuche, die Grundzüge einer allgemeineren Theorie herauszuarbeiten[…] sind (noch) zu wenig elaboriert und finden in der Regel nur wenig Resonanz.“ (Bommert u.a, 1)

Bereits in der griechischen Antike diskutierten die berühmten Philosophen Platon und Aristoteles über die Wirkung der Medien. So ist der Streit um dieses Thema schon über 2000 Jahre alt.

Und die Zahl verschiedener Theorien, die von Forschern zum Thema Mediengewalt existieren, ist groß.8

[...]


1 Andre,7

2 http://v.hdm-stuttgart.de/seminare/ie2003/W_Odigie_Mediengewalt.pdf vom 08.01.08

3 Wierth-Heining, 15f.

4 Theunert, 81f., & Wierth-Heining.,17f

5 http://www.welt.de/archiv/%3Fse%26search.execute%3Dtrue%26lucyExpr%3D%2BKindst%F6tung%26lucyFromDateOn%3Dfalse%26lucyFromDay%3D1%26lucyFromMonth%3D4%26lucyFromYear%3D1995%26lucyToDateOn%3Dfalse%26lucyToDay%3D28%26lucyToMonth%3D11%26lucyToYear%3D2007%26lucySection%3D217%26 lucyStemmed%3D1%26lucySort%3D0%26lucyField%3D6%26lucyOptimized%3Dfalse%26lucyPageFirst%3D1%26lucyPagePrev%3D1%26lucyPageNext%3D2%26lucyPageLast%3D2&lucyPageNav=< vom 28.10.07

6 Grimm, 43f.

7 Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, Jugendforscher, Universität Bielefeld, über Gewalt als Folge von zu viel Fernsehen: http://www.sueddeutsche.de/wissen/artikel/913/1912/ vom 20.09.07

8 http://www.sueddeutsche.de/wissen/artikel/346/5341/ vom 20.09.07

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Gewalt in den Medien. Wie kann Sie Rezipienten beeinflussen?
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Pädagogik, Bildungs- und Sozialisationsforschung)
Veranstaltung
Einführung in die Erziehungswissenschaft für Nebenfachstudierende (TS)
Note
2
Autor
Jahr
2007
Seiten
24
Katalognummer
V940781
ISBN (eBook)
9783346272911
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medien, Medienwirkung, Gewalt, Aggression
Arbeit zitieren
Fatiha El Yamouni (Autor), 2007, Gewalt in den Medien. Wie kann Sie Rezipienten beeinflussen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/940781

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