Die Figuren Achill und Briseïs in der Literatur. Ein Vergleich der Darstellung bei Homer und lateinischen Dichtern (100 v.Chr. - 100 n.Chr.)


Masterarbeit, 2018

96 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitu

2 Grundla
2.1 Bris
2.1.1 Briseis in der Ilias
2.1.2 Briseis vor und nach dem Trojanischen Krieg
2.2 Achill
2.2.1 Grundsätzliche Charakterisierung
2.2.2 Achills Herkunft
2.3 Ehre in der Antik
2.3.1 Grundsätzliche Überlegungen
2.3.2 Ehre als bestimmendes Element
2.3.3 Ehre und Macht
2.4 Liebe in der Anti
2.4.1 Liebe in Homers Epen
2.4.2 Liebesterminologie
2.4.3 Facetten der Liebe
2.4.4 Homoerotische Liebe
2.5 Kontext der Ilias in der archaischen Ze

3 Achill und Briseis in der Ilias
3.1 Einleitende Angab
3.2 Achills Ehre als Krieger
3.3 Bezüge auf die „sexuelle Ehre als Mann
3.4 Gleichgültigkeit oder Ablehnu
3.5 Anspielungen auf Liebe und Sexualit
3.6 Vergleich mitAchill und Patroklos
3.7 Schlussfolgerung aus den Homer-Stel

4 Achill und Briseis in der römischen Dicht
4.1 Properz
4.1.1 Briseis als Symbol für Liebeskummer
4.1.2 Briseis' Trauer um Achill
4.1.3 Briseis'Tränen
4.1.4 Körperliche Liebe während des Krieges
4.1.5 Schlussfolgerung aus Properz-Stellen
4.2 Ovid
4.2.1 Amores
4.2.2 Heroides
4.2.3 Ars amatoria
4.2.4 Remedia amoris
4.2.5 Tristia
4.3 Horaz
4.4 Mart
4.5 IliasLatina
4.5.1 Einleitende Ausführungen
4.5.2 Analyse relevanter Textstellen
4.5.3 Schlussfolgerung zu den Stellen aus der Ilias Latina

5 Fazi

6 Literaturverzeichn

1 Einleitung

In einer Szene aus einer modernen Bearbeitung des Trojastoffes ist der grosse Kriegsheld Achill in seinem Bett zu sehen. Neben ihm liegen eine Frau und ein Mann. Es handelt sich um Briseis und Patroklos. Am Vorabend, als der Krieg vorübergehend unterbrochen war, haben die Drei gemeinsam einen entspannten Moment am Meer verbracht. Die Szenen, die eine Art erotische Dreiecksbeziehung suggerieren, stammen aus Troy - Fall of a City. Die Serie des weltweit erfolgreichen Medienunternehmens Netflix wurde im Frühjahr 2018 lanciert. Einige Jahre zuvor hatte Wolfgang Petersens Hollywood-Verfilmung Troy (2004) die Beziehung zwischen dem Kriegshelden Achill und seiner Kriegsgefangenen Briseis als dramatische Liebesgeschichte inszeniert. Diese zwei Beispiele sind Hinweise dafür, dass der Trojastoff nach wie vor Teil der Populärkultur des 21. Jahrhunderts ist. Auch gut 2700 Jahre nach Homers Ilias erreichen neue Fassungen der Erzählungen über den Trojanischen Krieg und seine Helden ein grosses Publikum. Neben aufwändig produzierten Kriegsszenen interessieren das Publikum offensichtlich auch die Emotionen der in den Krieg involvierten Personen.

„Die Antike lebt, indem sie rezipiert wird“, schreibt Joachim Latacz treffend in seinem Buch „Achilleus. Wandlungen eines Heldenbildes“.1 Im Idealfall wecken die modernen Aufbereitungen mythologischer Geschichten das Interesse an den literarischen Quellen. Wie haben die Autoren der Antike die Verbindung zwischen Achill und Briseis dargestellt? Diese Hauptfrage steht im Fokus der vorliegenden Arbeit. Homers Ilias ist das älteste, vollständig erhaltene Werk, das Achills und Briseis’ Verbindung aufzeigt. Homer präsentiert eine Welt, in welcher Ehre und Kriegsruhm ein fester Bestandteil des Wertekanons darstellt. Am Anfang der Erzählung steht Achills Zorn, der verursacht wird, nachdem ihm seine Beutefrau Briseis weggenommen worden ist. Achills Reaktion kann verschiedene Ursachen haben. Ist der stolze Krieger in seiner Ehre verletzt und zieht sich deshalb aus dem Trojanischen Krieg zurück? Oder entsteht der Zorn, weil Achill mit Briseis eine Frau abgeben muss, die er von Herzen liebt? Nach Homer haben andere Autoren der Antike den Trojastoff und damit auch die Beziehung zwischen dem griechischen Helden und der Kriegsgefangenen aufgenommen und verarbeitet. Für diese Arbeit sollen Homers Ilias als Hauptwerk sowie die Erzeugnisse der lateinischen Dichter aus der augusteischen Zeit und dem ersten nachchristlichen Jahrhundert untersucht werden. Ziel dieser Arbeit ist es, folgende Leitfragen detailliert zu beantworten:

1. Wie stehen Achill und Briseis in der Ilias zueinander und wie stellt Homer diese Verbindung dar?
2. Wie haben die römischen Dichter des ersten vorchristlichen Jahrhunderts die Beziehung zwischen Achill und Briseis interpretiert und in ihren Werken eingesetzt?
3. Welche Akzente setzt die Ilias Latina, ein zusammenfassendes Werk, das in der Spätantike und im Mittelalter vornehmlich im Schulkontext eingesetzt wurde?
4. Wie lassen sich Unterschiede in den verschiedenen Interpretationen Achills und Briseis’ erklären?

Dazu sollen im folgenden Kapitel zunächst die Grundlagen erarbeitet werden: Hier finden sich grundlegende Angaben zu den beiden Hauptpersonen Achill und Briseis sowie Begriffsabgrenzungen zu „Ehre“ und „Liebe“ in Kontext der Antike. Das dritte Kapitel enthält die Sammlung aller Ilias -Textstellen, die Hinweise auf die Beziehung zwischen Achill und Briseis geben. Die durch die Ilias -Lektüre identifizierten Passagen werden anhand von Übersetzungen und Kommentaren analysiert. Ein wichtiges Hilfsmittel sind hierbei die entsprechenden Iliasscholien, die - von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen - eigenhändig übersetzt und ausgewertet wurden.2 Ziel ist es, den Hauptduktus in Homers Ausführungen über Briseis und Achill herauszufinden. Im daran anschliessenden Kapitel werden die für Achill und Briseis relevanten Textpassagen der römischen Dichter Properz, Ovid, Horaz und Martial untersucht.3 Die Textanalyse erfolgt durch eigene Übersetzungen und unter Zuhilfenahme von Kommentaren. Im Mittelpunkt steht hier einerseits der Vergleich mit der homerischen Vorlage, andererseits sollen auch die Unterschiede zwischen den lateinischen Texten aufgezeigt werden. Die Ausführungen zu der Ilias Latina stehen am Schluss des Kapitels über die römische Dichtung. Für die Einordnung dieses Werkes wurden eigene Übersetzungen aus dem Lateinischen angefertigt sowie Kommentare und Aufsätze konsultiert. Ein Fazit mit der Beantwortung der oben gestellten Fragen schliesst die Arbeit ab.

2 Grundlagen

2.1 Briseis

2.1.1 Briseis in der Ilias

Briseis ist eine Kriegsgefangene, die dem griechischen Helden Achill als Beutefrau zugesprochen wird. Sie hat in der Ilias keinen Eigennamen und wird mit ihrem Patronymikon Briseis, Tochter des Brises, benannt. Oft wird sie aber auch einfach als Ehrgeschenk (yépag) oder Mädchen (Koapn) bezeichnet.4 Briseis hat in der Ilias nur drei sehr kurze Auftritte. Am Anfang wird sie aus dem Zelt ihres bisherigen Besitzers Achill abgeführt (Il. 1.345-348). Ihr nächster Auftritt erfolgt, als sie Achill 16 Tage später zurückgegeben wird.5 Dabei erblickt sie Patroklos’ Leiche und trauert mit einer bewegenden Totenklage um Achills gefallenen Gefährten (Il. 19.287-300). Am Schluss ist Briseis Teil einer kurzen Szene, die der Dichter mit lediglich zwei Versen beschreibt. Hier liegt Briseis neben Achill im Bett (Il. 24.675-676). Trotzdem gehört Briseis zu den zentralen Figuren der Ilias. Das Hauptmotiv dieses Epos, der Zorn Achills, wird ausgelöst, als Agamemnon dem Anführer der Myrmidonen die Beutefrau wegnimmt. Briseis und ihre Verbindung zu Achill bilden somit den Handlungsrahmen, der aber im Hintergrund bleibt. Im Vergleich zu anderen Figuren ist Briseis in der Ilias eine „shadowy figure“.6 Nur ein einziges Mal kommt sie zu Wort. Sie ist damit aber immerhin eine der insgesamt nur vier Frauen, die eine sprechende Rolle haben.7

Briseis’ seltene Auftritte sowie ihre passive Rolle entsprechen dem gängigen Geschlechterverständnis der griechischen Antike. Hier bestimmt der Mann das öffentliche und politische Leben. Er symbolisiert Mobilität und ist aktiv. Die Frau repräsentiert mit ihrem passiven Wesen die Stabilität und wird dem Heim zugeordnet. Diese Auffassung gilt für die ganze griechische Antike, wobei sich diese Gegensätze nach der Bronzezeit in der klassischen Zeit und im Hellenismus eher noch akzentuiert. Die Ilias bestätigt den Eindruck, dass Männer die öffentliche und politische Realität beanspruchen. Bei genauerer Betrachtung lässt sich aber feststellen, dass die Frauen, gewollt oder unfreiwillig, einen grossen Einfluss auf den Verlauf des öffentlichen Lebens haben. Dabei können zwei Arten der Einflussnahme unterschieden werden: Frauen können mit koyog, also durch ihre Rede, eine bestimmte Reaktion hervorrufen oder das Geschehen durch ihr „passives Sein“ beeinflussen.8

Als Kriegsgefangene symbolisiert Briseis die tragische Situation der Frauen in der Ilias am radikalsten.9 Weibliche Kriegsgefangene werden wie Objekte behandelt, denen mitunter weniger Wert als Gütern zugeschrieben wird.10 Ohne es zu beabsichtigen, haben die beiden Beutefrauen Briseis und Chryseis aber einen entscheidenden Einfluss auf die Situation der achäischen Krieger. Da Agamemnon sich weigert, Chryseis ihrem Vater zurückzugeben, lässt Apollon im Lager der Griechen eine Seuche ausbrechen. Als Agamemnon nachgibt und Chryseis zurückbringen lässt, fordert er als Entschädigung Achills Beutefrau Briseis. Diese „Enteignung“ führt zum Zorn des Achill, der die Geschichte entscheidend beeinflusst.11

2.1.2 Briseis vor und nach dem Trojanischen Krieg

Briseis wird in Lyrnessos, einer „nicht genau lokalisierten Ortschaft im mysisch-troischen Grenzbereich“12, gefangen genommen, als Achill und seine Gefährten die Stadt erobern und verwüsten (Il. 2.690-692).13 In ihrer Totenklage für Patroklos gibt Briseis einige wenige Details aus ihrem Leben preis (Il. 19.291-299). Demnach tötete Achill Briseis’ Ehemann sowie ihre drei Brüder.14 Briseis wurde zwar der Ilias zufolge in Lyrnessos gefangen genommen, stammte aber gemäss den Kyprien aus Pedasos in der Troas, einer weiteren Stadt, die von Achill erobert wurde.15 Dictys Cretensis schreibt, dass Briseis’ Vater der König von Pedasos gewesen sei (Dictys, 2.17). Briseis, die in der Ilias aufgrund ihrer Schönheit mit Aphrodite verglichen wird, wäre somit königlicher Herkunft und nicht irgendein beliebiges Mädchen, bevor sie zur Kriegsbeute der Achäer wurde.16

Wenig ist darüber bekannt, was mit Briseis nach Patroklos’ Tod geschieht. Nach der Rückgabe an Achill begleitet sie diesen wohl im Alltag bis zu seinem Tod, der aber in der Ilias noch nicht erfolgt. Was danach mit der „Kriegsbeute Briseis“ geschieht, wird in der Ilias nicht angedeutet. Bei Quintus Smyrnaeus ist Briseis’ Totenklage für Achill enthalten. Bei den anschliessenden Leichenspielen zu Ehren Achills werden mehrere Sklavinnen des griechischen Kriegshelden als Preise vergeben, nicht aber Briseis (Smyrnaeus, 3.125-83). Achills Sohn Pyrrhus alias Neoptolemos kommt schliesslich nach Troja und erblickt Briseis, als diese den übrig gebliebenen Besitz Achills betrachtet (Smyrnaeus, 7.193ff. und 445). Vermutlich bleibt Briseis einige Zeit unter Pyrrhus’ Vormundschaft. Pyrrhus opfert seinem Vater nicht Briseis, sondern Polyxena (Seneca, Troades, 195 ff.).17

2.2 Achill

2.2.1 Grundsätzliche Charakterisierung

Achill ist in der Ilias der grösste Held der Griechen, die im Trojanischen Krieg kämpfen.18 Er wird bester Mann genannt (Il. 9.110) und gilt als bester Krieger, der vor allem durch seine Schnelligkeit heraussticht. Die an mehreren Stellen verwendeten Epitheta no8ag wKÜg, no8apKi]g und no8wKsog weisen auf Achills schnelle und starke Füsse hin. Zwar können andere Krieger in der Ilias den zurückgezogenen Achill zwischenzeitlich als äpioTog auf dem Schlachtfeld ablösen, aber an Schnelligkeit übertrifft ihn niemand. Aussergewöhnlich ist auch Achills Schönheit. Sein Erscheinungsbild wird als ei8og bezeichnet und seine Schönheit ist Kakog.19

Er ist der Anführer der Myrmidonen, einer kleinen Gruppe aus der thessalischen Landschaft Phthia, die dem griechischen Kriegsbündnis vor Troja angehört.20 Dass die übrigen Achäer Achill nicht besonders viel bedeuten, lässt sich bereits im Proömium erahnen. Achills Zorn wird gemäss der Ankündigung in den ersten Versen der Ilias vielen Achäern Leid bringen.21

Il. 1.1-7 (deutsche Übersetzung aus dem Griechischen von Wolfgang Schadewaldt22 ):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bevor Achill für den Krieg gegen Troja eingezogen wird, ermahnt ihn sein Vater Peleus, im Trojanischen Krieg den Zorn, Stolz und „hochfahrenden Mut“ zu zügeln. Für die Ehre, die Achill besonders wichtig ist, sei Freundlichkeit und Vermeidung von Streit nützlicher (Il. 9.255-258):23

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Achill sagt zu Odysseus, er habe zwölf Städte an der Küste und elf im Landesinneren zerstört (Il. 9.329-330). Am Ende des Epos kommt es zum Duell zwischen den beiden grossen Helden Achill und Hektor. Achill besiegt seinen Gegner vor den trojanischen Mauern und schleift dessen Leiche hinter seinem Wagen her (Il. 24.103-672).

Das Schicksal Achills ist in der Ilias einzigartig. Mitunter spüren zwar grosse Helden durchaus, dass sie mit dem Tod spielen oder dass es ihr Schicksal ist, bis zum Tod zu kämpfen. Aber nur Achill hat von vornherein die bewusste Wahl zwischen einem kurzen ehrenvollen Leben und einer unrühmlichen Rückkehr. Immer wieder wird er mit einer schmerzhaften und tragischen Vision von sich selbst dargestellt.24

Schon für die Scholiasten des Späthellenismus ist Achill nicht einfach einzuordnen. Sie sehen in ihm zwar den Vornehmsten der Griechen, aber auch den grausamen und unbarmherzigen Krieger. Ihnen fällt es beispielsweise schwer, Achills Brutalität, die er für die Rache Patroklos’ anwendet, zu rechtfertigen (Schol. Il. 11.778, 20.467 und 23.397).25

2.2.2 Achills Herkunft

Achills Vater ist Peleus, ein Sohn des Aiakos. Achills Grossvater Aiakos war seinerseits ein Sohn Zeus’. Achills Mutter ist die Nereide Thetis.26 Achill ist einer der wenigen Heroen, denen die Götter sehr klar erscheinen. Die intime Beziehung zwischen Achill und dem Göttlichen ist auch in seiner Verbindung zu seiner Mutter Thetis wiederzuerkennen.27

Thetis weiss aufgrund einer Weissagung, dass ihr Sohn im Trojanischen Krieg sterben wird. Sie lässt ihn deshalb zum König Lykomedes in Skyros zu bringen. Dort trägt Achill Frauenkleider, um nicht erkannt zu werden. Durch eine List des Odysseus’ gelingt es aber den Griechen, die Achill für einen Sieg gegen Troja unbedingt brauchen, trotz Verkleidung zu identifizieren. Bei Homer gibt es allerdings keine Hinweise auf einen Aufenthalt Achills bei den Töchtern des Lykomedes. Gemäss den Angaben in der Ilias wächst Achill zusammen mit seinem Freund Patroklos in Phthia auf.28

Die meisten Quellen stimmen darin überein, dass Achill vor der Begegnung mit Briseis nie verheiratet war. Er soll aber während seines Aufenthalts in Skyros mit der Prinzessin Deidameia einen Sohn, den Pyrrhus alias Neoptolemus, gezeugt haben.29

2.3 Ehre in der Antike

2.3.1 Grundsätzliche Überlegungen

Die Welt, die Homer in der Ilias abbildet, entspringt in weiten Zügen der Fantasie des Dichters. Die Ilias hat nicht in erster Linie historischen Charakter. Trotzdem dürfte diese „homerische Welt“ nicht ohne Verbindung zu der Gesellschaft sein, in der das Epos entstanden ist. Ehre ist gemäss Lloyd-Jones ein typisches Merkmal für kleine, geschlossene Gesellschaften, in denen es nicht nur auf das Amt eines Handlungsträgers ankommt, sondern auch auf dessen Persönlichkeit. Eine solche face-to-face-society entsteht unter den achäischen Kriegsführern. Lloyd-Jones fügt hinzu, dass praktisch in allen Kulturen Schande und Schuld eine Rolle spielen. So herrscht auch in der homerischen Gesellschaft ein Wertegefüge vor, das aus den zentralen Elementen Ehre und Schuld besteht. Dabei wird Ehre von den Vorfahren übernommen, während der Einzelne seine Tigh mit äpsrq verteidigen muss. Wird einem Mann die Ehre, die ihm zusteht, verweigert oder weggenommen, löst das „gerechte Empörung“ aus. Auch in der mythologischen Welt der Götter, die in der Ilias sehr präsent ist, ist Ehre ein zentraler Aspekt. Die Götter erwarten, von den Menschen geehrt zu werden, und wetteifern untereinander, um diese Ehre zu erlangen. Die Götter setzen den Menschen zudem Grenzen, deren Überschreitung als Hybris identifiziert und bestraft wird, um die „gerechte Ordnung“ wiederherzustellen.30

2.3.2 Ehre als bestimmendes Element

Ehre ist ein zentrales Element in der Kriegswelt, die Homers Ilias zeichnet. Sichtbar wird Kriegsruhm durch die Beute, die ein Held nach der gewonnenen Schlacht erhält. Geschenke oder Gaben machen einen Teil der Ehre aus und sind ein Zeichen für die Anerkennung durch die Gemeinschaft. Fehlen solche Geschenke, wird die Ehre vermindert (Il. 9.604-605)31:

Doch tauchst du ohne Gaben in den Kampf, den männerverderbenden, Nicht gleichermassen wirst du mehr geehrt sein, auch wenn du wehrst dem Kampf.

Zur Beute gehören meist Vieh und wertvolle Güter, aber auch Menschen, die versklavt werden. Eine Frau, die tüchtig arbeitet und als besonders schön eingestuft wird, ist ein Ehrgeschenk, das ein Krieger nicht so einfach aufgibt. Wer welche Beutefrau zum Geschenk erhält, entscheidet der Anführer. In der Ilias ist die Erbeutung und Versklavung von Frauen ein Bestandteil des Mannseins.32 Sexuelle Gewalt gegenüber Frauen ist omnipräsent.33 Nestor sagt an einer Stelle etwa, dass die Griechen nicht früher nach Hause zurückkehren sollten, ehe jeder von ihnen eine trojanische Frau vergewaltigt habe (Il. 2.354-356).

In der Ilias ist es akzeptiert, das Eigentum eines Gegners zu plündern. Als verwerflich gilt nur der Raub an Seinesgleichen. Während sich Ehre am Besitz von Ehrgeschenken zeigt, entsteht Entehrung, wenn das Ehrgeschenk geraubt wird. Diese Mentalität des Plünderns wird selten in Frage gestellt. Thersites kritisiert zwar Agamemnons Gier nach Edelmetallen und Frauen, doch seine Worte stossen nicht auf Zustimmung. Odysseus tadelt Thersites, der in der Erzählung als hässlich und böse beschrieben wird, für seine Aussagen und schlägt ihn mit einem Stab, während die übrigen Gefährten lachen (Il. 2.224-270).34

Die Ehre bestimmt das Geschehen in der Ilias von Anfang an. Die ersten Voraussetzungen für den Trojanischen Krieg, die sich aber nicht in der Ilias abspielen, ergeben sich aus der Entehrung zweier Göttinnen. Paris entscheidet sich dafür, den Apfel, der für die schönste Göttin bestimmt ist, Aphrodite zu geben und damit die Liebesgöttin zu ehren. Die zwei unterlegenen Göttinnen Hera und Athene sind daraufhin fest entschlossen, ihre Entehrung zu rächen.35 Die Ilias beschreibt dann im ersten Gesang, wie Agamemnon den Gott Apollon entehrt, als er dessen Priester Chryses abweist. Chryses will seine Tochter Chryseis, die Agamemnon als Beute in Besitz genommen hat, zurückholen. Auf Agamemnons erbarmungsloses Verhalten reagiert Apollon mit einer Strafe und schickt eine Seuche ins Lager der Griechen.36

Tigh bedeutet in der Ilias gemäss Lindens Ausführungen „Anerkennung durch die Gemeinschaft“. Eine Entehrung entsteht vor allem dann, wenn diese Anerkennung trotz des Engagements des Helden für die Gemeinschaft verweigert wird. Achill reagiert mit Untätigkeit auf diese Entehrung. Als er nach Patroklos’ Tod entscheidet, wieder in den Krieg zu ziehen, will er auf Geschenke zur Wiederherstellung seiner Ehre verzichten. Doch Odysseus pocht darauf, dass die Restitution der Ehre Achills auch formell durchgeführt wird. Hierfür reicht es nicht, dass sich Achill mit Agamemnon versöhnt. Der Anführer der Achäer soll Achill ein reiches Mahl anbieten (Il. 19.154-183). Da iigh im Wesentlichen die Anerkennung durch die Gemeinschaft darstellt, ist die Wiederherstellung der Ehre erst durch einen „öffentlichen“ Anlass wie eine Heeresversammlung vollzogen.37

Das Heer der Achäer ist ein freiwilliger Zusammenschluss zwischen den ßaotkeig und ihren kaot. Wie Ulf festhält, funktioniert es nach dem Prinzip der Reziprozität. Das bedeutet, dass für die Leistung, welche die Anführer und ihre Krieger im Verbund einbringen, eine Gegenleistung erwartet wird. Diese kann materieller, aber auch geistiger Natur sein. Von einem ßaotkeng wird erwartet, dass er die Leistungen aller Mitglieder der Gemeinschaft angemessen honoriert.38

2.3.3 Ehre und Macht

Warum die vielen unabhängigen Achäerfürsten eingewilligt haben, unter Agamemnons Führung nach Troja zu reisen und Menelaos’ „geraubte“ Gattin Helena zurückzuholen, erklärt Homer nicht. Wie aus einer Geschichte hervorgeht, die Hesiod zugeschrieben wird und einem späteren Werk entstammt, handelt es sich offenbar um eine Ehrensache. So sollen sich die wichtigsten Fürsten der Achäer, die als Freier um Helena warben, im Haus des Tyndareos, Helenas Vater, versammelt haben. Dort verpflichteten sie sich dazu, Helena gemeinsam zurückzuholen, falls sie entführt werden sollte. Dieser Eid wird mit der Expedition nach Troja eingelöst. Vor Troja erinnert Agamemnon die Fürsten und deren Heere nicht an allfällige Loyalitätspflichten, wie sie zwischen Besitzern und Untergeordneten bestehen. Agamemnon kann nur auf das Schamgefühl der Fürsten setzen.39

Doch nicht der gehörnte Menelaos führt das achäische Heer gegen Troja an, sondern sein Bruder Agamemnon. Die Grundlage für Agamemnons exklusiven Machtanspruch bilden wohl Elemente wie Alter, Dienstzeit und Heeresgrösse. Das Alter verleiht beispielsweise auch Nestor eine gewisse Autorität, die andere nicht haben. Agamemnons Status ist höher als der Achills, da er älter ist und ein grösseres Kontingent gegen Troja anführt.40 Andererseits verfügt Agamemnon nicht über militärischen Ruhm oder Kriegsehre (ku8o; oder kZso;). Diese erlangt ein Krieger, indem er ununterbrochen sein Leben im Gefecht riskiert.41 „Politische“ Anführer wie Agamemnon, Menelaos oder Nestor können Ruhm im Sinne von Kb8o; erlangen. Dabei handelt es sich, wie Pucci ausführt, um eher flüchtigen Ruhm, der nach einem Sieg erworben wird. Wie ein Halo-Effekt haftet dieser Glanz dem Sieger an, verflüchtigt sich aber nach der Zielerreichung wieder. Anders steht es um den epischen Ruhm im Sinne von kZso;, den Krieger wie Achill, Hector oder Diomedes erlangen. Diese Art von Ruhm ist unvergänglich. KZso; bleibt nicht an der Person selbst haften, sondern verbreitet sich, etwa durch Dichter oder anhand einer eindrücklichen Grabstätte, und festigt das Ansehen und den Ruf des Kriegers über dessen Tod hinaus.42

Es muss folglich noch eine andere Quelle für Agamemnons Übermacht geben. Ansonsten lässt es sich kaum erklären, dass Agamemnon wegen seines Raubes an einem Mitstreiter keine gegen ihn gerichtete Koalition befürchtet. Agamemnon droht zunächst, Odysseus, Ajax oder Achill eine Kriegsgefangene wegzunehmen. Er legt sich also mit drei Königen an, die gemeinsam seine numerische Übermacht in Frage stellen könnten. Er befürchtet aber kein Bündnis gegen ihn und pocht darauf, dass es sein Recht sei, den Kriegspreis eines anderen für sich zu beanspruchen. Agamemnons Macht fusst auf der Ehre, die ihm die übrigen Achäer erweisen. Ein Befehlshaber wie Agamemnon wird nicht geehrt und befolgt, weil er Befehlshaber ist, sondern es verhält sich gerade umgekehrt: Agamemnon ist Befehlshaber, weil die Untergebenen ihn ehren. Achill bleibt bei seinem verbalen Angriff als Reaktion auf die bevorstehende Entehrung durch den Raub der Briseis allein. Die übrigen Achäer wohnen dem Disput mehr oder weniger stillschweigend bei und stärken so Agamemnon.43

2.4 Liebe in der Antike

Die folgenden Ausführungen sollen dazu dienen, sich dem Begriff „Liebe“ aus antiker und vor allem „homerischer“ Perspektive zu nähern. Ziel ist es dabei, die typischen Erscheinungsformen von Liebe zu identifizieren, um sich vorstellen zu können, was Liebe bei Homer und allgemein in der griechischen Antike implizierte. Die daraus resultierenden Erkenntnisse fliessen in die detaillierte Textanalyse im nächsten Kapitel (3) ein.

2.4.1 Liebe in Homers Epen

In den letzten dreissig Jahren haben sich Gelehrte verstärkt mit der Erotik in der Antike und vor allem in den homerischen Werken befasst. Martinez Hernandez unterscheidet hierbei drei Gruppen: Manche Kommentatoren stellen bei Homer Desinteresse für die Liebesthematik fest. Die wenigen Erwähnungen über Liebe führen sie auf rein körperliches Begehren oder auf die Ehe als Institution zurück. Andere Autoren sind indes der Meinung, die Epen Homers seien voller erotischer Anspielungen. Die meisten Gelehrten jedoch positionieren sich in dieser Debatte in der Mitte. Sie finden, in Homers Werken komme Liebe vor, doch sei diese nicht immer unmittelbar als solche erkennbar. Selbstverständlich gebe es Episoden der Liebeslust, etwa zwischen Zeus und Hera, ebenso habe es Muster familiärer und zärtlicher Zuneigung, wie zwischen Andromache und Hektor. Doch grundsätzlich sei die Liebessphäre in den Epen Homers innerhalb einer „primären und vegetativen“ Sphäre verborgen.44

Schon in der Antike heben mehrere Autoren die Liebesthematik in Homers Epen hervor. Maximos von Tyros, Redner und Philosoph aus dem 2. Jahrhundert, fasst in seinem 18. Vortrag (Vom Wesen Sokratischer Liebe) mehrere Aspekte der „homerischen Liebe“ zusammen. Er erwähnt unter anderem den Raub Helenas, den Konflikt zwischen Achill und Agamemnon wegen der Beutefrauen Chryseis und Briseis, die Abschiedsszene mit Andromache und Hektor, die Liebesszene zwischen Hera und Zeus oder die Beziehung zwischen Achill und Patroklos.45 Über Achill und Briseis (und Agamemnon) schreibt Maximos von Tyros: „Gleich schon im ersten Gesang hat eine Gefangene zwei Liebhaber, einen kühnen und heftigen und einen sanften, gefühlvollen. Der eine wirft glühende Blicke und schmäht alle und droht ihnen; der andere weicht in die Stille zurück, liegt da und weint und kann es nicht fassen und sagt, er werde fortgehen, geht aber doch nicht fort (Übersetzung: Otto und Eva Schönberger).“46 Damit deutet Maximos von Tyros den Streit am Anfang der Ilias aus der Liebesperspektive. Er sieht in den homerischen Epen zwar Schwächen in den Gebieten Reiterei, Medizin und Kriegsführung. So würden gemäss Maximos die Wagenlenker, Ärzte und Feldherrn des zweiten Jahrhunderts über die veralteten Angaben in der Ilias zu ihren Spezialgebieten lachen. Die Liebesthematik sei in der Ilias aber in allen ihren Ausprägungen tadellos ausgearbeitet. Dazu zählten die keusche, die zügellose, die einfache, die gewalttätige, die besessene und die sanfte Liebe.47

2.4.2 Liebesterminologie

Terminologisch gibt es bei Homer verschiedene Ausdrücke, um Liebe darzustellen. Gordesiani unterscheidet hierbei zwei Hauptgruppen: die Liebe im Allgemeinen und die plötzliche Liebe mit starker Wirkung. Vokabeln, die vom Stamm ^tko- abgeleitet sind, stehen für Liebe im Allgemeinen. Nahe bei ^tko- sind die Vokabeln, die von oap- abgeleitet sind, wie oapifo). Lexeme mit dem Stamm äyan- bezeichnen nicht die geschlechtliche Liebe und sind somit ähnlich wie ^tko-. Die zweite Gruppe, die starkes Begehren und auch geschlechtliche Liebe impliziert, wird eher mit Vokabeln erzeugt, deren Stamm épa- ist. Die plötzliche Entstehung des Liebesgefühls beschreiben auch Wörter mit dem Stamm igsp6-. Alle diese Lexeme kommen im homerischen Epos vor. Daraus lässt sich schliessen, dass alle grundlegenden Erscheinungsformen des Liebesgefühls bei Homer wiedergegeben werden.48 Beispielsweise sagt in der bereits erwähnten Szene zwischen Hera und Aphrodite (Il. 14.198) die Göttin der Ehe 8og vuv goi ^tlorqTa Kai ipspov, rö Te ob rcavrag („Gib mir jetzt die Liebeskraft und das Verlangen “, Übersetzung: Wolfgang Schadewaldt).

Weiter macht Gordesiani zwei Haupterscheinungsformen für die Liebe in Homers Epen aus. Bei der ersten ist die Rede von einer „natürlichen“ Form ohne besonderen „Aufschwung von Emotionen“. Er geht hier wohl von einer geschlechtlichen Liebe aus, die eher der Befriedigung von Begehren dient. Die zweite Erscheinungsform ist die Liebe als „Metaelement“ mit einer „Erschütterung“ und dem Aufschwung von Emotionen.49

2.4.3 Facetten der Liebe

Liebe und Sexualität sind in der griechischen Antike göttliche Mächte. Aphrodite gilt dabei als Symbol für den geschlechtlichen Akt. Die physische Liebesvereinigung sehen die Griechen der Antike als etwas Natürliches an. Anders als Aphrodite steht Eros eher für Gefühle und die Liebesleidenschaft. Diese Leidenschaft kann ambivalent sein und sowohl höchste Glückseligkeit, etwa durch „platonische Liebe“, oder auch tiefstes Leid bei der betroffenen Person verursachen.50

Liebesbeziehungen erfolgen entweder unter göttlicher Einwirkung oder ohne diese. Die Liebesgöttin Aphrodite bringt Helena und Paris zusammen, jenes Paar, das Bradley zurecht als das bemerkenswerteste der Ilias bezeichnet.51 Aphrodite unterstützt Hera, als diese ihren Gatten Zeus mit einem Liebesakt ablenken will (Il. 14.187-223). Ohne göttliche Einwirkung entstehen hingegen die Beziehungen zwischen Achill und Briseis oder Andromache und Hektor. Andromache gilt als Symbol der liebenden Frau.52 Sie und ihr Mann sind nach der opinio communis das „Traumpaar“ der Ilias. Petersmann sieht die „herzliche und vollständige Harmonie“, die dem Paar zugeschrieben wird, als Zeichen echter Zuneigung zwischen zwei liebenden Partnern.53 Doch Hektor und Andromache ist es nicht erlaubt, eine harmonische Ehe zu geniessen, da ihre Familie von Krieg und Gefahr bedroht wird. Andromache bezeichnet ihren Gatten als Vater, Mutter und Bruder in einem. Sie sagt zudem, sie könnte sich auf keinen Fall trösten, sollte Hektor sterben. Der trojanische Held hält seinerseits fest, dass er lieber sterben möchte als seine Frau als Sklavin eines Achäers zu sehen (Il. 6.429-432 für Andromache und Il. 6.464-465 für Hektor):54

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aber mag mich doch, gestorben, die aufgeschüttete Erde decken. Ehe ich deinen Schrei vernähme und deine Verschleppung.

Normalerweise bestimmt in der Welt, die Homer beschreibt, nicht die Liebe im herzlichen oder harmonischen Sinn die Beziehungen zwischen den Geschlechtern. Frauen, vor allem Kriegsgefangene, sind meist austauschbar. In dieser Zeit gilt die Frau dem Mann von Natur aus als unterlegen. Die Aufgaben der Frauen sind die Hausarbeit und die Betreuung der Kinder.55

Die Abschiedsszene zwischen Andromache und Hektor setzt sich gemäss Konstan als Idealvorstellung in den Köpfen der Griechen in der Antike fest. Die Realität der Ehepaare sieht indes meist anders aus, auch wenn sich im Hellenismus ein geradezu „romantisches“, heterosexuell konzipiertes Ehe-Ideal etabliert. Eine Ehefrau hat sich in der griechischen Antike ihrem Gatten unterzuordnen und muss für sexuelle Aktivitäten zur Verfügung stehen. Auch die erotische Beziehung zwischen einem Mann und einer Kurtisane wird in der Literatur als asymmetrische Beziehung dargestellt. Die Kurtisane ist an Geld interessiert, während der Mann in Leidenschaft entbrennt. Eine freie Frau kann mitunter eher an Materiellem und an Reichtum interessiert sein, während der werbende Mann mit seinem Charakter und seiner Unterwerfung um die Frau kämpft. Die Interessen zwischen dem Liebenden und der Umworbenen sind dementsprechend auch hier oft ungleich.56 Es konnte in der Antike schon vorkommen, dass ein Grieche für eine Hetäre oder Sklavin tiefe Gefühle empfindet. Solche Gefühle sind in dieser Zeit aber keinesfalls Voraussetzung, sondern blosse Zugabe für seinen Umgang mit dem weiblichen Geschlecht.57

Keine grosse Rolle spielt in den Liebessphären der homerischen Welt die Eifersucht. Verheiratete Männer dürfen auch mit anderen Frauen Beziehungen eingehen. Dies gilt auch für Götter: Zeus listet im Gespräch mit seiner Frau Hera ohne Hemmungen einige seiner früheren Bettgenossinnen auf (Il. 14.313-328). Ein weiteres Beispiel ist Agamemnon, der vor seinen Gefährten verkündet, dass er Chryseis für schöner und klüger als seine eigene Frau Klytaimnestra hält (Il. 113-115).58

Bei den Folgen von Untreue macht Petersmann auf den Unterschied zwischen göttlichen und sterblichen Ehepaaren aufmerksam. Untreue zwischen sterblichen Ehepaaren verursachen Katastrophen. Gemäss den moralischen Konventionen führt Ehebruch zum Tod, vor allem bei Frauen. Agamemnon kehrt aus Troja mit Kassandra zurück, die er für sich als Kriegsbeute ausgesucht hat. Diese und weitere Umstände führen dazu, dass Klytaimnestra, die ihrem Gatten Agamemnon auch untreu gewesen ist, diesen schliesslich umbringt.59 Sie wiederum wird später von ihrem Sohn Orestes wegen dieser Tat getötet.60

2.4.4 Homoerotische Liebe

Die erotische Beziehung zwischen zwei Männern ist in der Antike meist ungleich oder einseitig: Ein reiferer Mann bemüht sich um die Gunst eines schönen Jünglings, der seinerseits die Freier hinhält. Griechische Männer verbinden in dieser Zeit ihre Leidenschaft zu Jünglingen aber nicht immer mit Sensualität, sondern eher mit Spiritualität und dem Wohl ihres Angebeteten.61

In der Antike ist zwar Freundschaft (^tkfa) als Beziehung zwischen Gleichen im Grunde das Gegenstück zur erotischen Leidenschaft (ëpog), die sich zwischen Liebhabern abspielt; trotzdem können sich die beiden Gefühlsregungen auf subtile Weise vermischen.62 In dieser männerzentrierten Gesellschaft ist die gleichgeschlechtliche Liebe ein soziales und kulturelles Phänomen. Der Umgang mit anderen Männern dominiert für den griechischen Mann das soziale Leben. Ein Mann hat in der griechischen Antike intensivere und regelmässigere Kontakte zu anderen Männern als zu seiner Familie oder seiner Ehefrau. Die Homoerotik erlebt gemäss den Untersuchungen Feichtingers ihre „regional differenzierte Blüte“ etwa vom Ende des 7. bis zum 2. vorchristlichen Jahrhundert. Auch wenn es in dieser Zeit immer wieder Stimmen gibt, die Homosexualität als „unnatürlich“ kritisieren und ablehnen, ist die Homoerotik bei den Griechen der Antike ein zentraler Aspekt des hellenistischen Eros. Mit der Zeit wird die praktizierte Homosexualität verdrängt, auch wenn sie nie ganz aus der Antike verschwindet. „Die Ideale einer innigen seelischen Verbundenheit, gegenseitiger Treue und sexueller Zurückhaltung“ gehen auf die heterosexuelle Beziehung über. Davor verbinden die Griechen des 5. Jahrhunderts solche Vorstellungen noch grösstenteils mit der homosexuellen Liebe.63

Gemäss Dover ist die offene Homosexualität in der griechischen Antike seit dem Anfang des 6. Jahrhunderts weit verbreitet.64 Die meisten Vasen mit homosexuellen Motiven werden zwischen 570 und 470 v. Chr. hergestellt. Dover nennt die fünf wichtigsten literarischen Quellen, die sich mit Homosexualität befassen: Spätarchaische und frühklassische homosexuelle Gedichte, die attische Komödie, Platon, eine Rede des Aischines gegen Timarchos und homosexuelle Gedichte der hellenistischen Epoche.65 Homers Ilias entsteht im 8. oder 7. Jahrhundert v. Chr.66, also vor der „Blüte“ der Homosexualität in der griechischen Antike. Dies könnte einer der Gründe sein, weshalb Homosexualität in der Ilias nicht offen erwähnt wird. Allfällige Anspielungen auf eine homoerotische Beziehung zwischen Achill und Patroklos könnten darauf hinweisen, dass Homer die kurz darauffolgende griechische Realität antizipiert hat.

2.5 Kontext der Ilias in der archaischen Zeit

Vor der Textanalyse der Ilias stellt sich die Frage, ob und wie Briseis in anderen Quellen zur Zeit Homers erwähnt wird. Die Ilias gehört zusammen mit der Odyssee zu den Kyklischen Epen, einer Sammlung von Erzählungen in epischer Form über griechische Helden.67 Ausser der Ilias und der Odyssee sind keine anderen der Kyklischen Epen vollständig erhalten. Da von den übrigen Erzählungen, die sich nicht alle mit dem Trojanischen Krieg befassen, nur Fragmente erhalten sind, ist Proklos’ Zusammenfassung aus dem 2. Jahrhundert die wichtigste Quelle. Die verschiedenen Epen bilden die griechische Heldensage in einer mehr oder weniger chronologischen Abfolge ab.68

Von den verschiedenen Kyklischen Epen könnten die Kyprien, die Aethiopis69 , die Memnonis70 und eventuell die Kleine Ilias die Beziehung zwischen Briseis und Achill behandelt haben. Die anderen Erzählungen, neben der Odyssee auch die Ilupersis, die Nosten, und die Telegonie hatten andere Helden als Achill im Fokus. Die Kyprien erzählen offenbar die Vorgeschichte zum Trojanischen Krieg. In deren elf Büchern finden sich also Episoden wie die Peleushochzeit, das Parisurteil und die Entführung Helenas. Auch der Grund, weshalb Zeus die Grundlagen für den Trojanischen Krieg legt, wird hier genannt: Die Welt soll von der Überbevölkerung, unter der sie leidet, befreit werden. In der Ilias werden gewisse Elemente der Vorgeschichte erwähnt oder angedeutet, aber nicht ausgeführt. Da die Cypria die Vorgeschichte enthalten, bestünde die Möglichkeit, dass es hier Anhaltspunkte über die Beziehung zwischen Briseis und Achill gegeben hat, was sich aber nicht überprüfen lässt. Offenbar schrieb der Autor der Kyprien, dass sich Chryseis nicht in ihrer Heimatstadt Chryses befand, als sie gefangen genommen wurde, weil sie in Theben einem Opfer für Artemis beiwohnte. Es scheint, als gäbe hier der Autor zusätzliche Informationen, um ein Detail aus der Ilias (Il. 1.366), dass Chryseis nach einem Beutezug in Theben gefangen wurde, besser zu verstehen. Zu Briseis heisst es in den Scholien, die Kyprien berichteten, dass Briseis nicht in Lyrnessos, wie es in der Ilias heisst, sondern in Pedasos gefangen worden sei. Informationen aus den Kyprien stimmen zwar im Allgemeinen mit solchen aus der Ilias überein, doch gibt es auch gewisse, kleinere Abweichungen. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Ilias und die Kyprien unabhängig voneinander waren, aber zur gleichen Erzähltradition gehörten.71

Die Meinungen über die Funktion der Kyprien sind unterschiedlich. Sie könnten eine Art Einführung zur Ilias gewesen sein oder aber die Geschichte des ganzen Kriegs - und des Zorns Achills - erzählt haben.72 In dieser Version des Trojanischen Krieges könnte es Angaben über Achill und Briseis gehabt haben, die auf eine Liebesbeziehung deuten. Das bleibt aber reine Spekulation. Klar scheint indes, dass verschiedene Versionen zu dieser Thematik bereits in der Erzähltradition zu Homers Zeit - also unmittelbar vor, während oder nach der Ilias - möglich und wahrscheinlich gewesen sind.

3 Achill und Briseis in der Ilias

3.1 Einleitende Angaben

In diesem Kapitel werden die Stellen aus der Ilias analysiert, die Informationen über die Beziehung zwischen Achill und Briseis enthalten. Da eine rein chronologische Aufzählung ermüdend wäre, sind die Stellen in verschiedenen Kategorien eingeteilt. Als Erstes folgt die Zusammenstellung jener Textpassagen, die vor allem Achills Ehre als Krieger betreffen. Die zweite Kategorie ist eine Unterart der ersten; der Unterschied liegt in der Ausprägung der Ehre, die hier eher einen sexuellen Bezug hat und mit Achills „Ehre als Mann“ umschrieben werden könnte. In der dritten Kategorie finden sich Äusserungen und Beschreibungen, die nicht die Ehre ins Zentrum stellen, sondern auf neutrale oder negative Emotionen wie Gleichgültigkeit oder Ablehnung hinweisen. In der letzten Kategorie werden jene Passagen untersucht, die Indizien auf Liebe zwischen Achill und Briseis enthalten. Die vier Kategorien sind nicht als starr aufzufassen, denn eine Textstelle kann durchaus Äusserungen enthalten, die zu verschiedenen Kategorien passen. In solchen Fällen wurden die entsprechende Passage gemäss ihrem Hauptduktus einer der vier Gruppen zugeordnet.

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In dieser Passage geht es primär um Agamemnons Ehre. Der grosse Anführer der Achäer soll seine Kriegsgefangene Chryseis ihrem Vater, dem Apollopriester Chryses, zurückgeben. Nur so kann Apollons Zorn über die Schmähung seines Priesters besänftigt und die Seuche, die der Gott den Achäern zur Strafe geschickt hat, überwunden werden. Agamemnon ist von Chryseis Schönheit und Verstand - zumindest sagt er das - sehr angetan und zieht die Beutefrau gar seiner rechtmässigen Gattin Klytaimnestra vor. Er interpretiert die Rückgabe Chryseis’ als Minderung seiner itgq. Um diese Entehrung zu vermeiden, will er mit einem neuen Ehrgeschenk entschädigt werden.73 Agamemnon weist selbst auf den Ehrenkodex hin, wonach es sich nicht ziemt, dass ausgerechnet er als einziger der Argeier ohne Geschenk dasteht. Er fordert deshalb eine Entschädigung für den Verlust seiner Chryseis.

Auf Agamemnons Forderung reagiert Achill mit Unverständnis und macht ihm Vorwürfe. Er spricht Agamemnon mit dem Superlativ Kuötoie, also Ruhmreichster oder Ruhmvollster, an (Il. 1.122). Dieses Epitheton im Superlativ wird sonst nur für die Anrede an Zeus verwendet.74 Die Anrede mit Kuötoie dürfte hier einen ironischen Unterton haben, denn gleich danach spricht Achill Agamemnon mit einem weniger schmeichelhaften Superlativ an und nennt ihn den „Habsüchtigsten“ ((piAoKTeavcm/Te) der Achäer.

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An dieser Stelle äussert Achill sein Unverständnis über Agamemnons Absicht, Briseis als Entschädigung für die Rückgabe der eigenen Beutefrau einzufordern. Wie alle anderen Krieger hat auch Achill ein Ehrgeschenk erhalten. Er vergleicht sich hier direkt mit Agamemnon (σοὶ τὸ γέρας πολὺ μεῖζον) und hält fest, dass sein Ehrgeschenk weniger wertvoll ist als jenes des Anführers.75

Der Hauptduktus weist hier auf einen Streit zwischen zwei Kriegern um die Ehre, die sich am Wert des zugeteilten Ehrgeschenks misst, hin. Mit dem Ausdruck φίλον wird indes signalisiert, dass Briseïs ein Ehrgeschenk ist, das Achill mit Gefühlen der Zuneigung verbindet. Wörter mit der Wurzel φίλο- beschreiben eher den allgemeinen Charakter von Liebe. Es ist somit relativ offen, welche Ausprägung von Liebe gemeint ist. Mit φίλον wird eher eine andauernde, stabile Zuneigung suggeriert und nicht etwa ein kürzlich erst aufgeflammtes Verlangen.76 Vielleicht bezeichnet Achill das Ehrgeschenk, oder eben Briseïs, als φίλον, um sich im Streit, der sich vor den übrigen Achäern ereignet, besser zu verkaufen. Die drohende Ehrverletzung durch Agamemnon wirkt schwerwiegender, wenn er einem Kriegsverbündeten ein Geschenk wegnimmt, das für diesen wertvoll ist.

Il. 1.182-192

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Agamemnons Reaktion auf Achills Missbilligung bestätigt, dass der Disput um Ehre und Macht hier im Vordergrund steht. Agamemnon will Achill eine Lehre erteilen, weil dieser es gewagt hat, die Ansprüche des Anführers zu kritisieren. Die Einforderung Briseis’ ist für Agamemnon ein Mittel der Machtdemonstration. Diese bewirkt in Achill Schmerz (a%og) und Zorn (%okog), sodass er erwägt, den Achäer mit dem Schwert zu töten. Ausserdem hat die Situation Appellwirkung, denn Agamemnon zeigt damit den übrigen Männern, dass er der Mächtigste ist und anordnen kann, was er will.

Homer verwendet gemäss Pucci die Vokabel ^ao9ai (sagen oder seine Meinung äussern) oft für Reden in einer Versammlung. Agamemnons Reden wird mehr Wert zugeschrieben als den Vorträgen anderer. Odysseus sagt etwa, Agamemnon müsse „mehr als andere ein Wort sagen“ (Il. 9.100). Für Achill ist es unmöglich, mit der gleichen Macht zu sprechen. Nur Agamemnons Rede bewirkt die Ehrerbietung der übrigen Achäer. Agamemnon entzieht Achill nicht das Recht zu reden, sondern das Gewicht, die Befehlsgewalt und die Autorität, die sein eigener Vortrag hat. Indem er festhält, dass er mächtiger als Achill ist, gibt er sich weder einen speziellen Titel, noch erwähnt er eine materielle Kraft, auf welche er sich beruft. Er hält schlicht eine Tatsache vor einem Publikum fest, das ihm bereits zustimmt.77 Agamemnon zieht eine Parallele zur göttlichen Macht, der einzigen, die ihn übertrifft. Apollons Zorn war eine gerechtfertigte Reaktion auf die Schmähung, seinen Priester Chryses missachtet zu haben. Auf gleiche Weise sei nun, findet Agamemnon, sein Zorn über den Verlust seiner Beutefrau Chryseis gerechtfertigt. Die Herausgabe seiner Beutefrau Chryseis entspricht für Agamemnon einem Macht- und Gesichtsverlust. Um den daraus resultierenden Zorn zu besänftigen, verlangt er Achills Ehrgeschenk. Damit zahlt es Agamemnon Achill mit gleicher Münze zurück, denn Achill hatte den Vorschlag, Chryseis ihrem Vater zurückzugeben, besonders unterstützt. Für diese Respektlosigkeit will Agamemnon Achill bestrafen.

Agamemnon spricht hier fast, als ob er Zeus wäre und hält fest, dass er es nicht duldet, wenn sich jemand auf die gleiche Stufe mit ihm stellt. Achill will schon das Schwert ziehen, doch Athene hält ihn zurück. Achill ist der stärkere Kämpfer und könnte Agamemnon mit dem Schwert auf der Stelle töten. Achill reagiert mit „eruptiver Gewalt“, und sein feuriges, jähzorniges Wesen kommt hier zum Vorschein.77 Diese Reaktion sagt mehr über seinen eigenen Charakter aus als über seine Gefühle zu Briseis.

Die Göttin Athene interveniert und verhindert, dass Achill mit dem Schwert zustösst. Ihr Auftritt erfolgt als deus ex machina, einem typischen Element für die späteren griechischen Tragödien.78 Über Achills eigene Motivation und Gefühle, die ihn dazu bringen, der Göttin zu gehorchen und die Ehrverletzung und Marginalisierung hinzunehmen, gibt der Text im Grunde nichts preis. Die Geschenke, die Athene Achill in Aussicht stellt, können kaum eine Motivation sein, da Achill Geschenke an späteren Stellen ausschlägt. Vielleicht ist Achills Charakter so, dass er Agamemnon, den eigenen Anführer, am Ende ohnehin nicht getötet hätte. Einige Autoren sehen in Athene das göttliche Gegenstück zu Achill, doch Pucci interpretiert diese Intervention als Eingriff des Dichters, um die Handlung voranzutreiben. Achill zieht sich nach der Intervention zurück und wird vorderhand zu einer passiven Figur, deren Rückzug aber sehr wohl Konsequenzen für den Kriegsverlauf hat.79 80

Für Schmid symbolisiert Athene in dieser Situation den kühlen Verstand. Durch die Göttin der Weisheit lässt sich Achill zu einer „rationalen Affektkontrolle“ leiten und verwirft den Ausbruch roher Leidenschaft. Möglicherweise bemerkt Achill in diesem Moment, dass sein Ruf einen irreparablen Schaden erleiden würde, sollte er Agamemnon umbringen. Dass Achill Agamemnon doch nicht mit dem Schwert tötet, bedeutet aber nicht, dass der Zorn verflogen ist.81 82

Weder nimm du diesem, so mächtig du bist, die Jungfrau, sondern lass sie. Wie sie ihm einmal, zum Ehrgeschenk gaben die Söhne der Achaier. Noch wolle du, Peleus-Sohn, gegen den König streiten

Il. 1.275-279

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Der weise Nestor versucht zwischen Achill und Agamemnon zu schlichten. Beide sollen zur Beruhigung der Situation beitragen: Agamemnon soll Achill nicht das Ehrgeschenk wegnehmen und Achill soll Agamemnon ehren. Nestor hält fest, dass Agamemnon über mehr Männer herrscht als der Myrmidone. Achill sei dafür aufgrund seiner göttlichen Herkunft besonders stark. Allerdings habe Zeus dem „Zepter tragenden“ König Ruhm verliehen, was Agamemnons Vormachtstellung rechtfertige. Dies erklärt, weshalb Achill später im Gespräch mit seiner Mutter Thetis dem Göttervater Zeus vorwerfen wird, die Ehrverletzung zugelassen zu haben.

Il. 1.322-356

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Agamemnon schickt Herolde zu Achill, um Briseis zu holen. Achill wehrt sich nicht dagegen und spricht ruhig zu Talthybios und Eurybates, die selbst nur widerwillig ihre Mission angetreten haben. Achill beauftragt Patroklos damit, Briseis aus der Hütte zu holen und den Herolden zu übergeben. Briseis lässt sich nur widerwillig von den Herolden mitnehmen. Nach der „Enteignung“ weint Achill am Strand und bittet seine Mutter um Hilfe. Zu dieser Stelle aus der Ilias sollen nun zwei Aspekte untersucht werden: Briseis’ Widerwille und Achills Tränen.

a) Briseis’ Widerwille

Briseis Reaktion ist möglicherweise ein Hinweis darauf, dass die Beziehung zwischen ihr und Achill über das in der Antike übliche Besitzverhältnis hinausgeht. Vielleicht hat sich Briseis mit ihrer Situation als Beutefrau Achills abgefunden und befürchtet nun eine Verschlechterung ihrer Lebensumstände. In diesem Falle ginge Briseis deshalb widerwillig, weil sie in Agamemnon einen arroganten und skrupellosen Mann sieht; als solcher wird er in der Ilias tatsächlich charakterisiert. Briseis’ Widerwille bedeutet nicht zwangsläufig, dass Briseis in Achill verliebt ist. Der Raub der Beutefrau ist in sich ein feindlicher Akt, wenn bedacht wird, dass Kriegsgefangene für sexuelle Aktivitäten zur Verfügung stehen müssen. Die Szene weist folglich auf eine potentielle sexuelle Aggression hin.83

Wenn Frauen wie Chryseis oder Briseis sexuelle Gewalt angedroht und angetan wird, richtet sich dieser Angriff im Grunde eher gegen die zugehörigen Männer, also Chryses bzw. Achill als „Besitzer“. Wenn Nestor die Griechen auffordert, trojanische Frauen zu vergewaltigen, wird klar, dass es nicht nur darum geht, die geraubte Ehefrau zurückzuholen, sondern die verletzte männliche Ehre zu wiederherzustellen. Dies geht am einfachsten, indem die Frauen der Feinde vergewaltigt werden.84 Agamemnon macht Achill für den Verlust der Chryseis mitverantwortlich und will ihn deshalb entwürdigen.85

Briseïs’ Widerwille wird in den Iliasscholien als Reaktion einer liebenden Ehefrau interpretiert. Hier wird Briseïs als φίλανδρος bezeichnet (Schol Il. 1.348):86

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Widerwillig: Denn sie ist eine, die ihren Mann liebt, was ihr Charakter bestätigt. Der Dichter hebt dies als ihre zweite Versklavung hervor und macht mit nur einem Wort den Ethos ihres ganzen Charakters klar (Übersetzung nach der Vorlage Marco Fantuzzis).87

Fantuzzi weist darauf hin, dass dieses Epitheton in homerischen Scholien sonst nur Andromache erhält. Die hellenistischen Kommentatoren betonen damit das ähnliche Schicksal, das Briseis und Andromache erlitten, als sie beide ihre Familie verloren. Während dieses Beiwort bei Andromache aufgrund ihrer Ehe mit Hektor gerechtfertigt ist, könnte eine allfällige Gattenliebe bei Briseis eine Konstruktion der späteren hellenistischen Deuter sein. Die Scholiasten halten es aber ebenso für möglich, dass Briseis Widerwille darauf zurückzuführen sei, dass sie nicht gezwungen werden möchte, ihre gewohnte und sichere Umgebung bei einem „bewährten“ Eigentümer zu verlassen und eine zweite Versklavung durchzumachen.88

b) Achills Tränen

Hatte Achill noch gesagt, er werde nicht um das Mädchen mit Agamemnon kämpfen, so bricht er aber doch in Tränen aus, nachdem Briseis von den Herolden weggeführt worden ist. Die Frage stellt sich, ob das eher Tränen des Zorns über die Ehrverletzung sind, oder ob auch Gefühle für Briseis ein Grund sind. Die Rede, die Achill gleich anschliessend an seine Mutter Thetis richtet, handelt aber nicht von Liebe, sondern explizit von Ttp.'q, (/riLiia und yépag.89 In der griechischen Antike weinen Männer, wenn sie sich in einem kleinen, fast privaten Ambiente, namentlich unter engen Freunden, befinden. Die Gründe für die Tränen sind meist Trauer um Verstorbene oder eine verheerende Niederlage. Achill weint wohl um die verlorene Ehre, denn Ehre ist die einzige Entschädigung für sein kurzes Leben.90 Der Ehrverlust nimmt in dieser Szene eine ontologische Dimension an.91

In den Scholien schwingt bei der Kommentierung dieser Stelle aber auch eine erotische Note mit. Fantuzzi schliesst dies etwa aus der Bewertung des Ausdrucks KaXXtnappov in Vers 346. Obwohl dieses Epitheton, das hier für Briseis verwendet wird, formelhaft und keine tiefe Empfindungen suggeriert, betrachten es die Scholiasten als Zeichen der Liebe (Schol. Il. 1.346):

καλλιπάρῃον] εὔκαιρον τὸ ἐπιθετον, τὴν τοῦ ὲρωντος διάθεσιν ὲμαῖνον τῶ δηλοῦν οἵας ὲρᾶται.

Schönwangig: Ein passendes Epitheton, es betont die Verfassung des Liebhabers, indem es zeigt, wie grossartig die Frau ist, die er liebt (Übersetzung nach der Vorlage Fantuzzis).92

Für diese Kommentatoren, die in der hellenistischen Epoche die Ilias interpretierten, ist somit nicht auszuschliessen, dass die Tränen auch eine sentimentale Reaktion auf den Verlust der Briseis ist. Sie interpretieren Achills Elend und Tränen als im Grunde erotische Essenz und wenden diese Lesart an Stellen an, die nach Ansicht Fantuzzis dafür eigentlich keinen Beweis liefern.93 Fantuzzi geht nicht weiter auf die Wortwahl der Scholiasten ein. Mit épâiat wird ein starkes Begehren signalisiert. Wörter aus dem Wortstamm ëpo- stehen oft für Liebe, die plötzlich entsteht und eine starke Wirkung hat. Der Kommentar in den Scholien würde demnach eher leidenschaftliche und körperliche Anziehung in das Epitheton hineinlesen als stabile Gattenliebe.94

Doch auch wenn diese Scholiasten Achills Reaktion grundsätzlich aus der Liebesperspektive beurteilen, erwähnen sie auch die Ehrverletzung als alternative oder zusätzliche Ursache für Achills Tränen (Schol. Il. 1.349). Die antiken Kommentatoren stellen die Ehrverletzung als Hintergrundgeräusch zum „erotic distress“, obwohl an dieser Stelle die Frage der Ehre nicht direkt erwähnt wird, sondern erst etwas später im Dialog Achills mit seiner Mutter. In den Scholien heisst es etwa, dass Helden schnell Tränen vergiessen und dass Achill unter der Ehrverletzung und dem Verlust seiner Begleiterin leide. In den Scholien wird zudem erwähnt, dass Achill vielleicht Mitleid für die Frau empfindet, die gegen ihren Willen entführt wird. Der Dichter charakterisiere den Liebenden perfekt, denn ein Liebender schätze die Einsamkeit.95

Achill sieht in Agamemnons Verhalten göttlichen Einfluss. Im Beisein seiner Mutter Thetis gibt er zu verstehen, dass Zeus die Ehrverletzung zugelassen hat. Er macht den König der Männer und den König der Götter für die Situation verantwortlich. Pucci geht davon aus, dass der Dichter auf diese Weise Achills Forderung rechtfertige, wonach Zeus die Ehre wiederherstellen und die Griechen bestrafen solle. Allerdings stellt sich die Frage, ob Zeus hier wirklich Agamemnons Komplize war. Achill verschweigt die Intervention Athenes sowie die Stille der Achäer, mit welcher diese sich auf die Seite Agamemnons schlugen. An dieser 73 Pro memoria sei hier erwähnt, dass auch in diesem Kapitel für alle Textstellen aus Homers Ilias die Übersetzungen Wolfgang Schadewaldts zitiert werden.

[...]


1 Latacz, 1995, S. 9

2 Ausgezeichnete Erläuterungen zu den Ursprüngen und den verschiedenen „Schichten“ der Iliasscholien sind in Volume I des Cambridge-Kommentars zur Ilias enthalten: „3. Aristarchus and the scholia“ (Kirk). Einen detaillierten Überblick über die Scholien und deren Bedeutung bietet der Artikel Richardsons aus dem Jahre 1980. Die Iliasscholien stammen hauptsächlich aus den Handschriften Venetus A, Venetus B und dem Townleianus. Venetus A ist ein Manuskript aus dem 10. Jahrhundert, das vor allem Aristarchs Sicht auf Homers Epos enthält. Aristarch war Bibliothekar in Alexandria. Venetus B und der Townleianus sind Codices aus dem 11. Jahrhundert. Sie werden als exegetical scholia bezeichnet und gehen mehrheitlich auf die Randkommentare von Gelehrten aus dem Späthellenismus und der frühen römischen Ära zurück (1. Jh. v. Chr. bis 2. Jh. n. Chr.).

3 Die Arbeit beschränkt sich auf Homer und die erwähnten lateinischen Dichter aus dem ersten vor- und nachchristlichen Jahrhundert, im Bewusstsein, dass es im Hellenismus weitere mögliche Quellen, aber auch viele Lücken gibt.

4 Auch spätere Autoren verwenden das Patronymikon. Bei den römischen Elegikern, namentlich bei Ovid, findet sich auch die Bezeichnung Lyrneserin. In den Iliasscholien wird ihr einmal (Schol. II. 1.392) der Name Hippodameia zugeordnet (cf. Escher-Bürkli, RE, Sp. 856).

5 Die Handlung der Ilias erstreckt sich lediglich über 51 Tage. Innerhalb dieses Zeitraums wird Briseis am 11. Tag Achill weggenommen und ihm am 27. Tag zurückgebracht. Eine zusammenfassende Zeitstruktur der Ilias findet sich in Latacz, 2007, S. 31 f.

6 Fantuzzi, 2012, S. 99

7 Gordon, 2011, S. 36. Die anderen drei sterblichen Frauen, die zu Wort kommen, sind Helena, Hekabe und Andromache.

8 Llorente, 2015, S. 88 ff.

9 Farron, 1979, S. 27

10 Dies wird etwa anlässlich der Totenspiele für Patroklos im 23. Gesang ersichtlich, wie Farron schreibt. So soll der Sieger im Ringkampf einen Dreifuss erhalten, der dem Wert von zwölf Ochsen entspricht. Für den Verlierer wird eine Frau zur Verfügung gestellt, die gut arbeitet und vier Ochsen wert ist (Il. 23.705).

11 Esteban, 2007, S. 50

12 Schwertheim, DNP, Sp. 595

13 Krill schreibt in seinem Artikel über Briseis (S. 93), Lyrnessos sei eine kleine Stadt in der Troas, südöstlich vom Idagebirge gelegen.

14 Homer identifiziert Briseis Ehemann weder hier noch an einer anderen Stelle (Krill, S. 92). Die Scholiasten schliessen aus zumindest einer Passage, dass Mynes Briseis’ Gatte war: noiKikrog sgvqoön ron avSpog Kotvp rs Kai <s>i8iKfi npoopyopia, Kai gsrâ ranra ösiov anröv Kaksi (Schol. II. 2.692). Auf verschiedene Weise hat sie ihren Mann erwähnt, mit einer sowohl allgemeinen als auch der ihm eigenen Bezeichnung, und danach nennt sie (sc. Briseis) ihn göttlich (eigene Übersetzung). Gemäss der Ilias waren Mynes und Epistrophos Söhne des Herrschers Euenos. Da Briseis’ Mann und ihre Brüder in der Ilias nicht mit Namen genannt werden, könnte gemäss Fantuzzi der Eindruck entstehen, dass es sich bei der Figur Briseis um eine Erfindung des Epos handelt. Briseis dürfte aber auch schon vor der Ilias in der Erzähltradition um Achills Raubzüge in Lyrnessos, Theben und anderen Orten vorgekommen sein. Die Ilias bietet lediglich die notwendigsten Angaben zu einer Geschichte, die in der mündlichen Überlieferung sehr wohl bekannt war (Fantuzzi, S. 100).

15 Bloch, DNP, Sp. 778

16 Krill, 1997, S. 93

17 ibid., S. 94

18 Latacz, 2007, S. 27

19 Callen King, 1987, S. 3

20 Kramolisch, DNP, Sp. 599

21 Levin, 1949, S. 42 f.

22 Allen ausgewählten Stellen aus der Ilias wird in dieser Arbeit die deutsche Übersetzung Schadewaldts beifügt. Seine Übersetzung der Ilias ist dem Original auf Altgriechisch besonders nah. Wörter und Ausdrücke, die für die Textanalyse als besonders wichtig erachtet werden, sind in der ganzen Arbeit durch Fettdruck hervorgehoben.

23 Lloyd-Jones, 1987, S. 5

24 Pucci, 1998, S. 213. Zudem führt Wright (2016, S. 116) als Beispiel die Hochzeitsthematik auf. Dass Achill heiraten will, ist in Il. 9,393-400 festgehalten. Achill wird das aber nie tun können, weil er im Trojanischen Krieg den Tod finden wird.

25 Richardson, 1980, S. 273

26 Sigel, DNP, Sp. 76

27 Pucci, 1998, S. 195 ff.

28 Sigel, DNP, Sp. 77

29 Krill, 1971, S. 93 f.

30 Lloyd-Jones, 1987, S. 1 ff.

31 Linden, 1992, S. 111

32 Ehre ist in der homerischen Kriegswelt mit Männlichkeit verbunden. Griechische und trojanische Anführer rufen vor einem Kampf ihre Gefährten dazu auf, „Männer zu sein“. Das Fehlen der Männlichkeit dient indes dazu, einen Gegner zu erniedrigen. Diomedes etwa belächelt den Paris’ Pfeilschuss und sagt, das sei nicht der Wurf eines Mannes, sondern eines törichten Jungen oder einer Frau gewesen (II. 11.388-389).

33 Henry, 2011, S. 17

34 ibid., S. 18 ff.

35 Lloyd-Jones, 1987, S. 2 f.

36 Linden, S. 1992, S. 110

37 ibid., S. 111 f.

38 Ulf, 2004, S. 74

39 Lloyd-Jones, 1987, S. 5 f.

40 Für diese Information ist der Schiffskatalog im zweiten Gesang beizuziehen. Agamemnon brachte demnach mit 100 Schiffen das grösste Kontingent nach Troja. Achill ist mit 50 Schiffen vor Troja anwesend.

41 Pucci, 1998, S. 180 f.

42 ibid., S. 209 f.

43 Pucci, 1989, S. 183 ff.

44 Martinez Hernandez, 2012, S. 55

45 Martinez Hernandez, 2012, S. 60

46 Maximos von Tyros, 2001, S. 99

47 Fantuzzi, 2012, S. 1 f.

48 Gordesiani, 1997, S. 174 ff.

49 Gordesiani, 1997, S. 178 f.

50 Feichtinger, 1993, S. 54 ff.

51 Bradley, 2001, S. 151

52 Gordesiani, 1997, S. 178 ff.

53 Petersmann (1999, S. 371 f.) verweist in diesem Zusammenhang auf auch Odysseus und Penelope, die ähnlich wie Hektor und Andromache als Beispiel für treue und sich gegenseitig liebende Partner gelten. Penelope bleibt ihrem Mann zwanzig Jahre treu, obwohl er ihr ausdrücklich die Erlaubnis gegeben hat, einen anderen Mann zu heiraten, sobald Telemachos erwachsen sei. Sie wartet aber geduldig auf Odysseus’ Rückkehr und weist alle Freier ab. Odysseus selbst lehnt es ab, Nausikaa zu heiraten und will trotz seiner Liebesabenteuer mit mächtigen Göttinnen wie Kalypso und Circe zu Penelope nach Ithaka zurückkehren. Anders als die Ilias, in welcher Krieg und Ehre im Vordergrund stehen, kann die Odyssee als Ode an die Gattenliebe und eheliche Treue betrachtet werden.

54 Petersmann, 1999, S. 371 f.

55 Weinsanto, 1983, S. 53

56 Konstan, 1993, S. 8

57 Feichtinger, 1993, S. 58

58 Gordesiani, 1997, S. 178 ff.

59 Petersmann, 1999, S. 364 f.

60 Als Ausnahme erwähnt Petersmann Helena. Sie muss für ihre Untreue nicht mit dem Tod bezahlen. Petersmann erklärt dies aber damit, dass Helena Zeus’ Tochter und somit ursprünglich selbst eine Göttin ist. Unter Göttern führt Ehebruch eher zu komischen Situationen. Als Beispiel führt Petersmann Hephaistos auf, der seiner Frau Aphrodite eine Falle stellt, als sie mit Ares im Schlafzimmer zusammenkommt. Der Anblick der unter dem Netz gefangenen Götter führt zum sprichwörtlichen homerischen Gelächter.

61 Konstan, 1993, S. 6

62 ibid., S. 11

63 Feichtinger, 1993, S. 57

64 Dover, 1983, S. 11

65 ibid. S. 18

66 West (2012, S. 236 ff.) geht davon aus, dass bezüglich Datierung der Ilias inzwischen Konsens herrscht. Demnach dürfte die Ilias zwischen 750 und 600 v. Chr. entstanden sein. Aufgrund Untersuchungen am Text sieht er als wahrscheinlichste Entstehungszeit die Jahre zwischen 670 und 640 an.

67 Dass die Ilias das erste Epos ist, das schriftlich festgehalten wurde, ist sehr wahrscheinlich, aber nicht absolut sicher. Gemäss West (2003, S. 11 ff.) zeigt die strukturelle Analyse, dass der Dichter das Werk nicht in der chronologischen Abfolge von A bis Q erstellt, sondern viele Episoden erst später hinzugefügt habe. Die Schaffung der Ilias trieb gemäss West die Bildung eines epischen Corpus voran. Das bedeute aber nicht, dass die Kyklischen Epen in ihrer Substanz nach der Ilias entstanden sein müssen. Viel Material aus diesen Epen muss vorher schon mündlich überliefert worden sein. West geht aber davon aus, dass die Stabilisierung dieses „epischen Materials“ in fixierten Gedichten erst nach der Vollendung der Ilias erfolgte.

68 Hirschberger, 2011, S. 149

69 In der Aethiopis greifen die Amazonen in den Trojanischen Krieg ein. Einen Seitenaspekt über Liebe und Achill hat es insofern gegeben, dass Achill Thersites tötet, weil dieser behauptet, Achill sei in Penthesilea verliebt gewesen (Hirschberger, 2011, S. 151)

70 Als Memnonis wird jener Teil der Erzählung bezeichnet, in welchem mit dem Äthiopierkönig Memnon ein neuer Antagonist für Achill eingeführt wird. Einen solchen braucht es, damit die Troer nach Hektors Tod (in der Ilias) die Achäer abwehren können. Die Amazonen-Episode dürfte gemäss West (2012, S. 229) später entstanden und in die Erzählung eingefügt worden sein.

71 Burgess, 1996, S. 84 f.

72 ibid., S. 94

73 Fantuzzi, 2012, S. 101

74 Pucci, 1998, S. 208

75 Entsprechend Gordesianis Ausführungen, die im Kapitel 2.4.2 zitiert sind.

76 Fantuzzi, 2012, S. 100 f.

77 Kuhn, 2005, S. 497 f.

78 Richardson, 1980, S. 270

79 Pucci, 1998, S. 195 ff.

80 Schmid, 2013, S. 461

81 Pucci, 1998, S. 205

82 Petersmann (1999, S. 55 ff.) erinnert etwa an die Stelle im 6. Gesang, als Menelaos die Begnadigung eines Feindes erwägt und ihn Agamemnon dazu auffordert, die Feinde stets zu töten und unbestattet zurückzulassen und auch schwangere Frauen nicht zu verschonen.

83 Wöhrle, 2002, S. 232

84 ibid., S. 236

85 Ulf, 2004, S. 75

86 Erbse, Bd. I, S. 103

87 Fantuzzi, 2012, S. 117

88 ibid., S. 116 f.

89 ibid., S. 103

90 Dies sagt er selbst im neunten Gesang (412-413): „Wenn ich hierbleibe und kämpfe um die Stadt der Troer, ist mir verloren die Heimkehr, doch wird unvergänglich der Ruhm sein.“

91 Pucci, 1998, S. 201

92 Fantuzzi, 2012, S. 104

93 ibid., S. 104

94 Cf. Kap. 2.4.2

95 Fantuzzi, 2012, S. 104

Ende der Leseprobe aus 96 Seiten

Details

Titel
Die Figuren Achill und Briseïs in der Literatur. Ein Vergleich der Darstellung bei Homer und lateinischen Dichtern (100 v.Chr. - 100 n.Chr.)
Hochschule
Universität Bern  (Institut für Klassische Philologie)
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2018
Seiten
96
Katalognummer
V940895
ISBN (eBook)
9783346271297
ISBN (Buch)
9783346271303
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ilias, Homer, Achilles, Briseis, Mythologie, Rezeption, Antike, Mythos, Ilias Latina, Latein, Altgriechisch, Ehre, Ehrbegriff
Arbeit zitieren
Gabriel Haesler (Autor), 2018, Die Figuren Achill und Briseïs in der Literatur. Ein Vergleich der Darstellung bei Homer und lateinischen Dichtern (100 v.Chr. - 100 n.Chr.), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/940895

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