Das Tier in der griechischen und römischen Mythologie und im 21. Jahrhundert

Ein Vergleich


Seminararbeit, 2019

15 Seiten, Note: 2,00


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1) Warum der Mythos?

2) Augenmerk auf einige Mythen der Antike
2.1) Die Metamorphosen des Zeus
2.2) Das Rätsel und die Macht der Sphinx
2.3) Die Geburt des Pegasus
2.4) Die Sirenen : Mischwesen aus Mensch und Vogel
2.5) Athena und der Steinkauz
2.6) Harpyien - menschliche Greifvögel
2.7) Der Widder als Retter

3) Zwischen Natur und Kultur

4) Die Grenze zwischen Homo et Animalis

5) Je größer des Logos, desto kleiner der Mythos?

6) Vergleich zwischen der Antike und Heute

7) Eigene Gedankengänge zu den behandelten Mythen

Resümee

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Beziehung von Mensch und Tier ist seit jeher eine von ganz besonderer und vielfältiger Art. Doch im Rahmen meines Interesses zur griechisch-römischen Mythologie, und dem von mir besuchen Seminar „Tier-Philosophien“ stellte ich fest, dass die damalige Haltung des Menschen gegenüber dem Tier/Fabeltier wesentlich tiefer und verbundener, beziehungsweise ganz einfach anders war als sie es heute ist. Die Tatsache, dass sich antike Gottheiten der Mythologie, wie etwa Zeus, immer wieder in Tiere verwandelten, aber auch die Erzählungen und Überlieferungen von Mischwesen, wie etwa der Sphinx oder den Sirenen zeigt, dass das Verhältnis von Kultur und Natur ein anderes war. Der Umgang und die Beziehung zwischen Tieren und Menschen bzw. Göttern aus der Mythologie war ein sehr nahes und, im Gegensatz zu späteren Epochen der Geschichte, ein weitaus weniger hierarchisches. In dieser Seminararbeit soll nun die Frage behandelt werden, ob mit jenem Übergang vom Mythos zum Logos, auch der Übergang von der Natur zur Kultur gezeigt werden kann. Wenn ja, wo liegt diese Schnittstelle in der der Mensch begann diese strickte Grenze zwischen ihm und der Natur, und folglich auch zwischen ihm und dem Tier zu ziehen? Wie kann es sein, dass die westliche Kultur, mit besonderem Augenmerk auf die griechisch-römische Mythologie keinerlei Probleme hatte, sich als Teil der Natur, also des Tieres zu sehen, und heute, in der Moderne, das Tier als etwas unter sich Stehendes sieht? Kann man also tatsächlich davon sprechen, dass der Übergang vom Mythos zum Logos ebenfalls jener markante Übergang von der Natur zur Kultur ist? Ist es jener Übergang, an dem sich der Mensch begann immer mehr und mehr von der Natur zu distanzieren? Und wenn ja, warum? Um den Versuch zu vollziehen, diese Thematik zu beantworten, werde ich ausgewählte Literatur aber auch separiert angeführte, eigene Überlegungen und Beobachtungen einbeziehen. Im ersten Teil meiner Arbeit wird das Augenmerk auf Fachliteratur und der Sammlung einiger ausgewählter Mythen, mythologischen Gestalten und Gott-Mensch-Tier Beziehungen, wie etwa Athena und die mit ihrer Weisheit assoziierte Eule liegen, um anschließend im zweiten Teil der Arbeit diese mit eigenen Überlegungen fortzusetzen. Zuzüglich möchte ich darauf hinweisen, dass ich hauptsächlich die griechischen Eigennamen etc. verwenden werde, wobei es stets eine römische Entsprechung gäbe. Ausnahmen sind Textstellen beim Zitieren. In diesem Sinne, viel Freude beim Lesen.

1) Warum der Mythos?

Das griechische Wort Mythos bedeutet im Grunde nichts anders als „Worte“.(Rose 2007:S. 1) Wir Menschen sind Sinn suchende Wesen. Diesen gewünschten Sinn in allem zu finden, ist selbst heute mit dem wissenschaftlichen Fortschritt nicht immer möglich. Um sich also in diesem Chaos des Daseins zurechtzufinden, schuf sich der Mensch somit eben sogenannte Mythen. (Armstrong 2007:S.8)

Dies ist der Grund weshalb Mythen iim laufe der Zeit immer mehr und mehr verschwunden sind. Früher glaubten die Menschen, dass Götter, Menschen, Tiere und auch die Natur untrennbar miteinander verbunden sind. Somit war diese ontologische Kluft zwischen unserer irdischen Welt und der überirdischen Welt der Götter nicht gegeben. Naturkatastrophen und sonstiges Unerklärbares wurde eben durch diese sogenannten Mythen plausibel erläutert und halfen dem Menschen gewissermaßen seinen Platz, in dieser oftmals ihm unerklärbaren Welt zu finden. (Armstrong 2007:S.11)

Heutzutage sprechen wir höchstens noch von einem Mythos, wenn wir etwas als unwahr, oder weit hergeholt abtun wollen. Ob dies nun Glücks oder Unglücksfall ist sei dahingestellt. (Armstrong 2007:S.12) Tatsache ist jedoch, dass wäre der Mythos früher wie heute der genannten Definition des Unwahren unterlegen, wären jene der griechisch/römischen Kultur wohl nicht so lange erhalten geblieben und es wäre nun nicht möglich ihr Verhältnis zum Tier zu untersuchen.

Ein Mythos ist aber immer auch eine Widerspiegelung des Fortschritts des Menschen. Die Mythen die bleiben sind die, die wir nach dem Stand unserer wissenschaftlichen Entwicklungen immer noch nicht klären können. (Armstrong 2007:S.16)

2) Augenmerk auf einige Mythen der Antike

Da es ein Frevel wäre zu glauben, eine einzige Arbeit würde reichen, um die gesamte griechisch/römische Mythologie und alle nennenswerten Mythen derer, mit Augenmerk auf Tiere zu beleuchten, werde ich in diesem Kapitel einige herausgreifen die meines Erachtens nach für meine behandelnde Thematik besonders wichtig sind. Zunächst werde ich also eine Art kleine Einführung in die zu diesem Thema relevanten Mythen geben, und anschließend im zweiten Abschnitt meiner Arbeit eigenen Überlegungen diesbezüglich hinzufügen.

2.1) Die Metamorphosen des Zeus

Gleich beginnen möchte ich mit den zahlreichen Metamorphosen des Zeus, dem Göttervater, der im römischen auch Jupiter genannt wird. Er soll dem weiblichen Geschlecht nicht abgeneigt gewesen sein, und zahlreiche seiner sterblichen Angebeteten nur deshalb erobern haben können, weil er dies in Gestalt eines Tieres tat. (Abenstein 2012:S.31)

Ein für uns heute noch wesentlicher Mythos der antiken Griechen ist der Raub der Prinzessin Europa, die unter anderem in den „Metamorphosen“ des römischen Dichters Ovid beschrieben wird.

Der Göttervater mischt sich in Gestalt eines schneeweißen Stieres unter eine Rinderherde die ganz in der Nähe der von Europa und ihren Freundinnen weidet. Er nimmt Europa die Angst, gewinnt ihr vertrauen und ohne zu wissen, dass es sich um den Göttervater handelt, setzt sich die schöne Prinzessin auf den Rücken des Stieres der sie fort trägt. (Ovid,1994:S.121)

„ Der Gott der durch sein Nicken die Welt erschüttert, 850 nimmt, die Gestallt eines Stieres an, mischt sich unter die Jungstiere, muht und spaziert anmutig durch die zarten Gräser.“ (Ovid 1994:S.121)

„Es wagt die Königstochter sogar, ohne es zu wissen ,auf wem sie ritt, sich auf den Rücken des Stieres zu setzen.870“ (loc. cit.)

Ein weiterer Ausschnitt, in dem klar wird, wie häufig sich Zeus verwandelte, um Frauen zu täuschen ist folgender aus dem Mythos über Arachne: „...110 sie fügte hinzu, wie Jupiter, in der Gestalt eines Satyrs schwängerte, wie er Amphitryon war, als er dich, Tiryntherin, nahm, wie er Danae als goldener Regen, die Asopustochter als Feuer täuschte , Mnemosyne als Hirte, die Tochter der Deo als schillernde Schlange.“ ( Ovid 1994: S.287)

2.2) Das Rätsel und die Macht der Sphinx

Die Sphinx ist genauso wie die Sirenen oder auch die Harpyien ein Mischwesen. Ihren Ursprung hat sie in Ägypten, wo sie Ausdruck der Vielfältigkeit des Königs, nämlich die Symbiose von höchstem Denkvermögen und physischer Kraft sein sollte, als ein Mischwesen mit Löwenleib und Menschenkopf gesehen. Die Griechen fügten später in ihrer Mythologie noch Vogelflügel hinzu. Nicht immer war ihre Geschichte so untrennbar mit ihrem erstmals durch Ödipus gelöstem Rätsel verbunden. Die Spinx lauerte stets auf einem Felsen vor den Mauern Thebens auf neue Opfer ihres „unlösbaren“ Rätsel und tötete jeden, der fehlte. (Abenstein 2012:S.119)

2.3) Die Geburt des Pegasus

Das Haupt der sterblichen Gorgo Medusa war übersät mit Haaren bestehend aus Schlangenköpfen. Jeder der es wagte sie anzublicken, wurde augenblicklich in Stein verwandelt. Perseus dem es durch Rat der Athena und als Ausrüstung von den Nymphen Tarnkappe, Flügelschuhen Zaubertasche sowie von Hermes die Titanenwaffe das Sichelschwert erhielt, machte sich auf dem Weg um diese zu enthaupten. Aus jenem Blut, das aus dem grässlichen, mit Schlangen übersäten Haupt floss, ist der Pegasus, das geflügelte Pferd, welches dem Bellerophon noch bei vielen später Heldentaten und noch später den Göttern als Blitzträger treu zur Seite stand, entsprungen. Nach einigen anderen Version soll auch Perseus selbst als erster auf dem edlen, geflügelte Pferd davon geritten sein. (Abenstein 2012:S.137-138)

2.4) Die Sirenen : Mischwesen aus Mensch und Vogel

Göttervater Zeus hatte zusammen mit der Nymphe Mnemosyne (Erinnerung) neun, lediglich an Tanz und Gesang denkende Töchter. Dies waren die neun Musen. Am Olymp und am Helikon hatten sie Palast und Tanzfläche. Eines Tages kam ein Makedone namens Pieros dessen Töchter, die Pieriden, mit den göttlichen Musen in Wettstreit traten. Natürlich war der Gesang der Musen von höchster Schönheit und die „falschen“ Musen, die Pieriden, wurden als Strafe für ihre Anmaßung in Dohlen verwandelt. Dies ist die Geschichte der Entstehung der Sirenen, die Dohlen mit menschlichem Kopf sind. (Abenstein 2012:S.29-30)

2.5) Athena und der Steinkauz

Athena soll der Mythologie nach als erwachsene Göttin, gewappnet mit Speer, Schild und Helm aus dem Schädel des Zeus, ihrem Vater, entsprungen sein, nachdem dieser ihre Mutter, die mit Athena schwanger war, aufgefressen haben soll. Der Name von Athenas Mutter, Metis, welcher übersetzt „Kluger Rat“ bedeutet, prädestinierte wohl schon Athenas Schicksal als Göttin der Weisheit, Bildung und Patronin der Philosophen und Dichter. Durch ihre Weisheit und die damit einhergehende, häufige Darstellung in Kriegerrüstung, wird sie auch als Göttin des „gerechten“ Kampfes zum Schutz der Heimat gesehen. Im Gegensatz zu Ares, der blutige Kämpfe liebt. Ihr Attribut ist bis heute der Steinkauz, eine kleine Eulenart. (Abenstein 2005:S.60-61)

2.6) Harpyien — menschliche Greifvögel

Zu den Harpyien gibt es nicht viel zu sagen, außer, dass es geflügelte, frauengestaltige Windgeister waren. (Auenstein 2012:S.158) Nennenswert sind sie nur, weil auch sie genauso wie der Minotaurus, die Zentauren und Sirenen ein Beispiel für in der Antike durchaus akzeptierten Mischwesen sind.

2.7) Der Widder als Retter

Unvorstellbar und wohl von niemandem als glaubhaft anerkannt, wäre der Mythos um einen geflügelten Widder mit goldenem Vlies, der durch eine Gottheit, dem Hermes, gesannt worden war, um Kinder vor der Hinrichtung zu bewahren. (Abenstein 2012:S.155) Interessant in dieser Causa wird später bei den eigenen Überlegungen auch noch sein, dass die Attribute des Hermes, Flügelschuhe, Flügelkappe und der Zauberstab mit dem achtförmig geschlungenem Ende ist. (Abenstein 2012:S. 69)

3) Zwischen Natur und Kultur

In diesem, und in den folgenden Kapiteln meiner Arbeit möchte ich nun noch einige eigene Überlegungen und Reflexionen einbringen, da ich vermeiden möchte, dass diese Seminararbeit als rein paraphrasierte endet. Somit möchte ich sogleich mit der Thematik Natur und Kultur beginnen. Seit beginn der Zeit, scheint es dem Menschen ein Urinstinkt zu sein, für alles was er nicht zu verstehen vermag oder sich keine natürliche Erklärung bietet, eine Art höhere Ebenen der Rechtfertigung anzustreben. Wir nutzen unsere Fähigkeit der Fantasie und Vorstellung um hoffnungsvoll einen tieferen Einblick in Dinge wie etwa das, was nach dem Tod passiert, zu verstehen. Dies pflegte der Mensch damals wie heute zu tun. Jedoch hat sich die Art und Weise wie wir Mythen erfinden und zu ihnen stehen zweifellos im Wandel der Zeit verändert. Bemerkenswert allerdings ist der Aspekt, dass zahlreiche Mythen der griechisch/römischen Kultur zwar versuchten ähnliche Dinge wie heute zu erklären, jedoch teilweise durch ihren Inhalt der damals ein sehr enges Verhältnis zwischen Menschen, Gottheiten und vor allem Tieren beschriebt, als minder entwickelt oder gar verachtenswert angesehen wird. Das Verhältnis zu Mensch und Tier war ein wesentlich engeres, mit weniger Distanz. Und trotz allem, blieben manche Assoziationen mit bestimmten Tieren erhalten. Wie etwa Athena, die Göttin der Weisheit, die stets in Begleitung ihres Steinkauzes war, der bis heute als Symbol der Philosophie steht. Aber auch die des Pegasus der aus der Nackenfalte der Medusa entsprang und später Blitzträger für die Götter wurde, dessen Mythos wohl das Bild des treuen Pferdes als Begleiter und Gehilfe bis heute prägt.

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Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Tier in der griechischen und römischen Mythologie und im 21. Jahrhundert
Untertitel
Ein Vergleich
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Note
2,00
Autor
Jahr
2019
Seiten
15
Katalognummer
V940910
ISBN (eBook)
9783346270955
ISBN (Buch)
9783346270962
Sprache
Deutsch
Schlagworte
tier, mythologie, jahrhundert, vergleich
Arbeit zitieren
Julia Deutschmann (Autor), 2019, Das Tier in der griechischen und römischen Mythologie und im 21. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/940910

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